Peta und die Ursünde

Stellen Sie sich vor, Sie sind eine Sonnenblume. Sie stehen auf Ihrer Wiese herum, haben keine Sorgen auf der Welt. Sie haben mit Ihren Wurzeln genügend Regenwasser aufgesaugt, die Sonne versorgt Sie mit Energie. Auf einmal hören Sie (mit Ihren Pflanzenohren) ein kreischendes, lautes Geräusch. Sie sehen (mit Ihren Pflanzenaugen) riesige Scheren, gewaltige Messer. Die Messer drehen sich in Schallgeschwindigkeit. Sie werden Zeuge, wie sie die Köpfe ihrer Nachbarn abschneiden (ihre Pflanzenköpfe). Ihnen wird bewusst (mit Ihrem Pflanzenbewusstsein), dass auch Ihr Leben bald vorbei sein wird. Und womit haben Sie das verdient? Einfach nur, weil Sie zur Natur gehören, zur Natur, die dem Menschen nichts bedeutet, die für ihn zur Verfügung steht, die selbst keine Rechte hat.

Eine Horrorvision, schlimmer als der Holocaust. An die Stelle der Nazis treten Leute mit Rasenmähern. Leute wie Sie (Wenn Sie mal keine Sonnenblume sind)!

Ja, Peta feiert gerade ihr 20-jähriges Bestehen.

20 Jahre lang haben sie den Menschen eine große Schuld eingeredet. Sie werfen den Menschen vor, dass sie als Menschen existieren. Wie bereits die christliche Ursünde die menschliche Natur als sündig darstellte, als von Geburt an schuldig, bevor man auch nur seine erste freie Entscheidung treffen konnte, so werden wir jetzt dafür verantwortlich gemacht, die Natur zum Überleben zu nutzen. Der Mythos der Ursünde verurteilte uns dafür, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gegessen zu haben – selbst zu denken, selbst zu urteilen. Nach der Vertreibung aus dem Paradies musste der Mensch Landwirtschaft betreiben – zuvor waren ihm die Nährstoffe reichhaltig zur Verfügung gestanden. Die Öko-Ursünde verurteilt uns nun dafür, Landwirtschaft zu betreiben und möchte eine Rückkehr ins Paradies der Unmündigkeit und Knechtschaft (nach Schiller) herbeiführen.

Über 60 Prozent der Deutschen unterstützen (angeblich) die neueste Kampagne von Peta gegen die Haltung von Zirkustieren. Sie finden es „nicht mehr zeitgemäß“, dass Wildtiere im Zirkus gehalten werden. Mit der Höhe des Schulabschlusses steigt die Ablehnung der Wildtierhaltung in Zirkussen. Siehe hingegen: Tiere leben im Zirkus länger – weil das Leben in freier Natur gar nicht so romantisch ist, wie die Tierrechtler glauben. Und weil Tiere nicht so viel Platz für ihre „freie Entfaltung“ benötigen wie Menschen.

Einmal mehr gewinnt man den Eindruck, dass „Bildung“ etwas anderes bedeuten muss als Bildung. Offenbar hat es mehr mit einer bestimmten Kultur in gebildeten Schichten zu tun, die alle denselben Unsinn reden, um dazuzugehören – aber die eigentlich keine Ahnung haben. Wehe dem, der eine Ahnung hat und formell zu diesen Schichten gehört.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Ökologie.

8 Kommentare zu “Peta und die Ursünde

  1. Thomas Leske sagt:

    Vor allem leben die Tiere in freier Natur doch nur sinnlos vor sich hin. Erst Zirkusbesucher, Jäger und Feinschmecker verleihen ihrem Leben einen Sinn!

  2. Lauchie sagt:

    Die Quelle ist ein Sprecher vom Zirkus. Eieiei.

    Ein Schritt vor und ein Schritt zurück erscheint mir auch wenig für einen Elefanten

  3. Moorfee zu Schein"abstimmung" sagt:

    Erstmal wären ja diese Zahlen überhaupt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Wie kommt man zu dem Schluß, 60% der Bevölkerung würden die PeTA Kampagne gegen den Tiercircus unterstützen?

    Gibt es dafür wirklich neuerdings seriöse Quellen?

