Vorlesung: Die objektivistische Metaphysik (Video)

Nach dem Clip über die objektivistische Ästhetik ist nun der erste „echte“ Teil meiner Vorlesungsreihe über Ayn Rands Philosophie fertig:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=-9E75TSbpsQ[/tube]

Link zum Video: http://www.youtube.com/watch?v=-9E75TSbpsQ

Ich empfehle „HD“-Auflösung, dann könnt ihr die Schrift besser lesen.

Fast 40 Minuten lang geht es um die grundlegende Beschaffenheit des Universums. Ist der Wille frei? Ist unser Leben vorherbestimmt? Gibt es einen Gott? Diese Fragen werden ebenso behandelt wie eher „technische“ Fragen, darunter „Ist Induktion möglich?“. Erstaunlicherweise wird ja selbst das bezweifelt. Wie ich im Video erkläre, hätte eine mangelnde Validität der induktiven Methode verhängnisvolle Auswirkungen auf die naturwissenschaftliche Forschung. Wobei Forscher nun umgekehrt sagen könnten, dass sie nun aber offensichtlich Recht haben und sich also die Philosophen irren müssen. Was ich im Grunde ebenfalls sage. Nur irren sich immerhin nicht alle Philosophen.

So könnt ihr mithelfen:

1. Wenn ihr das Video gut findet, dann bewertet es bitte mit „Daumen hoch“ und teilt es auf Facebook, Twitter und co.

2. Wenn ihr die Vorlesungsreihe unterstützen möchtet, könnt ihr mir via PayPal (terry_rotter(at)arcor.de) eine Spende schicken.

3. Ihr könnt euch einen guten Titel für die Reihe überlegen, falls euch „Ayn Rands Objektivismus“ nicht zusagen sollte.

Es handelt sich bei diesem und den kommenden Videos um die erste deutsche Vorlesungsreihe über den Objektivismus. Das muss man sich einmal vorstellen, wenn man bedenkt, wie viel Häme Mrs. Rand auch hierzulande hat einstecken müssen für ihre Ideen – die kaum jemand in Deutschland kennen oder beurteilen konnte, denn fast alle ihrer Bücher gibt es nur auf Englisch. Darunter ihr philosophisches Gesamtwerk (!) – nur einige Romane wurden übersetzt. Nun, als überzeugter Elitist bin ich der Aufassung, dass man etwas, das man kritisiert, zunächst kennen sollte.

Unter anderem aus diesem Grund investiere ich meine Zeit in diese Vorlesungen, die es alle natürlich gratis geben wird. Außerdem möchte ich der Nachwelt etwas Wertvolles hinterlassen. Und da ich mich bereits gegen eine Organspende entschieden habe (ich behalte sie, bis der Staat anerkennt, dass meine Organe mein Eigentum sind und ich sie darum verkaufen darf) – warum nicht einige Vorlesungen, die in Deutschland nur wenige Menschen überhaupt halten könnten (weil es kaum Objektivisten gibt, geschweige denn solche mit genügend Detailwissen)? Und die ich für sehr wichtig erachte, denn Deutschland könnte mehr Vernunft gebrauchen. Und eine Orientierung an rationalen Werten – im Unterschied zum reinen Pragmatismus, der viel weniger praktisch ist, als er glaubt.

32 Kommentare zu “Vorlesung: Die objektivistische Metaphysik (Video)

  1. anti3anti sagt:

    Guter Vortrag!
    Die Annahme, dass es keine Attribute ohne Entitäten gibt, ist physikalisch überholt.

    • Danke.

      Also, es soll Eigenschaften geben ohne etwas, das diese Eigenschaften hat? Quasi gibt es demnach „rund“ und „zwei Meter groß“, ohne etwas, das rund und zwei Meter groß ist. Moderne Physiker sind nicht unbedingt gute Philosophen.

      • anti3anti sagt:

        Es geht um Physik, nicht um Philosophie!
        Fangen wir einfach an:
        „Rund“ gibt es nicht in der Praxis, nur in der Theorie (Idealismus).
        „2 m groß“ ist keine Eigenschaft, sondern eine bestimmte Menge von Teilchen.
        Bei Akzeptanz später mehr.

