Wikipedia über das Ayn Rand Institute

Da die Wikipedia-Admins so gut wie nichts mit ihrer Tätigkeit verdienen, müssen sie das aus altruistischer Motivation tun. Allzu gut werden sie also nicht auf eine Philosophie zu sprechen sein, die den Altruismus ablehnt und den rationalen Egoismus verteidigt. Das dürfte ein Teil der Erklärung sein für den bizarren deutschen Wikipedia-Eintrag über das Ayn Rand Institute. Ein anderer Grund für den krassen Mangel an Objektivität bei diesem Eintrag dürfte schlicht die deutsche Kultur sein, die amerikanischen „Konservativen“ feindlich gegenübersteht und die keinerlei Verständnis davon entwickelt hat, was „Libertarismus“ eigentlich sein mag (und warum er nicht konservativ ist). Was der Bauer nicht kennt, das mag er nicht.

Aus dem Wiki-Eintrag:

Politische Positionierung

Das Ayn Rand Institute und seine Mitarbeiter geben regelmäßig Stellungnahmen und Kommentare zu politischen Themen und Ereignissen ab. Darin wurde u.a. ein sehr hartes Vorgehen im Krieg gegen den Terror gefordert[1][2], Multikulturalismus mit „Rassismus“ gleichgesetzt[3], Umweltschutzvorhaben abgelehnt[4] und der anthropogene Klimawandel bestritten.

Kritik

In die Kritik[6] gerieten das Ayn Rand Institute und der Objektivismus immer wieder wegen der Betonung des Egoismus, u. a. nachdem ein Sprecher des Think Tanks forderte, dass keine Steuergelder an die Opfer der Tsunami-Katastrophe in Südostasien 2004 gespendet werden sollten.[7] Später veröffentlichte das ARI eine „Klarstellung“ zu dem Thema. In einer vollkommen freien, „vollkommenen“ Gesellschaft, für das sich das ARI einsetze, hätte die Regierung nicht die Macht, die Bürger zu besteuern und ihren Reichtum für wohltätige Zwecke umzuverteilen, weder im Inland noch im Ausland. Eine kurzfristige Katastrophenhilfe an ausländische Opfer einer Naturkatastrophe sei aber eine der harmlosesten Arten von Rechtsverletzungen durch den Staat. Es sei daher unangemessen gewesen, die Katastrophenhilfe herauszugreifen und zu verurteilen. Obwohl es besser gewesen wäre, die Hilfsgelder für einen „legitimen“ Staatszweck einzusetzen, wie zum Beispiel für die Ausrüstung und die Bewaffnung der US-Truppen im Irak, gebe es doch Tausende von staatlichen Aktionen, die für „unsere“ Rechte schädigender seien. Weit schlimmer wäre es zum Beispiel gewesen, wenn die Regierung das Geld in die Anti-Kartellabteilung des Justizministeriums gepumpt hätte, die direkt für die „Verfolgung“ erfolgreicher Geschäftsleute zuständig sei.

Aber es stimmt doch objektiv, was da geschrieben steht, oder? Ist ja alles belegt und nachprüfbar. Wie das mangelhafte Verständnis von „Objektivität“ in der soziologischen Journalismus-Theorie besagt, gibt es so etwas wie Objektivität eigentlich nicht, sondern „objektiv“ ist das, von dem irgendeine mächtige oder größere Gruppe sagt, dass es objektiv wäre, wie der Presserat oder „die Gesellschaft“ (die vermutete Mehrheitsmeinung), solange nur die Fakten stimmen. Wenn man also populären Positionen mehr Sendezeit einräumt, dann ist das „objektiv“. Jedenfalls erklärt dieser kollektive Subjektivismus (die Mehrheit erschafft ihre Realität und eine objektive Realität gibt es nicht) Richard David Precht, dessen Meinung mit der Mehrheitsmeinung identisch ist, egal wie unheimlich schlecht ihn das als Philosophen aussehen lässt. Das ist also ein subjektivistischer Begriff von Objektivität und somit ein Selbstwiderspruch.

Objektiv wäre es natürlich auch nicht, Position für das Ayn Rand Institute zu beziehen. Dass die Fakten stimmen müssen, ist schon eine Voraussetzung. Aber was hier bei dem Eintrag keine Rolle spielt, sind 1. hierarchische Konzeptualisierung, 2. Ausgewogenheit und die 3. Einordnung der Fakten in den vollständigen Kontext.

