Die Islam-Kollektion

Religionskritikern wird häufig vorgeworfen, dass sie auf das Christentum fokussiert sind und das größere Problem, den unaufgeklärten Islam, ignorieren. Das ist auch nicht immer falsch und hängt wohl damit zusammen, dass viele Religionskritiker dieser Tage gegen „Autorität“, gegen die Generation ihrer Väter oder gar Vorväter protestieren. Kann ja nicht sein, dass ihnen jemand solche veralteten Tugenden wie „Treue“ oder irgendeine protestantische „Produktivität“ vorbetet. Das war allerdings noch nie meine Motivation. Ich war immer der Ansicht, dass die christliche Glaubenslehre über Hölle, Gott und Teufel schlicht unlogisch und nicht mit den Belegen vereinbar ist. Christliche Tugenden mögen teils ihre Berechtigung haben, aber nicht darum, weil Gott sie uns befohlen hat.

Der Islam hat so gut wie nichts mit unserer jüngeren Geschichte zu tun und Mullahs haben den deutschen Protestkindern noch nie etwas über die Freuden der Monogamie erzählt, also sagen die 68er-Religionskritiker nicht viel zum Thema. Oder sie schlagen sich gar auf die Seite der erzreaktionären Mullahs, weil die ja eine „Minderheit“ sind, so ein richtiger „Underdog“, der gegen die „Unterdrückung“ durch die westliche Konsumkultur kämpft. Unterdrückung durch zu viele Soßen im Regal beim Supermarkt. Das können die Kommunisten gar nicht leiden. Wann immer ich ein kritisches Wort über das Christentum verlor, war auch dieser Vorwurf des „aber Mohammed zu kritisieren traust du dich nicht“ nahe. Wie meine Leser wissen, ist er unberechtigt. In meinen Büchern und Artikeln bekam der Islam noch stärker Widerworte zu hören als das gezähmte Christentum.

Und so fragte ich mich, was meine christlichen Kritiker nun zu vermelden haben, wo sie wissen, dass ich als Aufklärer nach allen Seiten austeile. Und ihre Religion eben keine besondere Aufmerksamkeit verdient hat. Und ich eben nicht einfach nur zu feige bin, Mohammed zu kritisieren oder zu veralbern; im Gegenteil. Und sie haben absolut nichts zu sagen. Und so fragte ich mich, was sie zu vermelden hätten, wenn ich ihre philosophischen Argumente ernstnehme, ihre letzte Zuflucht, weil sie glauben, dass die niemand versteht (mit Sicherheit nicht sie selbst). Dann habe ich diese ernstgenommen und sie gekontert. Und sie haben absolut nichts zu sagen. Und sie schweigen solange, bis sie mich totgeschwiegen haben und das Problem einfach weggeht. Aber ich gehe nicht weg. Trotzdem ist das eine echt miese Taktik.

Ich nehme nun also die Kapitulation entgegen. 2000 Jahre Christentum waren ja auch wirklich genug. Im Grunde kann das nur bedeuten, dass ich den Streit gewonnen habe und es bald keine Christen mehr geben wird. So würde das jedenfalls laufen, wenn Thomas Jefferson Recht gehabt hätte, dass am Ende in einem freien Diskurs die besseren Argumente siegen müssen. Nun, wenn man bedenkt, dass Amerika heute viel religiöser ist als zur Zeit Jeffersons, lässt dieses Ergebnis auf sich warten. Als Aufklärer haben wir unsere Schuldigkeit jedenfalls getan. Wenn die Leute trotz allem irrational sein wollen, können wir mit der Ratio nichts daran ändern. Als Dank erwarte ich einen Früchtekorb.

Nun also zum Islam. Hier die islamkritische Kollektion aus meinem Shirt-Shop:

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16 Kommentare zu “Die Islam-Kollektion

  1. Patrick Sele sagt:

    „Und so fragte ich mich, was meine christlichen Kritiker nun zu vermelden haben, wo sie wissen, dass ich als Aufklärer nach allen Seiten austeile. Und ihre Religion eben keine besondere Aufmerksamkeit verdient hat. Und ich eben nicht einfach nur zu feige bin, Mohammed zu kritisieren oder zu veralbern; im Gegenteil. Und sie haben absolut nichts zu sagen. Und so fragte ich mich, was sie zu vermelden hätten, wenn ich ihre philosophischen Argumente ernstnehme, ihre letzte Zuflucht, weil sie glauben, dass die niemand versteht (mit Sicherheit nicht sie selbst). Dann habe ich diese ernstgenommen und sie gekontert. Und sie haben absolut nichts zu sagen. Und sie schweigen solange, bis sie mich totgeschwiegen haben und das Problem einfach weggeht. Aber ich gehe nicht weg. Trotzdem ist das eine echt miese Taktik.

    Ich nehme nun also die Kapitulation entgegen. 2000 Jahre Christentum waren ja auch wirklich genug. Im Grunde kann das nur bedeuten, dass ich den Streit gewonnen habe und es bald keine Christen mehr geben wird.“

    Können Sie mir sagen, wo Sie die philosophischen Argumente für den Theismus im Allgemeinen und das Christentum im Besonderen gekontert und widerlegt haben? Falls Sie dies wirklich getan haben, gehören Sie gemäss den folgenden Ausführungen des Philosophen und Atheisten Quentin Smith zu einer verschwindend kleinen Minderheit unter den Atheisten:

    „If each naturalist who does not specialize in the philosophy of religion (i.e., over ninety-nine percent of naturalists) were locked in a room with theists who do specialize in the philosophy of religion, and if the ensuing debates were refereed by a naturalist who had a specialization in the philosophy of religion, the naturalist referee could at most hope the outcome would be that “no definite conclusion can be drawn regarding the rationality of faith,” although I expect the most probable outcome is that the naturalist, wanting to be a fair and objective referee, would have to conclude that the theists definitely had the upper hand in every single argument or debate.

    Due to the typical attitude of the contemporary naturalist … the vast majority of naturalist philosophers have come to hold (since the late 1960s) an unjustified belief in naturalism. Their justifications have been defeated by arguments developed by theistic philosophers, and now naturalist philosophers, for the most part, live in darkness about the justification for naturalism. They may have a true belief in naturalism, but they have no knowledge that naturalism is true since they do not have an undefeated justification for their belief. If naturalism is true, then their belief in naturalism is accidentally true.“

    (Quelle: http://www.philoonline.org/library/smith_4_2.htm)

    Gute Argumente für den Theismus können meines Erachtens im folgenden Buch gefunden werden:

    Edward Feser, The Last Superstition: A Refutation of the New Atheism, South Bend 2008.

    Sie können sich dieses Buch zu Gemüte führen und versuchen, die darin vorgetragenen Argumente für den Theismus und gegen den Atheismus Punkt für Punkt zu widerlegen. Wenn Sie das geschafft haben, können Sie sich dann dem folgenden Werk widmen:

    William Lane Craig und J. P. Moreland (Hg.), The Blackwell Companion to Natural Theology, Oxford 2009.