    Sowohl die „Abstimmung“ zu Nutztierhaltung und Tierrechten, die kürzlich mal bei ZDF Log In stattfand, wie auch die Petition zur Anticircus-Tykekampagne hatten beide den gleichen, ganz gravierenden Fehler:
    Jeder Aktivist konnte da beliebig oft abstimmen. Von fanatischen Aktivisten weiß man, dass die sowas äußerst gerne tun und sich bequem von daheim aus die Finger wund klicken, bzw. dann auch diese Abstimmungen in einschlägige Mailinglisten und Facebookgruppen zu diesem Zweck einstellen. So werden aus 6000 internationalen Peta-Nerds mit etwas Onlinefreizeit gerne mal schnell beeindruckende deutsche 600000.
    Seltsames Verständnis von Demokratie, wenn wir solche Zahlen und Vorgänge künftig als seriöses Abstimmungsergebnis akzeptieren wollten.
    Z.B. Circus Krone und Circus Knie gastieren regelmäßig mit ausverkauften Vorstellungen…bis auf den letzten Platz….und das sind ganz sicher keine online generierten Klone, die die Karten kaufen…vor der Kasse stehen halt immer ein paar Flugzettelverteiler, die die Besucher belästigen und dann, aktivistisch aneinandergereiht in Unterwäsche vor dem Brandenburger Tor, nichtmal wie geplant einen Elefanten, sondern eher eine Art Mini-Nasenbär ergeben.
    Desweiteren würde mich doch mal stark interessieren, ob irgendwas neuerdings ernsthaft dagegen spricht, dass ein Sprecher einen Artikel verfassen darf, zu einem Thema, mit dem er nun mal fachlich viel zutun hat???
    Also gut, es soll ja Leute geben, die lesen z. B. eine technische Anleitung für einen neuen PC nur dann, wenn die von einem Professor für Ethik und Philosophie verfasst wurde und lassen einen entzündendeten Blinddarm ausschließlich von japanischen Bonsaiexperten mit Sinn für Feng Shui herausschnippeln. Ich persönlich halte nichts davon.

    Im übrigen halte ich auch den Begriff „Wildtier“ in den Kreisen der Gegnerschaft für mehr als fraglich definiert, denn zum Beispiel Elefanten leben schon weit länger auch in menschlicher Obhut, als das bei vielen unserer gängigen Heimtiere (z.B. Wellensittiche, Hamster etc.) der Fall ist. Es gilt dafür natürlich vernünftige und auch praktikable Richtlinien zu schaffen und auch immer neuen wissenschaftlichen Erkenntnisen anzupassen,wie das ja schon in Arbeit ist. Hier sind echte Experten gefordert, wie z.B.in Zusammenarbeit versierte, erfahrene Zootierärzte, Wildbiologen und selbstverständlich auch Fachleute aus Circuskreisen. Nur dann kann auch etwas Sinnvolles dabei heraus kommen, PeTA als rein selbsternannter Tierrechtsverein hat doch dabei nicht das geringste zu suchen. Deren Fanatismus und mangelnde Sachkenntnis zeigt sich allein schon an der Fehleinschätzung, was Tiertraining und Tierdressuren angeht. Wer jemals auf diesem Sektor auch nur kleinste Erfolge erzielen konnte und immer noch freudig von seinem Tier begrüßt wird, der weiß, dass da mit Quälerei und Gewalt überhaupt gar nichts sinnvoll zu erreichen ist. Daher sind es auch immer die gleichen Bilder, die PeTA dazu einbringen will, die Herkunft und Erstellung liegt oft völlig im dunkeln und die wirklich echte Quälerei, die sie dabei zeigen (irgendein wirklich sadistischer Zeitgenosse, der aufs übelste einen Rhesusaffen? wirklich mißhandelt) flimmert auch schon seit vielen Jahren im Netz herum. Jeder möchte wohl gern wissen, welcher Kerl das war und wo überhaupt….viel wichtiger ist aber, das ganz bestimmt dieser Affe bei diesem Mann keinerlei entspannte Kooperation mehr zeigen würde, wie sie für alles im Circus zwingend erforderlich wäre, was mehr zeigen soll, als einmal kreischend an der kurzen Leine in die Mangege geschleift und schnell wieder hinaus.Jeder, der z.B. mal verängstigte, mißhandelte Hunde aus dem Tierschutz übernommen hat, weiß doch, wie extrem schwierig es ist, diese auch nur wieder hinter dem Schrank hervorzulocken und Schrittchen für Schrittchen wieder positiv an Menschen zu gewöhnen, tierfreundlich an neue Halter zu vermitteln, etc.
    Deshalb stört es mich ganz besonders, wenn hier das Circus-Training betreffend erschreckende Vorurteile aus Tierschutzkreisen kommen, denn diese Leute sollten es dringend besser wissen, sonst müsste man deren Umgang und Training mit anvertrauten Tieren noch sehr viel wichtiger mal hinterfragen. Es ist auch ganz aktuell nun endlich Gesetz geworden, dass alle Tierheime eine Sachkunde nachweisen müssen, ein längst überfälliges „Muss“.