        • Ich sehe keinen Grund für eine eliminatorisch-physikalistische Beschreibung der Realität. Wenn wir von Physik und nicht von Philosophie reden, sollten Physiker vielleicht keine philosophischen Begriffe wie „Entität“ und „Attribut“ gebrauchen, um damit etwas anderes zu beschreiben als die Philosophen. Das erscheint mir verwirrend und nicht zielführend.

          Ich weiß aber, worauf du hinauswillst. In der „physischen Beschreibung“ unabhängig von einem subjektiven Beobachter spricht man nicht von Form, Farbe, Größe, etc. (Qualia), sondern von einen Haufen Teilchen.

          • sba sagt:

            Wo liegt eigentlich das Problem bei fachsprachlichen Bedeutungsunterschieden? Solange der Referenzrahmen klar ist, sollte es doch eigentlich keine Probleme geben? (Halt erst, wenn sich ein Feuerwehrmann mit einem Matrosen über’s Löschen unterhält und keiner von beiden den Beruf des Anderen kennt.)

  2. anti3anti sagt:

    Worauf ich hinaus will? Ich will, dass sich Philosophie mit der Realität beschäftigt.

    • Das tut sie doch, jedenfalls der Objektivismus. Die moderne Physik hat eine Philosophie, die das vielleicht nicht tut, wenn Physiker meinen, metaphysische Axiome leugnen zu müssen.

      • anti3anti sagt:

        Das Sein macht das Bewusstsein! Die Physik leugnet nicht, sie sucht nach Erkenntnissen. Die Philosophie sollte sich an die Physik halten, nicht umgekehrt.
        Wenn die Physik nun feststellt, dass ein Attribut eine Entität ist, so ist es nun Aufgabe der Philosophie, es uns Menschen verständlich zu machen.

        • Das sehe ich anders. Die Philosophie sucht ebenso nach Erkenntnissen, aber sie beantwortet grundlegendere Fragen als die Einzelwissenschaften. Ich denke, der Vortrag sollte einen guten ersten Einblick bieten, welche Fragen das sind. Wenn sich irgendwo ein Problem auftut, muss das nicht an der Philosophie liegen, es kann genauso sein, dass Physiker ihre Entdeckungen auf unsinnige Weise interpretieren. In der Tat zeigt die Wissenschaftsgeschichte auch auf, dass moderne Quantenphysiker im Besonderen sich von den absurdesten modernen Philosophien beeinflussen ließen (z.B. sind sie nicht alle länger der Meinung, dass Atome wirklich existieren, vgl. David Harriman: The Logical Leap). Ein Attribut ist eine Eigenschaft einer Entität wie Größe, Form und Farbe. Größe ist nicht selbst eine Entität. Das ergibt keinen Sinn. Irgendwer ist hier unachtsam mit seinen Definitionen und geht willkürlich damit um.

          • Ich denke nicht, dass es Aufgabe der Philosophie sein kann, den Leuten Unmögliches, Widersprüchliches, Willkürliches verständlich zu machen. Die Philosophie hat vielmehr eine Wächterfunktion inne, um uns vor Angriffen auf die Vernunft zu bewahren, insbesondere in Form von Angriffen auf die metaphysischen Axiome. Man muss im Grunde seinen Verstand verlieren, wenn man sie nicht länger akzeptiert; wenn man glaubt, dass A = B ist, dass man ein Vermögen haben kann, um das wahrzunehmen, was existiert – ohne dass etwas existieren würde, dass Widersprüchliches existieren kann.

          • Drückt man die Aussage mit grammatischen Begriffen aus, wird deutlicher, warum sie nicht zutreffen kann: „Ein Attribut ist eine Entität“ = „Ein Adjektiv ist ein Substantiv.“

            Nein, ist es nicht. Ein Adjektiv ist kein Substantiv. Ist mir egal, was Physiker dazu sagen.

          • Die Quantenphysik erklärt, wie die quantitativen Elemente des atomaren Verhaltens zusammenpassen, aber sie bietet keine kausale Erklärung für atomares Verhalten – dafür, warum Atome und Moleküle tun, was sie tun. Wir können mehr oder minder berechnen, was sie tun werden, aber es nicht erklären. Schreibt jedenfalls Richard Feynman in The Character of Physical Law. Also sollte man nicht so tun, als könnte man es erklären – sondern weiterforschen und weiterdenken.