    Die Einleitung und der erste Beitrag dieses Werks kann im folgenden Link gelesen werden:

    http://www.thedivineconspiracy.org/Z5223U.pdf

    Was Argumente speziell für das Christentum betrifft, so besteht eines davon im Umstand, dass nachgewiesen werden kann, dass die Evangelien auf Augenzeugenberichten beruhen, was in zwei dieser Schriften auch explizit behauptet wird (Lukas 1,1-4, Johannes 21,24). Im Folgenden wird gezeigt, wie man die Evangelien auf Hinweise hin untersuchen kann, die zeigen, dass sie auf Augenzeugenberichten beruhen:

    Im Johannesevangelium ist zu lesen, dass Jesus seinen Jünger Philippus angesichts einer grossen Menge von Zuhörern fragt, wo man Brot kaufen solle, um diese zu ernähren (Johannes 6,5). In der Folge wird das Wunder der Speisung der Fünftausend beschrieben. Nun mag man sich fragen, weshalb Jesus diese Frage ausgerechnet Philippus stellt, der in den Evangelien eine eher untergeordnete Rolle spielt. Ein erster Schritt hin zu einer Antwort stellt der im Lukasevangelium überlieferte Bericht über dieses Ereignis dar (Lukas 9,10-17). Dort lesen wir, dass es bei der Stadt Betsaida stattfand. Als weiterer Hinweis auf Betsaida als Ort dieses Ereignisses kann Matthäus 11,21 gelesen werden. Die dort erwähnten Wunder in Betsaida werden im Matthäusevangelium nirgends sonst erwähnt, der Bericht aus dem Lukasevangelium mag einen jedoch an die Speisung der Fünftausend als eines dieser Wunder denken lassen. Wiederum im Johannesevangelium lesen wir, dass Philippus aus Betsaida stammte (Johannes 12,21). Somit kann der Schluss gezogen werden, dass Jesus Philippus die oben erwähnte Frage deshalb stellte, weil Philippus als jemand, der aus Betsaida stammte mit den dortigen Gegebenheiten vertraut war.

    Das Besondere bei diesem Ergebnis der Untersuchung biblischer Texte ist der Umstand, dass deren Verfasser die daraus gewonnene Information ihren Lesern gar nicht mitzuteilen beabsichtigten. Dies ist nun insofern interessant, als dieser Umstand darauf hinweist, dass die entsprechenden Texte auf Augenzeugenberichten beruhen, da es nur schwer vorstellbar ist, dass solche versteckten Hinweise auf Ereignisse oder Sachverhalte von zwei oder mehreren Autoren unabhängig voneinander bewusst konstruiert werden können.

    Erstmals vorgenommen wurde eine solche Art von Untersuchung biblischer Texte vom anglikanischen Theologen William Paley (1743-1805). In seinem Buch „Horae Paulinae“ (London 1790) beschränkte er sich dabei auf diejenigen biblischen Texte, die einen Bezug zum Apostel Paulus haben. Paley benutzte für das entsprechende Phänomen den Ausdruck „undesigned coincidences“, was in diesem Zusammenhang mit „unbeabsichtigte Hinweise auf Augenzeugenschaft“ übersetzt werden kann.

    John James Blunt (1794-1855), ein anderer anglikanischer Theologe, wandte Paleys Vorgehen bei der Untersuchung biblischer Texte in seinem Buch „Undesigned coincidences in the writings of the Old and New Testaments“ (London 1847) auf die ganze Bibel sowie auf die Schriften des antiken jüdischen Historikers Josephus an. Sein Buch erlebte – wie übrigens auch dasjenige Paleys – mehrere Auflagen.

    Die erwähnten Werke wurden auch in den USA veröffentlicht. Dort hielt der Jurist Edmund H. Bennett (1824-1898) Vorträge, in denen er im Sinne Paleys und Blunts Untersuchungen von Texten aus den Evangelien demonstrierte. Diese Vorträge wurden nach Bennetts Tod von seiner Frau Sally unter dem Titel „The Four Gospels from a Lawyer’s Standpoint“ (Boston und New York 1899) veröffentlicht.

    Eine gute Einführung in das Thema sowie anschauliche Beispiele für „undesigned coincidences“ in den Evangelien bietet der folgende Vortrag des Philosophen Timothy McGrew:

    Was „undesigned coincidences“ sind, wird ab 0:07:31 erklärt.

    • Ich habe deinen Einwand mit dem kosmologischen Argument beantwortet, das hast du ignoriert. Jetzt versuchst du uns zu überzeugen, dass Jesus wirklich Wasser in Wein verwandelt hat, indem du aufzeigst, dass mehrere Augenzeugen vom selben Ort berichten. Nehme an, dass mehrere Augenzeugen berichten, dass ich in Kleinrinderfeld einen Stein in einen Dinosaurier verwandelte. Glaubst du das auch, nur weil sich alle einig sind, dass es in Kleinrinderfeld war? Da du nicht diskutierst, sondern nur predigst, gehe ich langsam davon aus, dass du ein Troll sein musst. Das ist kein akzeptables Verhalten. Ferner zitierst du nur evangelikale Theologen, die an die wörtliche Wahrheit der Bibel glauben und die Naturalisten für uninformiert erklären. Welch Ironie.

  2. Patrick Sele sagt:

    Andreas Müller: „Ich habe deinen Einwand mit dem kosmologischen Argument beantwortet, das hast du ignoriert.“

    Es ist für mich nicht ersichtlich, weshalb Gott die Existenz erschaffen haben sollte, wenn doch Existenz in Gott bereits vorhanden ist. Wenn man unter „Existenz“ einfach das Universum versteht, so führt Feser auf den Seiten 102-110 des genannten Buchs aus, dass das Universum nicht unabhängig von Gott existieren kann. Abgesehen davon wird heute auch in der Naturwissenschaft allgemein akzeptiert, dass das Universum einen absoluten Anfang hat („Urknalltheorie“) und folglich nicht schon immer existiert hat.

