Wir sind Kapitalisten

„Wir sind keine Kapitalisten“, sagte Parteichef Christian Lindner laut SZ über die FDP. Er glaubt, „unsensible Äußerungen“ und ein „schlechter Umgang miteinander“ wären die Gründe für die Stimmenverlust der FDP. Sind sie nicht. Grund für den Stimmenverlust der FDP ist der Eindruck, dass die Partei für nichts steht – der sich nun wieder erhärtet.

Christian Lindner sagte im Süddeutsche-Interview:

„Wir sind keine Kapitalisten. Der Kapitalist liebt nicht den Markt und den Wettbewerb. Er will das Monopol, um die größtmöglichen Gewinne zu erzielen.“ Der Marktwirtschaftler dagegen kämpfe für den Wettbewerb, so Lindner, weil er die „Macht Einzelner über Viele begrenzt“.

Das Kartellamt tut nichts anderes, als in die freie Vertragsbildung einzugreifen. Manche Unternehmen sind „zu gut“ und das stört andere Unternehmen sowie Leute, die das Gute nicht mögen, weil es besser ist als sie. Solange niemand gewaltsam gezwungen wird, einem Kartell oder Monopolisten beizutreten, werden keine Rechte verletzt und der Staat sollte sich heraushalten. Solange jeder das Recht hat, sein eigenes Unternehmen zu gründen oder bei der Konkurrenz mitzumachen, hält sich jeder an die Spielregeln, die man vernünftigerweise einfordern kann.

Natürlich ist das aufgrund staatlich „geretteter“ Banken, Aufsichtsräten in der Politik und Gilden (staatliche Zwangskartelle) wie der Industrie- und Handelskammer so nicht in Deutschland gegeben. Wäre es das, bräuchte man auch keine Partei, die den Kapitalismus anstrebt. Wie ich im Philosophiebereich schreibe:

Der Kapitalismus ist ein System, das auf der Anerkennung individueller Rechte, einschließlich Eigentumsrechte, beruht, in dem die einzige Funktion der Regierung darin besteht, individuelle Rechte zu schützen, das heißt, Menschen vor jenen zu schützen, die den Gebrauch physischer Gewalt initiieren. (Ayn Rand)

Der Laissez-faire-Kapitalismus ist das einzige politische System, in dem es keine systematische Ausbeutung gibt. Der Grund lautet, dass Menschen im Kapitalismus ausschließlich im gegenseitigen Einverständnis, als Resultat freier Willenserklärungen, miteinander umgehen dürfen. Niemand darf irgendwen zu etwas zwingen, das er nicht tun möchte. Das ist die Essenz des Kontraktualismus, der Vertragstheorie, die dem Kapitalismus zugrunde liegt. Ich schreibe, es gebe keine „systematische“ Ausbeutung im Kapitalismus, weil manche Menschen stets gesetzeswidrig handeln werden.

Wenn in manchen Regionen zehn Prozent eines Jahrgangs ohne Schulabschluss blieben, dann sei das nicht nur sozialer Sprengstoff und volkswirtschaftlich eine enorme Belastung. „Es ist auch ethisch nicht vertretbar.“ Als Reaktion fordert Lindner früh in Bildung zu investieren, also in Kitas, Kindergärten, Grundschulen und Schulen.

Ist es nicht vielmehr so, dass zehn Prozent eines Jahrgangs in manchen Regionen ohne Schulabschluss bleiben, obwohl der Staat ihnen eine kostenfreie Bildung bis hin zum Studium ermöglicht? Und sollte man sich da nicht irgendwann die Frage stellen, ob wirklich etwas, das nicht funktioniert, schon irgendwann funktionieren wird, wenn man nur noch mehr Geld reinsteckt?

Solange die FDP nur weint, wie sehr sie missverstanden wird, anstatt bei allem Gegenwind unerschütterlich für liberale Positionen einzustehen, wird sie auch kein Liberaler wählen. Ihr seid vielleicht keine Kapitalisten, aber eure potenziellen Wähler schon.