Ein Lexikon ist zwar kein journalistisches Werk, aber umso schlimmer ist es, wenn es nicht einmal die Objektivitätskriterien des Konkreta-gebundenen Journalismus befolgt – obwohl Lexika einen viel höheren Abstraktionsgrad und eine hierarchisch feinstufigere Konzeptualisierung aufweisen (also mehr Kategorien).

Um das mal am Beispiel aufzuzeigen: Unter „Politische Positionierung“ im Wiki-Eintrag – und hier würde man eine objektive Darstellung erwarten – sind ausschließlich Positionen aufgelistet, welche die Deutschen mehrheitlich ablehnen. Warum? Das ARI steht zum Beispiel auch für das Recht auf Leben und für individuelle Selbstbestimmung. Die werden aber nicht erwähnt. Stattdessen werden willkürlich einzelne Aussagen aufgelistet, die irgendwie „böse“ klingen für den Durchschnittsdeutschen.

Eigentlich sollte da so etwas stehen wie: „Das Ayn Rand Institute tritt für individuelle Rechte und einen Minimalstaat ein. Das Institut ist der Auffassung, dass sich die legitimen Aufgaben des Staates auf den Schutz der Grundrechte beschränken. So begründet das Institut zum Beispiel seine Ableitung von bestimmten Umweltschutzvorgaben.“

Vom Allgemeinen zum Konkreten. Ohne Stellungnahme oder Wertung. Im Unterschied zur willkürlichen Auflistung böse klingender Konkreta. Alles klar? Wahrscheinlich nicht, aber ich werde auch nicht dafür bezahlt, Wiki-Autoren und -Admins beizubringen, wie sich objektive Informationen von der selektiven, einseitigen Hetze unterscheiden, die sie betreiben.

Die „Kritik“ am ARI beschäftigt sich schon wieder nur mit einer konkreten Stellungnahme. Gibt es sonst etwa keine Kritik am ARI? Stimmen die Menschen etwa alle mit dem ARI überein, dass es einen Minimalstaat geben sollte, dass es eine objektive Realität gibt, dass wir die Realität durch Vernunft erkennen können, dass wir für uns selbst und somit für unsere Werte (darunter andere Menschen, die uns etwas bedeuten) leben sollten? Ist das alles schon Konsens und die einzige Kritik bezieht sich auf dem Zweifel des ARI an der Rechtmäßigkeit staatlicher Spenden für Drittländer? Nun könnte man dagegenhalten, dass bislang noch niemand die anderen Positionen kritisiert hat. Nun, die Publikation der Kritik an einem konkreten Einzelfall, ohne Beachtung des Kontexts (der politischen Grundsatzpositionen des ARI) ist irreführend, also sollte man dann gleich gar nichts kritisieren – wenn man es nicht objektiv kann.

Wen es interessiert: Ich stimmte nicht mit dem ARI überein, was die genannten Punkte angeht. Ich gehe vom anthropogenen Klimawandel aus, halte nichts von der rücksichtslosen Position des ARI zum Antiterrorkrieg und gewisse Umweltschutzmaßnahmen, auch staatliche, halte ich für sinnvoll. Man muss mit nichts davon einstimmen, um Objektivist zu sein. Daran erkennt man schon einmal, wie unwichtig diese Beispiele sind.

Die „Zusammenfassung“ des Artikels über Multikulturalismus und Rassismus ist seitens Wikipedia eine grobe Irreführung, hier ist er:

http://www.gwb.com.au/gwb/news/watch/racism.htm

Das Problem mit dem Multikulturalismus in diesem Kontext (Affirmative Action an US-Unis) ist die Reduktion eines Menschen auf seine Zugehörigkeit zu einer Ethnie. Der Objektivismus sieht den Menschen hingegen als individuelles Wesen an, das sich seine Kultur frei aussuchen kann. Wikipedia lässt es so aussehen, als würde das ARI Multikulturalismus mit Rassismus gleichsetzen, weil es selbst rassistisch ist und keine verschiedenen Kulturen oder Ethnien auf demselben Fleck ertragen kann. Dabei ist das ARI individualistisch und sagt quasi: Deine kulturelle Zugehörigkeit ist egal, entscheide für dich selbst, was du glaubst, was du isst, welche Riten du befolgen möchtest! Subtiler Unterschied, ich weiß. Und wenn objektiv subjektiv ist, was will ich dann überhaupt?