          • Amduscias sagt:

            Ich glaube an diesem Buch wird deutlich warum man zur reinen Naturwissenschaft auch eine profunde Philosophie benötigt:

            http://www.amazon.de/Quantenspirit-Quantenphysik-Helmut-G%C3%BCnter-Baumgarten/dp/3842383916/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1389428605&sr=8-1&keywords=quantenspirit

            Es ist schon sehr interessant, was passiert, wenn der Intellekt eines studierten Physikers und Chemikers Amok läuft.

        • tischheit sagt:

          Ich gebe A.M. insofern Recht, als sie eine nicht ganz passende Vorstellung davon haben, wozu Philosophie gut ist. Die Philosophie kann sich aus „methodischen“ Gründen nicht „an die Physik halten“. Die Philosophie untersucht die Bedingungen der Möglichkeit. Das ist etwas völlig anderes, als bloßes „verständlich machen“. (Auch wenn sie das bisweilen auch tut.)
          Aus diesem Vortrag werden sie aber sowieso kaum etwas lernen können. Der vorige über die Kunst war durchaus solide. Auch wenn er sich auf Grundlagen beschränkt, kA ob es eine wirkliche objektivistische Kunsttheorie für die Fragen gibt, die die Kunstphilosophie wirklich(!) beschäftigt (also alles was über das triviale „was ist Kunst und was nicht“ hinausgeht).
          Dieser Vortrag hingegen ist uninteressant. Was hier vorgestellt wird, ist geradezu haarsträubend, bzw erklärt er nichts. Stichwort kratyllische Illusion, linguistic turn,… Und dass jeder sich seine „eigene Realität erschaffen kann“ behauptet in der Philosophie ohnehin niemand. Theorien, die man kritisiert, sollte man wenigstens kennen. Lesen sie lieber die 300 jahre alten Texte des englischen Empirismus. Selbst aus denen kann mehr mehr über Quantenphysik lernen. Und das sind immerhin echte Empiristen und keine Esoteriker.

          • Man erfährt in dem Vortrag also nichts über den Linguistic Turn, der die Philosophie auf Sprachspielerei reduzierte und den Ayn Rand anderswo kommentierte. Ferner erfährt man nichts über Quantenphysik. Gegenstand des Vortrags ist die objektivistische Metaphysik. Objektive Bewertungsgrundlage ist also die Frage, ob ich den Gegenstand zutreffend und verständlich darstelle oder nicht. Stattdessen leugnen Sie den Konstruktivismus und den Kulturrelativismus und unterstellen mir Esoterik. Das wirft die Frage auf: Was wollen Sie von mir? Und warum hat Ihre Kritik nichts mit dem Vortrag zu tun?

          • tischheit sagt:

            Der linguistic turn reduziert doch Philosopie nicht auf Sprachspierlerei. 🙂

            Er macht „lediglich“ ‚(ua) deutlich, dass Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie nicht voneinander getrennt betrachtet werden können.

            Das können Sie übrigens bereits aus Locke herauslesen (auf den Sie sich gelegentlich berufen). Stichwort „das kaum beachtete dritte Buch“ des „Essay“, bzw auch das vierte.

            Der Konstruktivismus sagt außerdem nicht, dass jeder sich „seine eigene Realität“ zimmert. Das ist ein Missverständnis der Populärrezeption, das sich auflöst, sobald man sich in den Konstruktivismus eingelesen hat. (Was nicht heißt, dass ich ihm zustimme.)

            Mir kommt es vor, als würde der Objektivismus den Realienstreit einfach übergehen. Oder mit Locke: Wenn Sie sagen A=A, wie kommen Sie darauf, dass es die Natur ist, die die Ordnung vorgibt, die sich der Verstand von den Dingen macht? Warum plötzlich die Wertschätzung der idealen Sprache der Logik (die Sie in der Ethik nicht gelten lassen)? Es ist dasselbe Problem, wie bei Popper: Der hat auch nur gezeigt, dass man über „die objetktive Wirklichkeit“ logisch einwandfrei sprechen kann – genauso kann man über Gott logisch einwandfrei sprechen. Ob es ihn gibt, ob man etwas über ihn sagen kann, ist eine andere Frage.

          • Der Objektivismus hat eine eigene Antwort auf den Realienstreit, die zur Epistemologie gehört.

