Steuergelder für die Verblödung Ihrer Kinder

Das „Haus, das Verrückte macht“ in „Asterix erobert Rom“ macht sich über die ausartende Bürokratie und die seltsamsten Verwaltungsvorschriften lustig. In Hamburg wurde passenderweise entschieden, dass in der staatlichen Wilhelmsburger Ganztagsschule Fährstraße „waldorfpädagogische Elemente“ in den regulären Unterricht übernommen werden sollen. Die GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften), ein Verein von esoterikkritischen Wissenschaftlern, wandte sich im Vorfeld gegen das Projekt. Doch ihre Einwände wurden nicht ernstgenommen.

Wie die GWUP in einem offenen Brief an den Hamburger Schulsenator Ties Rabe erklärte, schafft das Projekt einen „Präzedenzfall“. Nun ist zu befürchten, dass auch andere staatliche Schulen in Deutschland esoterische Wahnvorstellungen in den Unterricht integrieren. Der Steuerzahler muss dafür aufkommen, dass seine eigenen Kinder und die Kinder anderer Menschen vom Staat verblödet werden. Sollte das so weitergehen, werden die Alternativen irgendwann rar, denn die meisten Privatschulen befinden sich in der Hand von religiösen Trägern – und werden größtenteils ebenso vom Staat finanziert. Wer sich eine aufgeklärte, rationale Bildung für sein Kind wünscht, muss in Zukunft sehr genau darauf achten, wo er sich mit seiner Familie niederlässt – vielleicht lieber in einem anderen Land.

Was ist die Waldorfpädagogik?

Die GWUP über die Waldorfpädagogik, Auszüge:

„Die Waldorfpädagogik wurde durch den Esoteriker und Okkultisten Rudolf Steiner begründet und ist Teil seiner esoterischen, anthroposophischen Lehre. Sie enthält ein Sammelsurium von anti-aufklärerischen, pseudowissenschaftlichen und rassistischen Ideen. Dazu zählen beispielsweise eine esoterische Entwicklungslehre („Jahrsiebte“) und eine willkürliche Einteilung der Charaktere der Schüler und Schülerinnen in vier Grundtypen („Temperamente“). Der Waldorf-Klassenlehrer soll nach Steiner Künstler, Priester und höchste Autorität sein. Er soll das Temperament und das angebliche „Karma“ seiner Schüler, das von ihren „früheren Leben“ geprägt ist, durch „Hellsicht“ erkennen und sein pädagogisches Handeln danach ausrichten. Diese esoterischen Konzepte durchdringen alle Fächer, auch den musisch-künstlerischen Bereich. Sie sind ein zentraler Teil der Waldorflehrerausbildung und kommen bis heute im Unterricht zur Anwendung.“

Aus der GWUP-Petition gegen die Schule:

„Nach Steiners Lehre wird in den ersten sieben Lebensjahren bloß der physische Leib entwickelt, das Kind ahmt angeblich nur nach, was es in seiner Umwelt vorfindet. Demgemäß steht das bloße Auswendiglernen und Wiedergeben im Zentrum des Unterrichts. Vom 8. bis zum 14. Lebensjahr soll sich ein „Ätherleib“ entwickeln, das Kind ist angeblich noch immer nicht in der Lage, begrifflich zu denken. Die Fähigkeit, Zusammenhänge kognitiv zu verstehen, wird den Kindern abgesprochen. Der Unterricht, auch der naturwissenschaftliche, soll noch reinen Erlebnischarakter haben.

Der Lehrplan der Waldorfpädagogik folgt in seinem Ablauf Steiners Kulturstufentheorie. Dahinter verbirgt sich ein Gedankengebäude mit rassistischen, sozialdarwinistischen Merkmalen. Der einzelne Mensch vollzieht demnach in seiner Entwicklung die Entwicklung der Menschheit nach. Die Entwicklung der Menschheit beginnt laut Steiner in Atlantis, befindet sich gegenwärtig in der 5. „Germanisch-Angelsächsischen Kulturepoche“ und endet mit der 7. ,der „Amerikanischen Kulturepoche“, die angeblich 5733 n. Chr. beginnt.“

André Sebastiani von der GWUP hat mir und anderen Unterstützern eine Mail geschickt, in der er die Reaktion der Hamburger Bildungsbehörde beschreibt:

„Trotzdem wird der Waldorf-Schulversuch in Wilhelmsburg im kommenden Sommer starten. Am 25.11.2013 hatte Senator Rabe zur Pressekonferenz geladen, um den Wilhelmsburger Schulversuch zu verkünden. An seiner Seite saßen u.a. Landesschulrat Norbert Rosenboom, Henning Kullak-Ublick (Vorstandsmitglied und Sprecher des Bundes Freier Waldorfschulen) und Christiane Leiste vom Waldorf-Verein Wilhelmsburg.

