Notizen zur Philosophiegeschichte

Ich lese gerade eine Philosophiegeschichte namens „A New History of Western Philosophy“ von Anthony Kenny. Der Philosophieprofessor hat einen echten Monumentalschinken verfasst, der mit seinen 1400 Seiten zwar noch immer einige Aspekte zu kurz behandelt, aber doch schon brauchbar ist. Mir sind jedenfalls einige Dinge aufgefallen:

1. Er gelangt in seinen eingestreuten Beurteilungen teils zu denselben Schlussfolgerungen wie Objektivisten (die zur aristotelischen Tradition gehören) – nur, dass es ihm nicht bewusst ist. Auch davon abgesehen macht er interessante Beobachtungen. Hier einige meiner Notizen:

a) Er schreibt, dass Wahrnehmungen aus einer Interaktionen zwischen der Realität und dem Subjekt entstehen, dass sie insofern relativ sind. Aber nicht subjektiv. Anders ausgedrückt nehmen wir die Realität auf eine bestimmte Art und Weise wahr. Genau das besagt der Objektivismus auch (was insofern kein Wunder ist, weil er hier an die aristotelische Tradition anschließt).

b) „Aquin war ein Anhänger von Aristoteles auf Erden, aber ein Platoniker im Himmel“ ist dieselbe Einschätzung wie jene des objektivistischen Denkers Leonard Peikoff. Ich glaube, es ist sogar dieselbe Formulierung.

c) Das Christentum hatte ursprünglich eine sehr pessimistische Meinung bezüglich der Frage, wer in den Himmel kommt (nämlich nur die überzeugtesten Fundamentalisten oder gar nur willkürlich jene, die von Gott vor ihrer Geburt dazu auserwählt wurden). „Der entspannende Optimismus, der viele Christen im zwanzigsten Jahrhundert charakterisierte, beruht nur sehr wenig auf der Tradition.“

d) Augustinus, der erste und der einflussreichste christliche Philosoph neben Thomas von Aquin – aus heutiger Sicht war Augustinus ein christlicher Fanatiker – , war überzeugt, dass das Vergewaltigt-werden keine Sünde ist und dem Opfer, das nicht eingewilligt hat, keine Schande bringen sollte. Jedenfalls in dieser Hinsicht – tatsächlich in vielerlei Hinsicht – ist selbst das mittelalterliche Christentum nicht ganz so irrational wie der orthodoxe Islam. Ein weiteres Beispiel: Augustinus verabscheute das römische Lex Voconia, das Frauen verbot, Eigentum zu erben. Er könne sich kein ungerechteres Gesetz vorstellen, schrieb er. Die Tatsache alleine, dass das Christentum sehr stark auf den Ideen von Augustinus und Thomas aufbaut – beides professionelle Philosophen – sollte einem zu denken geben. Das ist beim Islam bekanntlich ganz anders. Und selbst der weltabgewandte Fanatiker Augustinus ist für einen großen Fortschritt in der Philosophie verantwortlich, die Integration des Konzepts „Geist“. Vorher sprach man nicht vom menschlichen Geist, sondern nur von einzelnen Bestandteilen wie Vernunft oder Willen.

Selbst als Atheist kann ich außerdem Respekt für insbesondere Thomas von Aquin aufbringen, weil er die aristotelische Tradition aufgriff und sie weiterentwickelte. Die großen islamischen Philosophen al-Kindi, al-Farabi, Avicenna und Averroës haben diese auch aufgegriffen, aber sie mit Neoplatonismus und Mystizismus vermengt.

e) Die Debatten der christlichen Philosophen des Mittelalters wie Duns Scotus und Ockham (von Ockhams Rasiermesser) haben kaum zu Fortschritten geführt. Vor allem, wenn sie über Gott und seine widersprüchlichen Eigenschaften debattieren – und sich gegenseitig zensieren und aus der Kirche werfen lassen – kann ich ihre Debatten nur noch als Zeitverschwendung ansehen. Sie hätten zunächst Gottes Existenz beweisen müssen. Überraschend für manche: Ockham war im religiösen Bereich ein echter Fanatiker, der blinden Gehorsam gegenüber Gott einforderte.

