Barbara Branden ist tot

Am 11. Dezember 2013 ist Barbara Branden gestorben. Sie gehörte zum „inneren Kreis“ um die Philosophin Ayn Rand. Ihr Mann Nathaniel Branden hatte eine Affäre mit Rand, der Barbara und Rands Ehemann Frank O’Connor mit wenig Begeisterung zustimmten. Die Affäre hatte die Konsequenzen, die man als Objektivist erwarten würde und die ausgerechnet von Rand nicht vorhergesehen wurden. Ayn Rands Gründe für die Affäre waren ihre Fantasien über Dreiecksbeziehungen, die in vielen ihrer Bücher eine Rolle spielen, ihr Wunsch nach einem intellektuell ebenbürtigen Partner (was ihr Mann nicht war) und ihr Wunsch nach der sexuellen Initiative des Mannes (die O’Connor nicht zeigte). Geht uns das eigentlich etwas an? Wie beim Tagebuch von Anne Frank habe ich bei Rand-Biografien immer wieder den Eindruck, dass mich das eigentlich nichts angeht und ich es auch nicht wissen will. Leider ist es aber schon zu spät, da die Details von Rands Liebesleben bereits Gegenstand vieler öffentlicher Streitereien waren.

Immerhin kann man eine Lehre daraus ziehen. Wer sich in einer ernsthaften Beziehung befindet, sollte niemals eine Affäre beginnen. Wer Probleme mit dem Partner hat, sollte diese lösen oder die Partnerschaft beenden.

Am Ende brach Rand mit den Brandens und nach dem Tod ihres Ehemanns allmählich mit praktisch jedem außer ihrem Erben Leonard Peikoff. Peikoff führte die Praxis fort, aus persönlichen Gründen Mitglieder aus dem Ayn Rand Institute auszuschließen. Darum entstand eine alternative Organisation mit dem aktuellen Namen Atlas Society. Und die Atlas Society ist der Urheber des folgenden, für mich bewegenden Nachrufes auf Barbara Branden:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=TB0jN-mDYUk[/tube]

Barbara Branden selbst ist vor allem für ihre persönliche Involvierung in Ayn Rands inneren Kreis und für ihre Biografie The Passion of Ayn Rand bekannt, die auch von Hollywood verfilmt wurde. Sie hat aber auch eine eigene intellektuelle Leistung vorzuweisen, nämlich ihre geschätzte Vorlesungsreihe The Principles of Efficient Thinking. Der Rechteverwalter The Culture of Reason Center hat Auszüge der Vorlesungsreihe nun gratis auf YouTube zur Verfügung gestellt. In Feminist Interpretations of Ayn Rand verteidigt Barbara Branden Rand außerdem als Feministin im aufklärerischen Sinne.

Ed Hudgins von der Atlas Society hat Branden jährlich bis zum Ende getroffen. Er bestätigt, was Barbara über sich selbst sagte, dass sie sich nicht verändert hatte. „Sie blieb intellektuell scharf und leidenschaftlich bis zum Ende.“ In den letzten Jahren trug Branden einen Davidstern um den Hals. Sie war nicht religiös, sondern blieb eine Atheistin. Aber sie sagte, es sei ein Statement. Ein Statement über den Islam und über die Linken, die Juden und den Staat Israel zerstören wollen, nicht für ihre Laster, sondern für ihre Tugenden.

Schließlich muss ich darauf hinweisen, dass Leonard Peikoff zwar eine persönlich sehr fehlerhafte Figur sein mag, aber seine Bücher sind gut – von seinen Vorlesungs-typischen Plauder-Einlagen abgesehen -und im Grunde unausweichliche Must-Reads für jene, die sich für den Objektivismus ernsthaft interessieren.