Sollte man Drachen schützen?

Drache (Bild: Andreas Müller)

Drache bedankt sich bei Tierschützern (Bild: Andreas Müller)

So ganz ist die Botschaft noch nicht angekommen, dass es eine blöde Idee ist, Wölfe hier nicht mehr jagen zu dürfen und ihren Erhalt zu garantieren. Also stellen wir uns eine Diskussion im fantastischen Mittelalter vor, als es noch Drachen gab – so viel zu dem Vorwurf, ich würde an Märchen glauben!

Die Diskussion weist eine gewisse Ähnlichkeit mit meinen Streitereien mit gewissen Mitbürgern auf, die dem Latein der Wolfsfreunde auf den Leim gegangen sind. Ich diskutiere in meiner Rolle als Magister „M“ alias Scholastiker (endlich kann ich mal was mit meinem akademischen Titel anfangen!) mit der Tochter „T“ des Vorstehers der Zauberer-Gilde:

M: „Mensch, sind diese Tierschützer verrückt! Die wollen, dass man Drachen als gefährdete Art schützt!“

T: „Ja, aber die sind doch gefährdet. Es gibt nur noch zehn oder so.“

M: „Und? Drachen verbrennen Dörfer und Städte, sie stehlen Gold und Jungfrauen.“

T: „Drachen greifen den Menschen nur an, wenn er sie angreift oder wenn er ihr Gold oder ihre Jungfrauen aus ihrem Drachenhort rauben will.“

M: „Wie, was, das sind doch nicht ihre Jungfrauen! Oder ihr Gold! Das haben sie doch vorher geraubt!“

T: „Es gehört ihnen, wenn sie es sich nehmen. Machen unsere Könige doch auch so.“

M: „Sehr clever. Im Optimalfall schützen Könige die Bürger wenigstens vor Feinden und Kriminellen. Drachen stehlen von Natur aus Gold und Jungfrauen und sie fressen unsere Nutztiere. Es gibt gute Könige, aber keine guten Drachen.“

T: „Ich finde, das Problem wird unnötig aufgeblasen. Drachen haben auch eine Daseinsberechtigung. Die sind auch Teil der Natur. Wir müssen mit der Natur harmonisch zusammenleben. Ohne Drachen bricht die Stabilität des Ökosystems zusammen und die Biodiversität nimmt ab.“

M: „Das könnte man ja über jedes gefährliche Raubtier sagen, das dem Menschen schadet. Und was ist jetzt mit den Jungfrauen, stört dich das nicht?“

T: „Nein.“

M: „Na, das ist doch mal eine ‚Überraschung’…“

T: „Es gibt gar nicht mehr so viele Jungfrauen. Wir leben doch heute in modernen Zeiten. Heute sind viele Mädchen schon mit 13 Jahren keine Jungfrauen mehr. Und vorher sind sie für die Drachen zu jung.“

M: „Sehr praktisch. Und das Gold?“

T: „Der König lässt doch inzwischen Schuldscheine aus Papier machen. Wenn die Leute glauben, dass die so viel wert sind wie Gold, dann funktionieren die auch als Tauschmittel.“

M: „Du bist selbst für eine Zauberin ganz schön abergläubisch. Und die Nutztiere?“

T: „Wir leben doch in einem Fronsystem. Die Tiere gehören den Bauern sowieso nicht und die Fronherren können neue züchten lassen oder neue in Kriegen rauben. Wenn die Drachen genügend Tiere fressen, greifen sie keine Menschen an. So viele Schafe brauchen die zehn Drachen auch nicht.“

M: „Bis es mehr Drachen werden. Man darf sie ja nicht mehr jagen.“

T: „Aber man darf sich noch gegen sie verteidigen.“

M: „Das wird man auch immer häufiger tun müssen. Und die Städte, die Drachen niederbrennen?“

T: „Städte sind laut, chaotisch, voller Diebe und Mörder und die Menschen dort sind ungleich. Auf dem Land lebt der Mensch in seiner natürlichen Umgebung. Außerdem kann man ja bessere Zäune bauen.“