f) Kenny schreibt, dass die Abkehr von Aristoteles in der Moderne eine gute und eine schlechte Seite hatte. Gut war die Abkehr von seiner Physik, weil sie falsch ist. Eher mit gemischten Gefühlen muss man die Abkehr von seiner Philosophie betrachten. „Was auch die Fehler von Aristoteles Hylemorphismus sein mögen, so haben seine Substanzen – Dinge wie Katzen und Kohlköpfe – doch wenigstens den Vorteil, zweifellos in der alltäglichen Welt zu existieren. Im Gegensatz zu unerkennbaren Substraten, Monaden, Noumena und dem Absoluten.“

g) Die Jesuiten waren überzeugte Verteidiger der Willensfreiheit.

h) Giordano Bruno war kein Märtyrer der Wissenschaft. Seine Spekulationen beruhen nicht auf Beobachtung und Experiment, sondern auf okkulten Traditionen und a priori Philosophie (etwas, das man angeblich schon weiß, bevor man es erfahren hat).

i) Descartes und Hobbes verabscheuten Aristoteles. Außerdem verabscheuten Sie die Bildung durch die Lektüre von Büchern.

j) Spinoza ist weiter von Aristoteles entfernt als alle anderen. Er löste die meisten Unterscheidungen im aristotelischen System auf. Für ihn gab es nur noch eine Substanz (Entität).

k) George Berkeley argumentierte, dass Materie nicht existiert. Bäume und Stühle sind nur Ideenbündel, die in unserem Geist durch Gott erzeugt werden.

l) David Hume behauptete, dass es kein Selbst gibt. Das Mitgefühl ist für ihn die Grundlage der Moral. Klingt irgendwie vertraut.

m) Hegel, Leibniz und Kant haben den größten Unsinn geschrieben, der mir jemals untergekommen ist. Leibniz mit seinem telepathisch kommunizierenden Monaden und Hegel mit seinem perfekten totalitären Staat, der sich durch die maximale „Freiheit“ auszeichnet, sieht man es wenigstens gleich an. Kant ist schwieriger zu durchschauen.

2. Manchmal platzt dem gewöhnlich moderat aufgelegten Kenny der Kragen angesichts der Auswüchse der modernen Philosophie. Dann schreibt er Dinge wie diese:

„Humes Wahnvorstellung, wonach er mit der Präsentation seiner paar verstreuten Anmerkungen über die Assoziation von Ideen für die Epistemologie dasselbe leisten würde wie Newton für die Physik, hat etwas erbärmliches an sich.“

Wenn man erst einmal mit Aristoteles vertraut ist, gibt es eben kaum noch ein Zurück vom gesunden Menschenverstand.

12 Kommentare zu “Notizen zur Philosophiegeschichte

  1. patrick.sele sagt:

    „Die Debatten der christlichen Philosophen des Mittelalters wie Duns Scotus
    und Ockham (von Ockhams Rasiermesser) haben kaum zu Fortschritten geführt. Vor
    allem, wenn sie über Gott und seine widersprüchlichen Eigenschaften debattieren
    – und sich gegenseitig zensieren und aus der Kirche werfen lassen – kann ich
    ihre Debatten nur noch als Zeitverschwendung ansehen.“

    Im folgenden
    Beitrag zeigt der Philosophe Edward Feser auf, dass Ayn Rands Philosophie
    derjenigen Ockhams sehr ähnlich ist:

