Es ist Zeit, sich von der Zivilisation zu verabschieden

Es sei Zeit, sich aus dem vom Bürgertum geprägten Modell der ausschließlichen Liebe zu verabschieden. Es funktioniere ja doch nicht. Die Zahlen der Seitensprünge und geschiedenen Ehen in Deutschland legen das nahe. (Von wegen Monogamie)

Seitensprünge und geschiedene Ehen steigen dank der sexuellen Revolution an (die nicht das forderte, was die meisten Leute offenbar glauben). Und das vorgeschlagene Heilmittel: Mehr sexuelle Revolution.

Genial.

Zerstört die Ehen, zerstört die Familien, zerstört die bürgerliche Gesellschaft und am Ende sind wir alle die Kinder missbrauchende, Frauen schlagende, Drogen konsumierende, kriminelle Unterschicht – dort wird im Westen die freie Liebe konsequent gelebt. Und daran sollen wir uns orientieren; ist gewissen „Philosophen“ zu glauben. Nach Piercings, Tattoos, Gangster-Rap und Clubleben ein weiterer Schritt zu unserem neuen ideellen Menschen: Dem Asozialen.

Lebenslang auf der Suche nach neuen, reizenden Sinneseindrücken. Von der Drogenparty zur Sexparty. Ein Leben als Tier und nicht als Mensch.

„Und als erstes sollten wir lernen, den belanglosen Seitensprung zu entdramatisieren.“ (Franz Josef Wetz, moderner Philosoph, der auch ein Buch über die Menschenwürde herausgegeben hat)

Da halte ich es eher mit einem Schriftsteller des 18. Jahrhunderts: „Vergnügen ist das Glück jener, die nicht denken können“ (Jonathan Swift)

Die realen Auswirkungen dieser Ideen beschreibt Theodore Dalrymple in:

All Sex All the Time

Life at the Bottom. The Worldview that makes the Underclass

Die statistischen Fakten: Familienwerte

Aber wen interessiert schon die Realität, wenn sie nicht zum Zeitgeist passt?

22 Kommentare zu “Es ist Zeit, sich von der Zivilisation zu verabschieden

  1. Dr. Webbaer sagt:

    Hmja, „was Frauen wirklich wollen“ etc. – ist natürlich alles schon bei Marcuse zu finden:
    -> http://en.wikipedia.org/wiki/Eros_and_Civilization

    Der Bestandserhalt dankt in Form der Fertilitätsrate und, was die Kompensation betrifft; alles wohlgemerkt im besten neomarxistischen Sinne.

    MFG
    Dr. W

    PS und ganz btw angemerkt: Zum Neomarxismus haben Sie/hast Du schon vorgetragen?

  2. Skeptiker sagt:

    Ich habe Respekt vor Swift als Denker, aber in diesem Zusammenhang denke ich nicht, dass man ins andere Extrem fallen sollte, das Swift darstellt.

    Was Tattoos angeht, das mag man kritisieren, aber heute haben fast die Hälfte der Jugendlichen ein Tattoo und insofern ist es nicht der Untergang des Abendlandes, das hätte man viel deutlicher gemerkt. 😉

    @Clubleben: Im 18. Jahrhunder trafen sich junge Leute eben zum Tanz in der Scheune oder gingen in anderen Kreisen auf einen Debütantinenball oder ähnliche Veranstalltungen.
    Dabei wurde sich auch bisweilen mit Alkohol berauscht. Wenn davon also das Abendland untergeht, wir müssten es vor langer Zeit gemerkt haben.

    • Im 18. Jahrhundert waren die Sitten sehr viel strenger. Wer da ein uneheliches Kind hatte, wurde aus dem Dorf gejagt. Das ist zwar auch kein Vorbild, aber das und unsere Clubkultur (jedes Wochenende eine andere) zu vergleichen – das geht auf keine Kuhhaut mehr.

