Sollten wir Tieren Rechte zusprechen?

Ein Licht im Dunkeln (Foto: Andreas Müller)

Ein Licht im Dunkeln (Foto: Andreas Müller)

Sollten wir Tieren Rechte zusprechen? Mit dieser Frage befasst sich mein neuer Artikel im Debattenmagazin Novo Argumente.

Manch ein Zeitgenosse, der nur Augen für schwarze Lettern auf weißem Grunde hat, verschmähte jüngst meinen Vortrag über Tierrechte. Er fragte nach dem Verbleib des geschriebenen Wortes? Nunmehr bin ich der Bitte nachgekommen und habe jenen umfassenden Artikel mit einem neuen Inhalt im Vergleich zum Vortrag verfasst. Damit sich der Aufwand auch lohnt und zusätzliche Leser ihren Weg zu meinem Meisterwerk finden, wurde der Artikel erfreulicherweise vom Debattenmagazin Novo Argumente veröffentlicht. Besten Dank an den Chefredakteur Johannes Richardt! Es handelt sich bei Novo Argumente um das deutsche Partnermagazin des britischen Spiked-Magazine, welches einen altehrwürdigen Platz unter meinen Feeds einnimmt.  Man labe sich nunmehr an meinen ausgesuchten Argumenten!

http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0001626

Um es zu betonen: Der Essay ist neu und unabhängig vom Vortrag. Es handelt sich nicht um eine Mitschrift.

11 Kommentare zu “Sollten wir Tieren Rechte zusprechen?

  1. Maximilian Gerber sagt:

    Hab mich sehr gefreut meinen Lieblings-Blogger in meinem Lieblings-Onlinemagazin veröffentlicht zu sehen.

  2. Andreas D. sagt:

    Ein sehr guter Artikel. Ich hoffe, er möge in der Debatte zur Kenntnis genommen werden.

  3. Maier sagt:

    Super Artikel! Sollten sich die die hpd-gbs-gaga-Heinis mal durchlesen.

  4. Alexia sagt:

    Interessanter Argumentationsfaden. Aber im Prinzip sagt er nur, dass die meisten Tiere keine Menschen sind.
    Die Aussage Menschen wären keine Tiere sondern eine ganz eigene Lebensform ist einfach nicht haltbar. Kultur und Wissenschaft machen uns nicht mehr besonders als die Fähigkeit aus eigener Kraft fliegen zu können. Oder die Fähigkeit, sich im Hirn anderer Arten einzunisten und deren Verhalten zu kontrollieren. Sie sind einfach nur eine Überlebens“strategie“, die sich evolutionär entwickelt hat.

    Du sagst, dass Menschenrechte eng verwoben sind mit Pflichten und Unrechtsbewusstsein. Und an anderer Stelle meinst du, dass selbst dein authistischer Bruder ein stärkeres Unrechtsbewusstsein hat als ein Schimpanse.
    Ich habe auch Erfahrungen gemacht und bin Vertretern der Spezies Homo sapiens begegnet, die sich im Auftreten von fingerabbeißenden Schimpansen in kaum mehr als dem Mangel an Körperbehaarung unterscheiden.

    Du meinst, dass Affen, wobei du den Menschen nicht einschließt, ebenso wie andere Tiere, wobei du den Menschen ebenfalls ausklammerst, lediglich auf Sinneseindrücke instinktiv reagieren. Das stimmt größtenteils aber eben nicht vollständig. Schimpansen sind durchaus in der Lage zu Pläne zu machen. Zwar ist das Verstecken von Steinen vor den Zoowärtern nicht gerade eine rühmenswerte Tat, wenn diese dazu dienen, später auf Zoobesucher geworfen zu werden, aber es ist eine Fähigkeit, die über bloße Instinkthandlung weit hinausgeht.
    Bei vielen Arten, nicht nur Primaten, wird immer wieder beobachtet, dass Mütter ihre Toten Babies herumtragen, sie anstubsen, anscheinend versuchen sie aufzuwecken und sie zu säugen. Reine Instinkthandlung sieht für mich anders aus.

    Andersherum könnte ich bösartig fragen, ob dein Bruder aus ethisch-moralischer Überzeugung weder klaut noch andere Menschen schlägt oder ob er überhaupt die Fähigkeit hat, dies zu tun, würde er zu dem Schluss kommen, dass es ihm einen Vorteil verschaffen würde. Blöderweise begebe ich mich damit auch auf ziemlich dünnes Eis. Du musst nicht antworten. Die Frage ist rethorischer Natur. Es würde auch an seinen Rechten überhaupt nichts ändern.