    http://edwardfeser.blogspot.com/2014/01/does-existence-exist.html

    Wenn ich Feser
    richtig verstehe, verbindet Rand mit Ockham der Aristotelismus und der
    Nominalismus. Beim Nominalismus handelt es sich um eine im Zusammenhang mit dem
    „Universalienstreit“ vertretene Position. Beim „Universalienstreit“ geht es um
    die Frage, ob Allgemeinbegriffe
    (z.B. „Mensch“, „Baum“, „Gerechtigkeit“, „rot“, „Dreieck“), Zahlen,
    geometrische Sätze (z.B. Satz des Pythagoras) oder mathematische Aussagen (z.B.
    „2 + 2 = 4“) etwas real Existierendes bezeichnen oder ob sie einfach nur in
    Worte gekleidete Gedankenkonstrukte sind. Die erstgenannte Position wird als
    „Realismus“ bezeichnet, die letztgenannte als „Nominalismus“.Daneben gibt es
    noch eine vermittelnde Position, welche als „Konzeptualismus“ bezeichnet wird.

    Feser beschreibt
    die diesbezügliche Position Thomas von Aquins, welche von derjenigen Ockhams
    verschieden ist, wie folgt: „Aquinas famously argues … that there is a real
    distinction between the essence of a thing (what it is) and its
    existence (that it is).“
    Das WAS etwas ist, wäre demnach gleichbedeutend mit dem Wesen einer Sache, und
    ein Allgemeinbegriff (z.B. „Baum“) bezieht sich auf das Wesen einer Sache.

    „Hegel, Leibniz und Kant haben den größten Unsinn geschrieben, der mir
    jemals untergekommen ist. Leibniz mit seinem telepathisch kommunizierenden
    Monaden und Hegel mit seinem perfekten totalitären Staat, der sich durch die maximale
    “Freiheit” auszeichnet, sieht man es wenigstens gleich an. Kant ist schwieriger
    zu durchschauen.“

    Feser führt dann
    aus, dass die von Ockham vertretene Sicht des Verhältnisses zwischen dem Wesen
    einer Sache und ihrer Existenz zu den von Leibniz, Kant und Hegel vertretenen
    Ansichten des Verhältnisses zwischen Ideen und der realen Welt führte:

    „To deny the real distinction tends either to collapse essence into
    existence or collapse existence into essence. Leibnizian rationalism tends in
    the latter direction — collapsing existence into essence, where essences in
    turn collapse into concepts, which are essentially mind-dependent — and this
    in turn tends in just the sort of idealist direction that was, historically,
    the sequel to rationalism as it gave way to Kantianism, Hegelianism, and the
    like.“

    Die oben erwähnte
    Sicht Ockhams lässt sich gemäss Feser auch bei Ayn Rand feststellen:

    „[Ayn Rand] seems at least implicitly committed to the view that the order
    of mind-independent reality can be read off from the order of concepts. …
    Rand’s Aristotelianism is much like that of William of Ockham, who also denied
    the real distinction.“

    Wie man der
    folgenden Bemerkung Fesers entnehmen kann ist es Rand folglich nicht gelungen,
    eine metaphyische Position zu formulieren, welche eine tragfähige Alternative
    zum Idealismus darstellt:

    „The irony is that Rand apparently adopted a position that in fact tends
    toward idealism in the course of trying to defend a realist metaphysics opposed
    to idealism.“

    • Ayn Rand ist keine Vertreterin des Nominalismus und auch nicht des Realismus. Ihre Position heißt auch im Universalienstreit „Objektivismus“. Begriffe haben eine epistemologische Funktion bei der Erkenntnis der Realität. Essenzen sind die fundamentalen Eigenschaften von Entitäten, die sie von anderen Entitäten unterscheiden. Eine Entität lässt sich aber nicht auf ihre Essenzen reduzieren. Die Essenz einer Sache und ihre Existenz sind nicht dasselbe. Sagen wir einmal, dass ein Drache essenziell ein geflügeltes, feuerspeiendes Reptil ist. Darum existiert der Drache aber nicht.

      Dieser Feser scheint deine einzige Quelle zu sein, wie mir bei mehreren Kommentaren von dir aufgefallen ist. Von so etwas würde ich abraten.

      • Xenophanes sagt:

        Gerade eben habe ich den vierbändigen Kenny in der Hand gehalten … um in den phil.geschichtl. Werken nach Rand zu suchen.

