Wie findet ihr das neue Blog-Motto?

„Reine Vernunft muss siegen“ hat „Aufklärung 2.0“ ersetzt. Es gibt verschiedene Gründe dafür:

1. „Aufklärung“ ist ein vager Begriff, den alle möglichen Leute für sich reklamieren.

2. Immanuel Kant begrub mit seiner „Kritik der reinen Vernunft“ und anderen Schriften die Aufklärung. Er war teilweise auch selbst ein Aufklärer, aber insgesamt und in erster Linie war er der Totengräber der Aufklärung. Er entkoppelte die Vernunft von der Realität.

3. Die Vernunft ist die einzig valide Erkenntnismethode laut der objektivistischen Philosophie. Ihr gebührt also ein Ehrenplatz auf meinem Blog.

4. „Pure Vernunft darf niemals siegen“ ist ein Lied und Album der deutschen Band Tocotronic. Ich habe keine Ahnung, was die Band mit dieser Seltsamkeit aussagen will, aber ich weiß, was die Leute mit diesem Spruch auf ihren T-Shirts damit meinten. Dass sie ihren spontanen Gefühlseruptionen, woher diese auch kommen mögen, folgen wollen und nicht ihrem Verstand. Und ich weiß, dass mir das Lied total auf die Nerven gegangen ist, als ich noch in Discos ging und es dort vernahm.

5. Reine Vernunft muss siegen. Und nicht die Barbarei und der irrationale Wahn, der die menschliche Geschichte auszeichnet.

Soweit meine Gründe. Eure Meinung:

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Ja, ich habe endlich ein vernünftiges Umfrage-Plugin für den Blog gefunden. Funktioniert nur, wenn ihr euren Ad-Blocker für diese Seite abstellt.

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11 Kommentare zu “Wie findet ihr das neue Blog-Motto?

  1. sba sagt:

    Zugegeben, der Tocotronic-Titel ist mir beim Lesen des Mottos sogar als erstes eingeschossen. Das ich aber bis eben nur dem Titel nach kannte. Nach dem ersten Eindruck würde ich sagen (oder besser: hoffen), dass die Textzeile und das gesamte Lied ironisch gemeint sind, als Kritik an dem Phänomen „öffentlicher Wahrnehmung“ und deren Steuerung. Wie gesagt: Hoffnung.

    Ansonsten würde ich im Motto das Attribut streichen, um es griffiger zu kriegen (schon, weil zweifelhaft ist, ob die kantische Unterscheidung von reiner und praktischer Vernunft, die da auch mitschwingt, von allzu vielen Leuten mitbekommen und ohne weiteres verstanden wird), oder noch ein „immer“ reintun, um dichter an die Metrik der angespielten Textzeile zu kommen.

    Und hey: Interessante Kant-Kritik. Das belebt meinen Tag.

    PS: Irgendwo hakt es bei der Umfrage. Ich kann immernoch mehrfach abstimmen (Firefox, Adblocker für FB deaktiviert.)

  2. Dr. Webbaer sagt:

    Ist die Vernunft nicht eine Eigenschaft des Individuums, die relativ ist?

    • Da ist nichts relativ dran. „In essence, “follow reason” means: base knowledge on observation; form concepts according to the actual (measurable) relationships among concretes; use concepts according to the rules of logic (ultimately, the Law of Identity). Since each of these elements is based on the facts of reality, the conclusions reached by a process of reason are objective.“ (AR)

      • Dr. Webbaer sagt:

        Ratio meint ja ‚reri‘, wiederum das meinen, in metaphorischer Form die Rechnung, die im mathematischen Sinne logisch ist, dem Rechnenden anheimgestellt.

        Die Logik meint die Sprachlichkeit und im übertragenden Sinne die Folgerichtigkeit.
        Der Nicht-Objektionist oder -Objektivist (obiacere, entgegenwerfen – vs. subiacere, das unterwerfen, das Subjekt als dem Objekt, das oder der Unterworfene (von Entwicklung) dem Entgegengeworfenen) hätte hier zu nagen.
        ‚Meine Vernunft muss siegen‘ hätte hier mit ‚Reine Vernunft muss siegen‘ zu konkurrieren, wobei ‚Vernunft muss siegen‘ genau das ist, was Ihr Kommentatorenfreund cool findet.

        MFG
        Dr. W

  3. sba sagt:

    …und dann fällt mir für das PPS noch ein 6ster Grund für das Motto ein: Kant hat die Vernunft aufgeteilt in reine und praktische. Rand hat lang und breit auseinander gesetzt, dass die Vernunft eine und unteilbar ist, da Erkenntnis und Moral aufeinander angewiesen sind.

  4. Andreas D. sagt:

    Auf meiner Visitenkarte steht „Jäger der verlorenen Vernunft“. Passt auch zum Berufsstand.

    Dein neues Blogmotto gefällt mir.

  5. Maier sagt:

    Ich kenne die Musik der Tocos recht gut und bin einigermassen informiert über die Songs und die Band. Meinem Eindruck nach gelten die Texte von Tocotronic irgendwie als tiefsinnig und intellektuell. Sowohl Fans, Band und Feuilleton sehen die Musik als Kunstmusik und weniger als Pop an.
    Wenn man aber mal genauer auf den Gehalt der Lyrics und Interviews der Band achtet, gewinnt man den Eindruck, dass es kein wirkliches Konzept gibt, sondern eher ein Potpourri aus Naivität, ein bisschen Ironie, relativ zusammenhangslose Gedankenfetzen und originell klingende Textbausteine. Zusammen mit der lofi-amateurhaften Schrammelmusik und der uneitel-nöligen Stimme des Sängers wirkt das dann insgesamt auf die Fans originell und sympathisch. Einen bestimmte Lebensphilosophie haben die Tocos, glaube ich, nicht. Soweit reicht deren Denken nicht.

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