„Regionales Essen statt Hamburger“

Ein marxistischer Artikel spricht kritisch von der „McDonaldisierung“ der Gesellschaft durch die Globalisierung und ein konservativer Kommentator bemängelt, dass es in jeder großen Stadt weltweit dieselben Ketten gibt, von McDonalds bis Starbucks. Inzwischen beteuert fast die Hälfte der Deutschen, dass sie für regionale Produkte mehr Geld ausgeben will. Warum tut sie es dann nicht einfach und hält ihre Klappe?

Es gibt regionale Läden. Indem man dort hineingeht und etwas kauft, sorgt man dafür, dass sie erfolgreich sind und nicht von internationalen Ketten verdrängt werden. Wenn man das denn möchte, so kann man dies tun. Niemand hält einen davon ab. Es gibt keine Schergen von Woolworth oder Starbucks, welche die Deutschen mit Waffen bedrohen und sie zwingen, dem regionalen Wirtshaus oder dem heimatlichen Trachtengeschäft fernzubleiben. Würden die Deutschen nur in regionalen Geschäften einkaufen, gäbe es in ihrer Region keine internationalen Ketten. Das wäre zwar gestört und nach meinem Dafürhalten von nationalsozialistischer Autarkie-Ideologie kaum mehr zu unterscheiden – aber tun könnten es die Deutschen schon. Eine große Klappe haben sie schließlich schon einmal – oder wieder. Oder noch.

„Regionaler Konsum werde als moralischer Konsum empfunden, da die Produkte nicht nur oft frischer seien, sondern kürzere Lieferwege verursachten und ihr Kauf der heimischen Wirtschaft helfe.“ So fasst der Kölner Stadtanzeiger eine aktuelle Studie des Markforschungsunternehmens GfK zusammen.

Ob die Lieferwege kürzer sind und welchen Einfluss das auf die Warenqualität hat, müsste man sich jeweils im Einzelfall ansehen, wenn man genug Zeit zum Verschwenden hat – denn frisch sind bei uns alle Lebensmittel, die irgendwo angeboten werden. Darum haben die Deutschen ihre unzähligen Gesetze für frische Lebensmittel schließlich durchgesetzt. Ohne diese Gesetze würde jedes Restaurant nur verfaulendes Aas anbieten, weil jeder Gastronom weiß, dass die Leute dies am liebsten kaufen und dass sich so richtig toll Geld mit verfaulendem Aas scheffeln lässt.

Regionale Restaurants können ihre Zutaten natürlich ebenso von überall anliefern lassen wie große Ketten. Es gibt keinen logischen Zusammenhang zwischen heimischen Anbietern und kürzeren Lieferzeiten. Der heimischen Wirtschaft zu helfen, bringt dem individuellen Menschen per se zudem gar nichts. Jeder hat das Interesse, das für ihn beste Produkt zum besten Preis zu erhalten – ob es von einem regionalen Unternehmen oder von einer internationalen Kette angeboten wird, müsste dem rationalen Individuum gänzlich gleich sein.

Es ist natürlich klar, dass regionale Unternehmen ein Interesse daran haben, die Konsumenten für sich zu gewinnen. Ebenso haben internationale Ketten ein Interesse daran, dass die Kunden zu ihnen finden. Aus Konsumentensicht braucht das niemanden zu kümmern. Wenn ich einen Burger will, gehe ich dorthin, wo es die vergleichsweise besten Burger ohne großen Aufwand zu haben gibt. Dies wäre vermutlich tatsächlich McDonald’s, in meinem Fall – die schmecken zwar nicht so gut wie in manchen örtlichen Wirtschaften, aber ich mag es nicht, auf Bedienungen zu warten. Individuelle Präferenzen spielen hier also eine Rolle, und in meinem Fall die einzige Rolle.

Was die heimische Wirtschaft angeht, so hilft man der natürlich auch, wenn man bei Ketten wie Starbucks einen Kaffee trinkt statt bei „heimischen“ Ketten wie Tchibo, wobei Tchibo natürlich ebenso eine internationale Kette ist, nur dass sie aus Deutschland stammt. Denn die örtliche Starbucks-Filiale befindet sich – wie soll man es ausdrücken? – vor Ort! Und Menschen, die bei uns vor Ort wohnen, arbeiten dort in dieser Filiale der internationalen Kette. Also gehören McDonald’s, Burger King und co. eigentlich zur heimischen Wirtschaft, welche die Deutschen unterstützen wollen. Aber das sehen die irgendwie anders. Warum?