      • Skeptiker sagt:

        Dass die Sitten im 18. Jahrhundert sehr viel strenger waren, ist schon richtig. Uneheliche Kinder usw. hatten es damals wohl extrem schwer. War stellenweise noch bis ins 20. Jahrhundert so.
        Wenn du mit der heutigen Clubkultur die sexuelle Freizügigkeit meinst, dann hast du natürlich recht, dieser Vergleich geht auf keine Kuhhaut.

  3. Maier sagt:

    Hey, Sie sind ja auch für den „Erhalt der bürgerlichen Gesellschaft“! Der Begriff „bürgerliche Gesellschaft“ ist zugegebenermaßen etwas kompakter und eleganter, als mein Geschwurbel von „alten Sitten und Bräuchen“. Aber letzendlich meint er dasselbe, was ich in diversen Kommentaren zu veteidigen versuchte, was aber Sie (und andere Kommentatoren) als veralteten unliberalen Schwachsinn abtun wollten. Bißchen unfair – das. Naja, bin trotzdem froh, dass ich wohl doch nicht so ganz allein dastehe, mit meinen Ansichten.

    • Ich verteidige alles, was man auf Grundlage der Vernunft verteidigen sollte. Wären „Monogamie“ und Ehe und Familie wirklich der Schwachsinn, für den sie seitens der neuen Linken gehalten werden, so wäre ich auch dagegen. Sind sie aber nicht, also bin ich dafür. Ob man jetzt Weihnachtsgebäck früher oder später anbieten soll oder darf, erscheint mir eine davon unabhängige Frage zu sein.

      • Maier sagt:

        Letztlich müssen kulturelle Spiegelregeln nicht unbedingt immer hundertprozentig vernünftig sein. Wichtig ist nur, dass sie jeder beherrscht und berücksichtigt. Das ist genau das Vernünftige daran. Wichtig ist, dass es innerhalb einer Kultur einheitliche erwartbare Verhaltensweisen gibt. Dass man also nicht ständig mit Überraschungen rechnen muss. Dadurch entsteht zwischenmenschliche Sicherheit sowie gegenseitiges Vertrauen. Darauf kann man dann eine erfolgreiche, funktionierende Gesellschaft und Wirtschaft aufbauen. Auf dem Balkan funktioniert bspw. keine Wirtschaft, weil es dort zig verschiedene Kulturen gibt, die zusammen ein einziges unsicheres Chaos ergeben.

        Dieses kulturelle Regelsystem einer bürgerlichen Gesellschaft absichtlich kaputt zu machen ist absolut unvernünftig. Es ist völlig irrational ein funktionierendes System mutwillig zu zerstören. Never change a running system. Das Problem ist nämlich, dass man eine kaputte Gesellschaft (im Gegensatz zu einem Computer bspw.) gar nicht auf künstlichem Wege ordnen und neu aufbauen kann.

        • Zum Regelwerk unserer Gesellschaft gehört auch die Meinungsfreiheit und somit der Austausch über diese Spielregeln. Die Bedingung lautet, dass Journalisten objektiv berichten und nicht etwa nur die Position von einer Partei darstellen. Grundsätzlich kann man aber das Regelwerk auch weiterentwickeln, was ja offensichtlich ständig passiert. Wir sagen zum Beispiel nicht mehr „Fräulein“ oder jagen Frauen mit unehelichen Kindern aus dem Dorf. Halloween ist zum Beispiel ein neues Fest. Man kann eine Gesellschaft nur in einer totalitären Diktatur einfrieren. Der richtige Zeitpunkt, um Weihnachtsgebäck zu verkaufen, ist eine geringere Veränderung als Halloween. Deswegen bricht keine Gesellschaft zusammen. Diese verantwortungslose Propaganda gegen Ehe, Treue und Familie hingegen ist viel gefährlicher und hat auch entsprechende Auswirkungen, die sich in Statistiken nachvollziehen lassen.

