Kinder als Menschen erziehen

Wie erzieht man Kinder, dass sie die höchste Stufe der ethischen Entwicklung erreichen (Stufe 6 im Kohlberg-Schema)?

6. Stufe – Die Orientierung am universalen ethischen Prinzip: Die sechste Stufe wird schließlich nur noch von weniger als 5 % der Menschen erreicht. Hierbei wird die noch diffuse Begründung von Normen der fünften Stufe verlassen. Die Moralbegründung orientiert sich jetzt am Prinzip der zwischenmenschlichen Achtung, dem Vernunftstandpunkt der Moral. Das richtige Handeln wird mit selbstgewählten ethischen Prinzipien, die sich auf Universalität und Widerspruchslosigkeit berufen, in Einklang gebracht, wobei es sich also nicht mehr um konkrete moralische Regeln, sondern um abstrakte Prinzipien handelt. Konflikte sollen argumentativ unter (zumindest gedanklicher) Einbeziehung aller Beteiligten gelöst werden.

Man sollte Kinder nicht behavioristisch erziehen – durch Belohnungen und Strafen, damit das Kind die eigenen Ziele der Eltern erreicht. Vielmehr muss man die Kinder als Subjekte mit eigenem Willen und eigenen Bedürfnissen respektieren, die eigene Entscheidungen treffen und eigene Fehler machen. Man sollte sie weder autoritär, noch anti-autoritär erziehen. Bei der autoritätsgeprägten Erziehung geht man davon aus, dass man Kinder beherrschen oder von ihnen beherrscht werden sollte. Die autoritäre Haltung macht aus den Kindern moralische Krüppel, die nie herausfinden, was sie selbst möchten, was sie selbst für richtig halten – sondern die sich nur den Konventionen unterordnen. Sie fühlen sich ihr Leben lang fremdbestimmt, orientieren sich an Belohnungen und Strafen, aber sie fühlen sich nicht wie richtige Menschen. Das erklärt die konservativen Arbeitgeber, die ihre Arbeitnehmer als Untergebene ansehen, die Befehle ausführen sollen und Bewerber als Bittsteller – und nicht als autonome Handelspartner, die sich in einer respektvollen Beziehung des Gebens und Nehmens zum Arbeitgeber befinden. Und die Arbeitnehmer, die sich das gefallen lassen. Die Meister-und-Sklave-Beziehung ist typisch für kollektivistische Kulturen, die Menschen zu Teilen im „großen Ganzen“ reduzieren, die durch andere Teile ersetzt werden können.

Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern sollte von gegenseitigem Respekt geprägt sein. Wie das geht, erklärt Roslyn Ross in diesem Vortrag mit Beispielen, wie sie mit ihrem eigenen Kind umgeht.

Ihre Website: http://roslynross.blogspot.de

Ein Kommentar zu “Kinder als Menschen erziehen

  1. Alexia sagt:

    „Das erklärt die konservativen Arbeitgeber, die ihre Arbeitnehmer als Untergebene ansehen, die Befehle ausführen sollen und Bewerber als Bittsteller – und nicht als autonome Handelspartner, die sich in einer respektvollen Beziehung des Gebens und Nehmens zum Arbeitgeber befinden.“

    Das erklärt tatsächlich so einiges. Ross‘ Vortrag kann ich mir im Augenblick nicht ansehen, hole es aber heute Nachmittag noch nach.

    Aber du hast hier mögliche Ursachen für grundlegende gesellschaftliche Probleme aufgelistet, die ich hier im Blog schon mehrmals, zuletzt im Artikel über die „Neue Liberale“ angerissen hatte.

    Nur was ist jetzt daraus zu schlussfolgern?
    Bezeichnen wir die falschen Erziehungsansätze (autoritär, antiautoritär, behavioristisch) einfach mal als „Gift“ oder „Krankheit“, welche einen großen Teil der Gesellschaft auf eine Weise „verkrüppelt“, so dass ein allgemeines Miteinander basierend auf gegenseitigem Respekt bis auf einige Ausnahmen nicht möglich ist.

    Einige Eltern, früher wie heute, sind der Auffassung, dass eine Erziehung basierend auf gegenseitigem Respekt (und ergänzend Empathie, wobei es da vermutlich Überlappungen gibt) die richtige ist.
    Bei allen anderen wurde allerdings ein gewaltiger Schaden verursacht. Wie kann der behoben werden?
    Meiner Auffassung nach gar nicht. Ein Erwachsener braucht gewaltige Anstrengungen um seine kindlichen Prägungen zu überwinden. Und ich möchte behaupten, dass nur wenigen überhaupt bewusst ist, dass es da etwas Überwindenswertes gibt.
    Das ist ein starkes Hindernis für die Realisierung einer Gesellschaft, welche Rands Vorstellung einer idealen Gesellschaft auch nur nahe kommt.

    Meiner Meinung nach ist deshalb der Gesetzgeber gefragt, um Rahmenbedingungen für Verträge (und andere zwischenmenschliche Interaktionen) zu schaffen, welche den „beschädigten“ Individuen (um bei der Gift/Krankheit-Metapher zu bleiben) eine Selbstausbeutung verbieten. „Gesunde“ Individuen sind von diesen Einschränkungen nicht betroffen, denn deren Handlungen und Verhandlungen haben immer das Ziel gegenseitigen Gewinns.

    Nebenbei sollte auch versucht werden, möglichst viele Menschen über die Vorzüge von Respekt-basierter Erziehung gegenüber den anderen Methoden nahezulegen, um in einigen Generationen eine Gesellschaft zu haben, in welcher ein Großteil der Menschen die postkonventionelle Ebene erreichen können. Dann wären Gesetze, welche den kollektivistischen Missständen geschuldet sind, unnötig.

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