Ein Hoch auf die Wegwerfgesellschaft

„Zudem kaufen der repräsentativen GfK-Befragung zufolge 52 Prozent der Deutschen bewusst weniger Lebensmittel ein, um nicht so viel wegwerfen zu müssen.“ (ksta)

Aufgrund der ökologischen Erziehung, die ich in der Schule genoss, esse ich auch lieber die Reste auf, statt sie wegzuwerfen. Eigentlich ist das aber irrational, weil es egal ist, wieviel wir wegwerfen. Man kann die richtige Menge von Lebensmitteln nie genau planen, weder als Unternehmen, noch als Individuum. Dank des Kapitalismus haben wir immer zu viel und nicht zu wenig. Das ist gut und nicht schlecht. Es ist ein befreiendes Gefühl, Essen, das man nicht mehr will, einfach mal wegzuwerfen. Zumindest für jemanden, dessen Geist und Seele man im Kindesalter mit ökologischen Doktrinen zerrüttet hat. Leider bringt es ja nichts, den 68er-Erziehern von damals zu wünschen, sie mögen ins Gras beißen, weil wir damals regionale, heimische Kresse angebaut haben, in das sie ohnehin gebissen haben.

Der Glaube, man dürfe keine Nahrung wegwerfen, und man sollte lieber die Rolle eines menschlichen Müllschluckers spielen, ist wie die Selbstgeißelung von Mönchen. Die Nahrung wird absichtlich in bestimmten Mengen produziert, damit mehr als genug da ist, und man die Reste wegwerfen kann. Das ist gesunder Menschenverstand – eine Wirtschaft könnte anders gar nicht funktionieren. Es sei denn, es handelt sich um eine Mangelwirtschaft.

In jeder Stadt, ob in Paris, London oder Berlin, gibt es dieselben Ketten, können wir in dieselben Läden gehen. Warum noch eine andere Stadt besuchen? Nun, es gibt in Paris auch typisch französische Läden. Man muss nur die Tür aufmachen und hineingehen. Die Menschen gehen aber lieber in einen Laden, den sie von Zuhause kennen. So sind die Menschen eben. Oder sie tun an einem Tag das eine, an einem anderen Tag das andere. Am Ende ist der Kapitalismus das demokratischste Wirtschaftssystem, das man sich vorstellen kann. Die Menschen bekommen genau das, was sie wollen, sie wählen mit Geldscheinen. Gehen sie in Etablissements mit typisch regionaler Kultur, dann gibt es mehr von diesen Einrichtungen. Zudem verstehe ich sowieso nicht, wie jemand zum Shoppen ins Ausland gehen kann. Ich gehe doch nicht ins Ausland, um zu shoppen! Wenn ich eine andere Kultur kennenlernen will, dann schaue ich mir kulturelle Einrichtungen wie Museen an. Ja, sowas gibt’s! Und Museen sind keine internationalen Ketten.

Es gibt keinen Grund für den Trend zum „Regionalen“ außer dem blanken Kollektivismus, Tribalismus und der Freiheitsfeindlichkeit der Deutschen, die sich in immer neuen Formen hierzulande breitmacht. Das hat mit „Nachhaltigkeit“ nichts zu tun, das ist in diesem Zusammenhang nur der politisch korrekte Name für Volkstümlichkeit. Antisemitismus wurde durch „Israelkritik“ ersetzt und der neue Name von volkstümlichen Autarkie-Fantasien heißt „der heimischen Wirtschaft helfen“. Ich sage: Hilf dir selbst. Es ist angerichtet.

Wo ich das gesagt habe, würde ich sogar die Leute, die sich anderweitig nicht trauen, dazu ermuntern, einmal regionale Läden zu besuchen. Ich gehe nämlich selbst vorzugsweise in zwei heimische Bäckereien. Die eine gibt es nur in Würzburg, die andere hat nur hier in der Region Filialen. Gäbe es hier eine internationale Bäckerkette, die besseres Gebäck macht, würde ich dorthin gehen. Nur du selbst zählst, nur dein eigener Geschmack und deine eigenen Präferenzen. Die Wirtschaft passt sich an die Konsumenten an, die Konsumenten sollten sich nicht an die Wirtschaft anpassen – das wäre Selbstzerstörung. Dann würden die Konsumenten freiwillig die höchsten Preise für den billigsten Mist bezahlen. Das würde auch passieren, wenn der Staat heimische Anbieter subventionieren würde.