  2. patrick.sele sagt:

    „Selbst als Atheist kann ich außerdem Respekt für
    insbesondere Thomas von Aquin aufbringen, weil er die aristotelische Tradition
    aufgriff und sie weiterentwickelte.“

    „Sie hätten zunächst Gottes Existenz beweisen müssen.“

    Wenn Du eine so grosse Wertschätzung für Aristoteles
    und für Thomas von Aquin empfindest, finde ich es seltsam, dass Du ihre
    Argumente für die Existenz Gottes offensichtlich nicht einer Auseinandersetzung
    für würdig betrachtest. Im folgenden Vortrag
    präsentiert der Philosoph Edward Feser ein Argument für die Existenz Gottes,
    welches auf den philosophischen Positionen des Aristoteles und des Thomas von
    Aquin beruht:

    Das betreffende
    Argument für die kann wie folgt zusammengefasst werden, wobei die von Feser
    ebenfalls vorgestellten Argumente für die verschiedenen göttlichen Attribute
    nicht berücksichtigt sind:

    In unserer Welt
    sehen wir Veränderungen unterschiedlichster Art. Aber was genau ist eigentlich
    eine Veränderung? Der griechische Philosoph Aristoteles (384-322 v. Chr.) sah
    Veränderung dadurch charakterisiert, dass ein einem Objekt innewohnendes
    Potential verwirklicht wird. Diese Charakterisierung kann am Beispiel von
    Wasser veranschaulicht werden. Wasser kann sich beispielsweise verändern, indem
    es bei 0° C gefriert oder bei 100° C verdampft. Diese Veränderungen können sich
    jedoch nur deswegen ereignen, weil Wasser das Potential hat, bei 0° C zu
    gefrieren sowie das Potential, bei 100° C zu kochen. Das Vorhandensein solcher
    Potentiale allein reicht jedoch noch nicht aus, um diese Veränderung zu
    bewirken. Hierzu bedarf es jeweils einer äusseren Ursache, welche das entsprechende
    Potential verwirklicht. Wasser beispielsweise kocht nur dann, wenn es eine
    Wärmequelle gibt, welche es auf mindestens 100° C erhitzt.

    Eine weitere von
    der Temperatur abhängige Veränderung von Wasser besteht darin, dass zu Eis
    gefrorenes Wasser bei 0° C schmilzt. Das Schmelzen eines Stücks Eis kann
    konkret dadurch geschehen, dass es der Wärme der Sonne ausgesetzt wird. Die
    Wärme der Sonne wiederum gibt es nur, weil im Inneren der Sonne
    Wasserstoffatome zu Heliumatomen umgewandelt werden und bei diesem Prozess
    Energie freigesetzt wird. Damit aber das Potential zur Umwandlung von
    Wasserstoff- zu Heliumatomen verwirklicht wird, bedarf es wiederum einer
    äusseren Ursache. Diese Ursache wiederum kann ihr Potential zur Umwandlung von
    Wasserstoff- zu Heliumatomen nur verwirklichen, wenn es wiederum eine äussere
    Ursache gibt, welche dies ermöglicht. Diese Kette von zur Verwirklichung von
    Potentialen benötigten Ursachen kann jedoch nicht unendlich viele Glieder
    haben; in unserem Beispiel enden die naturwissenschaftlich beschreibbaren
    Vorgänge auf der Ebene der Elementarteilchen.

    Aber kann die Kette
    auf der Ebene der Elementarteilchen abbrechen? Bedürfen nicht auch die
    betreffenden Veränderungen einer äusseren Ursache? Wenn man Aristoteles folgt,
    muss die Frage bejaht werden. Eine solche Ursache kann jedoch nicht etwas sein,
    was der materiellen Welt angehört, sondern sie muss geistiger Art sein. Nun
    muss jedoch diese Ursache geistiger Art nicht unbedingt Gott sein; es kann sich
    auch um irgendein Geistwesen handeln. Aber auch dieses Geistwesen könnte die
    betreffende Wirkung nur bewerkstelligen, wenn es ein Potential hierfür besitzt.
    Damit aber dieses Potential verwirklicht wird, bedarf es wiederum einer
    äusseren Ursache. Die Zahl der Ursachen, welche Potentiale verwirklichen können
    kann jedoch nicht unendlich sein, sondern es muss eine erste Ursache ohne
    unverwirklichte Potentiale geben, und diese erste Ursache schliesslich ist
    Gott.

