Über den Umgang mit willkürlichen Gesetzen

Ich habe gerade den Reisebericht „Beobachtungen über die Türken“ von Ogier Ghiselin de Busbecq von 1555-62 gelesen. Wer das bereits seltsam findet, kennt noch nicht Herrn Busbecqs Beschreibung, wie die Türken mit dem islamisch begründeten Alkoholverbot umgingen.

Der Botschafter von König Ferdinand I., Ogier Ghiselin de Busbecq, empfing bei seiner Reise in die Türkei bei sich eine Gruppe von Türken, die sich von seinem Wein angezogen fühlten. „Die Wirkung der aufgezwungenen Abstinenz besteht darin, dass sie so wild auf einen Schluck Wein sind, dass sie sich bei jeder Gelegenheit besaufen.“ Als Herr Busbecq zu Bett geht, machen auch die Türken Anstalten zu gehen. „Meine türkischen Gäste machten sich auf, um zu gehen, doch ihre Betroffenheit war groß, als sie bemerkten, dass sie noch nicht sturzbesoffen waren und noch ihre Beine gebrauchen konnten.“

Der Gastgeber gestattete den Türken also, bei ihm zu bleiben und so viel Wein zu trinken, wie sie wollten. „So ausgestattet hörten die Gesellen nie auf mit dem Trinken, bis sie alle im letzten Vergiftungsstadium ausgestreckt auf dem Boden lagen.“ Das Verhalten der Türken mag verwundern, wo ihnen Alkohol als Muslime doch verboten war. Herr Busbecq erklärt es so: „Ihr Gedankengang lautet, wenn sie die Sünde schon begehen, dann kosten sie diese gleich aus und werden sturzbetrunken, da ihnen in jedem Fall dieselbe Strafe nach dem Tode bevorsteht.“ Der Botschafter berichtet ferner von einem alten Mann in Konstantinopel, der so laut schrie, wie er konnte, bevor er ein Glas Wein trank. Seine türkischen Freunde erklärten Herrn Busbecq, dass er das tat, um seine Seele vor dem Wein zu warnen. Die Seele sollte sich tief im Körper des alten Muslims verbergen, um nicht durch den Wein verunreinigt zu werden. So könnte der alte Mann Wein trinken, ohne Folgen für sein Seelenheil zu riskieren.

Später berichtet Herr Busbecq übrigens, dass die Türken Ausländer nicht ausstehen könnten und die einzige Möglichkeit, sie zu besänftigen, bestehe darin, den Geldbeutel bei der Ankunft in der Türkei zu öffnen und ihn erst beim Verlassen des Landes wieder zu schließen.

Ein Kommentar zu “Über den Umgang mit willkürlichen Gesetzen

  1. Alexia sagt:

    Heute bezeichnen Türken ihren Raki als Medizin. Dadurch können sie sich im Nachleben immer noch damit herausreden, dass sie es ja nehmen mussten um zu gesunden.
    Andere konsumieren ihr Genussmittel schon ehrlicher als solches aber nur innerhalb ihrer Häuser oder Wohnungen. Und dann nur mit zugezogenen Gardinen. Sie sind sich sicher, dass Gott ihren Frevel dadurch nicht mitbekommt.

    Zumindest wurde mir das vor ein paar Jahren von einem türkischen Reiseführer erzählt.

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