Reisefreiheit

"Das ist fast wie Zuhause" (Cox & Forkum)

„Hey! Das ist fast wie Zuhause!“ (Cox & Forkum)

Radikale Muslime dürfen aus Deutschland ausreisen, um sich in fernen Ländern der Terrorgruppe Islamischer Staat anzuschließen. Dann können sie in Syrien und im Irak Christen und westlichen Journalisten den Kopf abschlagen. Das war aber noch nicht der Beginn meiner neuen Satire.

Vorwarnung: Die Satire ist sehr überdreht und brutal. Also nichts für Leute mit schwachen Nerven.

Ich war für eine Reportage am Bonner Hauptbahnhof unterwegs. Der Kiosk verkaufte die neue Printausgabe des Magazins Dabiq – das offizielle Hochglanzmagazin der Terrorgruppe Islamischer Staat. Ich versuchte die Chefin des Kiosks davon zu überzeugen, auf den Verkauf zu verzichten.

„Hören Sie, ich sage ja nichts gegen Meinungsfreiheit – aber das ist das Magazin einer Terrorgruppe!“

„Der Sieger bestimmt, wer eine Terrorgruppe ist. Man kann sie ebenso Freiheitskämpfer nennen. Der Westen ist sowieso verantwortlich für den Terror wegen unserer Kolonialgeschichte. Wer sind wir, andere Kulturen zu verurteilen?“

Derweil bereiteten Salafisten mit Maschinengewehren über dem Arm auf die Abreise zum Flughafen vor. Sie kauften sich noch eine Cola Light. Daneben standen Bahnpolizisten mit verschränkten Armen. Ein dritter Bahnpolizist durchsuchte weiter hinten in der Bahnhofshalle einen Punker nach Drogen. Ich ging hinüber zu den zwei Bahnpolizisten.

„Entschuldigung…

„Wie kann ich Ihnen helfen?“

„Ist Ihnen aufgefallen, dass dort Salafisten mit Maschinengewehren kurz vor der Abreise sind? Die wollen bestimmt zum Flughafen und dann in den Irak.“

„Ja, das wissen wir“, sagte einer der Bahnpolizisten.

„Und die dürfen das?“, fragte ich erstaunt.

„Nun, wir haben sie schon kontrolliert. Die haben einen Waffenschein für ihre Gewehre. Den hat man ihnen nach diesem Anschlag von Neonazis auf eine Moschee ausgestellt. Sie wollen sich selbst verteidigen können. Und ansonsten herrscht natürlich Reisefreiheit in unserem Land.“

Ein Zug hielt an Gleis 1. Eine Gruppe von Schulkindern stieg aus. Es war ziemlich chaotisch, manche von ihnen schrien, andere schubsten sich gegenseitig. Ich beobachtete dann mit offenem Mund, wie die Salafisten in den Zug stiegen. Nur einer von ihnen blieb zurück. Er trug eine ziemlich dicke Weste.

„Mann, sehen Sie den? Der ist doch garantiert ein Selbstmordattentäter! Schauen Sie sich die dicke Westen an!“

„Dem ist doch nur kalt“, meinte ein Bahnpolizist.

„Es ist über 20 Grad!“, rief ich aus.

„Beruhigen Sie sich und machen Sie hier keinen Radau. Manche Menschen frieren eher als andere. Außerdem ist das der Achmed!“

Die Polizisten winkten dem Salafisten freundlich zu, er winkte zurück. Ich atmete aus.

„Also kennen Sie den schon?“, fragte ich.

„Ja. Achmed Zawahiri. Wird im Irak für Anschläge auf Kirchen gesucht.“

Ich spuckte unwillkürlich aus.