            Andere Philosophien behaupten nicht von sich selbst, dass sie ihre eigene Realität erfinden oder dass dies Individuen tun, sondern das wirft der Objektivismus vor allem der idealistischen, mystischen, religiösen Tradition vor. Wäre ja albern von ihnen, das zuzugeben.

            Ich schätze die Logik als Kunst der widerspruchsfreien Identifikation der Realität (Rands Definition).

            Das ergibt so keinen Sinn. Sie können nicht einfach wild herumspekulieren, was der Objektivismus aussagt, meine vermeintlichen Wissenlücken ankreiden und meinen, damit etwas bewiesen zu haben. Wenn Sie der Objektivismus auf akademischer Ebene interessiert, ist das gut, aber dann lesen Sie doch bitte auch die Fachliteratur, die meine Einführungsvideos nicht ersetzen sollen.

          • Jetzt sehe ich, dass Sie das Existenzaxiom bezweifeln, also die Existenz der objektiven Realität. Unter diesen Bedingungen ist eine weitere Diskussion zwecklos.

          • tischheit sagt:

            Ja, es ergibt keinen Sinn, hier weiter zu diskutieren.

            Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass Sie einen Großteil der Philosophie nur aus der Sekundärliteratur kennen, und aus dem, was der Objektivismus dazu sagt. Linguistic turn = Gleichsetzung der Philsophie mit Sprachspielereien (???)

            Sie legen sich nämlich ziemlich selbstbewußt mit allen möglichen Philosophien und deren Teildisziplinen an. Egal ob Erkenntnistheorie oder Kunstphilosophie, egal ob Kant, Hume oder Nietzsche – sie handeln alles in 2,3 Sätzen ab.

            In der akademischen Philosophie braucht man Jahre um sich auf eine Richtung zu spezialisieren.

            In keiner anderen Disziplin braucht es solange, eine Habilitation zu erlangen.

            Philosophie ist wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Originaltexten(!).
            Zusammenfassungen bringen nichts. Die sind nur gut 1) für Laien 2) um sich einen groben Überblick zu verschaffen.

            Die Existenz der objektiven Realität bezweifle ich persönlich übrigens überhaupt nicht. Ich wüsste auch nicht, wie das aus meinen postings hervorgehen sollte.

            Ich sag nur: Originaltexte lesen. Alles andere ist sinnlos.

          • Sie argumentieren leider nicht, sondern Ihr gesamter Ansatz besteht darin, mir vorzuwerfen, angeblich keine Ahnung zu haben. Würden Sie argumentieren, dann beispielsweise, indem Sie schreiben: „Auf S. xy von Introduction to Objectivist Epistemology schreibt Ayn Rand, dass Kant xy behauptet hätte. Bei Kant steht jedoch xy in seinem Werk auf S. xy. Mir scheint das ein Widerspruch zu sein. Wie sehen Sie das?“ Dann würde ich bei Kant nachschauen und bei Rand nachschauen und mir eine Antwort überlegen. Oder Sie könnten schreiben: „Ich denke, hier fassen Sie Rand falsch zusammen, denn sie schrieb in xy tatsächlich xy“.

            Der Gipfel der Ironie besteht darin, dass Sie sich vehement weigern, die objektivistische Literatur in den von Ihnen angeblich geheiligten Originaltexten zu lesen. Und sie besteht darin, dass Sie trotzdem keinerlei Probleme damit haben, den Objektivismus rundherum zu verreißen. Ich muss davon ausgehen muss, dass Sie selbst kein akademischer Philosoph sind. Wenn doch, dann sollten Sie sich an die Spielregeln halten, die Sie hier anmahnen.

            Mir ist bislang bei keiner Primärliteratur aufgefallen, dass Ayn Rand sie falsch interpretiert hätte. Im Gegenteil hat sie ein großes Talent dafür, die Essenz einer Philosophie zu erkennen und sie auf den Punkt zu bringen. Bei welchem Denker ich das auch überprüft habe oder bei welchem Denker mir die Literatur schon zuvor bekannt war, ob Kant, Descartes oder Nietzsche, so hat sich Rand jedes Mal als äußerst scharfsinnig erwiesen.