    Es könnte sich nun die Frage stellen, ob es nur
    eine einzige solche erste Ursache mit keinen unverwirklichten Potentialen geben
    muss oder ob es nicht deren mehrere geben kann. Nun, es kann deswegen nicht
    zwei oder mehrere solcher Ursachen geben, weil diese, damit sie voneinander
    unterscheidbar sind, jeweils Merkmale aufweisen müssen, die den jeweils anderen
    Ursachen fehlen. Wenn dies aber der Fall ist, dann kann es nicht sein, dass
    irgendeine dieser Ursachen keine unverwirklichten Potentiale hat, denn damit
    dieser Fall vorliegen würde, dürfte bei der betreffenden Ursache kein Merkmal
    fehlen. Damit ist gezeigt, dass es nur einen Gott geben kann.

    • Aristoteles argumentiert für etwas ganz und gar anderes als den persönlichen, christlichen Gott. Der Gott von Aristoteles ist eine Fußnote in seiner Physik. Die Argumente von Thomas von Aquin sind leicht zu widerlegen, darüber habe ich vor einigen Jahren in meiner religionskritischen Phase aber schon genug geschrieben.

      • Nur weil ich einen gewissen Respekt für einen Philosophen aufbringen kann, muss ich nicht jedem seiner Worte zustimmen.

      • Hier die Antworten auf die Gottesbeweise von Thomas von Aquin:

        1. Was immer in Bewegung ist, wird durch etwas anderes bewegt.
        > Stimmt nicht, wie wir seit Newton wissen.

        2. Die Serie von Wirkursachen in der Welt führt notwendig zu einem unbewegten Beweger.

        > Aquin geht es nicht um eine Serie von Ursachen in der Zeit, die, wie Aquin selbst zugibt, ewig zurückreichen könnte. Es geht ihm um simultane Ursachen, wie ein Mann, der einen Haufen Erde bewegt, indem er eine Schaufel bewegt. Die erste Ursache in einer solche Serie muss keineswegs von Gott ausgehen. Es kann auch sein, dass der Mann die Schaufel bewegt hat, also den Haufen Erde weggeschaufelt hat.

        3. Bedingte und vergängliche Entitäten müssen von einer unabhängigen und unvergänglichen Entität abhängen.

        > Die Folgerung von „Alles, was es gibt, existiert zu einer bestimmten Zeit nicht“ auf „Es gibt eine Zeit, in der nichts existiert“ ist falsch.

        4. Die verschiedenen Grade an Wirklichkeit und Güte auf der Welt müssen Annäherungen an ein tatsächlich existierendes Maximum an Wirklichkeit und Güte sein.

        > Die Aussage hängt von einer platonischen, zusammenhanglosen Vorstellung von Sein ab.

        5. Die gewöhnliche Zielgerichtetheit von nicht-bewussten Akteuren im Universum impliziert die Existenz eines intelligenten, universellen Ordners.

        > Die Aussage „Dinge ohne Bewusstsein verfolgen kein Ziel, wenn sie nicht von etwas mit Bewusstsein und Intelligenz geführt werden, wie ein Pfeil durch einen Bogenschützen“ wurde durch Darwin widerlegt.