20 Kommentare zu “Wikipedia über das Ayn Rand Institute

  1. freeman sagt:

    Ich glaube nicht, dass dies direkt mit der Motivation der Wikipedia-Editoren zusammenhängt.

    Dass jemand für eine Tätigkeit kein Geld bekommt, heißt nicht, dass er dadurch automatisch Altruist ist – unter Umständen macht ihm die Sache einfach nur Spass, oder er erhält dadurch irgendeine nichtmonetäre Kompensation wie Anerkennung.

    Ein „rationaler Egoist“ maximiert seinen Nutzen, und der muss nicht nur aus Geld bestehen.

    Ich glaube, die Einträge resultieren vielmehr aus der Tatsache, dass sehr viele der Editoren klassische, deutsche Mainstream-Linke sind, die ihren Horizont aus Gründen der ideologischen Hygiene nicht allzu weit stecken.

    Eigeninteresse – pfui!
    Amerikanisch – zumindest verdächtig…
    Freiheit – wo bleiben Gleichheit und Brüderlichkeit?

  2. Dr. Webbaer sagt:

    Auch das BBC wird rassistischer:
    -> http://www.telegraph.co.uk/culture/tvandradio/bbc/10914219/One-in-seven-BBC-presenters-and-actors-to-be-black-Asian-or-ethnic-minority-under-new-Lord-Hall-pledge.html

    All dies wird nach den sexistischen Frauenquoten auch noch kommen.

    MFG
    Dr. W (der das im Artikel beschriebene politische Ungleichgewicht bei der bekannten Online-Enzyklopädie darauf zurückzuführen hat, dass Verständige oder Liberale eher kein Interesse haben mitzumachen und sich den „Edit-Wars“ auszusetzen – ich habe mal längere Zeit die internen Wikipedia-Diskussionen verfolgt, wie dort Sperren ausgesprochen werden und wie die Meinungshengste dort so aufgestellt sind, es ist maximal grausam)

  3. Dr. Webbaer sagt:

    Auch das BBC wird rassistischer:
    -> http://www.telegraph.co.uk/culture/tvandradio/bbc/10914219/One-in-seven-BBC-presenters-and-actors-to-be-black-Asian-or-ethnic-minority-under-new-Lord-Hall-pledge.html

    All dies wird nach den sexistischen Frauenquoten auch noch kommen.

    MFG
    Dr. W (der das im Artikel beschriebene politische Ungleichgewicht bei der bekannten Online-Enzyklopädie darauf zurückzuführen hat, dass Verständige oder Liberale eher kein Interesse haben mitzumachen und sich den „Edit-Wars“ auszusetzen – ich habe mal längere Zeit die internen Wikipedia-Diskussionen verfolgt, wie dort Sperren ausgesprochen werden und wie die Meinungshengste dort so aufgestellt sind, es ist maximal grausam)

  4. Du hättest aber, anstatt nur darüber im Blog zu lamentieren, den Wikipedia-Eintrag auch einfach entsprechend umschreiben können…

    • Dr. Webbaer sagt:

      Das geht eben nicht, weil die Wikipedia-Community hier ein Auge drauf hat, Edit-Wars drohen und auch Verleumdung.

      • Das ist reine Spekulation. Es gibt bei diesem Eintrag bisher keinerlei Hinweise auf einen Edit-War.

        • Das ist ein Erfahrungswert anderer Libertärer, die sich mit den Wiki-Admins Gefechte lieferten. Ich weiß noch, wieviel Spaß das macht aus hpd-Zeiten. Der hpd erfüllte die Wiki-Kriterien für einen Eintrag, aber das war denen einfach egal. Außerdem habe ich keinen Anreiz, den Eintrag umzuschreiben (viel mehr Aufwand als ein Blogeintrag), da ich nicht fürs ARI arbeite.

          • Ein Bekannter lieferte sich Gefechte mit denen auf Seiten über Atheismus und Esoterik. Musste sich mit einer Admin rumschlagen, die Null Ahnung von der Thematik hatte. Das macht gar keinen Spaß.

    • Das ist so ein bisschen das Argument: Wenn dir der Kuchen vom Bäcker nicht schmeckt, dann backe selbst einen.

      • Ich meinte, die Beseitigung des Ärgernisses sei weniger aufwändig als das Kommentieren des Ärgernisses. Du meinst, das lohnt sich nicht, weil es zieht nur einen edit-war mit verstockten Wikipedia-Admins nach sich. Ich weiß nicht so recht – ich kenne das „edit-war Argument“ bisher nur von Esoterikern, die ihre Anekdoten in die Wikipedia drücken wollen.

