Video: Was ist Kunst?

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=VQtgGASlvXk[/tube]

Ich arbeite an der ersten deutschen Vorlesungsreihe über die objektivistische Philosophie von Ayn Rand. Ich werde sie in Form von Videos unterschiedlicher Länge auf YouTube gratis zur Verfügung stellen. Die Vorlesungsreihe beruht auf Texten aus meinem Philosophiebereich, die ich verbessere und erweitere. Diese wiederum bauen auf den „offiziellen Texten“ rund um Ayn Rands Philosophie auf. Größtenteils von ihr selbst, teilweise von anderen Mitgliedern der Denkschule. Den Text zum aktuellen Video findet man unter Ästhetik.

Der Link zum Video: http://www.youtube.com/watch?v=VQtgGASlvXk

Ich habe mich außerdem zu einigen Veränderungen im Feuerbringer-Magazin durchgerungen. Bislang habe ich immer abwechselnd oder gleichzeitig zwei Zielgruppen angesprochen: Rational denkende, in der Regel intellektuelle Menschen und die breite, interessierte Öffentlichkeit. Von nun an werde ich nur noch rationale Zeitgenossen ansprechen und die breite Öffentlichkeit so breit sein lassen, wie sie möchte.

Dazu habe ich zwei Geschichten auf Lager. Einmal war ich zufällig auf die Antrittsrede eines Bürgermeisters von einer kleineren Gemeinde gestoßen. Darin führte er Zitate unterschiedlicher berühmter Denker an, um sich wichtig zu machen. Ich wies ihn in einer Mail darauf hin, dass die Denker, die er anführte, aus unterschiedlichen Zeitaltern stammen und teils völlig konträre Ideen vertraten, weshalb es wenig Sinn ergebe, sie aneinanderzureihen. Von der Presseabteilung bekam ich dann eine zusammenhanglose Abwimmelungsantwort. Ein anderes Mal wurde ich auf eine katholische Organisation aufmerksam, die behauptete, die Straßenverkehrsordnung gehe auf die Zehn Gebote zurück. Ich schrieb ihnen eine umfassende Mail, in der ich erläuterte, warum die Zehn Gebote nichts mit der Straßenverkehrsordnung zu tun haben. Als Antwort erhielt ich die Erklärung, dass die Organisation offiziell von der katholischen Kirche anerkannt sei.

Aus diesen und ähnlichen Erfahrungen musste ich schlussfolgern, dass die meisten Deutschen keinen Respekt vor Ideen haben, dass sie die Bedeutung von Ideen für das menschliche Leben, für das Schicksal von Nationen und Zeitaltern nicht erkennen. Und es auch nicht wissen wollen, wenn man es ihnen so einfach wie möglich erklärt. Ich halte nichts von der Erklärung dieses Umstandes, dass die meisten Menschen „eben so wären“. Im antiken Griechenland waren die meisten Bürger nicht so. Im Amerika des 18. Jahrhunderts waren die meisten Bürger nicht so. Im viktorianischen England waren die meisten Bürger nicht so. In keinem kulturell erfolgreichen Zeitalter waren die meisten Menschen der Ansicht, dass Ideen bedeutungslos wären. Das sind nur die pragmatischen Dummbolzen in Deutschland, für die es keine Wahrheit und Bedeutung gibt, sondern die einfach machen, was „funktioniert“ und ihrem unmittelbaren Nutzen zu dienen scheint. Die objektivistische Ethik beruht zwar auch auf dem Eigeninteresse, aber auf dem rationalen Eigeninteresse. Sie erkennt die Existenz von Naturgesetzen und die Notwendigkeit ethischer Prinzipien an. Und die Notwendigkeit des systematischen, rationalen Denkens auf lange Sicht. Das wahrhaft Praktische ist das Gegenteil des Pragmatischen.

Zum mangelnden Respekt vor Ideen gesellt sich eine andere weit verbreitete Haltung, nämlich ein Mangel an Wohlwollen. Egal, was man sagt, zu viele Menschen sind spontan der Meinung, dass man es so bösartig wie möglich meinen muss. Kritisiert man ein Kunstwerk, muss das bedeuten, dass man Bücher verbrennen lassen will. Argumentiert man für die Privatisierung von Straßen, muss das heißen, dass man arme Menschen von den Straßen verbannen möchte. Argumentiert man, dass Sex und Liebe zusammengehören, dann muss das heißen, dass man außerehelichen Sex kriminalisieren lassen will. Ich habe keine Lust, länger den Versuch zu wagen, solchen Arschlöchern rationales Denken zu vermitteln.