Offenbar war unser Protest aber zu stark, um einfach ignoriert zu werden. In seinem Eingangsstatement sprach der Senator von Gegnern, die „mit Schaum vor dem Mund“ versucht hätten das Ganze zu einem „Glaubenskrieg“ zu machen. Schulsenator Rabe wies unsere Bedenken als „obsolet“ von sich. „Wir wollen nicht die Lehre Steiners in die Schulen entsenden, sondern waldorfpädagogische Elemente verwenden, die mit den Bildungsplänen vereinbar sind.“ Auf unsere Argumentation, dass es unmöglich ist Steiners Esoterik aus der Waldorfpädagogik herauszulösen („Man kann nicht nur ein bisschen Waldorf sein“ – Prof. Hopmann), ging Rabe nicht ein und beließ es bei persönlichen Angriffen.

Wir, die 2.279 Unterzeichner und die Wissenschaftler des Wissenschaftsrats der GWUP, sind also in den Augen des Bildungssenators Glaubenskrieger mit Schaum vor dem Mund. Mit unseren Argumenten setzt man sich inhaltlich nicht auseinander. Wir halten das für schlechten Stil gegenüber allen, die sich aus guten sachlichen Gründen an unserer Aktion beteiligt haben!

[…]

Wenn Sie auch der Meinung sind, dass sich der Senator im Ton vergriffen hat und uns statt persönlicher Angriffe noch eine Erklärung schuldet, wie er trennen will, was nicht zu trennen ist, schreiben Sie dem Senator eine E-Mail unter pressestelle@bsb.hamburg.de.“

Macht, was ihr wollt – aber nicht mit unserem Geld

Nach meinem Dafürhalten sollte es durchaus allen Eltern freistehen, wie sie ihre Kinder erziehen und bilden möchten. Es ist nicht mein Recht, noch das Recht des Staates, noch das Recht der GWUP, anderen Menschen vorzuschreiben, was für ihre Kinder das Beste ist (es sei denn, die Eltern misshandeln oder vernachlässigen ihre Kinder physisch). Es sind ihre Kinder, es ist ihre Verantwortung, nach bestem Wissen und Gewissen für sie zu sorgen, bis sie volljährig sind. Sobald die Kinder volljährig sind, können sie ihre Eltern verlassen und es gegebenenfalls bereuen, jemals Eltern gehabt zu haben. In der Regel jedoch werden Eltern für ihre Kinder das Beste wollen und auch einen gewissen Aufwand in die Bildung ihrer Kinder investieren.

Wer A sagt, muss aber auch B sagen. Und B lautet in diesem Fall, dass die Eltern im genannten Szenario die Bildung ihrer Kinder auch selbst finanzieren müssen, beziehungsweise auf Organisationen der gegenseitigen Hilfe und private Stiftungen und Investoren angewiesen sein sollten. So ist es in Deutschland aber nicht. Vielmehr wird die Bildung größtenteils vom Staat finanziert – und nicht nur finanziert, sondern auch inhaltlich fremdbestimmt.

Solange die Bildung vom Staat finanziert wird, muss der Staat auch die inhaltliche Qualität und Verfügbarkeit der Bildung garantieren. Das tut er in diesem Fall offensichtlich nicht. Ähnlich wie Berliner Problemschulen möchte man solche Einrichtungen jenseits aller Vernunft und Ordnung kaum freiwillig betreten, geschweige denn seine Kinder jahrelang dorthin schicken. Eine Wahl haben die Menschen aber oft nur bedingt, weil der Staat ihnen die Mittel genommen hat, die Bildung ihrer Kinder selbst zu bestimmen.

Die Behauptung des Hamburger Schulsenators, die GWUP betreibe einen „Glaubenskrieg“ ergibt nur Sinn im ersten genannten Szenario, wenn Eltern die Bildung ihrer Schüler selbst bestimmen dürfen. Dann dürften sie ihre Kinder auf eigene Kosten auch mit Irrlehren konfrontieren. Sie ergibt jedoch keinen Sinn in unserer gesellschaftlichen Realität, wo der Staat bestimmen darf, mit welchen Ideen unsere Kinder zu bilden oder zu indoktrinieren sind. Hier zeugen diese Worten vielmehr von einem feudalen Machtverständnis, wenn bloßes Faustrecht entscheiden darf, wie der Laden läuft. Wo man Argumente entgegen demokratischen Gepflogenheiten einfach mit persönlichen Angriffen abschmettern kann, wo man sich als Politiker erlauben kann, über die Bedenken der Bürger hinweg zu trampeln. Wo man entscheiden darf, was mit dem Geld und den Kindern anderer Menschen zu geschehen hat. Nicht nur mit dem Geld und den Kindern der Menschen, die einen gewählt haben.

Gut, dass wir darüber geredet haben. Frohe Weihnachten.

Literatur

Die Pädagogin Irene Wagner über das Vorhaben: „Die anthroposophische Ideologie ist eine Verdummung der Menschen“

9 Kommentare zu “Steuergelder für die Verblödung Ihrer Kinder

  1. anti3anti sagt:

    D ist derart verrückt, das Waldorf schon normal ist.

  2. Ein Leser sagt:

    Auch von mir gute Weihnachtswünsche!