        • Ich habe schon erwähnt, wie ein objektiver Eintrag aussehen könnte. Man müsste auf jeden Fall die Grundsatzpositionen einer Organisation erwähnen. Der Eintrag übers ARI ist so, als würde über die Kirche nur dastehen, „Von 1950 bis 2010 haben xy tausend Priester Kinder missbraucht.“ Als einzige Info über die Kirche. Ich rate hier nicht, du siehst selbst, wie der Eintrag aussieht und dass die Admins ihn so veröffentlicht haben. Der Vergleich mit den Esoterikern ist peinlich. Da kann ich auch die GWUP mit Esoterikern vergleichen.

        • Dr. Webbaer sagt:

          Es ist an der Grenze der Unmöglichkeit in der d-sprachigen Wikipedia liberale oder libertäre Meinung zu vertreten. Versuche enden fast zwingend grausam, es hängt wohl damit zusammen, dass es in D ohnehin nur wenige „echte“ Liberale gibt und dass diese wenigen nicht die Zeit und Lust oder den den „Nerv“ haben zu insistieren.

          Ohne als eher Sozial-Liberaler (im besten Sinne des Begriffs, sich aber abgrenzend von der bundesdeutschen FDP-Zeit 1969 bis 1982) hier allgemein den Ideen von „EiFrei“ zustimmen zu wollen, aber das hier ist gut beschreibend:
          -> http://eifrei.de/

          MFG
          Dr. W

          • Das ist kein Vergleich mit Esoterikern, das ist eine Tatsachenfeststellung: ich kenne sowas bisher nur von dort. Der Punkt ist, dass das „edit-war“ Argument nur dann stichhaltig ist, wenn gleichzeitig nachgewiesen werden kann, dass die Admins auch ideologisch neutrale Verbesserungen von schlechten Artikeln (wie dem über das ARI) revertieren. Bisher war meine Erfahrung (wie gesagt, auf das Eso-Milieu beschränkt) die, dass die Admins ihre reverts in den allermeisten Fällen gut begründen. (Der hpd-Fall, von dem ich gehört habe, schien mir ein Ausnahmefall zu sein, den ich allerdings nie ganz durchschaut habe.)

            Ich habe einen kleinen Selbstversuch gestartet, aber momentan keine Zeit, ihn weiter zu entwickeln…

          • Ich denke auch, Wikipedia ist nicht der Platz dafür, „liberale oder libertäre Meinung zu vertreten“. Meinungen kann man dort darstellen – was auch getan wird – aber nicht vertreten.

          • Und wenn man sie darstellt, wird man zur „Neuen Rechten“ gezählt (wo jeder reingesteckt wird, der nicht links ist und nicht zu den herkömmlichen Mustern passt). Dr. Webbaer hat den Beleg schon verlinkt, musst nur nur drauf klicken. Sogar größere Zeitungen wie FAZ und Handelsblatt haben darüber berichtet.

          • Dr. Webbaer sagt:

            Der Unterschied zwischen dem ‚Vertreten‘ von Meinung und deren ‚Darstellung‘ ist nicht groß, wenn überhaupt vorhanden.

            Die ‚Darstellung‘ kann hier nur die Äußerung eines ‚Vertretens‘ meinen, wenn es um Unterschiede gehen soll.

            Meinungen an sich sind umfänglich OK, es gibt wissenschaftliche Meinung, man ist ja nicht in der Tautologie (Mathematik oder Teile der Philosophie), in der es keine Meinung gibt oder geben muss, wenn in der Welt des Geistes, die das Politische einschließt, hantiert wird.

  5. Martin sagt:

    Das Problem ist auch aus „männerrechtlicher“ Sicht bekannt.

  6. Leopold Stotch sagt:

    Wäre die Frage, ob es wirklich zu einem Editwar kommen würde, bislang siehts auf der Diskussionsseite ruhig aus. Dass wir Libertären es generell so schwer auf Wikipedia haben, kann ich nicht sehen: ef/André Lichtschlag wird seitens Wikipedia wirklich übel mitgespielt, aber die meisten einschlägigen Artikel (Ayn Rand, Murray Rothbard, David Friedman, Objektivismus, Libertarismus, Libertarian Party…) machen einen neutralen und informativen Eindruck.

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