Literaturtipp:

Ludwig von Mises: Capitalism

5 Kommentare zu “Wir sind Kapitalisten

  1. sba sagt:

    „Wettbewerb…die Macht Einzelner über Viele Begrenzen“

    Fehler gefunden, und er wiegt schwer: Der Zitierte Satz, auf die Wirtschaft bezogen (und der Kontext gibt leider nichts anderes her, obwohl die Semantik eigentlich auf Politik hin deutet), impliziert, dass Lindner Marxens Analyse der wirtschaftlichen Strukturen samt deren Wertungen (in Aktion neulich auch zu bewundern in Frankreich beim Thema „Illegalisierung der Prostitution“ durch Hollande) vollständig geschluckt hat, wie sie bereits im Manifest der Kommunistischen Partei zu bestaunen ist. Mindestens. Mit etwas mehr Pech den ganzen ML-Kram. Mit solchen „Verbündeten“ braucht man keine Gegner mehr.

    Einen ähnlichen Bock hat tagesschau.de geschossen, als sie die Varianten der FDP mit der SCheinalternative „Marktfreiheit oder Chancengerechtigkeit“ zusammen fasste ( http://www.tagesschau.de/inland/fdp846.html )

  2. spkr sagt:

    Bedeutet das, dass der Laissez-faire-Kapitalismus keinerlei Kartellamt zulässt? Also auch wenn ein Monopol oder Oligopole ihre wirtschaftliche Macht schamlos ausnutzen, zum Beispiel durch hohe Preise, Preisabsprachen oder das aktive Verdrängen von Markteinsteigern/Konkurrenten, ist das alles legitim?

    Wie ist dann aber folgendes Szenatio zu Werten, wenn ein reicher Marktteilnehmer künstlich die Preise für Nahrungsmittel/Wasser/… hochtreibt und sozusagen den weniger Betuchten alles wegkauft.Oder ein lokales Wassversorgungmonopol bestimmte Leute vom Verkauf ausschliesst.
    Mir ist klar, dass alles nur kurzfristig möglich ist (welche irrationalen Absichten auch immer dahinter stecken könnten); aber das versetzt die Betroffenen doch durchaus in eine (kurzfristige aber dennoch evtl. tödliche) Zwangslage aus der sich diese (legitimerweise) befreien wollen, was aber nur durch das Eingreifen in Rechte (Eigentum,…) der Monopolisten oder durch staatliche Intervention möglich ist.

    Wäre es nicht sinnvoll diesem vorbeugend gesetzliche Grenzen zu setzen und deren Einhaltung im Sinne eines Kartellamts zu überwachen?

    Oder war genau soetwas mit diesem Satz gemeint?
    “ Solange niemand gewaltsam gezwungen wird, einem Kartell oder Monopolisten beizutreten, werden keine Rechte verletzt und der Staat sollte sich heraushalten.“

    • Also auch wenn ein Monopol oder Oligopole ihre wirtschaftliche Macht schamlos ausnutzen, zum Beispiel durch hohe Preise, Preisabsprachen oder das aktive Verdrängen von Markteinsteigern/Konkurrenten, ist das alles legitim?

      Wenn mit dem „aktiven Verdrängen“ irgendeine kriminelle Handlung wie Erpressung, Betrug, Mord gemeint ist, dann nicht. Ansonsten schon.

      wenn ein reicher Marktteilnehmer künstlich die Preise für Nahrungsmittel/Wasser/… hochtreibt und sozusagen den weniger Betuchten alles wegkauft.Oder ein lokales Wassversorgungmonopol bestimmte Leute vom Verkauf ausschliesst.

      So etwas ist noch nie geschehen und wird nie geschehen. Auf die Widerlegung dieser Behauptung werde ich bis an mein Lebensende warten. Zudem klingt „wegkauft“, als wäre das Kaufen eine verwerfliche Handlung. Ist sie nicht. Wenn dir jemand etwas freiwillig verkauft, dann kannst du es kaufen. Es gibt im Laissez-faire-Kapitalismus praktisch keine echten Monopole. Wenn jemand zu hohe Preise verlangt, dann kann immer ein neuer Anbieter den Markt betreten und ihm Konkurrenz machen.