    Peta jedoch, tut meiner Ansicht nach nichts von beidem: weder Tiere trainieren und sie der Bevölkerung nahe bringen und z.B. nicht zuletzt Generationen von Kindern glücklich damit machen, noch sinnvolle Tierschutzarbeit leisten, da, wo sie wirklich nötig ist und dringend Hilfe gebraucht wird.

    Peta schmeißt nur mit propagandistischen Stinkbomben auf Menschen aller Art, die ihre verquere Ideologie nicht teilen möchten, scheffelt Geld und wird halt gerade 20 Jahre alt.
    Liebe PeTA:
    Herzlichen Glückwunsch zum Nackedei-Nasenbär….und zu hetzendem Propagandamaterial im antiquarischen Stil von 1933. da fand man sogar so unseriös beeinflusste Abstimmungen auch schon ganz toll, also sollte man ihnen vielleicht einen geschichtlichen Nostalgiepreis verleihen dafür, oder so.

    • Nun, da steht „Repräsentative Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung Nürnberg“. Wer und wie viele Leute befragt wurden, steht nicht da. Wahrscheinlich kann man nicht viel daraus ableiten. Da die Anzahl von Vertretern einer Meinung für mich keine Relevanz hat, fehlt mir die Motivation, bei Peta um die Studie zu bitten.

  4. Boris Gass sagt:

    Es scheint hier ganz intelligente Typen zu geben, die ganz genau wissen was dem Leben der Tiere einen Sinn gibt. Ich gratuliere Ihnen Herr Thomas Leske zu Ihrem geistigen Höhenflug, hoffentlich haben Sie sich dabei nicht überanstrengt.

    • Tiere denken nicht darüber nach, ob ihr Leben einen Sinn hat. Sie stellen sich keine existenziellen Fragen. Sie stellen sich überhaupt keine Fragen, sondern folgen ihren Instinkten.

  5. Alexia sagt:

    Bleh. Noch eine Umfrage. Kein Link zu Material aus dem hervorginge, wie das Ergebnis zustande kam. Welche Fragen wurden gestellt?
    Da die GfK relativ etabliert ist im Bereich der Meinungsforschung, gehe ich mal davon aus, dass „repräsentativ“ wirklich das bedeutet. Es sei denn natürlich, PETA hat einen Weg gefunden, um die Umfrage zu Veganern und Reformhausstammkunden hin zu lenken und dann das „repräsentativ“ dazugelogen.

    Viel wichtiger ist aber meiner Meinung nach die Frage, ob die PETA wirklich Tiere so sehr liebt oder einfach nur Menschen hasst. Wenn ich Berichte sehe, in denen die Organisation leicht vermittelbare Haustiere in ihre „Obhut“ nimmt und innerhalb weniger Minuten umbringt, tendiere ich dazu, die zweite Möglichkeit anzunehmen.
    Gleichzeitig gibt es da die Zurschaustellung eines starken Hasses gegen alle möglichen Menschen. Farbsprayangriffe gegen Pelzmantenträger sind sehr beliebt. Und tonnenweise Plakate und Internetbilder mit Labortieren oder welchen aus schlechter Massenhaltung sind so effektiv wie kaum etwas anderes um Millionen Menschen den Magen umzudrehen. Hierzulande wäre solches Bildmaterial FSK18. Aber mit millionenfach geteilten Facebookposts lässt sich dieses Hindernis auch leicht umgehen. „Hier Kleiner, albträum was schönes. Und wenn deine Mama morgen Omelett mit Schinkenwürfeln macht, kannst du allen erzählen wie eklig und furchtbar das alles ist.“

    Yep. PETA hasst Menschen. Warum sollte ich (oder sonstjemand) etwas darauf geben, was die mir (einem Menschen) erzählen?

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