  3. patrick.sele sagt:

    „Kenny schreibt, dass die Abkehr von Aristoteles in
    der Moderne eine gute und eine schlechte Seite hatte. Gut war die Abkehr von
    seiner Physik, weil sie falsch ist. Eher mit gemischten Gefühlen muss man die
    Abkehr von seiner Philosophie betrachten.“

    „Descartes und Hobbes verabscheuten Aristoteles. Außerdem
    verabscheuten Sie die Bildung durch die Lektüre von Büchern.“

    „Spinoza ist weiter von Aristoteles entfernt als alle
    anderen. Er löste die meisten Unterscheidungen im aristotelischen System auf. Für
    ihn gab es nur noch eine Substanz (Entität).“

    „George Berkeley argumentierte, dass Materie nicht
    existiert. Bäume und Stühle sind nur Ideenbündel, die in unserem Geist durch
    Gott erzeugt werden.“

    „David Hume behauptete, dass es kein Selbst gibt. Das
    Mitgefühl ist für ihn die Grundlage der Moral. Klingt irgendwie vertraut.“

    „Hegel, Leibniz und Kant haben den größten Unsinn
    geschrieben, der mir jemals untergekommen ist. Leibniz mit seinem telepathisch
    kommunizierenden Monaden und Hegel mit seinem perfekten totalitären Staat, der
    sich durch die maximale “Freiheit” auszeichnet, sieht man es wenigstens gleich
    an. Kant ist schwieriger zu durchschauen.“

    Wenn die grossen
    Denker der Aufklärung alle so völlig daneben lagen, wie kann man denn
    eigentlich die Aufklärung noch als eine positive Bewegung betrachten? Meines
    Wissens ist es so, dass das Einzige, was allen der Aufklärung zugerechneten
    Denkern gemeinsam ist, ihre Ablehnung des Aristotelismus ist oder zumindest,
    dass sie Nichtaristoteliker waren. Abgesehen davon kann man bei ihnen eine
    grosse Bandbreite von Überzeugungen finden. Unter ihnen gab es fromme Christen,
    Pantheisten, Deisten und Atheisten. Wenn man die Philosophie des Aristoteles
    als Paradebeispiel vernünftigen Denkens ansieht, wie kann man denn dann noch
    das Zeitalter der Aufklärung als „Zeitalter der Vernunft“ betrachten?

    • Gute Frage. Nun, aufgrund anderer Faktoren:

      1. Beginn der Industrialisierung.

      2. Etablierung von individuellen Rechten, Gewaltenteilung in der Politik.

      3. Alphabetisierung großer Teile der Bevölkerung.

      4. Literarische Hochkultur.

      5. Säkularisierung, Religionskritik.

      Philosophen dieser Zeit haben vor allem einen positiven Beitrag in der politischen Philosophie und in der Religionskritik geleistet.

      • patrick.sele sagt:

        Andreas Müller: „Gute Frage. Nun, aufgrund
        anderer Faktoren:“

        Dass die von Dir
        aufgezählten Dinge irgend etwas mit den philosophischen Systemen eines
        Descartes, eines Spinoza, eines Leibniz oder irgend eines anderen
        Aufklärungsphilosophen zu tun haben, ist eine Behauptung, die erst einmal
        belegt werden muss. Ich ziehe dies sehr stark in Zweifel. Grundsätzlich ist zu
        sagen, dass Korrelation nicht unbedingt Verursachung bedeuten muss. Dass
        bestimmte Phänomene im 17. und 18. Jahrhundert stattfanden, bedeutet nicht
        notwendigerweise, dass sie durch irgendwelche Schriften irgendwelcher
        zeitgenössischer Philosophen verursacht wurden.

        Andreas Müller: „1. Beginn der
        Industrialisierung.“

        Gemäss dem auf den
        Seiten 5-25 im folgenden Link befindlichen Artikel reichen die Ursprünge der
        Industrialisierung in Europa ins frühe Mittelalter zurück:

        http://www.telenor.com/wp-content/uploads/2012/05/T04_2.pdf

        Andreas Müller: „2. Etablierung von
        individuellen Rechten, Gewaltenteilung in der Politik.“

        Was die Etablierung
        individueller Rechte betrifft, so lassen sich eindeutig voraufklärerische
        Wurzeln feststellen, etwa in der „Magna Charta Libertatum“ von 1215.