          • Dr. Webbaer sagt:

            Diese verantwortungslose Propaganda gegen Ehe, Treue und Familie hingegen ist viel gefährlicher und hat auch entsprechende Auswirkungen, die sich in Statistiken nachvollziehen lassen.

            Vaclav Klaus meint städtisch unrichtigerweise, dass dies EU-seitig geplant ist, um Nationalstaaten zu brechen, wobei die planvoll antiselektiv gehaltene Immigration beihelfen soll.
            Der sozialdemokratische Prädidentennachfolger Miloš Zeman klingt, zumindest gelegentlich, nicht viel anders.

            MFG
            Dr. W

          • Maier sagt:

            Das kulturelle System sollte auf jeden Fall veränderbar, und nicht starr, sein. Auf jeden Fall. Was die 68er gemacht haben, war aber ein mutwilliges Zerstören. Und zwar mit Gewalt, letztlich im Top-Down-Verfahren, gegen den Willen der Gesellschaft. Das was die machen, ist nicht in Ordnung.

          • Finde ich auch. Vor allem, weil staatliche Gewalt eingesetzt wird.

          • Skeptiker sagt:

            Wo wird denn staatliche Gewalt zum Zerstören von Ehe und Familie eingesetzt?

          • Tja, könnte man vielleicht mit dem Kindergeld und den Steuervorteilen für Eheleute verrechnen. Die es auch nicht geben sollte und die eine übelste Ausbeute von Singles sind.

            Mich würde mal Meiers Antwort darauf interessieren.

  4. Lauchie sagt:

    Was hast du denn gegen Piercings und Tattoos?

    • Piercings und Tattoos sind ein Beispiel dafür, wie sich die Mittelschicht nun an der Unterschicht orientiert. Diese Art von Aussehen kommt ursprünglich aus dem kriminellen Drogenmilieu (und von Seeleuten, aber von denen haben es die Leute nicht). Pragmatisch betrachtet kannst du mehrere Jobs nicht machen, wenn du sichtbare Piercings und Tattoos hast, vor allem im Verkauf oder Direktmarketing. Ästhetisch beurteilt sehen Tattoos aus wie Hautkrebs. Generell wirken Tattoos und Piercings sehr unprofessionell. Ich hatte mal eine Professorin, die mit Piercings rumgelaufen ist. Da kann man einfach keinen Respekt entwickeln, wenn deine Professorin so aussieht, als käme sie gerade aus dem Ghetto.

      Theodore Dalrymple geht in seinen Artikeln näher auf die Hintergründe ein, warum überhaupt das Bürgertum nun meint, so aussehen zu müssen.

      „In fact, more than 95 percent of imprisoned white British criminals are tattooed. The statistical association between tattooing and criminality is very much stronger (with the exception of that between criminality and smoking) than that with any of the more conventionally investigated factors, such as broken homes, drug addiction, low intelligence, and poor educational attainment. Show me a man’s tattoos, and I will tell you his criminal record“
      http://www.newcriterion.com/articles.cfm/demello-dalrymple-2647

      „When, for example, Céline, a 31-year-old carpenter, tells Libération that she wants to “express something of myself” by having a “tribal” pattern tattooed round her navel, one senses a desperate (and failed) attempt to have a real personality in an impersonal world. And then, of course, there is the Fall-of-Rome aspect of the whole phenomenon.“
      http://www.city-journal.org/2014/eon0109td.html

      „And thus the study of a seemingly minor social phenomenon such as tattooing affords us a little glimpse into the Hobbesian moral world inhabited by a section of the population with whom we normally have little contact: they actually want to be considered psychopathic.“
      http://www.city-journal.org/html/5_4_oh_to_be.html

      • Lauchie sagt:

        Du scheinst ziemlich tief in deinem Sumpf zu stecken. Ich warte noch auf die objektive Begründung, warum man mit Tattoo ein schlechter Mensch ist. Ich kann übrigens ohne Probleme Respekt entwickeln, wenn mein Gegenüber ein Tattoo oder Piercing hat.

