Wer hats geschrieben?

 Die Schweizer? Nein.

(Ergänzung unten)

Uwe-Christian Arnold erhielt „Unterstützung“ von Michael Schmidt-Salomon bei der Verfassung seines Buches über die Sterbehilfe: Letzte Hilfe. Ein Plädoyer für das selbstbestimmte Sterben. Worin mag diese Unterstützung bestanden haben? Ein Blick auf den Stil gibt Aufschluss:

„Lobbyisten der Pharmaindustrie“, „Feigheit vor dem Patienten“, „im Unterschied zu all den Politikern […] weiß ich, wovon ich spreche“, „als treibende Kräfte sind hier in erster Linie die christlichen Kirchen zu nennen“, „Verrat an den Prinzipien des Rechtsstaats“, „ich klage die verfasste deutsche Ärzteschaft […] an„.

Wo wir das aus dem Weg haben: Die Kindle-Fassung deines neuen Buches, Michael, kostet 16,99 Euro. Das sind nur zwei Euro Unterschied (wo wir schon bei der exzessiven Kursivschreibung sind) zur gebundenen Ausgabe. Weißt du eigentlich, worin der Unterschied zwischen dir und einem kapitalistischen Ausbeuter besteht? Ich weiß es jedenfalls nicht.

Ich kann mich leider kaum dazu bringen, das Buch vollständig zu lesen. Edgar Dahl hat mich dankenswerterweise davon in Kenntnis gesetzt, dass du in dem Buch forderst, dass jeder Arzt auf den Patientenwillen hin Sterbehilfe leisten soll, konkret assistierten Suizid, sonst hat er seinen Beruf verfehlt. (Oder genauer: sonst hat er seinen Beruf verfehlt).

Wo wir schon beim „Verrat an den Prinzipien des Rechtsstaats“ sind: Wie kommst du auf die Idee, dass Selbstbestimmung und Gewissensfreiheit nur für Patienten gelten und nicht für Ärzte? Das ist, sofern zutreffend, eine skandalöse Forderung deinerseits.

Ich unterstütze den assistierten Suizid auf Verlangen des Patienten. Selbstverständlich muss dabei auch der jeweilige Arzt entscheiden dürfen, ob er Sterbehilfe leisten möchte oder nicht. Du nimmst einfach Ärzten ihre Gewissens- und Willensfreiheit weg und wenn es ihnen nicht passt, dann sollen sie sich einen anderen Beruf besorgen. Worin besteht der Unterschied zwischen dir und einem Kirchenfunktionär? Ihr wollt beide den Menschen ihre Selbstbestimmung rauben, anderen eure subjektiven Launen aufzwingen und die Prinzipien des Rechtsstaats sind sowieso beiden großen Parteien im Streit um die Sterbehilfe vollkommen egal.

Um das mal klarzustellen: Wenn ein Arzt keine Sterbehilfe leisten möchte – oder keine Abtreibung vornehmen möchte – so muss es in einem freien Land sein Recht sein, dies auch nicht tun zu müssen. Ohne deshalb seinen Beruf zu verlieren. Der Patient muss sich dann einen anderen Arzt suchen, der keine ethischen Bedenken hat. So geht das mit diesem „Rechtsstaat“. Freie Vereinbarung zwischen freien Menschen. Freie Kooperation zum gegenseitigen Vorteil.

Ich bin ebenso (?) der Auffassung, dass ein Mensch über sein Leben und seinen Tod frei bestimmen dürfen sollte. Aber ich will ihnen nicht meine Überzeugungen – und ironischerweise bin ich derjenige, der diese für objektiv begründet hält – aufzwingen. Oh, sorry. Ich meinte natürlich aufzwingen. Woher beziehst du dein Recht darauf? Auch von Gott?

(Keine Sorge, ich erwarte nicht ernsthaft, dass du einer unerwünschten Person, also einem Liberalen, antwortest).

Ergänzung: Das schreibt MSS dazu auf seiner Facebook-Seite:

„LETZTE HILFE“: Eigentlich wollte ich diesen Sommer (nach der harten Arbeit an „Hoffnung Mensch“ im Vorjahr) einen Gang zurückschalten – doch dann kam Gesundheitsminister Gröhe mit seinem Vorstoß zur Sterbehilfe! Und so war mein Sommer damit ausgefüllt, die Erfahrungen und Erlebnisse des Berliner Arztes und Sterbehelfers Uwe-Christian Arnold zu Papier zu bringen. Eine aufwühlende, anstrengende Arbeit, die sich aber gelohnt hat: „Letzte Hilfe“ ist ein außergewöhnliches, ein tabubrechendes Buch geworden, das der Debatte zum Selbstbestimmungsrecht am Lebensende neue Impulse geben könnte.“

Nach seinem revolutionären Buch „Hoffnung Mensch“, in dem der Mensch nicht ganz so vollkommen niedergemacht wurde wie in seinen vorherigen Büchern, wollte sich MSS eigentlich von der anstrengenden Tätigkeit, den Menschen ein paar Seiten lang etwas weniger zu hassen, ausgiebig erholen. Doch dann sah er eine passende Gelegenheit, 17 Euro für ein neues eBook verlangen zu können, das sich wieder mit dem erholsamen Thema des menschlichen Ablebens befasst. So opferte sich der Philosoph selbst auf für die unaufgeklärten Massen und verfasste nach „Keine Macht den Doofen“ (= alle Menschen außer ihm) einen neuen Klassiker der besserwisserischen Polemik. Endlich konnte er wieder auf Andersdenkende spucken und sich dabei eine goldene Spreewaldgurke verdienen, die er seinen 68er-Freunden stolz präsentieren würde.

