Noahs neuer Gott ersäuft Umweltsünder

Gustave Dorés Bibelillustration "Die Flut" aus dem 19. Jahrhundert (gemeinfrei)

Gustave Dorés Bibelillustration „Die Flut“ aus dem 19. Jahrhundert (gemeinfrei)

Ein neuer Film mit Russel Crowe bringt den Mythos um Noahs Arche in die Kinos zurück. Der christliche Mythos glorifiziert den Massenmord an Abermillionen Menschen durch Gott höchstpersönlich. Der neue Film legitimiert den Massenmord auf zeitgemäße Art. Millionen Menschen verdienen den Tod, weil sie „die Umwelt verschmutzen“. Die bösen Menschen im Film jagen Tiere, essen Fleisch und graben nach Mineralien. Der König der bösen Menschen, Tubal-cain, ist ein Minenarbeiter. Der neue Noah-Mythos verurteilt den Menschen also dafür, zivilisiert zu sein. Er verurteilt ihn dafür, seinen Verstand für sein eigenes Überleben einzusetzen. Er verurteilt den Menschen dafür, ein Mensch zu sein und wie ein Mensch zu leben. Jedenfalls habe ich das in einer Rezension gelesen. Immerhin bestätigt der Film somit, dass die Öko-Fraktion eine kollektivistische Bewegung mit menschenverachtenden Vernichtungsfantasien ist. Komisch nur, wie wenige Menschen das offenbar stört.

Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain (Die Abenteuer von Tom Sawyer) hat den ursprünglichen Mythos jedenfalls in einem Anfall von wüstem Spott auseinandergenommen. Ein Auszug:

„Nun gut, der Fremde erzählte seine Geschichte und Noah musste sehen, dass er wegkam, bevor die Monster [die Dinosaurier, die mit auf die Arche wollten] eintrafen. Er wäre sofort losgesegelt, aber die Tapezierer und Innenarchitekten des Salons der Hausfliege mussten der Einrichtung noch einen letzten Schliff verpassen und dadurch verlor Noah einen Tag. Ein anderer Tag war damit verloren, dass die Fliegen an Bord gebracht werden mussten, denn es gab 68 Milliarden davon und die Gottheit sorgte sich dennoch, dass es am Ende nicht genug sein könnten. Ein weiterer Tag war verloren, weil vierzig Tonnen ausgesuchte Scheiße für die Ernährung der Fliegen verstaut wurden.

Dann segelte Noah endlich los und kein bisschen zu früh, denn als die Arche gerade erst am Horizont aus dem Blickfeld verschwand, trafen die Dinosaurier ein und fügten ihre Klagen jener Masse an weinenden Vätern und Müttern und verängstigten kleinen Kindern hinzu, die sich in den Sturmfluten an den Wellen-gewaschenen Felsen festklammerten und die flehentliche Gebete an das all-gute und all-vergebende und all-mitleidende Wesen richteten, das noch niemals ein Gebet beantwortet hatte, seit diese Klippen Korn um Korn aus dem Sand geformt worden waren und das keines beantworten würde, bis die Äonen sie wieder zu Sand zerbröckeln ließen.“

Quelle: Mark Twain: Letters from the earth (1909): http://www.sacred-texts.com/aor/twain/letearth.htm. Übersetzung: Andreas Müller

Witzige Videos von NonStampCollector über den Noah-Mythos:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=j_BzWUuZN5w[/tube]

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=XLr5vl-n0Bo[/tube]

5 Kommentare zu “Noahs neuer Gott ersäuft Umweltsünder

  1. Aus einer Rezension: „The most troubling of these to me was the supposed moral delineation between the villain Tubal Cain (Ray Winston) and his people and Noah (Russell Crowe) and his family. The main evil that the villains seem to display is declaring an ownership over creation and a disregard for the environment, contrasted with Noah’s veganism and care for the Earth. However, I found this fairly unconvincing because of Noah’s seemingly blatant disregard for human life, as right off the bat he is seen killing some hunters when they try to kill a weird looking scaled deer (on a side note, this creature did not seem to fit in, as it was the only fantastical looking animal that you really see, even the serpent Satan looks like a normal snake) without thinking twice and with no apparent guilt. He also kills many other innocent people when they try to get on the ark.“
    http://www.imdb.com/title/tt1959490/reviews?ref_=tt_urv

    Umwelt- und Tierliebe trifft einmal mehr auf Menschenverachtung.

  2. Klimax sagt:

    Der Mythos um Noas Arche ist mitnichen christlich, sondern ist im Alten Testament überliefert. Man könnte also sagen, es ist ein jüdischer oder hebräischer Mythos. Doch zeigt ein Blick in die einschlägigen Quellen, daß die Geschichte im alten Orient weit verbreitet war. Das Gilgamesch-Epos ist auch nur ein weiteres Beispiel. WEm immer man die Gesachichte ursprünglich zuschreiben mag – christlich ist sie jedenfalls nicht.

    • Der Mythos ist auch christlich. Das Alte Testament gehört nicht nur zur Tora, sondern auch zur Bibel, dem heiligen Text des Christentums. Sogar in Kinderbibeln (wie ich eine hatte) findet sich der Flutmythos – also erzähl mir nicht, dass er kein Bestandteil der Religion sein soll, mit der ich aufgezogen wurde. Ursprünglich ist der Flutmythos sumerisch.

  3. hans sagt:

    Die Fixierung, alles was den Hauch von Christlichkeit in sich traegt als absurd und negativ zu benennen ) laesst den Blick nicht mehr ueber den Tellerrand gehen.
    Die Maya, konkret, die Quiche-Maya, hinterliessen in ihrem „Popol Vuh“ (Dem Buch des Rates) die Beschreibung einer Sindflut.
    Das irritierte die Eroberer.
    Mal schauen was ihr hier so fuer Pseudoargumente bringt, warum die Maya die Sindflut kannten.

    • Ich hoffe jetzt einfach mal, dass Sie damit nicht zum Ausdruck bringen möchten, dass die Sintflut ein historisches Ereignis war. Es besteht wissenschaftlicher Konsens, dass die Sintflut eine mythologische Geschichte ist, die seit den Sumerern bei verschiedenen Kulturen die Runde macht.

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