Ruhe in weiß gewaschener Weste

Nelson Mandela hat viel Gutes bewirkt. Im Gegensatz zu Mohandas Gandhi ist es ihm gelungen, eine Kolonialherrschaft zu beenden, ohne einen Bürgerkrieg zu entfachen. Seine Politik der Versöhnung hat das Schlimmste verhindert.

Angesichts der zahlreichen innenpolitischen Probleme in Südafrika und der desaströsen Politik seiner Nachfolger Thabo Mbeki and Jacob Zuma war Mandelas Erfolg aber nicht perfekt. Zudem war Mandela ein überzeugter Kommunist und mit Diktatoren wie Castro und Gaddafi befreundet.

Von all dem und den weiteren Schmutzflecken auf Mandelas Weste, die in meinem Artikel Die dunkle Seite von Nelson Mandela nachzulesen sind, erfährt man praktisch nichts in den Mainstream-Medien.

Darum fiel mein Artikel auch relativ einseitig aus, um diese gleichgeschaltete Darstellung auszugleichen. Fast überall gilt Mandela nun als säkularer Heiliger, der nicht angetastet werden darf. Er sei „Der letzte große Mann“ (FAZ), trat ein „Für Versöhnung und Freiheit“ (Tagesschau) und „Mandela verkörperte die Macht der Sanftmut“ (Die Welt). Wie es ausschaut, ist Jesus zurückgekehrt und kürzlich wieder gestorben.

Wem man mit dem Verschweigen von Tatsachen den größten Gefallen tut, ist klar. Nämlich jenen, die nicht als Aufklärer unterwegs sind (mir macht das hier überhaupt keinen Spaß und es bringt mir fast nichts außer Beleidigungen ein), sondern die Mandela ablehnen, weil sie die Apartheid für gar nicht so falsch halten. Die können nun auf ihren Rassisten-Blogs über die Lügen, Auslassungen und Verzerrungen der Medien schreiben. Da einiges davon faktisch korrekt ist, wird der ganze Mist von vielen Leuten gleich mitgeschluckt. Auch aus dem Grund sollten Medien objektiv sein. Und nicht die Aufgabe der Kirche übernehmen, Menschen zu unfehlbaren Heiligen zu erklären. Wie sie es schon mit Mutter Teresa und Mohandas Gandhi getan haben, ebenso unberechtigt.

Tim Graham, der Direktor der amerikanischen „Media Analysis“-Abteilung des „Media Research Center“ zeigt auf, dass auch die amerikanischen Medien bereits bei Mandelas Freilassung 1990 in fröhlicher Eintracht den Mann in den Himmel lobten, ohne auf seinen Kommunismus, seine Diktatoren-Freunde oder seine Mit-Verantwortung für den Terrorismus (was nicht heißen soll, dass er selbst ein Terrorist war, sondern seine Partei ANC griff zu terroristischen Mitteln) einzugehen.

Mit einer aus dieser einseitigen Berichterstattung resultierenden Geisteshaltung wurde ich nun in Reaktion auf meinen kritischen Artikel konfrontiert. Die Menschen wollen Mandela als großes Idol, als perfekten Heiligen sehen und anerkannt wissen. Wer widerspricht, muss zu den Bösen gehören, die Mandela bekämpfte. In England wurde sogar ein Mann verhaftet und acht Stunden lang festgehalten, weil er zwei schlechte Witze über den damals schwerkranken Mandela gemacht haben soll. Eine solche Geisteshaltung ist typisch für mittelalterliche Bauern und ihren Umgang mit jenen, die an ihren Heiligen zweifelten. Sie ist untypisch für eine aufgeklärte, freie Nation. Offenbar gibt es aber genügend Menschen, die mein Ideal einer aufgeklärten, freien Gesellschaft nicht teilen und die Menschen lieber verdummen und ihre Meinungen gleichschalten möchten.

Literatur

Daniel Greenfield: The Mandela Myth

Bruce Thornton: Nelson Mandela, Western Saint

2 Kommentare zu “Ruhe in weiß gewaschener Weste

  1. woodybi sagt:

    Dabei hat er es selbst gesagt. Man muss halt nur die richtigen Zitate finden.

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