    Vom Stöckchenanspitzen bis zur Entwicklung von Weltraumsonden sind es lediglich feine Abstufungen. Wo genau die Grenze zu ziehen ist, ist Haarspalterei. Eine solche Grenze wäre eher willkührlich. Man könnte ebenso indigenen Völkern ihre Rechte absprechen, weil sie keine Operetten schreiben und ihre Musikinstrumente lediglich aus Trommeln, Rasseln und Pfeifen bestehen.

    Das wichtigste Gegenargument haben aber schon auf der anderen Seite einige der Kommentierer gebracht: Es spielt keine Rolle, was irgendwelche Aktivisten fordern und glauben. Es geht darum, ob wir, als moralisch/ethisch/vernuünftig handelnde Spezies, es uns erlauben dürfen, andere Tiere unnötig zu quälen, ihnen den Lebensraum wegzunehmen und sie an den Rand der Ausrottung zu treiben.
    Es spielt auch keine Rolle, ob andere Arten genau das tun. Es geht darum, dass wir es besser wissen.

    • Das Vernunftvermögen und der freie Wille machen uns sehr wohl zu etwas Besonderem. Ich fühle mich nicht von dunklen Trieben kontrolliert und irgendwelche Selektionsmechanismen mein Verhalten determinieren. Der Mensch hat z. B. keine Paarungszeit, er kann Mönch werden, nie heiraten, vier Frauen heiraten, einen Fetisch für Gegenstände entwickeln und Tiere folgen nur ihren Instinkten. Ich argumentiere im Artikel und im Video ausführlich genug, was Affen können müssten, um konzeptuell denken zu können. Durchs tote Babys rumtragen und Steine sammeln (Affen lernen nichts über Generationen hinweg) werden sie nicht zu Menschen. Es gibt da auch keine graduellen Übergänge. Menschen können begrifflich denken, Tiere nicht. Mein Bruder ist ein Mensch, der eben eine Behinderung hat und darum beeinträchtigt ist. Aber ein Mensch mit gebrochenem Arm ist noch immer ein Mensch, ein Mensch mit geistigen Problemen auch. Tiere haben keinen Geist, der beeinträchtigt sein könnte.

      Die gesamte Tierrechtsbewegung begibt sich mit dem Vergleich von Geistig Behinderten mit Tieren auf dünnes Eis. Alles Mögliche ist politisch inkorrekt, aber ausgerechnet das ist es in Deutschland nicht.

      • Alexia sagt:

        Sorry, aber es ist einfach eine biologische Tatsache dass alle Menschen Tiere sind. Auch wenn nicht alle Tiere Menschen sind. Daran ändert auch die tollste philosophische Herleitung über die Vernunft-Bande mit Dreifachlooping um generationenübergreifendes Lernen herum nichts.
        Diese menschlichen Eigenschaften sind vielleicht einzigartig auf diesem Planeten seit dem Verschwinden der anderen Spezies aus unserer Gattung. Aber sie entstammen eben nur der Funktionalität unseres Gehirns. Ein Körperteil, ähnlich vital wie Lungen, Kiemen, Herzen, Augen etc. Andere Spezies sind in anderen Dingen gut. Eine Gorilladame wurde übrigens mal beim Lügen erwischt. Ich glaube, es war Koko, die ihrer Katze die Schuld für eine zerbrochene Vase aufdrücken wollte. Dieses *Konzept*, dass jemand anderes etwas nicht weiß was für mich offensichtlich ist – die Grundlage um überhaupt lügen zu können – ist auch sehr interessant. Ich habe nur gerade vergessen, wie diese Spielart der Kognition genannt wird. Und das Haustier? Was für ein dunkler Trieb lässt denn den Wunsch nach einem Haustier aufkommen? So eine Verschwendung von Energie und Zeit …


        Einzigartig? Etwas Besonderes? Ganz eigene Lebensform? Klar. All das. Aber nicht einzigartiger, besonderer oder eigener als all die anderen.

        Und nachdem zufällig wir die sind, die mit ihrem konzeptuellen Denken das Konzept von Rechten entwickelt haben, warum die Rechte nicht mit denen teilen, die das Konzept nicht haben? Ist auch so eine Fähigkeit, die man nutzen könnte.