    Andreas Müller: „Jetzt versuchst du uns zu überzeugen, dass Jesus wirklich Wasser in Wein verwandelt hat, indem du aufzeigst, dass mehrere Augenzeugen vom selben Ort berichten. Nehme an, dass mehrere Augenzeugen berichten, dass ich in Kleinrinderfeld einen Stein in einen Dinosaurier verwandelte. Glaubst du das auch, nur weil sich alle einig sind, dass es in Kleinrinderfeld war?“

    Wenn eine Reihe von glaubwürdigen Zeugen solches berichten würden, wäre es zumindest wert, der Sache nachzugehen. Im folgenden Beitrag mit dem Titel „A Bayesian Analysis of the Cumulative Effects of Independent Eyewitness Testimony for the Resurrection of Jesus Christ“ argumentiert der Philosoph John M. DePoe auf der Grundlage von Bayes’ Theorem, dass mit der Anzahl von Zeugen die Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit der betreffenden Zeugnisse für ein bestimmtes Ereignis exponentiell steigt. Der Beitrag kann im folgenden Link gelesen werden:

    http://www.johndepoe.com/Resurrection.pdf

    Zitat aus dem Beitrag:

    „The effects of multiple, independent testimony on the posterior probability of an event are striking. No matter how much more probable it is that an event does not occur than that it does, given a sufficient number of moderately reliable independent witnesses testifying that the event occurred, the posterior probability of the event will go up exponentially as n increases and will, in the limit, become arbitrarily close to certainty.“

    Andreas Müller: „Da du nicht diskutierst, sondern nur predigst, gehe ich langsam davon aus, dass du ein Troll sein musst. Das ist kein akzeptables Verhalten.“

    Um diskutieren zu können, müssen die Grundlagen für eine Diskussion vorhanden sein. Ich sehe mich nicht in der Lage, die Argumente aus Fesers Buch, welches ohne Anmerkungen 267 Seiten umfasst, hier in ein paar wenigen Sätzen zusammenzufassen und zur Diskussion zu stellen. In erster Linie geht es mir darum, Dich und andere darauf hinzuweisen, dass es durchaus Argumente für den Gottesglauben im Allgemeinen und das Christentum im Speziellen gibt, die meines Wissens noch einer Widerlegung durch Atheisten harren.

    Falls Du an einer Diskussion von Argumenten interessiert bist, die im Rahmen eines Blogthreads möglich ist, so verweise ich Dich auf meine Kommentare im folgenden Thread zum Theodizeeproblem:

    http://scienceblogs.com/evolutionblog/2013/12/02/ye-olde-problem-of-evil/

    Falls Du an einer solchen Diskussion Interesse hast, schlage ich vor, dass Du, um Dir und mir Zeit zu sparen, Dich auf Punkte konzentrierst, auf welche ich im besagten Thread nicht schon eingegangen bin oder von denen Du meinst, dass meine Erwiderungen auf Einwände nicht stichhaltig sind.

    Andreas Müller: „Ferner zitierst du nur evangelikale Theologen, die an die wörtliche Wahrheit der Bibel glauben und die Naturalisten für uninformiert erklären.

    […]

    Ferner ist bekannt, dass die anderen Evangelisten von ihren Vorgängern und vom ersten, Matthäus, abgeschrieben haben. Das erklärt ihre “erstaunliche” Übereinstimmung.“

    Gerade weil die „undesigned coincidences“ als unbeabsichtigt entstanden erscheinen, ist es eher unwahrscheinlich, dass sie durch Abschreiben entstanden. Zudem setzt das auf ihnen basierende Argument für die historische Zuverlässigkeit der Evangelien nicht voraus, dass man an die wörtliche Wahrheit der Bibel glaubt oder dass man eine bestimmte Theorie bezüglich einer angenommenen literarischen Abhängigkeit zwischen den Evangelien akzeptiert oder ablehnt.

    • Es ist für mich nicht ersichtlich, weshalb Gott die Existenz erschaffen haben sollte, wenn doch Existenz in Gott bereits vorhanden ist.

      Super, damit wäre das kosmologische Argument also hinfällig. Denn dem geht es entweder um kausale, materielle Ursachen oder um die Ursache der Ursachen, also um die Ursache der Existenz. Gott kann nicht zugleich die Ursache der Existenz und selbst die Existenz sein.

      Abgesehen davon wird heute auch in der Naturwissenschaft allgemein akzeptiert, dass das Universum einen absoluten Anfang hat („Urknalltheorie“) und folglich nicht schon immer existiert hat.

      Victor Stenger argumentiert, dass der Urknall nicht der Anfang des Universums war. Andere Wissenschaftler sehen das aus anderen Gründen ähnlich. Laut manchen Theorien gehen Universen ineinander über. Demnach gibt es immer wieder einen Urknall. Objektivisten sind aus philosophischen Gründen jedenfalls der Überzeugung, dass Existenz und die zugehörige Zeit ewig sind.

      Wenn eine Reihe von glaubwürdigen Zeugen solches berichten würden, wäre es zumindest wert, der Sache nachzugehen.

      Dass ich einen Stein in einen Dinosaurier verwandelt habe? Nun, es wäre interessant, warum viele ansonsten verlässliche Zeugen so etwas behaupten würden. Aber es ist und bleibt unmöglich, egal, was irgendwer dazu sagt. Wunder befinden sich im Widerspruch zum Identitätsaxiom (Die Dinge sind, wie sie sind und können nur entsprechend ihrer Natur handeln. Wasser und Wein haben eine unterschiedliche chemische Zusammensetzung, die unmöglich ineinander übergehen kann).

      dass mit der Anzahl von Zeugen die Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit der betreffenden Zeugnisse für ein bestimmtes Ereignis exponentiell steigt.

      Als ob man die Verlässlichkeit von Augenzeugen mit dem mathematischen Satz von Bayes (oder irgendeiner Gleichung) feststellen könnte! Wenn das so wäre, warum ermitteln dann nicht die Strafverfolgungsbehörden die Verlässlichkeit von Zeugen mit dem Satz von Bayes?

      Ich sehe mich nicht in der Lage, die Argumente aus Fesers Buch, welches ohne Anmerkungen 267 Seiten umfasst, hier in ein paar wenigen Sätzen zusammenzufassen und zur Diskussion zu stellen.

      Dann sag einfach gar nichts außer dem Literaturhinweis, denn du kannst nicht erwarten, dass ich das Buch jetzt lesen werde. Wenn du diskutieren willst, dann musst du Argumente nennen und nicht einfach Literaturhinweise.

      In erster Linie geht es mir darum, Dich und andere darauf hinzuweisen, dass es durchaus Argumente für den Gottesglauben im Allgemeinen und das Christentum im Speziellen gibt, die meines Wissens noch einer Widerlegung durch Atheisten harren.

      Dann informiere ich dich hiermit, dass es Atheisten gibt, die sich darauf spezialisiert haben, den Autoren zu antworten, die du nanntest, z.B. Richard Carrier oder John Loftus, der sogar unter William Lane Craig studierte. Du willst offenbar nur Zweifel säen an meinen Ausführungen, um Gläubige darin zu bestätigen, dass ich mich vielleicht doch irren könnte und ihr Glaube vor mir sicher ist. Ohne inhaltliche Qualität für Leute, die wissen, wovon du redest.

      Gerade weil die „undesigned coincidences“ als unbeabsichtigt entstanden erscheinen, ist es eher unwahrscheinlich, dass sie durch Abschreiben entstanden.

      Also weil es für dich so aussieht, als handelte es sich für unabhängige Zeugenaussagen (warum? weil du das so sehen möchtest?) ist es unwahrscheinlich, dass – und das ist eigentlich Konsens in der Mainstream-Theologie – die Evangelisten historisch nacheinander tätig waren und wenigstens teilweise mit den Texten ihrer Vorgänger vertraut waren. Was ja nun die unendlich plausiblere Möglichkeit darstellt. Wenn verschiedene Autoren aus einer Region im Abstand von ein paar Jahrzehnten über diesselbe Ereignisse schreiben und außerhalb dieser Region kein Mensch jemals von Gottes Sohn und seinen Wundern (ganz abgesehen von der Wiederauferstehung der Toten nach Jesu Kreuzigung!) gehört hat, was hat es damit dann wohl auf sich?

