Bouguereau versus Cézanne

Ungefähr im Jahre 1910 hat die Entwicklung der Kunst aufgehört. Die Impressionisten hatten die Moderne eingeleitet. Die Wirkung der modernistischen Theorie auf die Kunstgeschichte ist etwa vergleichbar mit der Wirkung des Christentums auf die Kunst am Ende des Römischen Reiches. Man erkennt die Macht der Ideen – eine schlechte Philosophie hat dieselbe Wirkung auf eine Kultur wie ein Atomkrieg. Es ist so, als wären die großartigen Kunstfertigkeiten der Akademischen Klassizisten und der Realisten einfach verschwunden oder als hätte man sie einfach vergessen. Ähnlich wie man im christlichen Mittelalter die griechisch-römische Philosophie, Wissenschaft und Kunst einfach liegengelassen hat. Mit Absicht. Weil das Diesseits nicht zählte und man sich als guter Christ leidend auf das Nachleben vorbereiten sollte. Der Unterschied zwischen dem mittelalterlichen Christentum und der Philosophie und Kunst der Moderne verbirgt sich eher in Details. Beide waren zerstörerische Kräfte.

Das Gemälde links stammt vom Realisten William Adolphe Bouguereau. Es handelt sich um eines seiner schlechteren Bilder (!). Rechts sehen Sie ein Gemälde mit ähnlichem Motiv vom Impressionisten Paul Cézanne.

Und jetzt stellen Sie sich das einmal vor: Die Kunst auf der rechten Seite hat die Kunst auf der linken Seite abgelöst! Das rechte Gemälde war die Zukunft der Kunst, die Mitte des 19. Jahrhunderts entstand und die sich Anfang des 20. Jahrhunderts durchsetzte. Das linke Gemälde stellt die Vergangenheit dar. Urteilen Sie selbst.

William Adolphe Bouguereau: La Petite Esméralda 1874)

William Adolphe Bouguereau: La Petite Esméralda (1874)

Paul Cézanne:_L'Été (1860)

Paul Cézanne: L’Été (1860)

 

 

3 Kommentare zu “Bouguereau versus Cézanne

  1. Skeptiker sagt:

    Die Wirkung der modernistischen Theorie auf die Kunstgeschichte ist etwa vergleichbar mit der Wirkung des Christentums auf die Kunst am Ende des Römischen Reiches.

    Das Christentum hatte natürlichen einen Einfluss auf die Kunst. Ich finde aber nicht, dass die byzantinischen Mosaike es nicht mit römischen Statuen usw. aufnehmen können.
    Den Zusammenbruch der römischen Kunst muss man auch im Zusammenhang mit den Untergang des römischen Reiches im Westen sehen und darin, dass sich die Geschmäcker im Laufe der Jahrhunderte natürlich gewandelt haben.

    Auf griechischer Keramik sieht man z. B viele Unterrichts- und Lehrszenen. Die gab es in der römischen Kunst meines Wissens nicht.

    Man erkennt die Macht der Ideen – eine schlechte Philosophie hat dieselbe Wirkung auf eine Kultur wie ein Atomkrieg.

    Grade in diesem Zusammenhang: War die Erfindung der Fotographie und die Tatsache, dass die Malerei gegen diese keine Konkurrenz mehr wahr, nicht auch ausschlaggebend?

    • Ja, natürlich das Römische Reich im Westen!

      Grade in diesem Zusammenhang: War die Erfindung der Fotographie und die Tatsache, dass die Malerei gegen diese keine Konkurrenz mehr wahr, nicht auch ausschlaggebend?

      Dann wäre die Malerei durch Fotografie ersetzt worden und nicht durch die verschiedenen Strömungen der Modernen Kunst. Fotografie selbst ist keine Kunst, weil sie die Realität nur abbildet, sie aber nicht selektiv neu erschafft. Ein realistischer Maler stellt einen bestimmten Aspekt des Menschen und seines Verhältnisses zur Welt dar, er sagt damit etwas Grundsätzliches über den Menschen und die Natur der Dinge aus. Ein Foto sagt nichts aus, sondern zeigt etwas, verweist auf etwas. Auch ein Hinweis (etwa auf Kriegsverbrechen) kann eine große Wirkung haben, ist aber keine Kunst.

      • Skeptiker sagt:

        Ja, natürlich das Römische Reich im Westen!

        Das Öströmische Reich, Byzanz, hat ja wesentlich länger existiert als das Weströmische. Es gibt sogar Experten, die das Ende des Mittelalters im Fall von Byzanz sehen. Danach, schreibt Kuhn, seien die griechischen Gelehrten von dort zum Teil nach Westen gegangen, was dort die Renaissance beeinflusst hat.

        Wie dem auch sei: Die Kunst lebte in Ostrom ja weiter. Im Westen wurde sie durch den Untergang Roms zerstört.

        Dann wäre die Malerei durch Fotografie ersetzt worden und nicht durch die verschiedenen Strömungen der Modernen Kunst.

        Nicht zwangsläufig. Die Anhänger der modernen Kunst argumentieren doch so (okay, nur einige von ihnen), dass dieses Schicksal der Malerei nur durch die moderne Kunst erspart blieb. Ein realistisches Gemälde hätte demnach gegen einen Fotographen keine Chance…

        Fotografie selbst ist keine Kunst, weil sie die Realität nur abbildet, sie aber nicht selektiv neu erschafft.

        Das stimmt nicht. Durch Wahl der Perspektive und gezieltes Weglassen kann der Fotokünstler sehr wohl eine Auswahl treffen und damit selektiv eine Realität schaffen. Man vergleiche nur die Werke professioneller Fotographen mit den Fotos, die Leute einfach so für sich selbst machen.
        Der Profi bedient sich besonderer Techniken, bittet die abzubildende Person vielleicht in eine besondere Pose oder macht wie zufällig gemachte Aufnahmen.

        Auch lassen sich Fotos umfangreich nachbearbeiten!

        Abgesehen davon, dass man mit Fotographie auch Dinge darstellen kann, die man mit dem normalen Auge niemals sehen könnte. Siehe z. B. „Infrarotfotographie“ oder die Fotos, in denen man 3 Belichtungszeiträume kombiniert.

        Ein Foto sagt nichts aus, sondern zeigt etwas, verweist auf etwas.

        Ein realistisches Bild doch auch. Ein Bild von einer historischen Persönlichkeit, sagen wir Ludwig XIV., verweist auf diese Person und wird in einem gebildeten Betrachter auch Assoziationen an den Absolutismus in dieser Epoche wecken.
        In der abstrakten Kunst dagegen ist der Bezug zum Gegenständlichen verloren…

        Zu beginn der modernen, besser „neuzeitlichen“ Kunst standen ja auch Experimente mit der camera obscura. Man wollte die Welt so darstellen, wie sie tatsächlich erscheint und dabei wurde die Perspektive entdeckt. Zuvor gab es so etwas nicht. Man vergleiche nur die Kunst der Ägypter oder die des Mittelalters, wo eine Perspektive fehlte.

        Nun die Frage: Was hälst du eigentlich vom Hyperrealismus?

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