        Wenn wir abgrenzen, werden es immer willkührliche Grenzen sein. Wir könnten eine Grenze um unsere Spezies herum ziehen. Aber warum? Andere legen weniger Wert auf Denkfähigkeiten sondern wollen einfach nur Leiden verringern und weiten die Grenze auf alle Tiere aus. Anderen geht es um Abstufungen von Intelligenz und schließen lediglich „höhere“ Primaten und einige Meeressäuger ein. Dann gibt es noch die, die in eine komplett andere Richtung gehen und lediglich Hellhäutigen Menschenrechte zugestehen. Würde auch passen, da sich im Vorkolonialafrika so ein Konzept von Menschenrechten irgendwie nicht entwickelt hat. Selbst heute tun die Leute dort sich schwer damit. Warum ihnen also etwas zugestehen, das sie scheinbar nicht verstehen?

        Meine persönliche Einstellung lautet „So wenig Leid wie möglich für alle“. Essen muss ich leider. Auch Fleisch. Sonst bekomme ich schmerzhafte Verdauungstörungen. Ich gestehe aber jeder Spezies das Recht zu nicht unnötig gequält zu werden und würde jeden Hund, der getreten wird, entsprechend verteidigen, falls möglich. Stichwort Nothilfe.

        Das ist eines der Dinge, die für mich das Menschsein ausmachen. Rechte haben und geben, Ungerechtigkeit erkennen und bekämpfen.

        • Gute Philosophie beruht auf Beobachtung, genau wie die Wissenschaften. Man kann einer bestimmten Philosophie nicht einfach unterstellen, dass sie wie ein rationalistisches System („Herleitung“) funktioniert.

          Aber sie entstammen eben nur der Funktionalität unseres Gehirns.

          Das wissen wir eigentlich nicht. Ist der Geist ein Produkt des Gehirns? Die zwei Dinge sind völlig unterschiedlich. Ich stimme damit überein, dass der Geist zu uns als bestimmte biologische Lebensform dazugehört.

          Aber nicht einzigartiger, besonderer oder eigener als all die anderen.

          Das sagt zwar dieser Tage jeder, aber für mich klingt das jedes Mal so, als würde jemand vor einer riesigen Hochzeitstorte stehen, darauf zeigen und die Existenz von Hochzeitstorten leugnen.

          warum die Rechte nicht mit denen teilen, die das Konzept nicht haben?

          Warum nicht alle Apple-Fachgeschäfte im größten Wollknäuel der Welt auf der Antarktis unterbringen? Weils Unsinn ist. Als Rechtsträger sind wir Rechtssubjekte, Teil einer Gemeinschaft von Rechtssubjekten und der Grund ist gerade der, das wir für unsere Taten verantwortlich sind und verantwortlich gemacht werden können. Wir können bei einem Rechtsbruch dafür verklagt werden und müssen uns verteidigen. Tiere haben keine Verantwortung für ihre Taten. Und sie sind keine Subjekte, geschweige denn Rechtssubjekte.

          Wenn wir abgrenzen, werden es immer willkührliche Grenzen sein.

          Die Vernunft ist keine willkürliche Grenze, sie ist die essenzielle Eigenschaft, die Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet.

          Warum ihnen also etwas zugestehen, das sie scheinbar nicht verstehen?

          Ich stimme dem nicht zu, dass Schwarze die Rechte ihrer Mitmenschen nicht verstehen können.

          • Alexia sagt:

            >Ist der Geist ein Produkt des Gehirns?
            >Die zwei Dinge sind völlig
            >unterschiedlich.

            Geist verhält sich zu Gehirn wie Fahren zu Auto. Zumindest meine Ansicht. Aber mit dem ganzen Tamtam der so um die Themen Seele, Chakra, Astralkörper, Lebensenergie etc. verbreitet wird, und für nichts davon eine klare Definition existiert, ist es natürlich schwer, einen Konsens zu finden. Geschweige denn einen Nachweis dass das Objekt dieses Konsens‘ existiert. Das Beste ist hier, sich mit Popkorn zurückzulehnen und zu schauen, was so aus den Kloppereien zwischen großen und kleinen Religionen entsteht.
            Du scheinst den geistigen Unterschied zwischen Menschen und anderen Tieren irgendwie zu sehen wie den Unterschied zwischen Autofahrer und Topfpflanze. Für mich ist es eher wie der Unterschied zwischen Audi A8 und Trabant. Die StVO gilt für alle. 🙂

            >die Existenz von Hochzeitstorten leugnen
            Beziehungsweise die Überlegenheit von Hochzeitztorten gegenüber Apfelkuchen oder einem Fasan aus dem Röhmertopf.

