Eine Gesellschaft in der Pubertät

Repräsentative Teilnehmerin am gesellschaftlichen Diskurs (Bild: morguefile.com, Lizenz M)

Repräsentative Teilnehmerin am gesellschaftlichen Diskurs (Bild: morguefile.com, Lizenz M)

„Eine Gesellschaft von Nicht-Denkern wäre eine Gesellschaft des Todes“, ist im Philosophiebereich zu lesen. Aber wie kann man sich so eine Gesellschaft vorstellen? Einige der Kommentare, die ich bislang auf meine Artikel und Beiträge erhielt, bieten einen guten Einblick.

Ich: „Altruismus bedeutet in der objektivistischen Philosophie so viel wie „Selbstaufopferung“ für andere. „Andere“ können andere Menschen sein, die Gesellschaft oder Gott. Wir denken, dass man sich nicht für andere aufopfern sollte. Wir sollten für uns selbst leben. Wir sollten weder andere Menschen für unsere Bedürfnisse aufopfern, noch uns selbst für andere Menschen.“

Reaktion: „Aber der Altruismus ist doch gut. Sollen wir uns etwa nicht mehr um unsere eigenen Kinder kümmern? Sollen wir die armen Menschen verhungern lassen? Du bist so ein narzisstischer Egoist!“

Ich: „Sex ist gut und wichtig. Darum sollten wir nicht mit jedem Sex haben, sondern nur mit Menschen, in denen wir unsere Werte erkennen, mit denen wir uns in einer ernsthaften Beziehung befinden. Sex sollte etwas für uns bedeuten, als wichtiger Teil einer Beziehung. Wenn es nichts bedeutet, nimmt es den schönsten Dingen im Leben ihren Sinn.“

Reaktion: „Du bist vielleicht frigide. Kein Sex vor der Ehe, oder was? Sollen wir alle ins Kloster oder wie?

Ich: „Ethik ist objektiv. Das heißt, sie beruht auf den Erfordernissen des Lebens, auf metaphysischen Tatsachen über die Natur der Dinge und die Natur des Menschen als rationales Lebewesen.“

Reaktion: „Ayn Rand war keine richtige Philosophin. Man kann die Sein-Sollen-Dichotomie nicht auflösen. Wir sollten tun, was immer uns gerade Spaß macht! Du willst uns nur vorschreiben, was wir zu tun haben!“

Ich: „Wie es einen Unterschied zwischen Tischen und Nicht-Tischen gibt, so gibt es einen Unterschied zwischen Kunst und Nicht-Kunst. „Kunst“ hat eine konkrete Bedeutung. Nicht alles, was es gibt, kann Kunst sein. Und nicht jede Kunst ist gute Kunst, wie nicht jedes Auto ein gutes Auto ist.“

Reaktion: „Wenn es jemand für Kunst hält, dann ist es Kunst. Und was ich für gute Kunst halte, das ist gute Kunst. Wer bist du, mir vorzuschreiben, was gute Kunst ist? Du bist wie die Nazis, die moderne Kunst verboten haben!“

Ich: „Tiere haben keine Rechte, sie sind Teil der nicht-menschlichen Natur. Sie überleben durch Instinkte, wir hingegen durch unsere freie Entscheidung zum Leben. Die rationale Nutzung der Natur ist die menschliche Überlebensmethode. Wir sollten Tiere rational für unsere Zwecke gebrauchen.“

Reaktion: „Wieso willst du Tiere quälen? Du bist so ein rücksichtsloses Monster!“

Diese Reaktionen erhielt sich sowohl direkt persönlich wie im Internet – von Erwachsenen. Anhand des biologischen Alters beurteilt jedenfalls. Die Pubertät dauert heutzutage erstaunlich lange. Sie scheint, in der Tat, niemals zu enden. Der erwachsene Bundesbürger als freche, unreife Rotzgöre, die ihre spontanen Launen mit viel Geschrei durchsetzen will. Keine angenehme Entwicklung für Intellektuelle.

Ein Kommentar zu “Eine Gesellschaft in der Pubertät

  1. Dr. Webbaer sagt:

    Angemerkt werden darf vielleicht in diesem Zusammenhang, dass die bundesdeutsche Gesellschaft früher, so vor 40 Jahren, nicht derart infantil oder böse formuliert: feminin war.
    Früher waren die Debatten idR hart und solid, die linksradikale Kraft bspw. hat offen ihre Ziele genannt, gelegentlich selbst eingeräumt, dass sie agitiert, außerhalb der Wahrhaftigkeit, dass sie dies aber im guten, im revolutionären Sinne tut.
    Auch „innerlinks“ gab es vglw. offene Debatten wie zu argumentieren und ob zu agitieren ist.

    Diese Zeiten sind vorbei, jetzt geht es für die politisch wirken wollende Kraft nur noch darum auszusagen, so dass die Widerstände sich in Grenzen halten, so dass die politische Richtigkeit, die wie eine soziodynamische Zensurschicht über den Debatten liegt, zumindest halbwegs gewahrt bleibt.

    Zum zeitgenössischen „Altruismus“ und seinen Blöd-Argumenten kam es damals nicht, heutzutage sind sie in der Lage Debatten zuverlässig abzuwürgen.
    Dabei sind der Liberalismus oder der Liberale genau so sozial oder um das gesellschaftliche Fortkommen bemüht wie Linke (wobei der Unterschied hauptsächlich darin besteht, dass sie recht haben, wie der Schreiber dieser Zeilen findet).
    Der Liberale wäre demzufolge in gutem Sinne altruistisch.

    MFG
    Dr. W (der keine Ahnung hat, aber ein schlechtes Gefühl, wie das enden wird)

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