Klassizismus versus Impressionismus

KlassiziFrançois Gérard: Porträt von Julie Récamier, 1802 (Gemeinfrei)

François Gérard: Porträt von Julie Récamier, 1802 (Gemeinfrei)

Kritikern der Modernen Kunst wird gerne vorgehalten, dass man früher ja auch den Impressionismus (2. Hälfte des 19. Jhdts.) für eine Degeneration der Kunst hielt. Die Implikation ist, dass der Impressionismus heute schließlich als große Kunst gilt – die Kritiker sind also nur altmodisch und haben kein Verständnis für das Neue.

Nun, ich bin noch immer der Meinung, dass der Impressionismus eine Degeneration der Kunst war. Die Impressionisten haben sich von klaren Formen, Strichen und Konturen verabschiedet und wie Betrunkene gemalt. Im Gegensatz zu späteren Bewegungen kann man noch sehen, dass die Gemälde ein gewisses Können beherbergen und besser gemacht sein könnten, als sie es sind.

Sieht man sich das klassizistische Portrait oben an im Vergleich zur impressionistischen Variante (via Bildbearbeitung erzeugt) rechts, so meine ich, könnte man denselben Effekt erzielen, wenn man sich auf dem frisch gemalten klassizistischen Kunstwerk erleichtert.

Ayn Rand sprach von der „Albernheit der Punkte-und-Klatscher“ der Impressionisten und warf ihnen vor, „die Wahrnehmung auf Sinnesempfindungen zu desintegrieren“.

Das hängt mit der Funktionsweise der Wahrnehmung zusammen:

1. Ein Stimulus trifft auf ein Sinnesorgan (z.B. Licht auf das Auge) = Sinnesempfindung. Dieser Vorgang läuft automatisch ab.

2. Eine Sinnesempfindung wird bewusst = Wahrnehmung. Dieser Vorgang läuft ebenso automatisch ab.

3. Fokussieren des Bewusstseins. Dieser Vorgang ist die erste freie Entscheidung des Menschen.

Die Impressionisten malen sozusagen wie Menschen, die sich nicht auf das konzentrieren, was sie wahrnehmen. Säuglinge nehmen die Welt so ähnlich wahr wie Impressionisten.

5 Kommentare zu “Klassizismus versus Impressionismus

  1. Interessante These. Allerdings unterscheidet sich ein echtes impressionistisches Gemälde doch von dem technisch fabrizierten. Ein echtes erzeugt aus der Ferne die Illusion einer realistischen Darstellung; Ihr künstliches Beispiel wird dagegen immer verschwommen wirken.

    • Man könnte ergänzen, dass auch ein realistisches Gemälde aus der Ferne den Eindruck einer realistischen Darstellung erzeugt – und sogar auch aus der Nähe. Also warum überhaupt eine verschwommene Darstellung?

  2. Leopold Stotch sagt:

    Hihi, lustige Idee mit der Bildbearbeitung.

  3. Julian Estragon sagt:

    „Beauty is no quality in things themselves: It exists merely in the mind which contemplates them; and each mind perceives a different beauty. One person may even perceive deformity, where another is sensible of beauty; and every individual ought to acquiesce in his own sentiment, without pretending to regulate those of others.“ (David Hume)

    Wenn der Autor in den Gemälden eines Van Gogh keine Schönheit findet, dann ist das sein Problem. Warum er sich veranlasst sieht, wütende Texte über Dinge zu schreiben, die ihn nicht ansprechen (und dementsprechend egal sein könnten), wird sein Geheimnis bleiben.

    • Das ist kein Geheimnis. Was ich von Hume halte, wirst du bereits wissen als jemand, der hier schon eine ganze Weile kommentiert. Warum Kunst objektiv beurteilt werden sollte, steht im Philosophiebereich unter Ästhetik. Stimmst du mit Hume auch überein, dass man mit gleichem Recht an seinem Finger kratzen wie die ganze Welt zerstören kann? Kunst hat eine bestimmte Identität und spielt eine bestimmte Rolle im menschlichen Leben. Man könnte ebenso leugnen, dass Sauerstoff eine Identität hat und aufhören zu atmen.

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