Dogma aus, Gehirn an!

Der bisherige Widerspruch bezüglich der örtlichen Webseite über Familienwerte will mir nicht einleuchten. Ich verstehe, dass jemand erst einmal schief angeschaut wird, wenn er dem Zeitgeist widerspricht. Ich verstehe auch, dass Begriffe wie „traditionelle Familie“ Assoziationen mit intoleranten Patriarchen aus den 1950ern oder mit christlichen Fundamentalisten auslösen. Was ich nicht verstehe ist, wie man eine erste, spontane Reaktion mit einer rationalen Bewertung verwechseln kann.

Um irgendetwas rational bewerten zu können, muss man sich erst einmal darauf einlassen. Ich habe beispielsweise fast die gesamte Bibel in der englischen King-James-Fassung gelesen (außer den ewigen Listen mit Urahnen) und kann nun einerseits den kulturellen Einfluss der Bibel besser einschätzen und andererseits das Buch für philosophisch beinahe vollkommen wertlos erachten. Nicht auf der Basis, was Richard Dawkins sagt, sondern laut meiner eigenen Einschätzung. Die guten Bibelpassagen habe ich in meinem Buch Der Westen. Ein Nachruf zitiert und die kann man locker in der Mittagspause durchlesen.

Man wird es also auch hinbekommen, einer rationalen, faktenreichen Einführung in Bedeutung und Wandel der traditionellen Familienstruktur ein paar Minuten Zeit einzuräumen, bevor man sie beurteilt. Ansonsten würde man sich ja von Vor-Urteilen leiten lassen. Das würde doch gar nicht passen zu den linken Humanisten, die sich nach wie vor unter meinen Lesern befinden. Es wäre doch völlig untypisch für sie. Bislang waren sie stets tolerant, für neue Informationen offen und inklusiv. Ich wurde noch nie von ihnen wegen meiner neuen Erkenntnisse, meinem Hang zur Selbst-Bildung, Objektivität und Weiterentwicklung meiner Ideen diskriminiert oder ausgeschlossen. (Ja, das war sarkastisch gemeint).

Klar versuchen in Deutschland christlich-fundamentalistische Gruppen, das Thema für sich zu besetzen. Nur: Was interessiert mich das? Darf ich nicht mehr selbst darüber nachforschen und nachdenken, nur weil irgendwelche Spinner irgendeine Meinung zum Thema haben?

Die spontanen Verurteilungs- und Fluchtreaktionen sollten durch einige Fakten behindert werden:

1. Die Autoren der Reihe sind libertär. Wir sind also gegen staatliche Intervention in das Privatleben der Menschen. Ja, die Ehe ist eine wichtige Institution. Nein, das hat mit dem Staat nichts (oder nicht viel, von der Wächterfunktion über die Einhaltung des Ehevertrags abgesehen) zu tun. Das ist eine private, persönliche Entscheidung. Und wie es aussieht, ist die Ehe eine GUTE persönliche Entscheidung, die man frei treffen kann oder auch nicht. Darum gehts. Im Übrigen bin ich der Überzeugung, dass die Menschen mehr Verantwortung für sich und ihre Kinder übernehmen würden, wenn der Staat die Single-Mutterschaft und dergleichen nicht auch noch mittels Kindergeld fördern würde. Das Kindergeld kommt nicht den Kindern zugute, nur weil es ihnen zugute kommen soll. Es ermöglicht Müttern, Kinder ohne Vater aufzuziehen, was den Kindern sehr häufig großen Schaden zufügt.

2. Unsere Aussage lautet vor allem: Übernehme die Verantwortung für dein Leben und die Entscheidungen, die du getroffen hast. Zu diesen Entscheidungen gehört die Entscheidung, Kinder in die Welt zu setzen. Die Zahlen zeigen, dass immer mehr Single-Mütter ihre Kinder alleine oder mit ihrem nutzlosen Freund aufziehen, der vergleichsweise häufig die Kinder misshandelt. Kein Mensch, der noch ganz bei Verstand ist, kann das für eine gute Entwicklung halten.

