Was ist mit den ertrinkenden Goldfischen?

Der Kapitalismus ist ein System, das auf der Anerkennung individueller Rechte, einschließlich Eigentumsrechte, beruht, in dem die einzige Funktion der Regierung darin besteht, individuelle Rechte zu schützen, das heißt, Menschen vor jenen zu schützen, die den Gebrauch physischer Gewalt initiieren.

https://feuerbringer.wordpress.com/philosophie/politik/

Schön – aber was ist mit den folgenden angeblichen Eigenschaften des Kapitalismus, fragt Wilfried Müller in einer Replik auf meinen Artikel Was hätte nach dem Sozialismus geschehen müssen?

Und was ist mit den Massenprotesten in den Euro-Südländern, wo die Menschen gar nicht glücklich sind mit ihrem Leben im entschwundenen Wohlstand?

Warum ist der Wohlstand der Euro-Südländer denn entschwunden? Weil die Südländer über ihren Möglichkeiten gelebt haben, weil es sich bei Griechenland, Italien und co. natürlich in keiner Weise um kapitalistische Staaten handelt, sondern um Mischwirtschaften mit deutlichem sozialistischen Einschlag (viel Bürokratie, hohe Steuern, viel Umverteilung). Man kann nicht den Kapitalismus für die Fehler seiner Widersacher verantwortlich machen.

Was ist mit den seit 30 Jahren stagnierenden Arbeitseinkommen, während die Elite der Liberalen die gesamten Wohlstandsgewinne vereinnahmt?

Liberale sind gegen staatliche Umverteilung, ob an Arme oder an Reiche. Sie sind gegen Subventionen an Unternehmen und gegen die Rettung der Banken. Wenn irgendwer die Gewinne anderer vereinnahmt, dann ist er kein Kapitalist. Und darum geht es in meinem Artikel. Davon abgesehen: Wir sind auch in Deutschland trotz Inflation (vom Staat ausgelöst) noch immer viel wohlhabender als noch vor 30 Jahren.

Was ist mit den Blasen und Krisen, die Millionen Menschen das Haus kosten und sie arbeitslos machen?

Die großen Blasen werden durch staatliche Eingriffe ausgelöst, vor allem durch Eingriffe der FED (Steuerung der Geldmenge und des Zinssatzes, Regulierung des Finanzmarktes, Rettung der Banken).

Was ist mit dem Missbrauch der Börsen und Finanzmärkte durch die Zocker und mit der Steuerflucht rund um die Welt?

Ohne staatliche Einmischung müsste jeder für seine Spekulationen selbst aufkommen. Die meisten Steuern lassen sich ethisch nicht rechtfertigen. Und bevor man sich über Steuerflucht beklagt, sollte man erst in der Lage sein, eine ethische Rechtfertigung für die Steuern zu präsentieren. Das lässt sich überzeugend nur für die Ausgaben für einen Minimalstaat bewerkstelligen.

Was ist mit den notleidenden Staatskassen, die zu leer sind, um den Verfall der Infrastruktur aufzuhalten?

Wer leert denn die Staatskassen? Kapitalisten, die fast alle Staatsausgaben ablehnen – oder die im weiten Sinne sozialdemokratischen Parteien?

Auch wenn der reale Sozialismus eine Pervertierung der sozialen Ideen war, so sind seine Aussagen doch in vielen Fällen richtig.

Der Sozialismus (die marxistische Analyse) ist absolut und grundlegend falsch.

dessen Elite keine Skrupel kennt

Ein Volk bekommt die Elite, die es verdient. Ein Volk, das glaubt, es habe ein Recht auf das legitim erwirtschaftete Eigentum anderer, bekommt eine Elite von Kannibalen.

Bloß was ist mit dem Berg der kapitalistischen Opfer? muss man da fragen.

Der Kapitalismus ist das System, in dem individuelle Menschenrechte geschützt werden. Wo passen da Berge von Opfern hinein?

das „kapitalistische Experiment“ bringt auch  ethnischen Hass hervor.

Das kapitalistische Experiment bringt Menschen verschiedener Ethnien hervor, die gemeinsam die Einzelteile für dein iPhone zusammenschrauben.

Als zusätzliche Features gibt’s noch die Belebung durch Fünfjahreszyklen mit Systemcrashs.

So etwas kann es in einem unregulierten Kapitalismus nicht geben. Fünfjahresereignisse, welche die gesamte Wirtschaft betreffen, können nur zentral geplant sein. Niemand findet sich freiwillig alle fünf Jahre zusammen, um die Wirtschaft zu ruinieren.

Wo bleibt die Wiedergutmachung für das, was der Liberalismus uns angetan hat?

Auf deinem Konto.

4 Kommentare zu “Was ist mit den ertrinkenden Goldfischen?

  1. Dr. Webbaer sagt:

    Cooler wäre es womöglich gewesen den ‚Kapitalismus‘ als marxistische Sicht auf die in „westlichen“ Systemen, die der Aufklärung folgend gesellschaftlich implementiert haben, vorzufindende Marktwirtschaft („mit oder ohne Attribut“ – Vaclav Klaus) abzulehnen.

    Bereits die Annahme der o.g. Begrifflichkeit macht es schwer klarzustellen.

    „Kapitalismus“ ist das, was in geeignet implementiert habenden Gesellschaftssystemen zwingend entsteht, wenn die Leutz weitgehend frei zusammenarbeiten dürfen.

    MFG
    Dr. W

    PS: ‚Nur scheinbar hatte der Begriff „Kapitalismus“ in den vergangenen 20 Jahren seine schimpfwörtliche Bedeutung verloren. Seit den Achtzigerjahren war ein solider Burgfrieden zwischen Arbeit und Kapital verwirklicht – die ganze Welt schien reif für die Sozialdemokratie. Man konnte sich der Illusion hingeben, der „Kapitalismus“ sei ein moralisch neutrales Datum geworden. Plötzlich wird der Ausdruck wieder in seiner polemischen Akzentuierung aufgenommen – was nichts anderes bedeutet, als dass er von Neuem ein Kampfwort im Munde von Verlierern wird.‘ (Sloterdijk – gesondert für den hiesigen Inhaltegeber angemerkt: wobei dieser Bursche natürlich wegen einer gewissen Leichtfüßígkeit kein „echter Intellektueller“ ist, fürwahr!)

  2. Martin sagt:

    Tjo. Seit der Herr Müller für „wissen bloggt“ zuständig ist, kann man das auch getrost vergessen.
    Das ist definitiv eine von den Knallchargen, die „Humanismus“ mit „Der ‚Staat‘ muß allen alles geben, was sie wollen‘ gleichsetzt.

  3. Martin sagt:

    „Was ist mit den Blasen und Krisen, die Millionen Menschen das Haus kosten und sie arbeitslos machen?“

    Der weitaus größte Teil der Menschen, die bei Krisen ihr Haus verlieren, hätte sich überhaupt nie ein Haus leisten können.

  4. Martin sagt:

    Oh und der hier:
    „Was ist mit den notleidenden Staatskassen, die zu leer sind, um den Verfall der Infrastruktur aufzuhalten?“

    ist ja wohl dermaßen knalldummdreist…. nie waren die Kassen so gut gefüllt. Das hilft nur alles nix, wenn das Geld mit vollen Händen für allen möglichen Mumpitz rausgeschmissen wird. „Sozial hier“ und „sozial da“ und jedes Scheiß-Randgrüppchen will eigene Beauftragte und bla und blub.

    Schade. Hoffen wir mal, das es wenigstens nach dem nächsten sozialistischen Zusammenbruch zur lange überfälligen Abrechnung kommt.

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