            Wenn es Sie stört, dass ich manche Philosophien in wenigen Sätzen abhandle, dann empfehle ich einen Blick auf die objektivistische Literatur, wo sie umfassender behandelt wird.

          • Die Beurteilung des Linguistic Turn durch Rand könnten Sie im größeren Detail nachvollziehen durch einen Blick ins Ayn Rand Lexicon: http://aynrandlexicon.com/lexicon/linguistic_analysis.html

          • tischheit sagt:

            genau das meine ich … dieser link reduziert den linguistic turn auf ein paar klischees. das ist lächerlich. sie können doch nicht ernsthaft glauben, dass diese 2 absätze eine „kritik“ darstellen. hier werden klischees aufgelistet, mehr nicht.

            gehen sie mal in die suchmaschine einer ub und suchen sie was zu diesem thema. dann werden sie sehen, dass das alles ein bisschen komplizierter ist, als dass man in es 2 absätzen abhandeln könnte.

            und wie gesagt, das was für ihr video relevant ist, ist garnicht die ideale sprache oder der lt, etc… das was für ihr video relevant wäre können sie bereits bei locke herauslesen… nur müsste man ihn halt lesen.

          • Wissen Sie eigentlich, wie ernst oder unernst ich jemanden nehme, der es nicht hinbekommt, Substantive groß zu schreiben und der trotzdem meint, mich über die Sprachwissenschaften und die Philosophie der Sprache belehren zu müssen? Nichts für ungut, aber ich habe mich ernsthaft schon mehrmals gefragt, ob Sie ein Troll sind.

  3. Dr. Webbaer sagt:

    Und da ich mich bereits gegen eine Organspende entschieden habe (ich behalte sie, bis der Staat anerkennt, dass meine Organe mein Eigentum sind und ich sie darum verkaufen darf)

    Trockene Begründung, haha.

    MFG + weiterhin viel Erfolg,
    Dr. W

  4. tischheit sagt:

    und bitte wo sagt eine ernstzunehmende Philsophie, dass sich jeder willkürlich seine eigene Realität konstruiert? Bitte um eine Quellenangabe.

  5. tischheit sagt:

    hier aber noch einige weitere fragen:

    „die aufgabe des menschl. Bewusstseins ist die erkenntnis der realität“
    Wie kommen sie darauf? Wenn der mensch ein ergebnis der evolution ist – welche evolutionäre notwendigkeit soll es gewesen sein, die das bewusstsein dahingehend entwickelt hat, die realität zu erkennen? Gilt es auch für alle anderen lebewesen, dass sie die realität erkennen können? Wenn nein, wieso muss der mensch die realität erkennen können, hunde allerdings nicht? Müssen hunde nicht sich nicht auch in der welt zurechtfinden? Und überhaupt: was hat bewusstsein mit der erkenntnis der realität zu tun? Bewusstsein ist die fähigkeit über sich selbst zu reflektieren – was hat das mit erkennen der realität zu tun?

    Welche philosophie behauptet, individuen könnten ihre eigene realität erschaffen?

    Wo existieren die entitäten? In der „realität“ oder im verstand? Behaupten sie, es gibt in der realität eine ordnung , die etwas als ein blatt papier festlegt? offenbar gehen sie mit der mittelalterlichen philosophie daccord. (?)

    wenn alles wissen auf erfahrung beruht – ist es plausibel, dass der geist ohne jegliche strukturierende tätigkeit arbeitet? Muss der geist nicht aus dem strom der erfahrung etwas herausfiltern können und strukturieren können, bevor er wissen bildet? Ist nicht vernunft diese strukturierende tätigkeit? Wenn ja, woher weiß die vernunft, was sie tun soll? Aus der erfahrung? Dann ist vernunft also auch von der erfahrung abhängig und keinesfalls angeboren? Dann bildet sich quasi jeder mensch seine eigene vernunft… aber das wäre ja subjektivismus.

    Existenz existiert – doch danach sagen sie „die welt existiert unabhängig von unseren vorstellungen“. Aber die welt ist doch nicht gleichbedeutend mit existenz. Wie soll das phänomenologisch gehen? Existiert auch die existenz der existenz der existenz der existenz? Die verwendung der begriffe ist hier äußerst unklar.

