Die effektive Selbstbeweihräucherung

"Die Schulden sind jetzt weg, Puff!" "Wollen Sie das nicht auch mal verpuffen lassen?" (Politische Unterdrückung)

„Die Schulden Afrikas sind jetzt weg, Puff!“ „Wollen Sie das nicht auch mal verpuffen lassen?“ (Politische Unterdrückung). (C) Cox & Forkum

„Der effektive Altruismus (EA) ist eine Philosophie und eine soziale Bewegung, die darauf abzielt, die beschränkten Ressourcen Zeit und Geld optimal einzusetzen, um das Leben möglichst vieler empfindungsfähiger Wesen möglichst umfassend zu verbessern. Gemeinsam mit der gbs-Schweiz hat die Giordano-Bruno-Stiftung Deutschland nun ein Projekt zum Effektiven Altruismus auf den Weg gebracht.“ (Aus dem neuen gbs-Newsletter).

Somit steht die gbs inzwischen für das direkte Gegenteil dessen, wofür ich stehe: Selbstaufopferung in Form des Utilitarismus statt aufgeklärtes Eigeninteresse.

Ein Wort zu diesem ganzen herablassenden Arme-Leute-helfen-Schwachsinn, bei dem man auf arme Menschen als Objekte der eigenen Großzügigkeit herabblickt: Wenn man irgendetwas für arme Menschen tun will, dann sollte man die Konditionen fördern, die es den Menschen ermöglichen, ihr eigenes Leben unabhängig zu führen. Statt Almosen zu verteilen brauchen „arme Länder“ stabile politische Institutionen, einen freien Markt – Recht und Ordnung. Wer Almosen verteilen will, 1. muss sie sich von produktiven Menschen besorgen. Er selbst tut nichts anderes, als das Geld anderer Menschen auszugeben und 2. glaubt nicht, dass Menschen ohne die eigene Hilfe leben können. Das ist arroganter und totalitärer ist als jede andere Haltung. Und offensichtlich ist es nicht humanistisch.

Der Utilitarismus („das größte Glück der größten Zahl“) ist ohnehin eine ethische Perversion. Wir sollen bei allen unserer Handlungen genau ausrechnen, wie jeder irgendwie Beteiligte von diesen Handlungen betroffen wird. Dann berechnen wir das Gesamtglück verschiedener Handlungsoptionen und entscheiden uns für die Handlung, die am meisten Gesamtglück auslösen soll. Wenn ich eine Bank überfallen will, sind die Bankangestellten unglücklich, die sensationsheischenden Medien und Menschen sind glücklich, die Läden, wo ich die Beute ausgebe, sind glücklich, Gangsterbräute sind glücklich – was ist jetzt das Gesamtglück? Soll man eine Bank überfallen? Gar nicht mal so einfach zu beantworten für einen Utilitaristen.

Statt das Leben empfindungsfähiger Wesen verbessern zu wollen, sollte die gbs die „empfindungsfähigen Wesen“ lieber in Ruhe lassen beziehungsweise die Ideen bereitstellen, die sie befähigen, ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben zu führen. Anstatt ihr Leben für sie bestimmen zu wollen, sollte man sich überlegen, unter welchen Umständen die Menschen selbstbestimmt leben können. Und selbstbestimmt anderen Menschen helfen können, wo sie es selbst für angemessen erachten.

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu philosophisch für Denkfabrik der Aufklärung.

Ayn Rand über den Altruismus:

“Wie lautet der moralische Code des Altruismus? Das Grundprinzip des Altruismus lautet, dass der Mensch kein Recht habe, für sich selbst zu existieren, dass das Dienen anderer die einzige Legitimation seiner Existenz sei und dass Selbstaufopferung seine höchste moralische Pflicht, sein höchster Wert und seine höchste Tugend sei.

Verwechseln Sie den Altruismus nicht mit Freundlichkeit, gutem Willen und Respekt für andere. Diese sind keine Grundprinzipien (“primaries”), sondern Konsequenzen, die der Altruismus tatsächlich unmöglich macht. Das nicht reduzierbare Grundprinzip, das grundlegende Absolutum, ist das Selbstopfer – was bedeutet; Selbstaufopferung, Selbstverneinung, Selbstleugnung, Selbstzerstörung – was heißt: Das Selbst als Standard des Bösen, das Selbstlose als Standard des Guten.

Verstecken Sie sich nicht hinter Oberflächlichkeiten wie der Frage, ob man einem Bettler einen Penny geben sollte oder nicht. Darum geht es nicht. Es geht darum, ob man oder ob man nicht ein Recht zu existieren hat, ohne ihm den Penny zu geben. Es geht darum, ob Sie sich immerzu, Penny um Penny, von jedem Bettler, der Sie darum bittet, Ihr Leben erkaufen müssen. Es geht darum, ob die Bedürfnisse anderer die erste Grundschuld Ihres Lebens sind und der moralische Zweck Ihrer Existenz. Es geht darum, ob der Mensch als Opfertier angesehen werden soll. Jeder Mensch mit Selbstvertrauen wird antworten: “Nein.” Der Altruismus sagt: “Ja.””

“Was die meisten Moralisten – und wenige ihrer Opfer – verstehen, ist, dass Vernunft und Altruismus unvereinbar sind.”

“Für den Altruismus ist der Tod das ultimative Ziel und der Wertestandard.”

“Es könnte keine bösartigere Doktrin geben.”

“Die Fürsprecher des Mystizismus sind nicht durch die Suche nach der Wahrheit motiviert, sondern durch den Hass auf den menschlichen Geist; … die Fürsprecher des Altruismus sind nicht durch das Mitleid mit den Gequälten motiviert, sondern durch Hass auf das menschliche Leben.”