3. Von der evolutionsbiologischen, kausalen Erklärung kann man halten, was man will (und ich räume selbst dem freien Willen die größte Rolle ein) – an den Fakten ändert das nichts. Statistisch sind biologische, verheiratete Eltern die besten Eltern.

4. Die sexuelle Revolution hatte gute Folgen und schlechte Folgen. Zu den guten Folgen gehört, dass man individuell frei entscheiden kann, mit wem man Sex haben will und mit wem nicht. Ob es zu den guten Folgen gehört, dass jetzt zehnjährige Mädchen auf der Schaukel über Analdildos reden, sei einmal dahingestellt. Ob es zu den guten Folgen gehört, dass immer mehr Menschen auf der Suche nach hedonistischem Spaß ihr Leben verpfuschen und ihre Kinder vernachlässigen, sei einmal dahingestellt.

Das klingt für mich differenziert.

Was ich generell äußerst merkwürdig finde: Die Grundlagen meiner philosophischen und politischen Ansichten kann man im Feuerbringer-Magazin – vor allem im Philosophiebereich – einfach nachlesen. Hier steht sozusagen meine Betriebsanleitung. Wo noch Lücken sind, kann man sie in der Literatur über die objektivistische Philosophie nachlesen. Das ist es, was ich denke. Wie ist es also möglich, dass mir manche Leute irgendeine finstere Agenda unterstellen, obwohl doch meine Agenda hier eindeutig nachzulesen ist? Umso überraschender, wo meine offiziellen Ansichten dem Mainstream-Denken bereits genug widersprechen, ohne dass man sich irgendetwas Paranoides herbei fantasieren müsste. Das ist mir unter anderem bei einem homosexuellen Leser aufgefallen, der irgendwie meint, ich würde ihm seine Homo-Ehe verbieten wollen. Das steht doch nirgends! Das Gegenteil steht eindeutig im Artikel über Familienwerte ebenso wie im Philosophie-Bereich! Was also soll das nur alles bedeuten?

Daraus schließe ich zunehmend, dass die Deutschen meine Aufmerksamkeit und meine Arbeit eigentlich nicht verdient haben. Das Land hat eine rationale, liberale Philosophie bitter nötig. Fast die ganze deutsche Geschichte ist von irrationalem, kollektivistischen Gedankengut geprägt. Aber wenn ich dafür ignoriert, schief angeschaut und dumm angemacht werde, dann schreibe ich in Zukunft Artikel über philosophische und politische Themen auf Englisch und widme mich englischsprachigen Medien. Bereits jetzt schreibe ich auf Twitter größtenteils auf Englisch, das war nur der erste Schritt. Mit englischen Büchern kann ich ein viel größeres Publikum ansprechen – Deutsch habe ich nur geschrieben, weil ich mir die Aufklärung der Deutschen in den Kopf gesetzt hatte. Dank ihrer vergleichsweise rationalen Philosophiegeschichte haben die Briten und Amerikaner ihren Verstand noch nicht vollends aus dem Fenster geworfen. Dank der sexuellen Revolution haben die Deutschen immerhin das Recht und das Privileg, sich ins Knie ficken zu können, wenn sie zu kleingeistig und intolerant sind für individualistische, freiheitliche, rationale Ideen.

8 Kommentare zu “Dogma aus, Gehirn an!

  1. Maier sagt:

    Bitte nicht in englisch schreiben! My english is not very good. Wäre ein grosser Verlust für viele Leser!

  2. Leopold Stotch sagt:

    Mich kannst du so leicht nicht abschütteln, ich werde dich auch auf Englisch weiterhin lesen.