Zugleich werde ich verstärkt versuchen, die objektivistische Philosophie verständlich zu erläutern – aber nicht länger für eine breite Zielgruppe. Sondern nur noch für Menschen, denen ich nicht gleich einen Ziegelstein an den Kopf werfen möchte, sobald sie den Mund aufmachen.

In diesem Kontext hatte ich auch vor, meinen Shirt-Shop zu schließen, aber stattdessen werde ich auch dort das Niveau etwas anheben (und habe auch schon etwas aufgeräumt). Für mich als Blogger und Autor ist die breite Öffentlichkeit gestorben. Vielleicht werde ich bei anderen Tätigkeiten noch versuchen, sie zu erreichen, aber freiwillig, ohne angemessene Bezahlung – eher nicht.

13 Kommentare zu “Video: Was ist Kunst?

  1. Dr. Webbaer sagt:

    Yo!, guter Text, Debattenkultur in D ziemlich im Eimer; viel Erfolg und Glück im Neuen!
    MFG
    Wb

  2. Teilanonymer Leser sagt:

    Subjektiver Teil des Kommentars:
    Das beschriebene deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen.
    Wer hat schon Lust ständig Perlen vor die Säue zu werfen.
    Wenn ich den intellektuellen Zustand der Leute betrachte denen ich in meinem täglichen Leben begegne, muss ich mich schon aktiv anstrengen um nicht in eine Art malevolent universe Depression zu verfallen. Das Studium des Objektivismus öffnet mir mit jeder investierten Minute unermesslich die Augen.
    Nun erblicke ich leider eine Welt voller hässlicher Gnome aus denen ich mir meine Freunde und Handelspartner aussuchen muss; eine Welt in der ich um mein Leben fürchten muss, wenn ich für meine Ideale einstehe(weil die Menschen keine echten Prinzipien haben. Jeder sagt er wäre gegen Gewalt, aber sobald er sich genug provoziert fühlt, wodurch auch immer, gibt es nur noch Totschlag,Mord,Foltermord). Mir zumindest erscheint es bei vielen Menschen äußerst plausibel…Man braucht nur die richtigen Themen anzuschneiden und auf seiner Meinung zu beharren; vielleicht geht es durch ein Paar stufen der „Eskalation“(Rationalisierung) und dann geht es nur noch darum wer dem anderen schneller den Schädel einschlägt. Schade, dass hier keine Schusswaffen erlaubt sind. Vielleicht würde ich mich dann sicherer fühlen.
    Objektiver Teil des Kommentars:
    Ich denke es ist sowieso nicht möglich, eine relevante Breite Masse zu erreichen, solange sich die Leute nicht für Ideen interessieren. Nicht mit vereinzelten Sachtexten. Zumindest erscheint es mir nicht die sinnvollste Nutzung der Zeit der 2-3 objektivistischen Intellektuellen in Deutschland durch Veröffentlichen von Sachtexten die an die Breite Öffentlichkeit gerichtet sind die Kultur zu verändern.
    Die Öffentlichkeit kann man sowieso nicht „bekehren“, man kann denke ich nur auf breiter Ebene die Ideen in eine Grobe Richtung beeinflussen. Man kann auch nicht erwarten seine Ideen einmalig in ein Massenmedium einzuspeisen; selbst wenn man ein Großes Publikum erreichen würde, wäre immer noch keiner da, der intelligent genug wäre die Ideen(oder auch nur deren Teile) konsequent weiterzuverbreiten. Sie wären immer noch der einzige oder fast einzige Objektivistische Intellektuelle. Was wir bräuchten ist doch schon eine Armee von Intellektuellen. Wäre es hierzu nicht das Beste, erst einmal einen Deutschen Objektivismus Think Tank auf die Beine zu stellen? Eine Art harten Kern, aus dem hoffentlich mit der Zeit eine Bewegung wächst. Erst einmal könnte man alle existierenden deutschen Objektivisten vernetzen; Sofern diese nicht vorhanden sind, müsste man geeignete Individuen finden und überzeugen, sodass diese die Ideen dann weitertragen können. Woher? Tja gute Frage.

    Das Wichtigste was Sie diesem Kommentar(der etwas unstrukturiert sein mag, da ich mich heute nicht mehr so gut konzentrieren kann) entnehmen sollten ist das:
    Einer mehr. Ich persönlich weiß noch nicht welche Karriere ich wählen werde. Aber wenn die Zeit reif ist werde ich meinen Teil beitragen.
    Damit ein frohes Neues Jahr!

    P.s: Was ist eigentlich der genaue Zustand der Objektivistischen Bewegung in Deutschland, derzeit?

