Hume und der wahnhafte Glaube an das Handy

Warum bilde ich mir ein, dass mein Handy wirklich existiert?

Der Philosoph David Hume kannte die Antwort:

Wenn du eine Zeit lang nicht auf dein Handy schaust, dann kannst du später wieder auf dein Handy schauen und es sieht aus wie zuvor und es befindet sich noch in deiner Hand. Wenn es sich nicht mehr in deiner Hand befindet, dann kannst du nachvollziehen, warum. Vielleicht hast du es weggelegt. Du empfindest die Tatsache, dass du dein Handy einen Augenblick lang nicht angeschaut hast und es dann doch wieder anschauen konntest, als Widerspruch. Deine Wahrnehmung war schließlich unterbrochen, also warum ist das Handy noch da? Du hast es eine Weile lang ja nicht angesehen. Also versuchst du diesen Widerspruch aufzulösen, indem du dir die Fiktion eines realen, unabhängig von deiner Wahrnehmung existierenden Handys ausdenkst. Das gibt es aber nicht wirklich, schließlich nenne ich es eine „Fiktion“. Es gibt nur deine Wahrnehmung deines Handys. Schätze ich mal. Im Grunde weiß ich es aber nicht. Jedenfalls hast du keinen guten Grund, von der realen Existenz deines Handys auszugehen.

Technisch ausgedrückt: Die wahrgenommene Konstanz und Kohärenz von Wahrnehmungen führt zur subjektiven Einbildung einer Fiktion, nämlich der realen Existenz der Dinge, die man wahrzunehmen meint, die aber eigentlich nur Wahrnehmungen in unseren Köpfen sind (oder auch nicht, das können wir nicht wissen). Unser gesamter Bewusstseinsinhalt besteht aus Sinneseindrücken – und die Sinneseindrücke kommen nicht unbedingt aus der Realität. Wenn ich also einen Regenbogen sehe, dann liegt das nicht daran, dass es in der Realität einen Regenbogen gibt. Vielleicht steckt der auch nur in meinem Kopf (oder so, keine Ahnung).

Der Witz an der Sache ist, dass das kein Witz ist. Das war tatsächlich die ernsthafte Meinung des großen Aufklärungsphilosophen David Hume (1711-1776), dem bedeutendsten Skeptiker; voller ehrfürchtiger Andacht geehrt von säkularen Humanisten, Atheisten, Wissenschaftlern, geheiligt werde sein Name.

Eine gute Seite hat Humes Argument allerdings. Wenn deine Freundin mal wieder nur auf ihrem Handy herumdrückt, während du mit ihr redest, dann kannst du sie mit diesem Argument vielleicht überzeugen, dass ihr Handy gar nicht wirklich existiert. Dann redet sie vielleicht sogar einmal mit dir.

David Hume machte sich über die einfachen Menschen lustig, die noch an die wahre Existenz der Wirklichkeit, an das Selbst und all solche Fiktionen glaubten. Vielleicht ist es mal an der Zeit, sich über ihn lustig zu machen.