  3. Patrick Sele sagt:

    Als weiteres Argument für das Christentum kann angeführt werden, dass die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, das zentrale Wunder des Christentums, sehr gut bezeugt ist. In 1. Korinther 9,1 und 15,5-8 spricht der Apostel Paulus über seine Begegnung mit dem auferstandenen Jesus; es handelt sich dabei eindeutig um ein Zeugnis aus erster Hand. Man könnte sich fragen, ob Paulus irgendeinen Grund gehabt hätte, nicht die Wahrheit zu sagen. Nicht nur war sein Zeugnis die Ursache vieler Entbehrungen und Gefahren (siehe 1. Korinther 4,9-13, 15,30-32, 2. Korinther 11,16-33), sondern er hätte zudem noch befürchten müssen, dass er als falscher Zeuge Gottes entlarvt würde (1. Korinther 15,15). Gemäss Philipper 3,3-10 war Paulus vor seiner Bekehrung ein hochangesehenes Mitglied der jüdischen Gemeinschaft. Er musste also nicht Christ werden, um Ruhm zu gewinnen. Aus 1. Korinther 9,3-18, 2. Korinther 2,17 und 1. Thessalonicher 2,9 kann man sehen, dass Paulus nicht auf finanzielle Vorteile aus war, weswegen ein finanzielles Motiv für seine Aktivitäten auch ausgeschlossen werden kann.

    Als weiteres Zeugnis aus erster Hand kann der Erste Petrusbrief angesehen werden. Dieser von Petrus, einem „Zeugen der Leiden Christi“ (1. Petrus 5,1, Einheitsübersetzung), verfasste Brief enthält Andeutungen auf die Auferstehung (1. Petrus 1,3, 1,21, 3,18, 3,21). Allerdings wird die Echtheit dieses Briefs angezweifelt, wobei dies hauptsächlich damit begründet wird, dass sich das in 1. Petrus 5,13 erwähnte „Babylon“ auf Rom beziehe, dass aber erst nach dem Jahr 70, nach der Zerstörung des Jüdischen Tempels durch die Römer und somit nach dem Tod des Petrus, jüdische Quellen Rom mit diesem Namen nennen und folglich der Brief nicht von Petrus verfasst worden sein könne.

    Gemäss 1 Petrus 2,13-14 erkannte der Apostel Petrus die römischen staatlichen Autoritäten an. Aus diesem Grund scheint es mir zweifelhaft zu sein, dass er im selben Brief die Hauptstadt Rom als „Babylon“ bezeichnen und auf diese Weise das Römische Reich als reif für Gottes Gericht darstellen würde.

    Meines Erachtens ist es wahrscheinlicher, dass sich „Babylon“ auf Jerusalem bezieht. Gemäss Galater 2,7-9 war Petrus der „Aposteldienst unter den Beschnittenen“ (Einheitsübersetzung) aufgetragen worden und zumindest um das Jahr 50 lebte er in Jerusalem. Wenn Jerusalem des Weiteren in der Bibel „Sodom“ (Jesaja 1,10, Offenbarung 11,8), „Gomorrha“ (Jesaja 1,10) und „Ägypten“ (Offenbarung 11,8) genannt werden konnte, so spricht einiges für die Annahme, dass es auch als „Babylon“ bezeichnet werden konnte. Falls schliesslich das in 1. Petrus 5,13 erwähnte „Babylon“ sich auf Jerusalem bezieht, wären der Erste Petrusbrief und die Apostelgeschichte zwei unabhängige Quellen zum Umstand, dass Markus und Silas (Silvanus) Mitglieder der Kirche in Jerusalem waren (Apostelgeschichte 12,12, 15,22, 1. Petrus 5,12-13), was als weiterer Beleg für die Echtheit des Ersten Petrusbriefs angeführt werden kann.

    Die Apostelgeschichte und der Erste Petrusbrief könnten zusätzlich noch zwei von einander unabhängige Quellen eines weiteren für das Christentum zentralen Wunders, nämlich der Ausgiessung des Heiligen Geistes an Pfingsten, sein. Apostelgeschichte 2,2 und 1. Petrus 1,12 sind die einzigen Bibelstellen, in denen wir lesen können, dass der Heilige Geist „vom Himmel“ her gesandt ist, und es ist gut möglich, dass sich die letztgenannte Bibelstelle auch auf das Pfingstereignis bezieht. Es ist auch so, dass nur in diesen beiden biblischen Büchern die beiden geografischen Namen Pontus und Kappadozien aufscheinen (Apostelgeschichte 2,9, 18,2 und 1. Petrus 1,1). Es könnte sein, dass diejenigen, die den Empfängern des Ersten Petrusbriefs das Evangelium verkündigten Juden aus Pontus, Galatien, Kappadozien, Kleinasien und Bithynien waren, die beim Pfingstereignis anwesend waren und später in ihre Heimatregionen zurückreisten und dort ihren Mitbürgern von ihrer Erfahrung in Jerusalem berichteten. Diese Judenchristen könnten durch die Predigt des Petrus am Pfingsttag, wie sie in Apostelgeschichte 2,14-41 beschrieben wird, zum Glauben an Christus gekommen sein. Bei den im Ersten Petrusbrief angesprochenen Heidenchristen könnte dies durch das Zeugnis jüdischer Christen bewirkt worden sein, genauso wie dies gemäss Apostelgeschichte 11,20 in Antiochien geschah.

  4. Patrick Sele sagt:

    Andreas Müller: „Objektivisten sind aus philosophischen Gründen jedenfalls der Überzeugung, dass Existenz und die zugehörige Zeit ewig sind.“

    Im Folgenden argumentiert der Philosoph und Theologe William Lane Craig, dass ein Universum ohne Anfang nicht möglich ist:

    „Eine Menge von Dingen wird … als tatsächlich unendlich bezeichnet, wenn ein Teil von ihr gleich dem Ganzen ist. Zum Beispiel: Was ist größer: 1, 2, 3, … oder 0, 1, 2, 3, …? Dem vorherrschenden mathematischen Denken zufolge sind sie gleichwertig, da sie beide tatsächlich unendlich sind. Dies erscheint uns seltsam, weil es in der einen Reihe eine zusätzliche Zahl gibt, die in der anderen nicht zu finden ist. Das zeigt aber nur, daß in einer tatsächlich unendlichen Menge eine Teilmenge gleich der Gesamtmenge ist.