    • Wie „ich“ darauf komme ist schon einmal eine falsche Frage. Der Objektivismus ist nicht meine Erfindung, sondern die von Ayn Rand und seitdem haben zahlreiche Philosophen ihr System ausgebaut.

      Wenn der mensch ein ergebnis der evolution ist – welche evolutionäre notwendigkeit soll es gewesen sein, die das bewusstsein dahingehend entwickelt hat, die realität zu erkennen?

      Tiere, die kein Bewusstsein haben, können sich natürlich auch in der Welt zurechtfinden, aber instinktiv, automatisch, weniger flexibel. Somit können sie sich individuell weniger gut an veränderte Umweltbedingungen anpassen. Die Fähigkeit, über sich selbst zu reflektieren, ist eine bestimmte, weiter entwickelte Variante des Bewusstseins, die nur der Mensch hat, ebenso wie das rationale, konzeptuelle Denkvermögen. Wenn eine Dürre hereinbricht, dann verdursten andere Tiere, Menschen bauen Bewässerungsanlagen, Wasserspeicher, Wasserrohre, etc. Wenn eine Flut hereinbricht, ertrinken andere Tiere, der Mensch baut Staudämme, Schiffe, Boote, etc. Das ist der evolutionäre Vorteil eines voluntaristischen Bewusstseins und eines rationalen Denkvermögens – individuelle Flexibilität bei der Anpassung an veränderte Umweltbedingungen.

      Welche philosophie behauptet, individuen könnten ihre eigene realität erschaffen?

      Was Rand im Prinzip hier meint, ist Wunschdenken. In welcher Philosophie und Religion ist Wunschdenken verbreitet? Rand meint z.B., abgesehen von allen Religionen, folgende Denker: Descartes, Kant, Hegel, die Pragmatiker und für weitere siehe: http://www.feuerbringer-magazin.de/2012/02/15/philosophie-der-moderne-attila-und-der-schamane/

      Wo existieren die entitäten? In der „realität“ oder im verstand?

      In der Realität. Der Verstand dient unter anderem als Erkenntnisinstrument, um diese Entitäten zu erkennen und sie widerspruchsfrei zu identifizieren.

      wenn alles wissen auf erfahrung beruht – ist es plausibel, dass der geist ohne jegliche strukturierende tätigkeit arbeitet?

      Verwechslung zwischen dem epistemologischen und dem metaphysischen Blank Slate. Laut dem Objektivismus hat der menschliche Verstand eine bestimmte Identität als Erkenntnisinstrument, nur ist unser Geist noch nicht mit Wissen gefüllt.

      Dann bildet sich quasi jeder mensch seine eigene vernunft

      Denken lernt man. Wenn man es vollständig selbst lernen muss, befindet man sich am Ende bestenfalls auf der Ebene der Präsokratiker. Wir haben das Privileg, von anderen Menschen lernen zu können. Der Maßstab, ob unsere Vernunft etwas taugt, lautet, ob wir mit ihr die Realität korrekt identifizieren können oder nicht. Beispielsweise können diejenigen Menschen, die an Magie glauben, dies schlechter als jene, die mit Hilfe der Wissenschaften Technologien entwickeln, die funktionieren, also die Naturgesetze beachten.

      Ihr Problem mit dem Existenzaxiom ist für mich nicht nachvollziehbar.

      • tischheit sagt:

        Vielen Dank für Ihre auführliche Antwort. Wenn das für sie angenehmer ist, halte ich mich gerne an die Gepflogenheiten der Groß- und Kleinschreibung.

        Ich halte es auch für sinnvoller, wenn wir uns auf die Quellen konzentrieren, die uns beiden zugänglich sind. In dem Fall Ihr Video.

        Den lt udgl. hier einzubeziehen, wäre sicherlich interessant, aber bleiben wir bei dem, was wir beide unmittelbar vor uns haben.

        Zunächst, wenn mit „Existenz“ = „Sein“ gemeint ist, gut, dann fallen für mich zumindest mal der infinite Regress sowie gewisse grobsinnige phänomenologische Schwierigkeiten weg. Wobei auch mit dem Begriff „Sein“ gewisse Schwierigkeiten verbunden sind.

