Öko-Kinderfilme werden uns vernichten

…oder jedenfalls sind sie ganz schön blöde. Beispiele:

Rio 2

Schon wieder eine Variante von Avatar, Der mit dem Wolf tanzt, Fern Gully und tausend anderen Filmen mit bösen Naturzerstörern und einer guten, idyllischen, harmonischen Natur mit unglaublich wohlhabenden Bauern (in dem Fall Vögeln), die nie arbeiten müssen. In Rio 2 kämpfen Paradiesvögel und ein paar Hippies gegen böse Holzfäller. Weil: Holz fällen ist böse. Vor allem, wenn man es illegal macht (und „illegal“ wird definiert von den korrupten, kaputten Regierungen in diesen Ländern). Also werden die Bagger zerstört, die Holzfäller verjagt. Das reicht aber noch nicht. Holz fällen ist so total böse, dass der Oberholzfäller es verdient, am Ende des Films lebendig von einer Schlange gefressen zu werden. Da lernen die Kinder noch was. Industrie schlecht, ungenutzte Natur gut. Das eröffnet Karrieremöglichkeiten für die Kleinen.

Mit der Realität hat das überhaupt nichts zu tun. Es sind keine westlichen Großunternehmer in Kolonialherrenkleidung, die Regenwälder illegal abholzen. Es hätte ein Blick auf Wikipedia genügt, um die Filmemacher ins Grübeln zu bringen:

Eine Haupttriebkraft für die gesetzeswidrige Entnahme von Holz aus Wäldern ist Armut (direkte Nutzung des Holzes als Brenn- und Konstruktionsholz). Daneben wirken finanzielle Anreize unterschiedlicher Größenordnung (einzige Einkommensmöglichkeit, erhoffte Verbesserung der Lebensumstände, Wettbewerbsdruck)

Diese scheiß armen Bauern in irgendwelchen Drecksländern wollen ihre Lebensverhältnisse verbessern? Unmöglich! Und es ist uns sowieso egal. Das müssen fette Kapitalistenschweine in teuren Anzügen mit dicken Zigarren sein, die auf großen Baggern den Regenwald plattwalzen!

Linksradikale sind unlängst schwer enttäuscht von der Arbeiterklasse. Das Proletariat hat sich als unnütz im Kampf gegen das Bürgertum erwiesen. Könnte daran liegen, dass es dank der Industrialisierung kaum noch ein wirkliches Proletariat gibt. Auf jeden Fall glauben viele Linke nicht mehr an arme Leute. Also zur Hölle mit den ganzen armen Bauern in Drittweltländern, die versuchen, mit illegalem Holzfällen ihr karges Leben zu bewältigen. Die ungenutzte Natur ist das neue Heiligtum der neuen Linken. Sie muss geschützt werden – selbst vor den Armen. Weil die Natur wichtiger ist als dieses unzuverlässige Proletariat.

Die Lösung des unglaublich dramatisch-schrecklichen Problems der illegalen Forstwirtschaft – ich habe täglich Albträume von den Folgen der Schatten-Forstwirtschaft -, wird auch schon auf Wiki angedeutet:

Voraussetzungen oder begünstigende Faktoren sind schwache politische Strukturen, also nicht zielführende oder komplizierte unausführbare Gesetze […] Eine weitere Voraussetzung sind mangelhafte Kapazitäten zum Gesetzesvollzug, was wiederum bedingt ist durch eine schwache personelle und finanzielle Ausstattung der entsprechenden Organe. Allerdings fehlt oft auch der politische Wille zur Stärkung des Gesetzesvollzugs. […] Unklare Eigentumsverhältnisse am Wald begünstigen illegale Holzentnahmen.

Also gibt es einen klaren Mangel an Kapitalismus in diesen Regenwald-Ländern mit diesen armen Leuten. Der Kapitalismus zeichnet sich unter anderem durch klar definierte Eigentumsverhältnisse und eine objektive, transparente Gesetzgebung aus und überhaupt durch stabile politische Strukturen aus. Da aber keiner weiß, wer jetzt das Sagen hat über den Wald und wem was gehört und weil es in diesen Ländern politisch chaotisch zugeht, kommt es eben zu illegalen Holzentnahmen. Durch die Leute, die dort wohnen. Und die ein besseres Leben für sich haben wollen, die Säcke! Hoffentlich werden sie alle von einer Abgottschlange gefressen wie der miese Kapitalist in Rio 2!

Drachenzähmen leicht gemacht 2

Ein im Grunde recht witziger Film, wenn er nur keine Botschaft hätte. Andererseits hat er vielleicht auch keine Botschaft – jedenfalls kapiere ich sie trotz Anwendung meiner genialen philosophischen Kräfte nicht. Am Ende sagt die Hauptfigur: Sie (die Bösen) mögen vielleicht Waffen und Armeen haben, aber wir haben etwas besseres, wir haben unsere Drachen!