    […]

    Lassen Sie mich … die Absurditäten veranschaulichen, die daraus folgen würden, wenn ein tatsächlich Unendliches in der Welt existieren könnte. Nehmen wir an, wir hätten eine Bibliothek, die eine tatsächlich unendliche Zahl von Büchern enthält. Stellen wir uns vor, daß die Bücher nur zwei Farben haben können, schwarz und rot, und daß diese auf den Regalen abwechselnd vorkommen: schwarz, rot, schwarz, rot und so fort. Wenn jemand uns sagen würde, daß die Anzahl der schwarzen Bücher gleich der Anzahl der roten Bücher ist, wären wir wahrscheinlich nicht erstaunt. Aber würden wir jemandem glauben, der uns erzählt, daß die Anzahl der schwarzen Bücher gleich der Anzahl der schwarzen und roten Bücher zusammen ist? Denn in der letzteren Menge finden wir alle schwarzen Bücher und auch eine unendliche Anzahl von roten Büchern.

    Oder stellen wir uns vor, die Bücher könnten drei Farben haben, oder vier oder fünf oder hundert. Würden wir jemandem glauben, der behauptet, es gäbe gleich viele Bücher in einer Farbe wie in der ganzen Sammlung?

    […]

    Wenn das Universum schon immer existiert hat, dann bildet die Reihe aller vergangenen Ereignisse zusammen ein tatsächlich Unendliches, weil jedem Ereignis in der Vergangenheit ein anderes Ereignis vorangegangen ist. So wäre die Reihe vergangener Ereignisse unendlich. …

    … Wir wissen, daß ein tatsächlich Unendliches in der Wirklichkeit nicht existieren kann. Da eine unendliche Reihe ohne Anfang von Ereignissen in der Zeit ein tatsächlich Unendliches ist, kann eine solche Reihe nicht existieren. So muß die Reihe aller vergangenen Ereignisse endlich sein und einen Anfang haben. Aber das Universum ist die Reihe aller Ereignisse, so daß das Universum einen Anfang gehabt haben muß.“

    William L. Craig, Die Existenz Gottes und der Ursprung des Universums, Wuppertal und Zürich 1989, S. 36, 39 f., 43.

    • Dr. Webbaer sagt:

      Was heißt Anfang? Meinen Sie die Zeitlichkeit?
      Dass etwas ist, weil etwas ist, und dass etwas so ist, wie es ist, weil etwas ist, wie es ist, hat Fichte seinerzeit „herausgefunden“.

      Moment, gleich wieder da, …, …, …, ‚es ist, weil es ist; und ist wie es ist, weil es so ist.‘ (Quelle)

      Ihr Kommentatorenfreund ergänzt gerne wie folgt: ‚Etwas ist, weil es ist, und es ist so wie es ist, weil es so ist, wie es ist.‘

      Etwas ist also, und es ist auch deshalb, weil ansonsten niemand feststellen könnte, dass etwas ist; es handelt sich hier um eine Konglomeralität, die nicht wäre, wenn sie nicht ist.

      MFG
      Dr. W

    • Zeit ist nicht eine Reihe von Ereignissen. Das ist eine Hume’sche Auffassung. Zeit ist die Beziehung zwischen verschiedenen Veränderungen, die in und zwischen Entitäten vorgehen. Die Zeit hängt also von sich verändernden Entitäten ab. Die Idee der Existenz als Anfangspunkt in der Zeit widerspricht sich selbst, weil sie von der Existenz der Zeit vor der Existenz abhängt – also vor Entitäten, die sich verändern. Kann die Zeit vor der Existenz exisitieren? Natürlich nicht.

      • Je mehr Zeugen es zu einem Ereignis gibt und je glaubwürdiger diese sind, als desto wahrscheinlicher wird es wohl betrachtet, dass die Zeugenaussagen eine gute Grundlage für die Ermittlung bieten.

        Das stimmt nur im vollen Kontext. Und zum vollen Kontext gehören die Naturgesetze. Wenn viele glaubwürdige Zeugen versichern, dass der Verdächtige das Opfer mit Blitzen tötete, die er mit seinen Händen auf das Opfer warf, dann irren sich alle Zeugen. Es gibt Naturgesetze. Deine Argumentation beruht darauf, dass die Geschichte verlässlicher ist als die Physik. Dass historische Berichte verlässlicher sind als die Erkenntnisse der Naturwissenschaften. Das ist völlig absurd.

  5. Patrick Sele sagt:

    Andreas Müller: „Wenn das so wäre, warum ermitteln dann nicht die Strafverfolgungsbehörden die Verlässlichkeit von Zeugen mit dem Satz von Bayes?“

    Wahrscheinlich machen die das intuitiv auch. Je mehr Zeugen es zu einem Ereignis gibt und je glaubwürdiger diese sind, als desto wahrscheinlicher wird es wohl betrachtet, dass die Zeugenaussagen eine gute Grundlage für die Ermittlung bieten.

    Andreas Müller: „Also weil es für dich so aussieht, als handelte es sich für unabhängige Zeugenaussagen (warum? weil du das so sehen möchtest?) ist es unwahrscheinlich, dass – und das ist eigentlich Konsens in der Mainstream-Theologie – die Evangelisten historisch nacheinander tätig waren und wenigstens teilweise mit den Texten ihrer Vorgänger vertraut waren. Was ja nun die unendlich plausiblere Möglichkeit darstellt.“

    Wie McGrew im früher erwähnten Vortrag ab 0:37:40 und ab 0:58:00 ausführt, ist die Frage, ob und inwieweit die Evangelien literarisch voneinander abhängig sind in Bezug auf das Argument aus den „undesigned coincidences“ irrelevant. Abgesehen davon gibt es durchaus Argumente für die Annahme, dass die Evangelien vollkommen unabhängig voneinander entstanden. Eine gute Übersicht über diese Argumente bietet der folgende Beitrag:

    http://www.traditionshypothese.de/texte/finnern.html

    In Kapitel 6 dieses Beitrags schreibt der Autor:

    „Der hohe Anteil an gemeinsamen Perikopen, die ähnliche Reihenfolge und die Wortlautübereinstimmungen können auf eine durch Wiederholung gefestigte mündliche Tradition zurückgeführt werden.“

    Die als Traditionshypothese bezeichnete Annahme, dass die Evangelien unabhängig vonander entstanden wird durch den Gebrauch verschiedener Namen für Personen und Orte in Parallelstellen noch weiter gestützt. In Lukas 6,16 wird der in Matthäus 10,3 und Markus 3,18 erwähnte Thaddäus Judas, Sohn des Jakobus, genannt. Gemäss Markus 8,10 ging Jesus nach der Speisung der Viertausend in das Gebiet von Dalmanuta, nach Matthäus 15,39 in die Gegend von Magadan.

    Während in Bezug auf den Apostel Thaddäus Matthäus und Markus untereinander gegen Lukas übereinstimmen, verhält sich die Situation in Bezug auf den in Matthäus 9,9 erwähnten Apostel Matthäus anders. Hier stimmen Markus und Lukas, die ihn Levi nennen (Markus 2,14 und Lukas 5,27) gegen Matthäus überein.

