Das totale Lernen: Hörbücher

All die Momente, wenn man nur stumpfe Tätigkeiten ausführt wie Sport, Laufen oder Fahren, könnten so viel nützlicher sein. Man könnte zum Beispiel Bildung in sein Gehirn schaufeln, indem man Hörbücher anhört. Hier sind einige, die ich mir angetan habe, und was ich von ihnen halte:

2. Hörbücher

a) The Oscar Wilde Collection

Enthält englischsprachige Dramen vom irischen Satiriker und Dramatiker Oscar Wilde („Ernst sein ist alles“). Eine ganze Reihe berühmter Schauspieler waren als Sprecher aktiv – das gehört sich so in England, auch wenn sich trotzdem nur wenige Leute für hohe Literatur interessieren: Alfred Molina (Spider-Man 2), Jacqueline Bisset (Mord im Orient-Expreß), Eric Stoltz (Rob Roy) und James Marsters (Spike in Buffy – im Bann der Dämonen) und Samantha Mathis (Dagny Taggard in Atlas Shrugged 2). Spike ist ein literaturbegeisterter Dichter, bevor er in der Serie Buffy zum Vampir gemacht wird. Von daher war es besonders seltsam, wie Realität und Fiktion bei diesem Hörbuch verschwimmen.

Oscar Wilde wurde später zu einem sarkastischen Satiriker. Lord Arthur Saviles Verbrechen (nicht im Hörbuch enthalten) ist die bissigste Erzählung, die mir je untergekommen ist. Lord Savile erfährt vom Handleser Septimus R. Podgers, dass er einen Mord begehen muss, bevor er glücklich verheiratet sein kann. Nach verschiedenen erfolglosen Mordversuchen, darunter ein Sprengstoffattentat, tötet Lord Savile schließlich den Handleser Septimus Podgers. Später erfährt er, dass Podgers nur ein Betrüger und kein echter Handleser war. Er ist trotzdem davon überzeugt, dass seine Ehe nur glücklich ist, weil er Podgers ermordet hat.

Bevor Wilde allzu wüst war, schrieb er die Komödie Eine Frau ohne Bedeutung (ist hier enthalten). Es geht um eine Frau, die gesellschaftlich geächtet war, weil ihr Liebhaber sie vor der Ehe verlassen hatte. Sie trifft ihn später erneut. Er möchte, dass ihr gemeinsamer Sohn für ihn arbeitet. Daraus wird nichts und am Ende ist der betrügerische Liebhaber ein „Mann ohne Bedeutung“. Wie ich finde, sehr rührend und man merkt Wilde seine humanistische Seele stärker an, die später in wüsten Spott umgeschlagen ist. Die Komödie behandelt auch den Unterschied zwischen den Amerikanern und den Briten, wobei die Briten gar nicht gut wegkommen.

b) The Will to Power: The Philosophy of Friedrich Nietzsche

Zwölf Stunden und 16 Minuten lange Vorlesungsreihe über Nietzsches Philosophie. Von einem Professoren-Ehepaar, das diese Philosophie teilt und Nietzsche verteidigt. Enthält mir zu viele Relativierungen („er meinte das gar nicht so“), sodass man sich am Ende fragt, was Nietzsche nun überhaupt ernst meinte. Kaum zu glauben, dass jemand so einer blödsinnigen Philosophie zustimmen kann.

c) Economics, 3rd Edition

18 Stunden und 36 Minuten lange Einführungsvorlesung in die Ökonomie von Professor Timothy Tailor. Finde ich sehr gelungen. Tailor geht detaillierter auf das Für und Wider von Staatseingriffen in bestimmten Fällen ein, wie Natürliche Monopole und Externe Effekte. Sehr gute Vorlesung.

d) The Rise and Fall of the British Empire

Die Geschichte des Britischen Imperiums, 18 Stunden und neun Minuten lang. Ziemlich ausgewogen, gefällt mir gut. England hat die Chinesen einst mit Kanonenbooten gezwungen, den Drogenhandel mit Opium zuzulassen. Vermutlich keine zeitgemäße Drogenpolitik mehr.

e) Origins and Ideologies of the American Revolution

Eine 24 Stunden und 33 Minuten lange Vorlesungsreihe. Quantitativ bekommt man ja was für sein Geld. Es geht theoretisch um die Ideen der Amerikanischen Revolution. Professor Peter Mancall ist noch ein recht junger Professor, was einmal mehr bedeutet, dass er einige postmoderne Auffassungen verinnerlicht hat. Mit anderen Worten redet er mir zu viel Unsinn und es mangelt ihm an philosophischer Vorbildung, die bei einem solchen Thema doch recht praktisch wäre. Werde ich nicht bis zum Ende hören.

Wer auf die Links geklickt hat, dem wird aufgefallen sein, dass einige dieser Vorträge praktisch unbezahlbar teuer sind. Rise and Fall of the British Empire kostet zum Beispiel in der günstigsten Audio-Fassung 200 US-Dollar! Das habe ich natürlich nicht bezahlt. Ich finanziere die Kurse durch mein Audible-Abo, bei dem man monatlich ein Audio-Buch bekommt für 10 Euro im Monat. Wer das wirklich nutzt, für den rentiert sich das allerdings, wie man sieht. Ohne jetzt dafür Werbung machen zu wollen, das würde mir nichts bringen. Ich sage nur, dass es für ungewöhnliche Zielgruppen wie mich eine tolle Sache ist.

Um das alles in seinen Kopf zu bekommen, ohne erschöpft zusammenzubrechen, sind Kaffee und Schwarzer Tee stets willkommen. Ich habe mir in meinem eigenen Shop den Freedombringer Cup besorgt und empfehle ihn ohne einen Hauch Eigennutz hier mal weiter. Sieht wirklich klasse aus und hat den Ausflug in die Spülmaschine unbeschadet überstanden. Die Sporthose war mir derweil zu klein, was unmöglich an mir liegen kann, also habe ich sie aus dem Shop genommen. Als nächstes zeige ich euch das IDF-Shirt und gebe meinen Senf dazu ab.

Freedombringer Cup (Feuerbringers Shirt Shop, Bild: Andreas Müller)

Freedombringer Cup (Feuerbringers Shirt Shop, Foto: Andreas Müller)

4 Kommentare zu “Das totale Lernen: Hörbücher

  1. Vince sagt:

    Vielen Dank für die Buchtipps und den Hinweis bzgl. Audible!

  2. Marcel sagt:

    Hast du auch deutschsprachige Empfehlungen? Danke.

  3. Rüdiger sagt:

    @Nietzsche: „Kaum zu glauben, dass jemand so einer blödsinnigen Philosophie zustimmen kann.“

    In toto zustimmen geht sicher nicht. Schliesslich hat er „Was fällt, soll man noch stossen“ wirklich geschrieben und ernst gemeint. Andererseits ist klar, dass die Nationalsozialisten ihn in Richtung „Wille zur Macht“ gebürstet haben, also mit einer ideologischen Vorgabe interpretiert haben und ihm so nicht gerecht werden.

    Nietzsche will aber gar keine Schüler, wie er den „Zarathustra“ sagen lässt.

    An Nietzsche schätze ich seinen rebellischen Geist, seinen durchdringenden Blick hinter eine biedere Schein-Normalität, die schon die Fäulnis in sich trägt – seine vielen einzelnen Lebensweisheiten, und seine Sprache.

    Allein sprachlich ist der „Zarathustra“ ein Hochgenuss – den gibt’s doch sicher auch als Hörbuch!

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