„Was? Ja, so nehmen Sie ihn doch fest!“

„Nein, nein. Er wird ja nicht hier in Deutschland gesucht. Er wird im Irak gesucht.“

Während mir die Schweißtropfen von der Stirn liefen, versuchte die Klassenleiterin, ihre Kinder unter Kontrolle zu bringen. Sie hatte die meisten von ihnen in der Bahnhofshalle versammelt. Einer von ihnen machte mit seiner Hand eine Pistole und sagte immer wieder „Bumm! Bumm!“

„Das ist Johannes“, sagte einer der Polizisten. „Die Kinder gehören zu einer inklusiven Gesamtschule.“

„Und dieser Johannes, den kennen Sie warum? Kommt die Schulklasse öfter hier vorbei?“

„Oh nein“, sagte der Polizist. „Johannes ist geistig ein wenig unausgeglichen. Er hat bislang fünf seiner Klassenkameraden erdolcht. Und vielleicht ein Mädchen erhängt, aber das konnte ihm nach nachgewiesen werden. Unschuldig, bis die Schuld bewiesen ist.“

„Ich finde es sehr gut, dass er einfach mit anderen Kindern zusammen in einer Klasse unterkommt. Niemand sollte ausgeschlossen werden“, notierte sein Kollege.

Die Klassenleiterin lief einem Mädchen hinterher, das immerzu im Kreis um die anderen Kinder herumrannte. „Ich wünschte, sie hätten mich wenigstens dafür ausgebildet!“, zischte sie irgendwann.

In dem Moment erblickte ich Raubkatzenaugen neben dem Mülleimer.

„Oh, ein bengalischer Tiger!“, sagte einer der Bahnpolizisten.

„Ein Tiger!“, schrie ich. „So erschießen Sie ihn doch.“

Die Polizisten schüttelten den Kopf. „Mensch, Sie gehen aber nicht mit der Zeit. Wir sind hier nicht alleine auf dem Planeten. Tiger haben auch ein Existenzrecht. Und wem nicht das Herz weich wird, wenn er Tiger in Gefangenschaft sieht, der muss doch ein Soziopath sein.“

„Genau“, sagte sein Kollege. „Es ist gut, dass sie wieder frei herumlaufen.“

Ich wollte sprechen, konnte aber nur fassungslos spucken. Weitere Tiger tauchten hinter ihm auf.

„Aber da ist eine Schulklasse! Die Tiger werden die Kinder doch angreifen!“, sagte ich.

Einer der Tiger sprang auf den Bahnpolizisten, der den Punker durchsuchte.

„Schießen Sie! Schießen Sie!“, rief ich.

„Mensch, jetzt seien Sie doch nicht so reaktionär!“, sagte einer der Polizisten. Der Tiger fraß den sterbenden Kollegen auf. „Nun“, meinte der andere Polizist. „Ich glaube, er hätte sowieso nichts bei dem Punker gefunden.“

Der Salafist öffnete seine Weste. Tatsächlich trug er eine Bombe darunter. Er packte den Zünder aus.

„Dann erschießen Sie wenigstens den Achmed!“, schrie ich.

„Was?“, lachte einer der Polizisten. „Damit uns die Presse danach als Rassisten darstellt? Ich erschieße bestimmt keine Muslime!“

Als ich zu Achmed rennen wollte, bevor er den Zünder aktivieren konnte, hielt mich ein Polizist zurück. „Wir lösen unsere Probleme hier nicht mit Gewalt.“

„So, so…!“, zischte ich. „So geben Sie… dem Johannes eine Waffe in die Hand! Ja, geben Sie dem gefährlichen Kind eine Waffe! Das ist das vernünftigste, was wir noch tun können in diesem Land!“

Der Polizist drehte sich zu seinem Kollegen. „Das könnten wir eigentlich echt machen, Horst, oder?“

Zum Glück sprang gerade noch rechtzeitig ein Tiger auf Achmed und biss ihm die Hand mit dem Zünder ab. Die Klassenleiterin hatte die Kinder versammelt und sie waren auf dem Weg nach draußen. Ansonsten war der Bahnhof inzwischen leer.

„Feierabend“, sagte Horst.

Ich war tatsächlich eine Weile am Bonner Hauptbahnhof tätig, kurz bevor dort ein Anschlagsversuch stattfand, siehe: In unserem Land. In deiner Stadt

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