    Bei aller Sympathie für die tapferen Gespensterjäger, aber angesichts der schulischen Realitäten scheint mir das Thema wenig aufregend. Das Grundübel liegt eher, schon aus Sicht des Grundgesetzes, beim jahrelangen zwangsweisen Aufenthalt der Kinder in bestimmten staatlichen Gebäuden. mfG

    • Gut, nur wird sich daran so schnell nichts ändern. Die weitere Verblödung des staatlichen Schulsystems kann man wenigstens noch aufhalten.

      • Martin sagt:

        Nein, das glaube ich nicht. Das wird immer durchgegenderter, antisemitischer und sozialistischer.

        Aufgrund des völlig erbärmlichen Zustands des Schulsystems (das zu einem guten Teil m.E. vor allem durch viele, viele erbärmliche Lehrer verursacht wird) schicke ich meine Tochter inzwischen das dritte Jahr auf die private „Phorms“ Schule in HH. Fahre kein Auto, drum kann ich mir die >600 € Monat noch grade so leisten. Aber den staatlichen Dreck tue ich Ihr und uns nicht an, wenn ichs vermeiden kann.

  3. DeeTee sagt:

    Ich frage mich (bildhaft), wieso es für diese Esoterik-Pädogogen so einfach war, an den Passierschein A38 zu gelangen!

  4. Maier sagt:

    Prinzipiell stimme ich den obigen Thesen zu. Nur bin ich mir nicht ganz sicher, ob man die Indoktrinierung mit Irrlehren (Kinderverblödung) nicht auch schon als Kindesmisshandlung werten muss. In diesem Fall sähe die Situation wieder ganz anders aus.

    • Das ist eine verbreitete und sehr gefährliche Idee. Wer bestimmt in einer Demokratie, was Irrlehren sind? Die Mehrheit? Dann sind meine Ideen Irrlehren und die Ideen aller Minderheiten. Experten? Welche? Die Evolutionsbiologen, die glauben, der Mensch wäre ein Affe und fertig oder die Neurowissenschaftler, die glauben, der Mensch sei durch automatische Hirnvorgänge determiniert? Und warum sollten Experten das Recht haben, über andere Menschen zu herrschen?

  5. Als Mitarbeiter einer Waldorfschule und Nicht-Anthroposoph kann ich versichern, dass „ein bisschen Waldorf“ durchaus geht. Auch dort wird nicht so heiß gegessen wie gekocht wird. Manchmal wäre etwas mehr „Waldorf“ im Sinne einer Distanzierung von negativen Auswüchsen der Spaßgesellschaft sogar besser. Aber da machten die Waldorfschulen leider eine ähnliche Entwicklung durch wie die Kirchen.
    A propos: Der Religionsunterricht an Staatsschulen steht auch nicht auf hundertprozentiger wissenschaftlicher Grundlage.

    Und was die Qualität der Ausbildung betrifft:
    „Nach aktuellen Daten erlangen an Freien Waldorfschulen 47,6 Prozent der Schüler die allgemeine Hochschulreife. Das sind über 20 Prozent mehr als an staatlichen Schulen.“
    http://www.erziehungskunst.de/nachrichten/inland/gute-leistungen-ohne-sitzenbleiben/

  6. Andreas Lichte sagt:

    André Sebastiani schreibt in seiner mail an die Unterstützer der Petition gegen die staatliche Waldorfschule:

    “… Auf unsere Argumentation, dass es unmöglich ist Steiners Esoterik aus der Waldorfpädagogik herauszulösen („Man kann nicht nur ein bisschen Waldorf sein“ – Prof. Hopmann), ging Rabe nicht ein und beließ es bei persönlichen Angriffen …”

    Hier ein kurzer Auszug aus dem Interview „Man kann nicht nur ein bisschen Waldorf sein“ mit Prof. Hopmann:

    “(…)

    Lichte: noch einmal zur Jahrsiebtelehre – von 0–7 Jahre wird der physische Leib entwickelt, von 8–14 Jahre der Ätherleib, von 15–21 Jahre der Astralleib, vom 21 Lebensjahr an endlich das „Ich“ – erst dann ist der Mensch ein Mensch. Was sagen Sie zu Steiners Mensch aus dem Esoterik-Baukasten?

    Hopmann: Wir leben in einer freien Gesellschaft. Also hat jede/r das Recht, jeden Unfug zu glauben. Nur sollten sich Eltern, die ihr Kind einer Waldorfschule anvertrauen, darüber im klaren sein, dass sie dann einer Pädagogik vertrauen, die ein heilloses Gebräu esoterischer Glaubenssätze über Drüsen, Zahnentwicklung, astrologischen Einflüsse und ähnliches ist, das von der modernen Kinderpsychologie und der aktuellen Lehr-Lern-Forschung durchweg als durch nichts begründbarer Unsinn abgelehnt wird. Entschiedene Waldorfianer wird das nicht anfechten: Wie alle Sekten sind sie gegen widersprechende Wissenschaft immun.

    (…)”

    zum Interview: http://www.ruhrbarone.de/waldorfschule-„man-kann-nicht-nur-ein-»bisschen«-waldorf-sein“/

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