  6. Patrick Sele sagt:

    Andreas Müller: „Zeit ist nicht eine Reihe von Ereignissen. Das ist eine Hume’sche Auffassung. Zeit ist die Beziehung zwischen verschiedenen Veränderungen, die in und zwischen Entitäten vorgehen. Die Zeit hängt also von sich verändernden Entitäten ab. Die Idee der Existenz als Anfangspunkt in der Zeit widerspricht sich selbst, weil sie von der Existenz der Zeit vor der Existenz abhängt – also vor Entitäten, die sich verändern. Kann die Zeit vor der Existenz exisitieren? Natürlich nicht.“

    Solange es Veränderungen gibt, gibt es Zeit und in diesem Fall ist das Argument, dass es kein tatsächlich Unendliches geben kann, gültig. Wenn man aber annimmt, dass es in der Vergangenheit einmal einen Anfang der Zeit gab, an welchem Veränderung einsetzte, so muss man erklären, wie eine solche Veränderung ohne Ursache zustande kommen konnte. Gemäss der Metaphysik des Aristoteles kann es keine Veränderung geben ohne dass diese Veränderung von aussen verursacht wird. Da aber die Kette von Ursache-Wirkung-Beziehung nicht unendlich sein kann, muss es eine letzte Ursache, von Aristoteles „unbewegter Beweger“ genannt, geben. Dabei ist zu beachten, dass Aristoteles selbst von einem Universum ohne Anfang ausgegangen ist und folglich der „unbewegte Beweger“ nicht als Verursacher einer zeitlich ersten Ursache anzusehen ist, sondern als letzte Ursache jeder Veränderung zu jeder Zeit. Edward Feser erklärt die dem Konzept eines „unbewegten Bewegers“ zugrundeliegende aristotelische Metaphysik auf den Seiten 49-73 seines hier erwähnten Buches. Aufschlussreich ist in dieser Beziehung auch der folgende Vortrag Fesers:

    Lieber Andreas Müller, ich denke, Du solltest Dir das Buch Fesers unbedingt zu Gemüte führen. Mir scheint, dass Du und Feser bis zu einem gewissen Grad „Brüder im Geiste“ sind. Einerseits war Feser als Atheist Vertreter des Libertarismus, andererseits bringst Du in deinem Beitrag „Philosophie der Moderne: Attila und der Schamane“ eine starke Sympathie für die von Feser als wichtigste Philosophen erachteten Aristoteles und Thomas von Aquin zum Ausdruck. Des Weiteren sieht auch Feser die philosophischen Entwürfe von Descartes, Hume, Kant und anderen sehr kritisch.

  7. Patrick Sele sagt:

    Andreas Müller: „Das stimmt nur im vollen Kontext. Und zum vollen Kontext gehören die Naturgesetze. Wenn viele glaubwürdige Zeugen versichern, dass der Verdächtige das Opfer mit Blitzen tötete, die er mit seinen Händen auf das Opfer warf, dann irren sich alle Zeugen. Es gibt Naturgesetze. Deine Argumentation beruht darauf, dass die Geschichte verlässlicher ist als die Physik. Dass historische Berichte verlässlicher sind als die Erkenntnisse der Naturwissenschaften. Das ist völlig absurd.“

    Falls Gott existiert, sehe ich nicht ein, weshalb Er nicht Wunder wirken können sollte. Wenn er aber Wunder wirken kann, dann ist es auch möglich, dass Er tatsächlich Wunder wirkt. Wenn dies der Fall ist, dann muss es aber auch glaubwürdige Zeugnisse zu Wundern geben können, und ich sehe nicht ein, weshalb die Bewertung solcher Zeugnisse nicht denselben Kriterien unterliegen können wie die Bewertung von Zeugnissen zu nicht wunderhaften Ereignissen.

    Deine Bewertung von Wunderberichten scheint mir derjenigen des Philosophen David Hume (1711-1776) zu entsprechen. Eine gute Zusammenfassung von Humes Argument bietet der vom Philosophen Gerhard Streminger verfasste Artikel „David Humes Wunderanalyse“. Er kann im folgenden Link gelesen werden:

    http://www.gkpn.de/streminger_wunder.pdf

    Zitat aus Stremingers Artikel:

    „(d) Die Glaubwürdigkeit menschlicher Zeugnisse hängt nun von zwei Faktoren ab:
    – von der Vertrauenswürdigkeit der Zeugen und
    – von der Wahrscheinlichkeit des Berichteten.

    Um die Glaubwürdigkeit eines Berichts beurteilen zu können, muß also nach der Vertrauenswürdigkeit der Zeugen und nach der Wahrscheinlichkeit des Berichteten gefragt werden. Daß die Glaubwürdigkeit eines Berichts auch von der Vertrauenswürdigkeit der Augenzeugen abhängt, ist offensichtlich. Wenn beispielsweise jemand notorisch lügt, so werden wir seinem Bericht kein großes Vertrauen schenken, wobei auch in diesem Fall unser diesbezügliches Vertrauen oder Mißtrauen vollständig auf Erfahrung beruht.

    Nun berichtet uns diese, daß Menschen „gewöhnlich zur Wahrheit und zum Prinzip der Rechtschaffenheit“ neigen und sich „schämen“, wenn sie bei einer Lüge ertappt werden. Es gibt also keine hinreichenden Gründe, die Vertrauenswürdigkeit von Zeugen generell zu bezweifeln, vielmehr geht es darum, genau herauszufinden, wovon diese abhängt. Hervorragende Gründe, an der Vertrauenswürdigkeit von Zeugen zu zweifeln, ergeben sich „aus dem Gegensatz widerstreitender Zeugenberichte; aus dem Charakter oder der Zahl der Zeugen; aus der Art, wie sie ihr Zeugnis mitteilen. Wir hegen Verdacht, wenn sich die Zeugen widersprechen; wenn ihrer nur wenige oder diese von zweifelhaftem Charakter sind; wenn sie Nutzen von ihren Aussagen haben; wenn sie ihre Zeugenaussage zögernd oder – im Gegenteil – mit zu heftigen Beteuerungen machen.“ Soviel zunächst zur Vertrauenswürdigkeit von Zeugen.

    (e) Wie bereits unter Punkt (d) erwähnt, hängt die Glaubwürdigkeit eines Berichts aber auch von der Wahrscheinlichkeit des Berichteten ab.

    Damit ist folgendes gemeint: Ist das berichtete Ereignis unwahrscheinlich, so verringert sich dadurch auch die Glaubwürdigkeit des Berichts. Diese Glaubwürdigkeit unterliegt einer „größeren oder geringeren Schmälerung, je nachdem, ob die [bezeugte] Tatsache mehr oder weniger ungewöhnlich ist.“ Wenn das Berichtete vor dem Hintergrund unseres Wissens zur Zeit t sehr ungewöhnlich ist, dann muß die Vertrauenswürdigkeit der Zeugen sehr groß sein, soll der Bericht glaubwürdig sein.“

    [Ende des Zitats]

    Die Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit der Zuverlässigkeit eines Zeugenberichtes von der Wahrscheinlichkeit des Berichteten abhängig ist, ist sehr problematisch. Weshalb sollte ein und dieselbe Person als glaubwürdig betrachtet werden, wenn sie etwas bezeugt, was alltäglich ist, aber als unglaubwürdig, wenn sie etwas Ungewöhnliches bezeugt? Wenn man das Prinzip, dass sich die Glaubwürdigkeit eines Zeugnisses proportional zur Wahrscheinlichkeit des Bezeugten verhält konsequent durchhalten würde, würde dies zum absurden Schluss führen, dass Zeugnissen zu sehr seltenen Ereignissen niemals Glauben geschenkt werden sollte. Dies wäre etwa der Fall, wenn jemand sagt, dass er vom Blitz getroffen wurde oder dass er in der Lotterie den Hauptgewinn erzielt hat.

