Lasst doch den Christen ihre Diskriminierung

Das britische Supreme Court, das höchste Gericht Englands, hat entschieden, dass ein christliches Ehepaar kein Recht hatte, einem homosexuellen Paar die Übernachtung in seinem Hotel zu verweigern. Steve Preddy und Martyn Hall klagten sich bis zum höchsten Gericht durch und erhielten Recht. Nun muss auch das letzte Hotel in England Schwulen Unterkunft gewähren.

Oberflächlich betrachtet könnte man das als gesellschaftlichen Fortschritt ansehen. Näher betrachtet ist es aber kein gesellschaftlicher Fortschritt, sondern ein staatlicher Eingriff in das Hausrecht von Hotelbesitzern, sowie in ihre moralischen Überzeugungen – und in jene von allen anderen Unternehmern. Hier muss man eine ganze Menge differenzieren, wenn schon nicht diskriminieren.

Der Staat hat die Aufgabe, die Rechte von Individuen zu schützen. Vor allem vor sich selbst, aber auch vor einer Verletzung durch andere Individuen. Die Krux ist nur: Es gibt (will heißen: es lässt sich nicht philosophisch schlüssig begründen) kein Recht, in jedem Hotel unterzukommen, in dem man gerne unterkommen möchte. Außer in Notfällen. Der Eigentümer des Hotels verletzt nicht Ihre Rechte, wenn er Ihnen nicht gestattet, sein Hotel zu betreten. Weil es sein Hotel ist und nicht Ihres. Ebenso wie jeder Privatmann nicht Ihre Rechte verletzt, wenn er nicht möchte, dass Sie seine Wohnung betreten. Dieses Recht nutzten Hoteliers in Deutschland, um Neonazis nicht bei sich zu beherbergen. Auch davon halte ich nichts (verirrte Schafe brauchen auch ein Nachtlager), aber es ist ihr Recht.

Im hiesigen Philosophiebereich steht, dass die Marktkräfte neben dem Minimalstaat das Böse unschädlich machen. Das lässt sich anhand dieses Falles recht einfach aufzeigen. Wenn Steve Preddy und Martyn Hall nicht im Hotel des christlichen Ehepaares unterkommen, dann werden sie eben in einem anderen Hotel übernachten. Also macht das andere Hotel den Gewinn, den das Hotel des christlichen Ehepaares sich selbst verwehrte. Zudem ist die Diskriminierung von Homosexuellen nicht mehr angesagt, weshalb auch andere potenzielle Gäste abgeschreckt werden. Vielleicht gibt es genügend Homophobe in England, um ein Hotel mit ihnen zu füllen. Aber es ist höchst unwahrscheinlich, dass sie alle immerzu dort übernachten möchten. Ein Hotel, das keine schwulen Paare bei sich aufnimmt, tut sich keinen Gefallen. Darum wird es nicht gleich Pleite gehen. Aber es ist ein ökonomischer Nachteil.

Das schwule Paar hat sich vor Gericht über seine verletzten Gefühle beschwert, als Preddy und Hall hörten, dass sie nicht im Hotel des christlichen Ehepaars übernachten durften. Sie fanden es „sehr verletzend“. Aber verletzte Gefühle sind keine verletzten Rechte.

Wie der Anwalt John Holbrook im britischen Spiked Magazin schrieb: „Das Problem hier ist nicht, wie es erscheint, nur eine Ohrfeige für Christen. Es ist eine Ohrfeige für das Recht aller Individuen, von staatlicher Kontrolle unabhängig zu leben, solange es keinen zwingenden Grund für eine Intervention gibt.“

Schließlich bedeutet das Urteil, dass traditionelle Christen ihr Einkommen nicht länger im Einklang mit ihren moralischen Überzeugungen erzielen können. Man mag nun von diesen Überzeugungen halten, was man will, aber mit ihrem Hausrecht hat das Ehepaar auch seine Gewissensfreiheit verloren. Und davon halte ich gar nichts.

John Holbrook: „Gleichbehandlungsgesetze haben die Macht des Staates erheblich erweitert. Für jedes christliche Ehepaar, das über die heißen Kohlen des Gleichbehandlungsgesetzes gejagt wird, gibt es andere, die sich davor fürchten, zu sagen oder zu tun, was sie für richtig halten.“

2 Kommentare zu “Lasst doch den Christen ihre Diskriminierung

  1. Dr. Webbaer sagt:

    „Profikorrekt“ wäre es halt gewesen die Gäste auf Grund des ersten Eindrucks nicht anzunehmen oder auf Grund bestimmter Ereignisse des Hauses zu verweisen ohne einen Grund zu nennen.

    So machen es die Arbeitgeber mittlerweile.

    So wären auch die Rechtspfleger und insbesondere die Rechtsgeber gezwungen die gesetzlichen Maßgaben anzupassen und zwar in Richtung Beweisumkehr.
    D.h. dann könnte -eine geeignete Gesetzeslage vorausgesetzt- seitens des abgelehnten Geschäftspartners oder Kunden wild proklamiert werden und die Anbieter der Dienst- oder Warenleistung wären gezwungen zu beweisen, dass sie unschuldig sind.

    Ganz nebenbei wäre so auch die mindere Sittlichkeit und auch Widersprüchlichkeit nachgewiesen, die eine derartige Gesetzeslage mit sich bringt bzw. mit sich bringen muss.

    MFG
    Dr. W

  2. Dr. Webbaer sagt:

    Hier ein aktueller Fall:
    ‚Konditor droht Haft‘ – ‚Dort hatte sich der Besitzer einer Bäckerei geweigert, Kuchen für die Hochzeitsparty zweier Männer zu liefern – und sich dabei auf seine christlichen Überzeugungen berufen.‘
    -> http://www.spiegel.de/panorama/keine-hochzeitstorte-fuer-schwules-paar-klage-gegen-us-baecker-a-937300.html

    Das fett Markierte geht heutzutage anscheinend nicht mehr in den Staaten.

    MFG
    Dr. W

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