    • Es gibt keine objektivistische Bewegung in Deutschland. Die Objektivisten, die es gibt, sind schon fast alle vernetzt. Die meisten haben entweder keine / kaum Lust oder keine Lust mehr, sich für diese Sache einzusetzen. Dafür müsste sie jemand bezahlen oder zumindest entschädigen, was im Grunde auch angemessen wäre. Kann ich aber nicht und es gibt auch keinen wohlhabenden Mäzen. Eine objektivistische Denkfabrik ist ein großes, langfristiges Ziel von mir. Bis dahin bleibt das wohl auf eine Handvoll Leute, vor allem auf mich selbst, begrenzt. Danke für die aufmunternden Worte. Ebenso ein frohes neues Jahr!

  3. Leopold Stotch sagt:

    Ich bin gespannt, was du genau ändern wirst. Eigentlich war dein Blog ja schon bisher konsequent an rationale Leute gerichtet, und Vertreter der breiten Öffentlichkeit haben sich nur noch hin und wieder mal hierher verirrt und ihr Glück mit einem argument from intimidation im Kommentarbereich versucht.

    Auch von mir ein frohes und erfolgreiches Neues!

  4. DeeTee sagt:

    Hmmm.
    Ich sehe mich als langjährigen Leser, der immer noch permanent diesen Blog vollständig verfolgt, obwohl selten kommentierend, in der Mitte zwischen Intellektuellen und den „Säuen“. Ich bin, obwohl ich leiser wurde, durch den Blog beeinflusst worden. Ich war und bin immer noch nicht komplett objektivistisch, aber zu 85 % stimme ich diesem zu.
    Da ich wissenschaftlich denke, liegt mein Hauptproblem bei der Willensfreiheit. Egal.
    Gut nachvollziehen aber kann ich Deine Frustration schon. Ich habe einen Youtube-Kanal, mit dem ich nie Geld verdienen wollte, aber ich merke schon wie es mich wurmt, dass ich immer weniger Klicks bekomme obwohl ich mir soviel Mühe gebe! Und auf die Nase fallende Babys sofort Millionen sehen wollen. Ich verdiene als Krankenpfleger nicht soooo viel, aber mein YT-Kanal wird wohl immer nur mein Hobby bleiben, und ich kann Dir nur raten es auch so zu halten – vielleicht ist die Zeit irgendwann ja reif für einen Durchbruch. Ich finde es jedenfalls schade, wenn Du Deinen Blog beschränkst und Dich hier zurückziehst. Mich hast Du schon erreicht, auch wenn Du bis auf den Kauf des „Westens“ kein Geld mit mir verdient hast.
    Ich verfolge die Themen Physik, Astronomie, Biologie sehr stark (auch Krankenpfleger können mal Abi gemacht haben und besitzen eine eigene kleine Sternwarte, von wegen Intellekt und dem Herabschauen der vermeintlich Schlauen auf den Rest der Gesellschaft) aber zur Philosophie, die ich eher am Rande streife, bin ich von Anfang an über die Religionskritik gekommen. Dass ich weniger kommentiere, liegt wohl auch daran, dass dieser Blog immer mehr abhebt und sich zur Objektivismus-Nische entwickelt hat.
    Das ist mein Senf dazu, mach was gut für Dich ist, ich bedanke mich jedenfalls von Herzen bei Dir, weil ich Deinen Blog immer gerne gelesen habe und mich vieles zum Nachdenken angeregt hat.

    • Nun, der Objektivismus ist ein breites Feld. Ich werde auch weiterhin über die Themen schreiben, die ich bislang behandelt habe, nur eben etwas anspruchsvoller. Danke für deinen Kommentar. Ich rechne auch nicht damit, dass meine Arbeit als Aufklärer zu meinem Beruf werden kann. Aber als Hobby sehe ich es auch nicht, dafür ist es viel zu aufwändig.

    • Ich beschwere mich eigentlich nicht über Leute, nur weil sie keine Intellektuellen sind. Das wäre ziemlich sinnlos. Ich habe eher ein moralisches Problem mit einer bestimmten Menge von Leuten, die auf meine Darstellungen und Erklärungen und Positionen unfair reagieren, die im Grunde nur ihre Vorurteile gegen den „Kapitalismus“ wiederholen – oder sogar gegen die Vernunft – ohne mir erkennbar zugehört zu haben oder irgendetwas verstanden zu haben oder es verstehen zu wollen. Man könnte sagen, ich habe ein Problem mit Leuten, welche die Entscheidung treffen, sich wie unverschämte Idioten aufzuführen. Mal angenommen, ich habe keine Ahnung von, sagen wir, Astrophysik – dann werde ich nicht bei Astrodicticum Simplex (dem Blog) auftauchen und Florian unterstellen, dass er und seine bösen Wissenschaftler eigentlich das Universum in die Luft jagen wollen. Aber wenn jemand in Deutschland für freie Marktwirtschaft eintritt, ist das für manche offenbar eine Rechtfertigung für beliebige Unverschämtheiten. In der Regel teilen sie mir das nicht hier mit, weil sie vermutlich zu dumm sind, die mathematischen Aufgaben für Kommentare zu lösen (8-7 = ?), aber dann eben bei Facebook, Twitter, in persönlichen Gesprächen oder sonstwo. Ich will mit solchen Leuten eigentlich gar nicht reden oder sie hier anlocken. Aber ich habe durchaus vor, weiterhin klar und verständlich zu schreiben.