Mit anderen Worten haben die Wikinger (die Guten in diesem Film) also noch größere und gefährlichere Waffen und Armeen als alle anderen – riesige, fliegende, Feuer spuckende Raubtiere! Kontrolliert von den Wikingern. Der böse Typ in dem Film hat die Drachen auch kontrolliert, aber auf böse Weise. Der hat viel zu wenig mit den Drachen geschmust. Anderweitig irgendwie dasselbe.

Trotzdem ist der Film weitaus erträglicher als Rio 2. Immerhin werden die Drachen noch als „irgendwie“ Tiere gezeigt – sie folgen zum Beispiel blind einem Alphatier. Gut, am Ende entwickelt einer von ihnen einen freien Willen. Aber immerhin gibt es noch Unterschiede zwischen Tieren und Menschen in dem Film. Bei Rio sind die Tiere eigentlich Menschen in jeder Hinsicht außer ihrem Äußeren. Auch sind die Drachen unter Umständen gefährlich, wenn man sie nicht richtig behandelt. Und: Der Böse in dem Film ist darum böse, weil er die Menschheit gewaltsam unterdrücken möchte. Und nicht, weil er Bäume fällt.

Auch etwas fragwürdig: In der realen Geschichte waren die Wikinger ein extrem grausames Kriegervolk. Die haben sich durch den Krieg, durch das Rauben, Brandschatzen, Morden, Vergewaltigen definiert. Ihr Paradies, in das sie im Nachleben fliegen, ist im Grunde genauso wie ihr Leben: Morden, Vergewaltigen und eine ganze Menge Met trinken. Aber auch das geht in Drachenzähmen 2 noch ein, denn ein Teil der Handlung dreht sich um die Frage, ob sich die Wikinger jemals verändern und irgendwie netter werden können – das gelingt ihnen dann. Damit kann man leben.

Fazit

Rio 2 macht aus Ihren Kindern geistlose Hippie-Zombies, die Holzfäller abmurksen. Wäre ich in der BPJM, würde ich den Film als jugendgefährdend einstufen und ihn auf den Index setzen. Drachenzähmen leicht gemacht 2 kann man sich mit einigen kritischen Anmerkungen mit den Kleinen ansehen.

Immerhin wissen wir jetzt, woher die Ökos ihr Weltbild beziehen: Aus Kinderfilmen.

3 Kommentare zu “Öko-Kinderfilme werden uns vernichten

  1. sba sagt:

    Ohne einen der beiden Filme selber gesehen zu haben, aber als Randbemerkung zur Vermenschlichung von Tieren: Ist in der Fabel ein stinknormales Stilmittel (dort allerdings mit dem Bildungshintergrund der Allegorie – das jeweilige Tier entspricht einem Charaktertypus (der kluge Rabe, der listige Fuchs, der grausame Wolf, die weise Eule etc.)). Bei Rio tippe ich auf einen leicht anderen Drall: Die Tiere repräsentieren die Einheimischen, der „Kapitalist“ repräsentiert den Menschen – als störenden Eindringling von außen. Was den Kern Deiner auf der Nachforschung basierten Kritik bestätigt. Und/oder noch den einen Schritt weiter geht, nichtkapitalistische („einheimische“) Menschen mit Tieren, ohne qualifizierten allegorischen Hintergrund, gleichzusetzen. Vielleicht sollte man gewissen Bevölkerungen raten, das Studio wegen irgendwas zu verklagen ;-)?

  2. Dr. Webbaer sagt:

    Immerhin hat der rezensierte Film coole 400 Millionen US-Dollar Gewinn abgeworfen:
    -> http://en.wikipedia.org/wiki/Rio_2

    MFG
    Dr. W

  3. Alexia sagt:

    Rio 2 habe ich gesehen und …
    „Bei Rio sind die Tiere eigentlich Menschen in jeder Hinsicht außer ihrem Äußeren.“
    Das ist meiner Ansicht nach der Kern dieses Märchens. Die Vögel sind in der Lage auf menschenartigem Level komplexe Zusammenhänge zu erfassen, zu planen und organisiert zu handeln.
    Und sie nutzen diese Fähigkeiten um ihre Heimat zu verteidigen. Ihr gutes Recht.

    Dieses Grundprinzip „Leute verteidigen ihre Heimat vor gierigen Eindringlingen“ kommt in vielen literarischen und filmischen Werken vor. An Moral sehe ich nur einen Punkt: Deine Freiheit, einen Rohstoff zu gewinnen endet dort, wo anderer Leute Freiheit dort zu wohnen, beschnitten wird.

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