Aus diesem Gemälde stammt sie

François Boucher: Landschaft mit Kirschpflückerin (1786, gemeinfrei)

François Boucher: Landschaft mit Kirschpflückerin (1786, gemeinfrei)

Das ist die Antwort auf die Frage aus dem letzten Blogeintrag, woher die abgebildete Frau kommt. Erraten kann man das natürlich nicht, man müsste es schon wissen. Wahrscheinlich wäre die Umfrage glücklicher verlaufen, hätte ich nach dem Urinal von Marcel Duchamp gefragt. Euer Kunstlehrer (der Mann, der Mingvasen am Pult festgenagelt hat) darf sich rühmen, wie sehr die Alten Meister schon in Vergessenheit geraten worden sind.

François Boucher (1703-1770) war ein französischer Maler, genauer Hofmaler von Ludwig XV. Die von einem Kommentator vorgeschlagene Postkartenillustration aus Wien entfällt somit.

4 Kommentare zu “Aus diesem Gemälde stammt sie

  1. Ch. Weiss sagt:

    Planen Sie in Zukunft die Interpretation eines Bildes aus objektivistischer Sicht, oder könnten Sie diesbezüglich ein paar Worte zur Kirschpflückerin sagen?

    • Maier sagt:

      Adam und Eva im Garten Eden. Adam gibt die Frucht in den Schoß von Eva.

      Hab ich das Bild richtig interpretiert?

    • Für die Bewertung der Kunst braucht man sich die formelle Umsetzung des Lebensgefühls des Künstlers anzusehen, genauer der konkreten Idee, die er mit seinem Gemälde ausdrückt. An seinen Gemälden beurteilt hat Boucher ein sehr lebensfrohes, menschenfreundliches Menschenbild. Ein Künstler fokussiert sich auf das Essenzielle und lässt das Unwichtige weg. Auf Bouchers Bildern schwimmen die abgebildeten Protagonisten in Sonnenschein, Luxus, Lust, wandlen in schönen Gärten. Krankheit, Leid, Tod, Sünde spielen auf seinen Gemälden keine Rolle. Essenziell sind für Boucher das Schöne, die Freude und die Lust am Leben.

      Zunächst kann man also sagen, dass er sich auf diesem Gemälde schon einmal auf das für ihn Essenzielle fokussiert hat. Die Kirschpflückerin und ihr Freund werden ohne Unreinheiten, Krankheiten und Gebrechen dargestellt, sondern als vitale junge Menschen. Die technische Umsetzung in Klarheit, Linienführung, Farbwahl, Schattierung, Belichtung ist überaus gelungen. Ich finde, Bouchers Lebensgefühl bringt er klar mit diesem Gemälde zum Ausdruck. Wenn Maier natürlich meint, dass er vielmehr die Ursünde darstellt – den Ursprung des Menschen als leidenden, sündigen, kranken, aus dem Paradies vertriebenen Menschen – so könnte man nun darüber reden, was für seine und was für meine Interpretation spricht.

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