M: „Die Zäune müsste man ja um die ganze Stadt bauen – und auch in den Himmel hinauf, bis sie die Stadt wie eine Käseglocke umschließen. Und sie müssten aus Stahl geschmiedet werden.“

T: „Dann hat die Handwerksgilde mal was Sinnvolles zu tun. Weiß du, du bist ganz schön konservativ für einen mittelalterlichen Scholastiker. Das sind ja ganz alte Ideen über die Herrschaft des Menschen über die Natur. Heute glaubt doch keiner mehr, dass wir die Natur so ausbeuten und wahllos zerstören dürften.“

M: „Wie gut für den modernen Menschen. Hm… Einen Vorteil hätten die Drachen ja. Sag mal, ist eine deiner Freundinnen noch Jungfrau? Es kann ja nicht sein, dass man sie den Drachen überlässt. Da fühle ich mich jetzt in der Pflicht…“

T: „Aber du bist doch Mönch.“

M: „Du sagst es ja, wir leben in modernen Zeiten. Alles ist relativ.“

6 Kommentare zu “Sollte man Drachen schützen?

  1. Skeptiker sagt:

    Den Gag mit den Gold und den Schuldscheinen muss man wirklich hervorheben. 🙂 Der hat einen gewissen Humor.

  2. Bernd sagt:

    Aber natürlich sollte man Drachen schützen und Wölfe, Luchse, Steinadler, Klima, Euro u.s.w.. Man sollte auch alle Saurier wieder auswildern und zwar deshalb:
    Nachdem Gott die Schöpfung geschöpft hatte, war er so erschöpft, daß er sich um deren Erhalt nicht mehr kümmern konnte. Als ein großer Stein auf die Erde fiel und die Saurier ausstarben, erschrak Gott. Er wurde doch wieder aktiv und erschöpfte den Menschen, den er sofort als Gärtner einstellte mit dem Auftrag, für den Erhalt der Schöpfung zu sorgen. Leider stellte sich der Mensch zunächst etwas dumm an, weil Gott in seiner Müdigkeit über das Vorserienmodell „Homo sapiens“ nicht hinauskam. Zum Glück gab es aber viele sendungsbewußte Menschheitsverbesserer, die selbst das Heft in die Hand nahmen (markante Beispiele: Jesus, Mohammed, Kant, Rousseau, Marx, Michael Schmidt-Salomon, Alice Schwarzer, Claudia Roth……)kurz, „die Welt wurde immer ein Stück weit besser“ und Gott konnte weiter schlafen. Dank dieser selbstlosen Aktivisten vermag die Menschheit heute sogar das Klima zu retten.
    Da ich ein kleingläubiger Mensch bin, frage ich mich immer: Wer übernimmt diese gewaltigen Aufgaben, wenn in 500 Mio. Jahren kein höheres Leben auf der Erde mehr möglich sein wird?
    http://www.astrokramkiste.de/erde-zukunft

    • Wenn man MSS in eine Reihe mit Kant, Rousseau und Marx stellt, fühlt er sich bestimmt noch mehr wie unser Philosophengott. 🙂

      • Bernd sagt:

        „fühlt er sich bestimmt noch mehr wie unser Philosophengott.“
        Dieses Gefühl sei ihm gegönnt, trägt er doch viel zum Unterhaltungswert der Talkshows bei. Seine Traktate braucht man ja nicht zu lesen, sie enthalten eh nur den 68er-Spruch „Schlagt kaputt, was euch kaputt macht“.

      • Maier sagt:

        Warum „Philosophen-Gott“? „Gott“ triffts schon eher.

        • Er ist doch nicht einmal der Chef-Atheist, wie er ungefähr 1000 Mal betont hat, damit nur niemand die Assoziation „MMS“ und „Chef-Atheist“ vergisst. Der Witz an der Sache besteht nur darin, dass er gar kein Atheist ist, sondern ein agnostischer, subjektivistischer, altruistischer Mystiker.

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