Aus diesem Gemälde stammt sie

François Boucher: Landschaft mit Kirschpflückerin (1786, gemeinfrei)

François Boucher: Landschaft mit Kirschpflückerin (1786, gemeinfrei)

Das ist die Antwort auf die Frage aus dem letzten Blogeintrag, woher die abgebildete Frau kommt. Erraten kann man das natürlich nicht, man müsste es schon wissen. Wahrscheinlich wäre die Umfrage glücklicher verlaufen, hätte ich nach dem Urinal von Marcel Duchamp gefragt. Euer Kunstlehrer (der Mann, der Mingvasen am Pult festgenagelt hat) darf sich rühmen, wie sehr die Alten Meister schon in Vergessenheit geraten worden sind.

François Boucher (1703-1770) war ein französischer Maler, genauer Hofmaler von Ludwig XV. Die von einem Kommentator vorgeschlagene Postkartenillustration aus Wien entfällt somit.

Aus welchem Gemälde stammt sie?

Mysteriöse Dame (Bild: Andreas Müller)

Mysteriöse Dame (Bild: Andreas Müller)

Diese mysteriöse Dame habe ich aus einem meiner Lieblingsgemälde „hinausgezeichnet“. Sie sieht nicht ganz genauso aus wie das Vorbild, aber ist diesem nahe genug. Wie heißt das Gemälde und von wem stammt es? Mal sehen, wer sich etwas auf seine künstlerische Bildung einbilden kann…

Bouguereau versus Cézanne

Ungefähr im Jahre 1910 hat die Entwicklung der Kunst aufgehört. Die Impressionisten hatten die Moderne eingeleitet. Die Wirkung der modernistischen Theorie auf die Kunstgeschichte ist etwa vergleichbar mit der Wirkung des Christentums auf die Kunst am Ende des Römischen Reiches. Man erkennt die Macht der Ideen – eine schlechte Philosophie hat dieselbe Wirkung auf eine Kultur wie ein Atomkrieg. Es ist so, als wären die großartigen Kunstfertigkeiten der Akademischen Klassizisten und der Realisten einfach verschwunden oder als hätte man sie einfach vergessen. Ähnlich wie man im christlichen Mittelalter die griechisch-römische Philosophie, Wissenschaft und Kunst einfach liegengelassen hat. Mit Absicht. Weil das Diesseits nicht zählte und man sich als guter Christ leidend auf das Nachleben vorbereiten sollte. Der Unterschied zwischen dem mittelalterlichen Christentum und der Philosophie und Kunst der Moderne verbirgt sich eher in Details. Beide waren zerstörerische Kräfte.

Das Gemälde links stammt vom Realisten William Adolphe Bouguereau. Es handelt sich um eines seiner schlechteren Bilder (!). Rechts sehen Sie ein Gemälde mit ähnlichem Motiv vom Impressionisten Paul Cézanne.

Und jetzt stellen Sie sich das einmal vor: Die Kunst auf der rechten Seite hat die Kunst auf der linken Seite abgelöst! Das rechte Gemälde war die Zukunft der Kunst, die Mitte des 19. Jahrhunderts entstand und die sich Anfang des 20. Jahrhunderts durchsetzte. Das linke Gemälde stellt die Vergangenheit dar. Urteilen Sie selbst.

William Adolphe Bouguereau: La Petite Esméralda 1874)

William Adolphe Bouguereau: La Petite Esméralda (1874)

Paul Cézanne:_L'Été (1860)

Paul Cézanne: L’Été (1860)

 

 

Klassizismus versus Impressionismus

KlassiziFrançois Gérard: Porträt von Julie Récamier, 1802 (Gemeinfrei)

François Gérard: Porträt von Julie Récamier, 1802 (Gemeinfrei)

Kritikern der Modernen Kunst wird gerne vorgehalten, dass man früher ja auch den Impressionismus (2. Hälfte des 19. Jhdts.) für eine Degeneration der Kunst hielt. Die Implikation ist, dass der Impressionismus heute schließlich als große Kunst gilt – die Kritiker sind also nur altmodisch und haben kein Verständnis für das Neue.

Nun, ich bin noch immer der Meinung, dass der Impressionismus eine Degeneration der Kunst war. Die Impressionisten haben sich von klaren Formen, Strichen und Konturen verabschiedet und wie Betrunkene gemalt. Im Gegensatz zu späteren Bewegungen kann man noch sehen, dass die Gemälde ein gewisses Können beherbergen und besser gemacht sein könnten, als sie es sind.

Sieht man sich das klassizistische Portrait oben an im Vergleich zur impressionistischen Variante (via Bildbearbeitung erzeugt) rechts, so meine ich, könnte man denselben Effekt erzielen, wenn man sich auf dem frisch gemalten klassizistischen Kunstwerk erleichtert.

Ayn Rand sprach von der „Albernheit der Punkte-und-Klatscher“ der Impressionisten und warf ihnen vor, „die Wahrnehmung auf Sinnesempfindungen zu desintegrieren“.

Das hängt mit der Funktionsweise der Wahrnehmung zusammen:

1. Ein Stimulus trifft auf ein Sinnesorgan (z.B. Licht auf das Auge) = Sinnesempfindung. Dieser Vorgang läuft automatisch ab.

2. Eine Sinnesempfindung wird bewusst = Wahrnehmung. Dieser Vorgang läuft ebenso automatisch ab.

3. Fokussieren des Bewusstseins. Dieser Vorgang ist die erste freie Entscheidung des Menschen.

Die Impressionisten malen sozusagen wie Menschen, die sich nicht auf das konzentrieren, was sie wahrnehmen. Säuglinge nehmen die Welt so ähnlich wahr wie Impressionisten.

Die Anatomie des Joseph Beuys

Die Anatomie des Joseph Beuys (Bild: Andreas Müller)

Die Anatomie des Joseph Beuys (Bild: Andreas Müller)

Man erblicke meine neueste Zeichnung. Sie beruht auf „Die Anatomie des Dr. Tulp“ von Rembrandt. Nur, dass Dr. Tulp hier eine Anatomie am modernen Künstlers Joseph Beuys durchführt. Dessen Aussehen habe ich von folgendem Poster abgeleitet: „Joseph-Beuys-Poster für eine Vortragstournee durch die USA: Energy Plan for the Western Man, 1974, organisiert von dem Galeristen Ronald Feldman, New York. Lizenz: CC BY-SA 3.0″ (Wikipedia). Den Hut durfte er aufbehalten.

Ich solls doch erklären: Joseph Beuys ist ein moderner Künstler, der mit Fettstuhl, Kistenstapeln und Kinderzeichnungen Millionen „verdient“ hat. Und hier wird er von einem Alten Meister seziert.

Zur objektivistischen Ästhetik (Kunstphilosophie) siehe meinen Vortrag darüber.