Aus dem Buchteaser bei Amazon:

Kein anderer Mediziner hat sich in den letzten Jahren so offen zu seiner Tätigkeit als Sterbehelfer bekannt. Die Begleitung von schwer leidenden Menschen hat ihn zu der Gewissheit geführt, dass Sterbehilfe vor allem eines ist: Lebenshilfe. Hier berichtet er zum ersten Mal über seine Tätigkeit, über die Menschen, die seine Hilfe in Anspruch nahmen, und über die gesellschaftlichen Kräfte, die dem selbstbestimmten Sterben entgegenstehen.

Unterstützt von dem Philosophen Michael Schmidt-Salomon stellt Arnold in diesem Buch sein Konzept von Letzter Hilfe vor, wobei er sich ausführlich mit den Einwänden auseinandersetzt, die von religiöser, medizinischer, ethischer und politischer Seite gegen die Sterbehilfe erhoben werden.

Das klingt doch eher nicht so, als hätte eigentlich MSS das Buch verfasst. Es sind jedoch seine scharfe Polemik und seine Besserwisserei, die man da zu lesen bekommt. Ich kann mir gut vorstellen, dass Leser nach diesem Teaser ein seriöses Buch von einem erfahrenen, fachkundigen Arzt erwartet hätten. Und nicht das.

Ferner bleibt natürlich meine Kritik an der Forderung bestehen, Ärzte müssten Sterbehilfe leisten oder sie würden sonst ihren Beruf verlieren.

5 Kommentare zu “Wer hats geschrieben?

  1. Tom sagt:

    Schmidt-Salamon lese ich eigentlich schon ganz gerne. Wo siehst du da die Unterschiede zu ihm? Weil er stärker von einem evolutionär bestimmten Menschenbild ausgeht, was auch die Willensfreiheit leugnet?

    • Er ist nicht von einem „evolutionär bestimmten Menschenbild“ geprägt, sondern von der Ideologie der Neuen Linken, der 68er. Das ist alles. Humanismus und Aufklärung klingen natürlich besser als „unverbesserlicher Klassenkämpfer, dem es verdammt egal ist, dass seine Ideen 100 Millionen Menschen im letzten Jahrhundert das Leben gekostet haben“.

  2. Martin sagt:

    Wie ist es denn mit dem sozusagen gegenteiligen Fall? D.h. wenn ein Arzt aus was für Gründen auch immer keine lebensrettenden Maßnahmen durchführen will? Wäre es auch sein Recht, das nicht zu tun, auch wenn es zum Tod des Patienten führt?

    • Alexia sagt:

      Ich sehe das so…
      Bei lebensrettende Maßnahmen in Form von Sofortmaßnahmen bei einem Notfall wo es um Minuten geht, ist jeder, egal ob Arzt oder Laie, moralisch und gesetzlich verpflichtet, zumindest zu versuchen zu helfen, soweit es eben möglich ist. Wer Hilfe ausschlägt, muss sich verantworten.

      Bei medizinischen Maßnahmen, wo es weniger dringend ist, hätte ein Patient vielleicht noch die Möglichkeit, nach einem anderen Arzt zu rufen. Aber eben nicht immer. Leider ist es schon vorgekommen dass Patienten wegen irgendwelcher Moralvorstellungen der Krankenhausleitung bewusst nicht behandelt wurden. Kann man einem Vergewaltigungsopfer zumuten, nach der Tat UND nach einem langwierigen Ablehnungsprozess noch 50…70…100 Kilometer zur nächsten Klinik zu fahren, in der Hoffnung, dass diese vielleicht nicht katholisch ist? Nee.

      Es geht hier nicht um irgendwelche Produkte oder diverse Dienstleistungen welche jemand nach Wunsch verkaufen kann oder auch nicht. Es geht um Gesundheit und Menschenleben. Wenn ein Arzt sagt, als Zeuge Jehovas keine Bluttransfusionen durchzuführen, dann muss er weg, damit jemand, der wirklich hilft, den Posten haben kann. Und wenn die Klinikleitung sagt, dass die Ärzte Vergewaltigungsopfern nicht helfen dürfen, dann muss eben die Leitung ersetzt werden, notfalls durch Verstaatlichung der gesamten Klinik.

      Alles andere wäre eine nichts Anderes als eine Falle für ahnungslose Hilfesuchende.

      Sterbehilfe ist meiner Meinung nach wieder etwas anderes. Ein Leben zu beenden mag emotional schwierig sein. Fachlich anspruchsvoll ist es nicht. Und wenn sich kein Arzt findet, sollte der Sterbewillige die Möglichkeit haben, sich von anderen Menschen wie Freunden oder Verwandten helfen zu lassen, welche dann natürlich straffrei bleiben sollten.

      Ich würde aber auch Depressionskranke von dieser Regelung ausschließen, weil denen oft genug anders geholfen werden kann. Und bei allen anderen sollte sichergestellt sein, dass der Todeswunsch nachweisbar ist.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.