    Streminger geht auf diesen Einwand wie folgt ein:

    „(f) Innerhalb der Klasse unwahrscheinlicher Geschehnisse lassen sich »außergewöhnliche« und »wunderbare« Ereignisse unterscheiden.

    Außergewöhnlich ist ein Ereignis für mich dann, wenn es not conformable to my experience ist, also mit meiner bisherigen Erfahrung nicht übereinstimmt. Wunderbar ist ein Ereignis hingegen dann, wenn es contrary to experience ist, also der (Allgemein-)Erfahrung widerspricht, m.a.W.: wenn es den Naturgesetzen entgegengesetzt ist.

    Diesen wichtigen Unterschied erläutert Hume anhand der folgenden Geschichte: Der indische Prinz, der es ablehnte, den ersten Berichten über die Wirkungen des Frosts zu glauben, „dachte ganz richtig“; und es bedurfte zu Recht glaubwürdiger Zeugnisse, um seine Anerkennung bezüglich der Tatsachen zu gewinnen, die aus einem ihm bisher unbekannten Naturzustand stammten. Der Bericht von Frost und gefrorenem Wasser, das selbst ganze Armeen tragen kann, hielt der Prinz aus guten Gründen zunächst für unglaubwürdig, eben weil das berichtete Ereignis so außergewöhnlich war – außergewöhnlich war es deshalb, weil es mit seinen bisherigen Erfahrungen nicht übereinstimmte. Aber der Bericht widersprach der empirischen (Allgemein-)Erfahrung NICHT. Denn der Naturzustand, in dessen Verlauf Wasser zu Eis gefriert, ist in Breitengraden, die den Polen näher sind, leicht erfahrbar, war allerdings dem Prinzen bislang unbekannt geblieben. Er hatte niemals dort gelebt und hatte auch niemals davon gehört. Ein Widerspruch zur (Allgemein-)Erfahrung wäre erst dann gegeben, wenn alle Umstände – alle Naturzustände – gleich wären und doch ganz andere Dinge sich ereignet hätten. Im Fall des Prinzen hieße dies: Wenn urplötzlich, ohne Temperaturänderung, vor ihm das Wasser zu gefrieren begänne.

    Die Unterscheidung zwischen »außergewöhnlichen« und »wunderbaren« Ereignissen, die in der Sekundärliteratur häufig übersehen wird, ist besonders wichtig. Denn aus der Tatsache, daß etwas für mich außergewöhnlich ist, also mit meiner Erfahrung nicht übereinstimmt, folgt nicht, daß der Bericht unglaubwürdig an sich ist (denn dann gäbe es nur noch Vorurteile). Gerade vernünftige Menschen halten jedoch Ausnahmen zu ihrem bisherigen Weltverstehen grundsätzlich immer für möglich und sind bereit, angesichts widerspenstiger Erfahrungen die bisherige Weltsicht zu hinterfragen. Vernünftige Menschen bestehen gleichwohl auf der Präsentation starker Beweise, und das heißt im Fall des Außergewöhnlichen: auf der genauen Präsentation jener Umstände, unter denen sich das berichtete Ereignis zu ereignen pflegt. Außergewöhnliches „bedarf eines sehr starken Zeugnisses“, damit es glaubhaft wird, aber es ist nicht wunderbar, steht also in keinem „Widerstreit mit der gleichförmigen Erfahrung vom Naturverlauf.““

    [Ende des Zitats]

    Wenn Wunder als Verletzungen von Naturgesetzen definiert werden, und die Erfahrungen, die diese Naturgesetze etabliert haben unabänderlich sind, dann bedeutet dies, dass Wunder prinzipiell unmöglich sind. Wunder kann es demnach so wenig geben wie viereckige Kreise oder verheiratete Junggesellen. Damit aber erübrigt sich die Bewertung der Glaubwürdigkeit von Zeugnissen über Wunder. Zu einem unmöglichen Ereignis kann es prinzipiell keine glaubwürdigen Zeugenaussagen geben.

    Falls Hume die Möglichkeit von Wundern prinzipiell ausgeschlossen hat, wäre ein grosser Teil seiner Ausführungen eigentlich überflüssig gewesen. Wenn man Humes Ausführungen jedoch so interpretiert, dass die Ablehnung von Wunderberichten nicht mit einer prinzipiellen Unmöglichkeit von Wundern, sondern mit der allgemeinen Erfahrung begründet wird, so steht einer solchen Begründung die Tatsache entgegen, dass es Wunderberichte gibt, was darauf hinweist, dass die Nichtexistenz von Wundern eben gerade nicht eine allgemeine Erfahrung darstellt.

    Diesem Einwand wird dadurch begegnet, dass Menschen Wunderberichten grundsätzlich bereitwilliger Glauben schenken als anderen Berichten:

    „(b) Es läßt sich in der menschlichen Natur ein Prinzip beobachten, das die Vertrauenswürdigkeit von Zeugen gerade dann erheblich mindert, wenn es sich bei dem Berichteten um etwas »Naturwidriges« handelt. Denn der menschliche Geist „nimmt, wenn etwas äußerst Absurdes und Wunderbares behauptet wird, eine solche Sache um so bereitwilliger an, gerade wegen des Umstandes, der alle ihre Autorität eigentlich zerstören müßte. Der Affekt der Überraschung und der Verwunderung, der … eine angenehme Gemütserregung ist, erzeugt sichtlich den Hang zum Glauben an solche Ereignisse …“ Das geht so weit, daß selbst diejenigen, die keine Augenzeugen sind, „dennoch gerne aus zweiter Hand … an diesem Genuß teilnehmen und Stolz und Freude daran haben, das Staunen anderer zu erregen.“ Mit einiger Großzügigkeit läßt sich diese hochinteressante Passage so interpretieren: Weil Überraschung und Verwunderung angenehme Gemütsbewegungen sind, werden die wundersamen Berichte Reisender, ihre Beschreibungen von See- und Landungeheuern (Nessie!) mit großer Begierde für wahr gehalten. Verbünden sich diese Wunderliebe und Religiosität, so nimmt der gesunde Menschenverstand zumeist Reißaus. Fromme Menschen haben in der Regel eine ausgeprägt schwärmerische Ader und bilden sich daher leicht Dinge ein, die gar nicht existieren. Sie mögen eine Zeitlang sogar noch wissen, daß ihre Geschichten unwahrscheinlich und bloß erdacht sind, aber es geht schließlich um eine hochheilige Sache, in der der Zweck die Mittel heiligt. Doch selbst dann, wenn solche bewußten Täuschungen nicht im Spiel sind, bleibt die Versuchung der Eitelkeit. Den Zuhörern wird es oftmals an Urteilskraft mangeln, um die Gewißheit der Aussagen zu überprüfen; ihre Leichtgläubigkeit wird die Unverfrorenheit des Erzählers noch steigern, und diese Unverfrorenheit wird wiederum die Zuhörer noch stärker einschüchtern und in ihnen die letzten Zweifel zum Verstummen bringen. Außerdem geht es bei religiösen Phänomenen nur in geringem Maß um Vernunft und Überlegung (wie man besonders deutlich in den Briefen des heiligen Paulus studieren kann); entscheidend sind vielmehr Einbildungskraft und Neigung. Was ein Cicero oder ein Demosthenes bei einer römischen oder athenischen Versammlung kaum bewirken konnte, gelingt heute fast jedem Fernsehprediger bei den meisten abergläubischen Menschen – durch die Erregung großer Gefühle und grober Leidenschaften. Die vielen Beispiele gefälschter Wunderberichte und mißglückter Prophezeiungen demnächst eintretender Ereignisse beweisen zur Genüge den starken Hang vieler Menschen zum Glauben an das Außergewöhnliche und Erstaunliche, und sollten folglich ein gesundes Mißtrauen gegen alle derartigen Berichte hervorrufen.“