        • Natürlich ist man mit einem Tattoo nicht unbedingt ein schlechter Mensch, das steht nirgends. Im Übrigen sehe ich nicht, was du mit deinen persönlichen Angriffen bezwecken willst. Davon abgesehen solltest du vielleicht mal die Artikel lesen, die ich verlinkt habe. Ich sehe auch nicht, was du mit „Sumpf“ meinst.

          • Um das mal zu klarzustellen: Wenn dein 50-jähriger Geschichtsprofessor mit einer Spinne auf dem Gesicht tätowiert herumläuft, kannst du dann ohne Probleme Respekt entwickeln?

          • Lauchie sagt:

            Eine Spinne im Gesicht ist ja schon ein extremes Tattoo. Wie viel % der Tattoos macht das schon aus? Ich kann auch vor Menschen mit Schuhen Respekt haben, 30cm Absätze fände ich trotzdem komisch. Mein Soziologie-Prof hat einen Batman-Ohrstecker, finde ich cool 😉
            Mit Sumpf meine ich: Abneigung gegen Leute, die nicht so Leben, wie Du oder deine Statistiken es vorsehen. Mit anderen Worten, total konservativ

          • Lauchie sagt:

            Meine persönliche Angriffe sind eine Analyse deines Verhaltens. Du greifst unglaublich viele Leute durch deine Aussagen an. Gangster-Rap, in einen Club gehen, Tattoos, Piercings usw. sind maximal Indizien für irgendwas. Ich kenne genug, die alle diese Kriterien erfüllen und ganz normal sind, die sind auch nicht asiger geworden, nachdem sie ein wenig Farbe unter die Haut bekommen haben. Es ist einfach optisch „in“, deine Rückschlüsse, die in Richtung Determinismus gehen, finde ich ziemlich bedenklich

          • Eine „Analyse“. Klar passt das vielen Leuten nicht, was ich sage. Wenn ich gegen Gottes Existenz argumentiere, passt das Gläubigen nicht, wenn für den Liberalismus argumentiere, passt das Anhängern totalitärer Diktaturen nicht. „In einen Club gehen“ ist allerdings nicht dasselbe, wie an der Clubkultur teilnehmen. Im Übrigen kennst du mich überhaupt nicht. Und es ist überaus dreist, Menschen persönlich anzugreifen (was du ja auch noch rechtfertigst!) und überaus irrational, wenn man sie nicht einmal kennt, sondern nur wild rumspekuliert. In deiner Welt ist es in Ordnung, im Internet herumzutrollen und Fremde persönlich anzugreifen, aber es ist nicht in Ordnung, auf gewisse Modestandards hinzuweisen.

            Abneigung gegen Leute, die nicht so Leben, wie Du oder deine Statistiken es vorsehen.

            Ich habe eine Abneigung gegen Irrationalität. So leben wie ich muss man natürlich nicht. Tattoos als irgendwie erstrebenswert darzustellen, ist irrational. Das ist die Orientierung an der kriminellen Gangster-Kultur von Leuten, die absichtlich asozial aussehen wollen. Kein Mensch würde es respektieren, wenn der Bundespräsident oder die Kanzlerin mit Tattoos herumlaufen würde. Das ist einfach nur blanker Schwachsinn. Respektspersonen haben deshalb keine Tattoos, weil man vor Leuten, die Tattoos haben, weniger Respekt hat als vor Leute, die keine haben. Es ist zwar nicht politisch korrekt, das zu sagen, aber ich bin nicht politisch korrekt, mich interessiert die Wahrheit. Ich jedenfalls würde allenfalls die Neigung empfinden, meinem Chef Drogen zu verkaufen oder mit ihm eine Bank zu überfallen, wenn er mit Tattoos herumlaufen würde. Ich würde nicht die Neigung empfinden, auf irgendetwas zu hören, was er sagt.

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