        Andreas Müller: „3. Alphabetisierung großer
        Teile der Bevölkerung.“

        Diesbezüglich kam
        der Reformation wohl eine mindestens so bedeutende Rolle zu. Das folgende Buch
        bietet eine Fallstudie zur Alphabetisierung den Landgebieten des
        schweizerischen Kanton Zürich, einer protestantisch geprägten Region:

        Marie Louise von Wartburg-Ambühl,
        Alphabetisierung und Lektüre: Untersuchung am Beispiel einer ländlichen Region
        im 17. und 18. Jahrhundert, Bern 1981.

        Darauf dass das der
        Protestantismus die schulische Bildung breiter Bevölkerungsschichten
        vorantrieb, weist auch der dem Christentum ablehnend gegenüber stehende Atheist
        Richard Carrier hin:

        „Expansion of education was one of the novel
        aims of the Reformation Christians, and it is they who originated the polemic
        that the Church opposed such expansion. The reality was more complex. The
        Church opposed lay interpretation of Scripture, which an education inspired and
        made possible, and thus the Church had no motive to expand education, and every
        reason to be suspicious of such efforts, while the Protestants required
        a lay interpretation of Scripture, which made an education indispensable and
        its expansion paramount.“

        (Quelle: http://richardcarrier.blogspot.com/2010/01/flynns-pile-of-boners.html)

        Was den Alphabetisierungsgrad der Juden
        betrifft, so war dieser bereits in der Antike sehr hoch. Aufschlussreich in
        dieser Beziehung ist der Abschnitt „Die jüdische Volksbildung“ im folgenden
        Buch:

        Rainer Riesner,
        Jesus als Lehrer: Eine Untersuchung zum Ursprung der Evangelien-Überlieferung
        (=WUNT 2/7), 3. Auflage, Tübingen 1988.

        Andreas Müller: „4. Literarische Hochkultur.“

        Die meisten
        litararisch Gebildeten würden wohl die Werke Shakespeares zur literarischen
        Hochkultur zählen, und Shakespeare lebte eindeutig vor der Aufklärung.

        Andreas Müller: „5. Säkularisierung,
        Religionskritik.“

        Was die Säkularisierung betrifft, so scheint es,
        wie die beiden folgenden Zitate zeigen, auch in Bezug auf sie so zu sein, dass
        ihre Wurzeln in die Zeit vor der Aufklärung zurückreichen:

        „Christopher Hill and Keith Thomas relate how at
        the turn of the seventeenth century [in England] nobility, property owners and
        clergy expressed little confidence in the religious convictions of the lower
        classes. It was, for example, reported in 1573 that a group of sectaries in the
        diocese of Ely persisted in denying the physical reality of hell. Five years
        later a Norfolk ploughwright, Mathew Hamont, was burnt at Norwich for declaring
        the New Testament to be ‘mere foolishness, a story of men, or rather a mere
        fable’. In 1589 Bishop Cooper began his Admonition to the People of England by
        referring to ‘the loathsome contempt, hatred and disdain that the most part of
        men in these days bear … towards the ministers of the church of God’. In the
        year 1600 the Bishop of Exeter complained that in his diocese it was ‘a matter
        very common to dispute whether there be a God or not’, while in Essex a
        husbandman of Bradwell-near-the-Sea was said to ‘hold his opinion that all
        things cometh by nature and does affirm this as an atheist’. William Perkins,
        Puritan preacher and witch-hunter, complained that the so-called Familists,
        members of the Familiy of Love and followers of Henry Niclaes, born in Münster
        in 1502, dared to teach that heaven and hell were of this world, interpreted
        the Bible allegorically, held their property in common and maintained that all phenomena
        are naturally caused.“

        Brian Easlea, Witch Hunting, Magic and the New
        Philosophy: An Introduction to Debates of the Scientific Revolution 1450-1750,
        Atlantic Highlands 1980, S. 124 f.