14 Kommentare zu “„Regionales Essen statt Hamburger“

  1. Maier sagt:

    Apropos Paris: „In jeder Stadt, ob in Paris, London oder Berlin, gibt es dieselben Ketten, können wir in dieselben Läden gehen.“

    G. Wilders sagt: „In ganz Europa geh’n die Lichter aus.“ Und er hat recht damit. Um Paris steht es besonders schlimm. Die Stadt liegt im Sterben, sie hat sich sozusagen „multikriminell suizidiert“. Sie ist nicht mehr Teil Europas, eher gehört sie zu Nordafrika. Wem beim Anblick von Paris keine Tränen kommen, der hat kein Herz.

    Mit Restaurant-Ketten hat das Paris-Problem allerdings nichts zu tun. Dem Artikel ist auf jeden Fall zuzustimmen!

  2. Dr. Webbaer sagt:

    Ein Hoch auf die Wegwerfgesellschaft

    LOL

    BTW, die „Tante-Emma-Läden“ sind verschwunden, weiß jemand warum?

    Zum Fastfood-Bereich und dessen Dynamik zwei kleine Webverweise:
    -> http://www.welt.de/wirtschaft/article127897541/Die-fetten-Jahre-von-McDonalds-und-Co-sind-vorbei.html
    -> http://www.welt.de/wirtschaft/article127989072/Diese-Laeden-fordern-die-Fast-Food-Giganten-heraus.html

    MFG
    Dr. W

  3. vulki sagt:

    Ich muss nur eines hier hinzufügen: Aus dem Wunsch, regionale Produkte zu kaufen, spricht mMn auch das unbewusste Verständnis, dass lange Handelsketten anfällig sind für Unterbrechungen aus politischen oder natürlichen Gründen. Man stelle sich etwa vor, der Rotterdammer Hafen würde durch Terroranschlag/Unruhen/Erdbeben unbrauchbar, wie wollten wir dann noch an amerikanisches Getreide oder Futtermittel kommen? Je näher die relevanten Produktions- und Verteilungsstätten sind (und umso besser diese ausgebaut sind), umso geringer ist die Gefahr der Unterbrechung. „Autarkie-Fantasien“ sind deshalb durchaus nicht ganz unvernünftig.

    • Wer auf heimische Produkte laut Definition schwört, tut dies bestimmt nicht, weil er sich vor Erdbeben in Rotterdam fürchtet.

      • vulki sagt:

        Das muss auch kein bewusster Impuls sein, zumal von zweifelhafter Wirkung, da Landwirtschaft nicht einfach expandiert werden kann und im Zweifelsfall ohnehin alles beschlagnahmt/verstaatlicht wird.

        „Es gibt keinen Grund für den Trend zum „Regionalen“ außer dem blanken Kollektivismus, Tribalismus und der Freiheitsfeindlichkeit der Deutschen, die sich in immer neuen Formen hierzulande breitmacht.“

        Da könnte etwas dran sein. Ich möchte hier einmal eine These aufstellen: Immer mehr Deutsche stellen fest, dass „nichttribale“ (was hier durchaus nicht immer nur ethnisch begründet sein muss) sich weigern, an dem gefühlten Kollektiv mitzuwirken. Dies entweder weil sie unkollektivistisch sind oder weil sie ihre Zugehörigkeit bei einem anderen Kollektiv sehen. Um seine Wunschvorstellung zu retten, muss der kollektivistisch Denkende das Kollektiv folglich auf jene Eingrenzen, bei denen die Mitarbeit am höchsten ist, und das sind nunmal die kulturell, ethnisch, räumlich Nahen.