    [Ende des Zitats]

    Nach meinem Wissen gibt es für die Annahme, dass religiöse Menschen allgemein Wunderberichten gegenüber leichtgläubig sind keine Belege. Interessanterweise sind in der Bibel Unglaube und Zweifel in Bezug auf Gottes übernatürliches Eingreifen nichts Unbekanntes (siehe Numeri 14,11, Psalm 78,32, Matthäus 8,5-10, 13,53-58, 28,17, Markus 9,21-24, Lukas 24,1-12, Johannes 12,37, 20,24-29, Jakobus 1,6-8).

  8. Patrick Sele sagt:

    Dass man die Wahrscheinlichkeit der Zuverlässigkeit eines Zeugenberichtes nicht von der Wahrscheinlichkeit des Berichteten abhängig machen kann, geht auch aus den Ausführungen des Philosophen Stephen Law in einem Artikel mit dem Titel „Evidence, Miracles and the Existence of Jesus“ im Kapitel „The Contamination Principle“ hervor. Der Artikel kann im folgenden Link gelesen werden:

    http://stephenlaw.blogspot.com/2012/04/published-in-faith-and-philosophy-2011.html

    Die folgenden zwei Auszüge aus einer Autobiographie können als Illustration dessen dienen, was Law in seinem Aufsatz als „Ted and Sarah case“ bezeichnet:

    „3. Bundeswehr: „Gang durch die Institutionen“

    Rudi Dutschke, der Studentenführer und Cheftheoretiker („Robespierre“) meiner Generation und der Generation davor, hatte den „Gang durch die Institutionen“ gepredigt. Mit dem Ende meiner Schulzeit sollte diese Aufforderung für mich Wirklichkeit werden.

    Mein Großvater stand an der Spitze von Kriegervereinen, die die Greuel der Weltkriege auch Jahrzehnte danach noch verherrlichten; mich den Enkel, hatten die pazifistischen Schullektüren von Remarque bis Borchert geprägt. Anstatt jedoch den Kriegsdienst mit der Waffe zu verweigern, wie es meiner inneren Überzeugung entsprochen hätte, meldete ich mich freiwillig als Zeitsoldat in eine Ausbildungskompanie der Bundesluftwaffe. Die Alltagsschikanen der Unteroffiziere und das zynische Menschenbild mancher Offiziere – sie sprachen von sportbegeisterten Abiturienten stets als „gutem Menschenmaterial – verfestigten meine Vorstellungen, nach einer möglichst unauffälligen Militärkarriere diese Strukturen wenigstens in Teilbereichen aufzubrechen und zu unterwandern. Ich wurde Offiziersanwärter, Gruppen- und Zugführer in einer Ausbildungskompanie.

    Der Apparat Bundeswehr hinterließ jedoch in mir mehr Spuren als ich in ihm. Meine Tarnung war nicht lange aufrechtzuerhalten.

    Wenn ein „Hörsaalleiter“ (Major) der Offiziersschule vom Krieg als „Normalfall“ sprach, konterte ich mit der Grundgesetzwidrigkeit dieses Ausspruches und wurde als „Kommunist“ beschimpft, was ich als Ehrentitel (ich ein „Held“?) genoß.

    Wenn sich Unteroffiziere ihre Späße mit psychisch kranken Rekruten machten, mußte ich gegenhalten. Aber selbst bei Rekruten meiner eigenen Gruppe konnte ich Verrohungen, Gleichgültigkeit und Anpassung, die sich in kürzester Zeit einstellten, nicht verhindern.“

    Michael Ackermann, Ich war ein Atheist, Wuppertal 1988, S. 21 f.

    „8. Okkultismus – ein Leben am Rande der Finsternis

    Ein wesentlicher Strang in meinem Leben ist der einer okkulten Belastung von Kindheit an. Als jemand, der zum Umfeld der neo-marxistischen „Frankfurter Schule“ und des „Bremer Kollektivs“ gehörte, müßte ich eigentlich die Mächte der unsichtbaren Welt, die reale Finsternis mit ihren Geistern und Dämonen, leugnen. Von meinem wissenschaftlichen Hintergrund aus müßte ich diese Mächte reduzieren auf ein psychoanalytisches Phänomen. Aber mein persönliches Erleben spricht dagegen!

    Mit sechs Jahren habe ich eine Dämonin visuell und akustisch kennengelernt, die mich jahrelang begleitete und zu Handlungen zwang, welche nur biblisch erklärbar sind: Auf bestimmten Wegen hatte ich „Wegezoll“ zu zahlen, indem ich sieben oder 13 Blätter abreißen, bzw. im Winter vom Boden aufheben mußte, um nicht wie angewurzelt stehenbleiben zu müssen … Nach Veränderung meiner gewohnten Wege hörte ich ihre Stimme, die rief: „Hier bist du ja, hab ich dich wiedergefunden. Es gibt keinen Ausweg für dich. Du bist ein Kind Satans. Du kannst nicht auf die andere Seite. Ich allein kann dir ein ruhiges Leben verschaffen.“ Die Finsternis hatte Anrechte auf mein Leben. Erst im Schutz des Feindes, in einem nach außen moralischen, nach innen aber menschenzerstörerischen Leben, fand ich vorübergehend Ruhe vor den Nachstellungen. Bisweilen ließ ich mich „kaufen“.“

    Ebd., S. 72.

    Ist es zulässig, dem Inhalt des ersten Berichts Glauben zu schenken, aber nicht demjenigen des zweiten?

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