      Wäre es nicht sinnvoll diesem vorbeugend gesetzliche Grenzen zu setzen und deren Einhaltung im Sinne eines Kartellamts zu überwachen?

      Nein, es ist nicht sinnvoll, dem Staat zu erlauben, in die Rechte seiner Bürger einzugreifen, mit der Begründung, irgendwelche fantastischen Szenarien, die nicht existieren und nie existiert haben (im Kapitalismus) könnten eintreten. Außerdem: Würden wir jedem ein Recht auf Leben gewähren, könnten nicht manche Menschen das Recht dazu missbrauchen, anderen ihr Leben zu nehmen? Ja. Sollten wir darum lieber niemandem ein Recht auf Leben gewähren und somit vorsorgen? Nein.

      • spkr sagt:

        „Wenn mit dem “aktiven Verdrängen” irgendeine kriminelle Handlung wie Erpressung, Betrug, Mord gemeint ist, dann nicht. Ansonsten schon.“

        Da dachte ich z.B. an Fälle wie damals, als Intel dem MediaMarkt seine Produkte verbilligt angeboten hat, wenn MM im Gegenzug keine AMD-Rechner verkauft.
        Oder wenn ein großer Konzern (z.B. GM vs. Opel) Markteinsteiger oder Konkurrenten aufkauft und dann (auf dem eigenen Markt) aushungern lässt.
        Aber da all diese Verträge in gegenseitigen Einvernehmen geschlossen wurden und letztlich keinerlei Individualrechte verletzt werden, ist eine staatliche Intervention also nicht i.O..

        „Es gibt im Laissez-faire-Kapitalismus praktisch keine echten Monopole. Wenn jemand zu hohe Preise verlangt, dann kann immer ein neuer Anbieter den Markt betreten und ihm Konkurrenz machen.“

        OK, das bedeutet die Hürden zum Betreten können zwar immens hoch sein, wie es heutzutage in manchen Branchen der Fall ist (Know-How/Patente bei Pharma, Fertigungsprozessen, Technologie) aber theoretisch wäre mit sehr viel Geld und jahrezehntelanger Forschungsarbeit ein kompetitiver Markteinstieg möglich. Und wenn die Preise des „Monopolisten“ nur hoch genug sind, wird das auch irgendwann jemand tun. Bis dahin muss man als Konsument eben preislich in den sauren Apfel beissen.

        Das lässt sich also so zusammenfassen, dass im Laissez-faire-Kaptialismus die inviduellen Rechte (inkl. Vetragsfreiheit) vor der Markteffizienz stehen; aber als „Nebeneffekt“ wird sich der Markt dennoch langfristig effizient entwickeln.

        Dann stellt sich aus meiner Sicht nur noch die Frage nach der Zuteilung von Ressourcen. Wie wird denn „initial“ (Robinson Crusoe Szenario) festgelegt, was wem gehört? Oder werden Besitzverhältnisse aus Sicht des Laissez-faire-Kapitalimus bereits als Prämisse vorausgesetzt?

    • haroldfranciscallahan sagt:

      Wäre es nicht sinnvoll diesem vorbeugend gesetzliche Grenzen zu setzen und deren Einhaltung im Sinne eines Kartellamts zu überwachen?

      Die Kartellbildung ist ähnlich wie der sogenannte Manchester-Kapitalismus primär Legende der Kollektivisten.
      Es mag in außerordentlich seltenen Fällen eine derartige Symptomatik geben, der dann auf Grund von Notstandsgesetzen entgegengewirkt werden darf, seitens des freiheitlichen Rechtsstaats (vs. „Kapitalismus“), aber grundsätzlich ist die sogenannte meist behauptete Kartellbildung nichts anderes als das Eingangstor der Kollektivisten.

      Der Schreiber dieser Zeilen, der sozial liberal („ordoliberal“) ist, in Abweichung zum klassischen Liberalismus, den andere vertreten, kann hier nur ergänzen, dass Herr Müller und andere nur darin recht haben, wenn sie Misshandlungen des allgemeinen Wirtschaftsbetriebs so einordnen, wie sie es tun.

      Harry

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