        Noch etwas übrigens: die Sorte Kultur, die man in einem Museum (selbst einem mit echter Kunst) erleben kann, ist eine Elitenkultur, die der Volkskultur nie nah war und sich zuletzt mit Absicht entfernt. Die Volkskultur der Feste, Gastronomie, etc. dagegen ist viel sichtbarer und für viele Touristen auch interessanter. Sie kann aber von Natur aus nicht zu diesem Zweck bewahrt werden, sondern ist entweder eine lebendige und damit interessante Kultur, oder sie ist tot und wird nur als schwacher Abklatsch konserviert. Der Tourist also, der nach Frankreich kommt und dort nur Starbucks findet, hat dadurch einen echten Verlust erlitten. Freilich hat er keinen Anspruch darauf, dass die Franzosen seiner Befindlichkeiten wegen auf Starbucks verzichten…

      • vulki sagt:

        Eine interessante Geschichte übrigens: Ein Biergarten hier hat vor kurzem einige Gerichte von der Karte gestrichen und die Qualität der Restlichen deutlich reduziert. Kommt lustig, wenn man im Ton der Selbstverständlichkeit ein Vesperbrett bestellt und die Bedienung nicht weiß wovon man redet. Gleichzeitig aber haben sie schöne große Schilder „Bayrischer Biergarten“ aufgehängt. (Er liegt etwa Mitte BW.) Ich hoffe nur, dass sie damit bei den Kunden nicht durchkommen (bei mir bestimmt nicht, nur leider ist der nächste Biergarten ein Stück entfernt).

    • sba sagt:

      …warum wurde eignetlich noch nicht erwähnt, dass McD Deutschland seine Produkte aus in Deutschland produzierten Rohstoffen herstellt? (Denn denk mal an: Die haben auch kein Interesse daran, dass ihre Lieferwege sich in die Lichtjahre ziehen.) – Und sich den Gepflogenheiten der „deutschen Küche“ sogar so weit annähert, dass sie zu viel Salz auf ihre Burger packen. Und immerhin: Wenn einem irgendwo die sonstige regionale Küche nicht bekommt (oder man sie nicht mehr sehen kann; kommt beides vor), hat man einen kleinen Rettungsanker.

  4. Martin sagt:

    Wenigstens entspricht die Ökoideologie ihren eigenen Vorgaben – es ist einfach nur der alte rotbraune, romantisch-sentimentale Hirndreck, inklusive „Israelkritik“ wiederaufbereitet.

    Hierzulande schmeißt man halt nix weg.

  5. Andreas D. sagt:

    Ich mag es auch nicht, Lebensmittel wegzuwerfen. Das hat einen einfachen Grund: Ich habe dafür Geld bezahlt, das ich mir vorher erarbeitet habe. Kosten aufzuwenden, ohne daraus einen Nutzen zu ziehen, halte ich für irrational. Es kann natürlich nützlich sein, immer etwas hiervon und davon im Haus zu haben, auch wenn wir es nicht unmitelbar brauchen. Verderbliche Lebensmittel kaufen wir aber nur in den Maßen ein, wie wir sie auch verbrauchen.

    • In einem Zwei-Personen-Haushalt ist das eher möglich. Es geht darum, sich nicht mit dem Aufhebenmüssen selbst zu schaden. Wenn etwa noch Reste übrig sind, die man aufwärmen könnte, sollte man sich nicht dazu zwingen. So arm ist kaum jemand, dass er sich von ökonomischer Rationalität beim Essen unterdrücken lassen muss.

  6. Martin sagt:

    Lustig eigentlich…. wenn ich den Spruch wörtlich nehme, ist mir das gar nicht möglich…? „Eßt regionales Essen statt Hamburger“ klingt halt nochmal extradumm, wenn man in Hamburg lebt 🙂

  7. Joachim sagt:

    Ja, die deutsche Ideologiserei macht auch vor dem Essen nicht halt.

    Mir macht mit Zeit und Mühe gut zubereitetes Essen einfach Freude – egal ob ein guter Burger oder ein Schweinsbraten oder ne französische Käseplatte^^

    Müssen wir Deutschen immer eine Entschuldigung parat haben, wenn wir einfach etwas geniessen könnten?

    PS: Oft hat man auch nicht die Zeit und das Geld für Besonderheiten, dann geht auch mal Fastfood, warum noch mehr Zeit für Diskussionen verschwenden. Essen sollte keine Ideologie sein.

  8. Gutartiges Geschwulst sagt:

    Nicht minder furchtbar, als Brüssel!
    Anyway, vielen Dank, Andreas Müller, für Ihren tollen Artikel.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.