            >Rechtsträger … Rechtssubjekte … Rechtsbruch … Verantwortung
            Das sind Bedingungen für die Sinnhaftigkeit von Menschenrechten. Es verlangt aber keiner ernsthaft Menschenrechte für Nichtmenschen.

            >Ich stimme dem nicht zu, dass Schwarze die
            >Rechte ihrer Mitmenschen nicht verstehen
            >können.

            Ich auch nicht. Ich bezog mich weniger auf die Hautfarbe als vielmehr auf die (Un-)Sitten, die in der dortigen Umgebung herschten und herrschen und von den dort Lebenden Menschen geprägt werden. So etwas wie Albinos zerhacken und die Teile als Talismane benutzen. Oder kleine Mädchen vergewaltigen in dem Glauben dass der Akt AIDS heilt. Offensichtlich ist es so, dass gewissen Individuen das Konzept von Rechten anderer Menschen fremd ist. Trotzdem gewähren wir allen Menschen unterschiedslos eben jene Rechte. Was auch gut ist.

            Spielt aber keine Rolle.
            Wie gesagt, es geht nicht um Menschenrechte für Nichtmenschen sondern um allgemeine Rechte. Solche, die zu den jeweiligen Spezies passen.
            Wir brauchen nicht zu verhindern, dass Löwen Gazellen jagen und Schimpansenhorden auf andere losgehen und sich gegenseitig töten und fressen.
            Wir Menschen sind lediglich an einem Punkt angelangt, wo uns ein Moskito (oder vielmehr die Krankheit die er überträgt) vielfach gefährlicher ist als ein Bengalischer Tiger.
            Damit erübrigt sich die Notwendigkeit einer Vernichtung der Tiger. Selbes gilt für die Vernichtung deren Lebensräume.
            Wir haben außerdem die Fähigkeit zu erkennen, dass sich Wildtiere in der Wildniss wohler fühlen als im Zirkus. Also wenn ein Mensch sehen will, wie jemand durch einen Reifen springt, dann kann gefälligst ein Mensch springen.

            Ich weiß, dass dir die Ausrottung ganzer Arten durch Menschen egal ist. Das ist allerdings mir wiederum egal. Ich schreibe hier noch nicht einmal um dich zu überzeugen, weil ich weiß, dass du irgendwo wieder einen Logigkfaden ausgräbst, an dessen Ende „Ist doch egal, wenn alles kaputt geht“ steht.

            Ich lasse hier einfach nur einem dunklen Trieb seinen Lauf, weil es mir ein Bedürfniss ist, deine Aussagen nicht so unkommentiert stehen zu lassen. 🙂

          • Ich weiß, dass dir die Ausrottung ganzer Arten durch Menschen egal ist

            Stimmt. Und ich weiß, dass auch ohne den Menschen unzählige Arten immer wieder aussterben. Nicht nur die Dinosaurier. Es gab zahlreiche Massenaussterben in der Geschichte, ganz ohne Menschen: http://de.wikipedia.org/wiki/Massenaussterben

        • Dr. Webbaer sagt:

          Menschen mögen aus bestimmter Sicht Tiere sein, Säuger oder Affen oder lockerer formuliert: Primaten, no prob, aber gerade die Sittlichkeit leitet dazu an gegenüber Unsittlichen oder nicht zur Sittlichkeit Fähigen, die Sittlichkeit bedingt immer auch die Sprachlichkeit, abzugrenzen.

          Ansonsten wäre relativistischerweise das Tiertum zu promovieren, das Laissez-Faire auf der Basis des allgemein tierlichen Austausches, das Fressen und Gefressen werden. Ohne Kommunikation und ohne sittlicher Kultur.

          Pete Singer und auch andere, im d-sprachigen Raum ist hier wohl auch zwingend Karim Akerma zu nennen mit seinem Pathozentrismus, der aus seiner Sicht zum allgemeinen (!) Genozid anleitet, er bezeichnet es eher fromm als ‚Verebbung‘, sind hier physiozentrisch (das Fachwort) und anti-humanistisch unterwegs.

          MFG
          Dr. W

  5. Dr. Webbaer sagt:

    Interessant vielleicht auch wie verklemmt Hans Ulrich Gumbrecht hier argumentiert, er schafft es bspw. nicht die Fachworte ‚Ökologismus‘, ‚Physiozentrismus‘ und ‚Pathozentrismus‘ zu nennen, auch wenn er dementsprechend meint (Einschränkung: sofern sich demokratische Mehrheiten bilden, lol, scheint flexibel zu sein der Kollege).
    MFG
    Dr. W

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