Diese Menschen sind klüger als Affen

Ich habe gerade den Film „Der Untergang“ gesehen. Da sieht man Adolf Hitler unter anderem als Tierliebhaber und Vegetarier. Er sagt an einer Stelle, dass sein Hund intelligenter sei als viele Menschen – damit liegt Hitler wieder voll im Trend. Laut einem Artikel auf Spiegel Online seien Hunde immerhin „so schlau wie Kleinkinder“:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/studien-ausgewertet-hunde-sind-so-schlau-wie-kleinkinder-a-641417.html

„Sind Affen intelligenter als Menschen“ fragt die Augsburger Allgemeine:

http://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Sind-Affen-intelligenter-als-Menschen-id3471361.html

Der Berliner Kurier titelt sogar: „Diese Affen sind klüger als Menschen“:

http://www.berliner-kurier.de/panorama/intelligenz-bestien-diese-affen-sind-klueger-als-menschen,7169224,22201690.html 

Auch Schweine und Pferde und Raben und Krähen sollen enorm intelligent sein. Und Tiere sind ja überhaupt mehr wie Menschen, als die unaufgeklärten Dorftrottel früher glaubten.

In verschiedenen Zoos ist mir die folgende Beschriftung über einem Spiegel aufgefallen: „Das gefährlichste Raubtier“.

In Ist der Wald endlich tot? schreibe ich, dass ich ein Fan von Jurassic Park bin. Ich fand die Idee schon als Kind großartig. Ich war ganz enthusiastisch, als ich hörte, dass mein Lieblings-Dinosaurier, ein Velociraptor, schlauer als die Primaten gewesen sein könnte (aus dem Grund war er auch mein Lieblings-Dino). Ich habe mir einen Raptor mit menschlichem Geist vorgestellt und die Idee schnell verworfen, weil man in einem solchen Körper nicht als Mensch leben könnte. Mit scharfen Zähnen und Klauen, ohne Finger für die Kommunikation und all die Tätigkeiten, für die wir Finger brauchen, ohne Sprache. Unmöglich. Man kann bereits aus der Physiologie eines Lebewesens bis zu einem gewissen Grad auf seinen Geist schließen. Oder auf seinen Nicht-Geist. Warum hat ein Tier einen solchen Körper wie der Raptor? Zum Jagen anderer Tiere, er war ein Raubtier. Warum hat ein Mensch keine Klauen und kann Piano spielen statt Beute reißen? Man braucht keine Wissenschaft für die grundsätzlichen Überlegungen – man muss nur denken. Das waren meine Überlegungen als elfjähriges Kind.

Woher dann eine solche Auffassung: Alle möglichen Tiere sind schlauer als wir und alles, was der Mensch tut, ist die Welt zerstören. Bestverkaufte Sachbücher behandeln die Frage, wie die Erde einst ohne Menschen aussehen wird. Kein Grund zur Sorge: Von unserer Zivilisation wird so gut wie nichts übrig bleiben.

Wir nackten Affen, Neandertaler von morgen, gefährlichsten Raubtiere der Welt, dümmer als Schweine.

Warum sagt ein Mensch so etwas über den Menschen? Warum schreibt er, ob Tierrechts-Advokat oder moderner Philosoph, Bücher, journalistische Artikel, entwirft PR-Kampagnen, um den Menschen herabzusetzen? Und warum tun sich die Leute so etwas auch noch bereitwillig an? Hassen sie sich selbst?

Die Kommentatoren auf Facebook fanden meine Meinung jüngst absurd, dass das antike Griechenland und das 19. Jahrhundert in England und den USA unserer heutigen Kultur auf grundsätzliche Weise überlegen waren. Teilweise gilt das auch für den Renaissance-Humanismus und die Aufklärung. Volker Panzer erinnerte mich daran, dass es auch im 18. Jahrhundert komische Leute wie den Marquis de Sade gab. Gut, mit Sicherheit – aber um eine Kultur insgesamt zu bewerten, muss man sich fragen, was repräsentativ für sie ist.

Gewiss gibt es heute mehr Bequemlichkeiten, mehr Krankheiten können geheilt werden, der Durchschnittswohlstand ist höher. Aber das waren Kulturen, die den Menschen verherrlicht haben, die an das Potenzial von jedem Individuum glaubten, sich in jeder Hinsicht bessern zu können. Man glaubte an den Menschen. Möchte ich lieber 50 Jahre alt werden und dafür in einer Kultur leben, die mich respektiert und die an mich glaubt – oder 100 Jahre in einer Kultur verbringen, die mich für einen dem Untergang geweihten, zerstörerischen, dummen Affen hält?