    Ein Verlust wäre es aber, deinen Blog nicht mehr als Referenz zur Verfügung zu haben. Du kennst das Problem sicher auch: Man liest hauptsächlich Englischsprachiges, von dem eine Übersetzung nicht exisiert oder kaum zu bekommen ist, und kann vielen Diskussionspartnern dann nie die eigenen Quellen zugänglich machen. Da war es schon oft hilfreich, wenigstens auf deine „Missverständnisse über Libertäre“ oder ähnliche Posts verweisen zu können; Autoren wie dich, die allgemeinverständlich und
    fundiert in deutscher Sprache libertäre* Ideen vorstellen, gibt es nicht gerade im Überfluss.

    Engstirnige Linke gibt es dagegen überall in Massen; die empörten dummen Antworten, die dich immer wieder so verdrießen, wirst du wohl auch auf englische Veröffentlichungen bekommen. Mit deinem deutschsprachigen Blog hast du auch nicht nur negative Reaktionen bekommen und wieviel du damit bewirkt hast, ist schwer zu sagen – ich hätte ohne dich jedenfalls nie Ayn Rand gelesen und den Libertarismus entdeckt.

    Dass du in englischer Sprache mehr Leute erreichen kannst, ist wohl wahr; noch wichtiger ist, dass du mit englischen Publikationen bei den Libertären mittun kannst, statt nur über sie zu berichten. Dafür wird es nach der vielen Zeit und Mühe, die du investiert hast, wohl auch mal Zeit.

    MfG

    * womit ich die Objektivisten bei den Libertären eingemeinde, aber das scheinst du in letzter Zeit auch so zu halten?

    • Hallo Leopold, danke für den Kommentar. Ja, ich zähle mich zu den Libertären, damit die Leute wenigstens ein bisschen wissen, worüber ich da rede. LG

  3. Martin sagt:

    Hrrrmm… „Fast die ganze deutsche Geschichte ist von irrationalem, kollektivistischen Gedankengut geprägt. Aber wenn ich dafür ignoriert, schief angeschaut und dumm angemacht werde, ….“

    Besonders logisch ist es aber nicht andere Erwartungen zu haben.
    Aber sieh es doch einfach als Bestätigung Deiner Arbeit!
    Wäre es anders und ein sehr deutlich von irrationalem, kollektivistischen Gedankengut geprägtes Volk würde Dich *nicht* schmähen oder ignorieren, DANN solltest Du Dich grämen.

  4. Joachim sagt:

    Bleib uns auch auf deutsch erhalten!

    Die libertären Ideen stecken hierzulande noch in den Kinderschuhen, trotzdem gibt es mehr als genug Leute, die die Verhältnisse hier satt haben, man muss ihnen Argumente liefern, dafür lese ich dieses Blog 🙂

  5. Dr. Webbaer sagt:

    Sie haben gerade auf Deutsch die Möglichkeit zu schulen, weil es hier eben mau aussieht; natürlich ist auch mit Widerstand zu rechnen, weil die Deutschen zum Kollektivismus neigen und liberal, auch wegen der bekannten jahrzehntelangen Minder-, Mangel-, Fehl- und Minusleistungen der FDP, ganz besonders ungebildet dastehen.

  6. Maier sagt:

    Noch ne kleine Idee: Anstatt in Englisch zu publizieren, fände ich es sinnvoll, die englischen Sachbücher von Ayn Rand ins Deutsche zu übersetzen. Nur so als kleine Zusatzaufgabe … Wie wärs? 🙂

    • Wenn jemand die verlegerischen Aspekte der Arbeit übernimmt, würde ich es machen. Es gibt eine deutsche Gruppe auf Facebook, die an einer Übersetzung von Rands Sachbüchern arbeitet. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die die nötige Kompetenz mitbringen, also habe ich die Gruppe verlassen. Soweit ich weiß haben die sich aber die Rechte besorgt. Na ja, mir egal, ich mache mein eigenes Ding. Ironischerweise ist die objektivistische Bewegung bislang recht unproduktiv gewesen, es gibt ungefähr so viele Publikationen wie von 1,5 Professoren. Ich bin da als origineller Autor also willkommen.

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