Virtuelle Gulag-Tour eröffnet

Das russische „Museum Gulago“ hat nun die sowjetischen Gefangenenlager namens „Gulags“ aufwändig dokumentiert und die Materialien in einem virtuellen Museum öffentlich zugänglich gemacht (auch auf Englisch):

http://gulag.cz/en/virtualni-prohlidka-gulagu.html

Die deutschen und polnischen Konzentrationslager der Nazis sind gut dokumentiert und als Museen öffentlich zugänglich, aber die russischen Gulags, wo die Kommunisten unter anderem ihre politischen Gegner unterbrachten, die ließ man bislang einfach in der Ödnis stehen und verrotten. Kein Witz. Die Mitarbeiter des Museum Gulago haben selbst kürzlich erst die baulichen Reste der Lager ausfindig gemacht. Dafür haben sie sich sogar mit Macheten und Kettensägen durch die russischen Wälder kämpfen müssen!

Die Gulags dienten zwar nicht zur unmittelbaren physischen Vernichtung der Gefangenen, im Unterschied zu KZs, aber die Lebensverhältnisse dort waren so schlecht, dass im Ergebnis von 1918 bis 1991 ungefähr 40 Millionen (konservative Schätzung) Menschen in den Gulags ums Leben kamen. Die Opferzahl ist also durchaus mit den vielen Millionen KZ-Opfern vergleichbar, auch wenn man den kürzeren Zeitraum einbezieht. Die grundlegende Ideologie der Totalitarismen war im Kern ähnlich: Die Gruppe (Volk/Klasse) ist alles, du bist nichts. Da jeder Mensch ein Individuum ist, wird er in einem solchen System schnell zu „nichts“ reduziert.

Die Lager wurden von Lenin etabliert und von Stalin am stärksten genutzt. Auch Chruschtschow und Breschnew ließen ihre politischen Gegner in Gulags unterbringen. Erst Gorbatschow ließ die Lager wirklich auflösen (sie wurden nach Stalins Tod 1953 etwa um 1960 kurz aufgelöst, aber von Chruschtschow neu organisiert. Dann nannten die Kommunisten die Gulags „Besserungsarbeitskolonien“).

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