“Das soziale System, das auf der altruistischen Moral beruht und zu ihr passt – zum Code der Selbstaufopferung – ist der Sozialismus, in allen und jeglichen seiner Variationen: Faschismus, Nationalsozialismus, Kommunismus. Alle von ihnen behandeln den Menschen als ein Opfertier, das zum Vorteil der Gruppe, des Stammes, der Gesellschaft, des Staates verbrannt werden soll. Sowjetrussland ist das ultimative Ergebnis, das Endprodukt, die vollständige, konsistente Verkörperung der altruistischen Moral in der Praxis; es repräsentiert den einzigen Weg, wie diese Moral jemals praktiziert werden kann.”

Quelle: Ayn Rand Lexicon, „Ich habe nichts gegen Altruismus“

5 Kommentare zu “Die effektive Selbstbeweihräucherung

  1. Dr. Webbaer sagt:

    Der effektive Altruismus (EA) ist eine Philosophie und eine soziale Bewegung, die darauf abzielt, die beschränkten Ressourcen Zeit und Geld optimal einzusetzen, um das Leben möglichst vieler empfindungsfähiger Wesen möglichst umfassend zu verbessern. Gemeinsam mit der gbs-Schweiz hat die Giordano-Bruno-Stiftung Deutschland nun ein Projekt zum Effektiven Altruismus auf den Weg gebracht.

    Der sog. Effektive Altruismus, der anscheinend gelegentlich klein und manchmal auch groß geschrieben wird, widerspricht natürlich aufklärerischen Ideen und Werten, die grob aussagen, dass das allgemeine oder individuelle Bemühen, um das, was ist, im Sinne des Sapere Aude allgemein und aus sich heraus die Gesellschaften voranbringen.

    Was deren Fortkommen i.p. Erkenntnis, Wohlstand und Sittlichkeit betrifft. – Die empirische Lage deutet auf die Richtigkeit der Vermutung hin und es könnte sich auch ein allgemeines Empfinden einstellen, dass hier der richtige Weg beschritten wird.


    Hmm, schwierig, Sie haben es ja regelmäßig bei Ihrer Zusammenarbeit mit Skeptikern, HPD-Leuten & Humanisten aller Art mit dem Sozialismus zu tun oder mit sozialistischen Ideen, die den Altruismus anfordern oder zumindest anzufordern scheinen.

    Positiv formuliert ist der Liberale und Aufklärer stark sozial bemüht, ganz so wie etwa auch die (aufklärerischen) Kollektivisten oder Sozialisten, aber mit nachweisbarem Erfolg.

    MFG
    Dr. W (der sich aber vom „Objektivismus“, vom radikalem oder klassischen Liberalismus auch ein wenig absetzt, ansonsten womöglich nicht derart anmerken könnte)

    • Dr. Webbaer sagt:

      Holla, den Effektiven Altruismus gibt es wirklich:
      -> http://de.wikipedia.org/wiki/Effektiver_Altruismus

      Wobei hier auch die Visage von Pete Singer heraus sticht, der ganz ähnlich wie es die Theozentristen tun, in Biozentrismus (die Fachwörter jeweils genannt, vs. ‚Humanismus‘ oder ‚Anthropozentrismus‘) macht.

      Ihr müsst da womöglich ein wenig aufpassen, was die Giordano-Bruno-Stiftung betrifft, Giordano Bruno war mal ein Name, der für den Anthropozentrismus stand. (Anmerkung soz. im PS und nach nähere Prüfung: vielleicht auch nicht, die Verlautbarungslage (‚evolutionären Humanismus‘) mag hier irreführen, dies gilt es zu prüfen.)

      MFG
      Dr. W

  2. Martin sagt:

    Also ehrlich: „“Der effektive Altruismus (EA) ist eine Philosophie und eine soziale Bewegung, die darauf abzielt, die beschränkten Ressourcen Zeit und Geld optimal einzusetzen, um das Leben möglichst vieler empfindungsfähiger Wesen möglichst umfassend zu verbessern. “

    Viel zu umständlich und kompliziert, das versteht ja keiner. Ich schlage der gbs die folgende, prägnantere und werbewirksamere Variante vor:
    Sozialismus – aber diesmal auch mit Tieren!

  3. Xenophanes sagt:

    „Wie lautet der moralische Code des Altruismus? Das Grundprinzip des Altruismus lautet, dass der Mensch kein Recht habe, für sich selbst zu existieren, dass das Dienen anderer die einzige Legitimation seiner Existenz sei und dass Selbstaufopferung seine höchste moralische Pflicht, sein höchster Wert und seine höchste Tugend sei.“

    Darf ich fragen? Was meinst Du?
    Wie ist es dann um die christliche Nächstenliebe bestellt, an deren Intensität der Grad der Gottesliebe (Gen. obj.) ablesbar sein soll?
    Wie steht es um ein (liberales) Christentum, das sich – böse gesagt – in Spenden-/Opferbereitschaft erschöpft?

    • Das wäre schlicht unbrauchbar als Handlungsanleitung für das Leben (Ethik). Man kann nicht einfach nur spenden. Selbst, wenn man viel spenden möchte, wäre die Produktivität viel grundlegender, weil man erst die Werte erschaffen muss, die man verschenken möchte. Wir sehen das Leben als Handel an, als Geben und Nehmen von materiellen sowie spirituellen Werten (wie Freundschaft, Liebe). Man sollte nicht einfach etwas verschenken.

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