        Ihr Aussagen zum Bewusstsein, zum Unterschied zwischen Mensch und Tier, treffen nicht den Punkt, den ich für fragwürdig halte. Selbst der radikalste Konstruktivist würde diesen Ausführungen zustimmen. Aber diese Ausführungen beantworten nicht die Frage, warum es plausibel sein sollte anzunehmen, dass das menschliche Bewusstsein auf Erkenntnis der Realität ausgerichtet sein sollte.

        -> Wie man von „rationalem Denkvermögen“, „Bewusstsein“, etc. auf „deswegen Erkenntnis der Realität“ schließen kann, ist mir immer noch nicht klar. Man kann von diesem Punkt aus genauso auf „Viabilität“ schließen, das wäre auf dieser Ebene sogar plausibler.

        Oder um es kantianisch zu formulieren: Wieso sollte das Bewusstsein, das rationale Denkvermögen, etc. darauf ausgerichtet sein, das Ding an sich zu erkennen? Diese Frage stellt sich bei mMn bei jeder philosophischen Tradition. Von Kant, über Locke, die evolutionäre Ekenntnsitheorie bis hin zum Konstruktivismus.

        Im Sinne des ockhamschen Rasiermessers müsste man nach Ihren Ausführungen eigentlich sagen, dass die Annahme, das Bewusstsein erkennt die Realität, eine unnötige Zusatzannahme ist, die überdies (ohnehin) nicht beweisbar ist aber auch nicht einmal notwendig ist.

        ->Denn die Alternative IST NICHT der Subjektivismus.

        Übrigens niemand leugnet die Existenz einer objektiven, vom Beobachter unabhängigen Realität. Weder Kant, noch der Konstruktivismus, noch sonst irgendwer. (Am ehesten noch der Konstruktivismus, aber die Formulierung „Objektivität ist die Annahme, dass eine Beobachtung unabhängig vom Beobachter gemacht werden könnte“, ist 1) polemisch und 2) sagt überhaupt nicht aus, dass man sich deswegen seine eigene Relaität erfinden kann, oder 3) dass jeder Recht hat). Hier hat Rand diese Philosophien offenbar falsch verstanden. Denn Kant sagt nicht „jeder kann sich seine eigene Realität erschaffen“, nichtmal der Konstruktivismus sagt das. Diese philosophischen Strömungen bezweifeln überhaupt nicht, dass „draußen etwas ist“ und sie sagen ganz sicher nicht, dass die Erfahrung der Realität völlig willkürlich wäre und keine sichere Erkenntnis möglich ist und kein richtig oder falsch.

        Und wenn die Entitäten in der Realität existieren sollen, dann ist das der reinste „Platonismus“. Wobei, eher eine merkwürde Mischung aus Attila und dem Schamanen.

        Die Entitäten sind doch in erster Linie sprachliche Phänomene und kein direkter Zugang zur Welt an sich. Und Sprache ist jeglicher Erkenntnis vorgeschaltet, weil sie keine passive Rezeption der Erfahrung ist, sondern auch eine konstruktive Komponente enthält, Stichwort referentielle Produktivität. Oder um es mit Locke zu sagen: Warum sollte sich die Natur dafür interessieren, die Entität des „Blattes Papier“ hervorzubringen? Solche Annahmen erinnern an die irrationalen Kapriolen der Spätscholastik.

        Auch Ihren Ausführungen über die Vernunft stimme ich ja zu, genauso wie vermutlich jeder, egal aus welcher philosophischen Tradition. Aber auch hier kommt schon wieder dieser Schluss, „ob wir korrekt die Realität identifizieren können“. Das ist eine völlig überflüssige Zusatzannahme, die seit dem Ende der mittelalterlichen Theologie niemand mehr treffen muss, um ein halbwegs funktionierendes Konzept anzubieten.

  6. Skeptiker sagt:

    Zu diesem Vortrag ließe sich bestimmt viel sagen. Vorläufig soviel:
    Dass es ein Sein unabhängig vom Bewusstsein gibt, lässt sich so einfach nicht beweisen. Schließlich können wir über ein „seiendes Ding“ (klingt schrecklich metaphysisch) nur unterrichtet sein, indem wir es wahrnehmen, d.h. indem wir dessen bewusst werden.
    Damit ist zwangsläufig alles Sein, von dem wir wissen, teil des Bewusstseins. Wir haben aber offenbar Aspekte des Bewusstseins vor uns, die so keinem (direkten) Sein entsprechen, die Irrtümer.