  5. Rüdiger sagt:

    „Zum mangelnden Respekt vor Ideen gesellt sich eine andere weit verbreitete Haltung, nämlich ein Mangel an Wohlwollen. Egal, was man sagt, zu viele Menschen sind spontan der Meinung, dass man es so bösartig wie möglich meinen muss.“

    Aber nur, wenn man etwas vom „Mainstream“ Abweichendes sagt – – wobei „Mainstream“ nicht die Mehrheit des Volkes meint, sondern ein geschätztes oberes Viertel, das die Medien, den Kulturbetrieb und die Politik dominiert, das Universitäten und höhere Schulen durchlaufen hat und dessen vorwiegend linke, freiheitsfeindliche und „multikulturelle“ Meinungen in scharfem Gegensatz zu dem stehen, was die Mehrheit der Bevölkerung so denkt.

    Dieses „mangelnde Wohlwollen“ ist einfach der Konformitätsdruck, den diese Gruppe – wie übrigens jede Gruppe – erzeugt, die ihre eigene Ideologie als Aufnahmebedingung in ihren Kreis ansieht. Sie fordert die Anerkennung ihres falschen Bildes von der Wirklichkeit als Tribut, die Verbeugung vor dem Gesslerhut als Eintrittsberechtigung in die Gruppe der gesellschaftlich herrschenden „Funktionseliten“.

    Übrigens beweist sie damit gerade, was sie scheinbar ja so heftig ablehnt: die Realität und Wirksamkeit von Ideen (selbst wenn es, wie in ihrem Fall, falsche sind).

    Zwar werde ich nicht – wie anscheinend der „Teilanonyme Leser“ mit Mord und Folter bedroht. Aber das „mangelnde Wohlwollen“ abweichenden Anschauungen gegenüber, ja ihre Dämonisierung ist mir vertraut.

    Schlimm war es aber eigentlich nur, solange ich selbst diese Dämonisierung als ernsten Einwand angenommen und damit innerlich mitgemacht habe. Dies obwohl sie ja nicht rational begründet ist, sondern auf der offenkundigen, mit den Händen greifbaren Furcht davor beruht, das Erstarken einer abweichenden Meinung könnte der „Mainstream“-Gruppe einmal gefährlich werden und ihr mühsam errichtetes ideologisches Kartenhaus, ihren Schutzschild vor der Wirklichkeit, zum Einsturz bringen.

    Seit ich mich davon befreit habe, lebe und denke ich herrlich frei und ungeniert – ein wunderbares Gefühl!

    Ich kann es mir natürlich nur leisten, weil ich selbst keine Herrschaftsambitionen habe, nicht dazugehören will und im übrigen mein Auskommen gefunden habe.

    • Ich kann es mir natürlich nur leisten, weil ich selbst keine Herrschaftsambitionen habe, nicht dazugehören will und im übrigen mein Auskommen gefunden habe.

      Na ja, es gibt immer Kompromisse, die man nicht eingehen würde, egal, wie hoch die Kosten sind.

      • Rüdiger sagt:

        Stimmt, und das relativiert meinen letzten Satz (zu schnell hingeschrieben).

      • Wobei Ideen immer von der Elite in die breite Bevölkerung hinabsinken, sozusagen. Darum adressiere ich jetzt auch die Teile der Elite, die noch dafür zugänglich sind.

  6. Falk sagt:

    Hallo Herr Müller,

    ich habe nur einen kleinen Linktipp.
    Auf dieser Seite finden sie immer wieder ziemlich geile Kunst:
    http://seite360.de/tag/bildende-kunst/

    Wenn man mal die Nase von Kontroversen und Blödheit voll hat, kann man sich dort ein paar nette eskapistische Minuten oder Stunden geben.
    Das finde ich zum Beispiel großartig:
    http://seite360.de/2013/03/03/from-within-a-book/

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.