Ohne jetzt unpatriotisch klingen zu wollen, aber ich schreibe im Dienste einer anderen Art von Kultur. Immerhin auf Deutsch.

5 Kommentare zu “Diese Menschen sind klüger als Affen

  1. Dr. Webbaer sagt:

    Man glaubte an den Menschen.

    Eben nicht, man glaubte an einige Menschen, andere, bspw. Sklaven (die wurden in der Antike als natürliches Inventar betrachtet), Frauen, bestimmte Halbbürger und den Mob generell betreffend, wurden als niederrangig eingestuft, was den Ideen und Werten der Aufklärung direkt entgegenläuft.
    Denn diese setzt auf die sog. Schwarmintelligenz und darauf, dass Eliten sich nicht durchsetzen dürfen.


    Korrekt bleibt natürlich erkannt, dass die oben beschriebenen Ideen nicht allgemein tauglich sind, wenn bspw. Gesellschaften in beträchtlichem Umfang analphabetisch oder soz. viehisch relig. ungünstig gebunden sind oder sonstwie stark leiden.

    Was zurzeit im Kontext sog. Tierrechtsphilosophen zu begutachten ist, ist die anti-zivilisatorische Rückbesinnung auf Ideologien wie den Physiozentrismus, der dem nackten Theozentrismus (das Christentum ist bspw. duozentristisch, theozentrisch und anthropozentrisch, sowas geht) nahe steht.

    MFG
    Dr. W

    • Immer dieses Sklaverei-Argument. Die Sklaverei war bis zum 19. Jahrhundert selbstverständlich in allen möglichen Kulturen, wie auch, dass Frauen keine politische Macht haben sollten. Man muss den Kontext einbeziehen. Erst die Viktorianer und Amerikaner im ungefähr selben Zeitraum haben das geändert. Für mich werden nicht die Qualitäten einer Kultur ausgelöscht, weil sie Sklaven hatte. Und einige Frauen sollten sich vielleicht mal für Politik interessieren und sozialistischen und ökologischen Ideen abschwören, die sie statistisch gesehen sehr viel häufiger vertreten als Männer, bevor sie sich über ihre mangelnde politische Macht in früheren Zeiten beschweren.

      • In der Tat haben einige Frauen zu der Zeit, als die Viktorianer über das Wahlrecht für Frauen diskutierten, argumentiert, dass sich Frauen nicht für Politik interessieren und darum auch kein Wahlrecht haben dürften. Ich finde, es ist ein Tritt ins Gesicht ihrer eigenen Emanzipation, dass das statistisch gesehen noch immer wirklich so ist. Statt mal ihr Gehirn einzuschalten und die individuellen Rechte und Freiheiten des Menschen zu verstehen, sind die politischen aktiven Frauen viel, viel häufiger im Sinne kollektivistischer Ideen aktiv. Vgl.: http://www.feuerbringer-magazin.de/2013/12/14/frauen-in-der-politik/

      • Dr. Webbaer sagt:

        Der versuchte Kern der obigen Argumentation war, dass es nicht Eliten benötigt, wenn aufklärerische Systeme am Start sind, sondern allgemein solide zivilatorische Aufstellung und das Freisetzen der sog. Schwarmintelligenz.

        MFG
        Dr. W

  2. Skeptiker sagt:

    Es ist korrekt, dass Affen (Schimpansen) gewissen Aufgaben, die das Kurzzeitgedächtnis betreffen, in Tests besser erfüllen als Menschen. (Damit sie diese Tests überhaupt durchführen, müssen sie wahrscheinlich trainiert werden, um so ein Verhalten zu zeigen. Bei Menschen wird die Motivation anders sein, nebenbei.)

    Hier muss aber natürlich zwischen den „Fakten“ und ihrer Interpretation unterschieden werden, soweit das überhaupt möglich ist. Sagen diese Ergebnisse vielleicht aus, dass diese Test doch nicht so aussagekräftig sind? Welche Rolle spielt das Kurzzeitgedächtnis bei menschlicher Intelligenz überhaupt?

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