    Man kann überhaupt nur Geschehnisse beobachten. Die „Natur der Dinge“ bleibt Spekulation. Dass ein Stein beispielsweise aufgrund von „Identitäten“ zu Boden fällt, scheint überraschend und drängt zu weiteren Fragen wie „warum haben die Dinge ihre Natur?“.
    Zudem bringt uns diese Feststellung nicht weiter; der Vortrag gehen weiterhin von „Gravitation“ als Kraft aus. Was in Übrigen auch schon wieder überholt wurde, da meines Wissens laut Einstein Gravitation eine Krümmung der Raumzeit ist, die durch Masse verursacht wird.

    Ob z. B. Introspektion auch eine legitime Quelle von Erkenntnis ist oder wir den Sinnen vertrauen können sind keine metaphysischen, sondern erkenntnistheoretische, wahrnehmungspsychologische und -physiologische usw. Fragen.

    • Ich weiß einfach nicht, wie ich auf deine Kommentare reagieren soll. Ich frage mich, ob du das alles ernst meinst oder ob du ein Troll bist. Von daher möchte ich dir einerseits ernsthaft antworten und dich andererseits ignorieren. Der Grund lautet, dass du meine Argumentation stets ignorierst und nur alles bezweifelst, was ich aussage, ohne selbst klare Aussagen zu treffen. Wie dein Pseudonym eben schon sagt, „Skeptiker“. Man könnte auch sagen „sinnloser Meckerer“. Also frage ich dich jetzt, ob du eigentlich Interesse hast an diesen Fragen und an einer ernsthaften Diskussion oder ob du mich nur nerven und den Verstand der Leser demolieren möchtest?

      Für andere, die sich von diesen Einwänden irritieren lassen:

      Damit ist zwangsläufig alles Sein, von dem wir wissen, teil des Bewusstseins. Wir haben aber offenbar Aspekte des Bewusstseins vor uns, die so keinem (direkten) Sein entsprechen, die Irrtümer.

      Das Sein ist nicht „Teil des Bewusstseins“. Das Bewusstsein ist kein „Ding“, sondern es ist das Vermögen, das, was existiert, wahrzunehmen. Das ist so, als würdest du schreiben, der Nordpol sei „Teil des Bewusstseins“ (was du im Grunde ja auch tust). Sag das mal im Erdkundeunterricht. Irrtümer entstehen nicht auf der Ebene der Sinneswahrnehmung, sondern auf der Ebene der bewussten Reflexion. Irrtümer gehen auf eine falsche Identifikation der Sinnesmaterialien zurück – das, was wir wahrnehmen, ist selbst kein Irrtum. Du irrst dich, nicht deine Sinne.

      Man kann überhaupt nur Geschehnisse beobachten.

      Siehe meine Replik auf Hume. Ein Tier kann nur Geschehnisse beobachten. Bist du ein Tier oder bist du ein Mensch?

      Dass ein Stein beispielsweise aufgrund von “Identitäten” zu Boden fällt, scheint überraschend

      Dass ein Stein auf den Boden fällt, weil er ein Stein ist (und somit entsprechende Eigenschaften hat wie ein bestimmtes Gewicht), findest du überraschend? Was findest du dann eigentlich nicht überraschend? Überrascht dich alles, was du jeden Tag überall beobachtest?

      “warum haben die Dinge ihre Natur?”

      Es ist sinnlos, das metaphysisch Gegebene zu hinterfragen. Die Dinge sind, wie sie sind.

      Was in Übrigen auch schon wieder überholt wurde, da meines Wissens laut Einstein Gravitation eine Krümmung der Raumzeit ist, die durch Masse verursacht wird.

      Das ist keine kausale Erklärung, sondern ein Modell. Es gibt noch keine kausale Erklärung für die Gravitation, da sind sich Physiker durchaus einig.

      Ob z. B. Introspektion auch eine legitime Quelle von Erkenntnis ist oder wir den Sinnen vertrauen können sind keine metaphysischen, sondern erkenntnistheoretische, wahrnehmungspsychologische und -physiologische usw. Fragen.

      Das ist keine Frage der Spezialwissenschaften, das ist eine philosophische Frage. Es stimmt, dass sie in den epistemologischen Bereich hineinreicht.

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