        „Allenthalben
        findet man Atheisten und Freigeister zuhauf, von denen einige jeder Religion
        offen spotten, sie Märchen und Zierat nennen und sagen, sie sie nichts als ein
        Stück Politik, von durchtriebenen Obrigkeiten erfunden, um dem sündhaften Volk
        Furcht einzuflößen, und es in Zucht zu halten … andere, um ihre
        Gottesverachtung zu verschleiern, behaupten, so viele miteinander im
        Widerstreit liegenden Glaubensbekenntnisse seien in unserem Vaterland
        entstanden, dass sie nicht wüßten, welches das wahre sei und welchem sie
        anhängen sollten. Wieder andere drehen ihr Fähnlein nach dem Wind und passen sich
        nach aussen hin jeder Religion an.“

        Pfarrer in Brüssel
        1582, zitiert nach Richard van Dülmen, Entstehung des frühneuzeitlichen Europa
        1550-1648 (=Fischer Weltgeschichte; 24), Frankfurt am Main 1982, S. 293.

        Was die von
        Aufklärungsphilosophen betriebene Religionskritik betrifft, so ist es meiner
        Ansicht nach nicht zulässig, wenn man einerseits deren philosophische Ansichten
        ablehnt, aber andererseits deren religionskritische Ansichten, welche auf
        Ersteren basieren begrüsst.

        Andreas Müller: „Philosophen dieser Zeit
        haben vor allem einen positiven Beitrag in der politischen Philosophie und in
        der Religionskritik geleistet.“

        Gemäss den
        folgenden Ausführungen eines Historikers gibt es gute Gründe für die Annahme,
        dass die moderne Demokratie christliche Wurzeln hat, die vor die Zeit der
        Aufklärung zurückreichen:

        „Bereits im 19.
        Jahrhundert kam die These des deutschen Staatsrechtlers GEORG JELLINEK
        (1851-1911) über den Zusammenhang von Calvinismus und moderner Bürger- und
        Menschenrechtsidee auf. Dabei geht es um den Anteil des Calvinismus an der
        Vorbereitung der politischen und sozialen Freiheitsideen, insbesondere der
        Bürger- und Menschenrechte von 1789. Dahinter steht also die Frage nach dem
        Zusammenhang von Calvinismus und moderner Demokratie. Für einen solchen
        Zusammenhang sprechen die Lehren über das Widerstandsrecht bei den
        calvinistischen Monarchomachen (Monarchenbekämpfer), deren wichtigster
        deutscher Vertreter Johannes Althusius (1557-1638) war. Doch gab es auch
        katholische Monarchomachen wie den spanischen Jesuiten Juan de Mariana
        (1536-1624). Für einen Zusammenhang von Calvinismus und Demokratie spricht auch
        der presbyteriale Gedanke, wie er 1523 in Zwinglis Zürich aufkam, in Calvins
        Genfer Gemeindeverfassungsmodell einging und bei den schottischen
        Presbyterianern und im nordamerikanischen Presbyterianismus weiterentwickelt
        wurde, obwohl die calvinistischen Presbyterien in der Praxis
        oligarchisch-elitistische Formen annehmen konnten. Zwischen der presbyterialen
        Idee und der repräsentativen Demokratie der amerikanischen Bundesverfassung von
        1787 sind solche Zusammenhänge offenkundig.“

        Harm Klueting, Das
        Konfessionelle Zeitalter 1525-1648, Stuttgart 1989, S. 229 f.

        • Der totalitäre, Hexen verbrennende, Abweichler ausrottende Calvinismus und die Menschen- und Bürgerrechte, alles klar!

          Du selektierst vorgedeutete Elemente aus der Geschichte aus, die deine Vorurteile zu stützen scheinen. Ich habe kein Problem damit, auch Christen zu würdigen, wenn sie etwas beigetragen haben. Aber du würdigst ausschließlich Christen, was völlig an den Haaren herbeigezogen ist. Die Industrialisierung begann nicht im Mittelalter, nur weil sie da schon Windmühlen gebaut haben. Die Religionskritik der Aufklärungsphilosophen beruht nur teilweise auf ihren Philosophien (etwa bei Kant). Bei Spinoza hat seine Religionskritik rein gar nichts mit seiner Philosophie zu tun, sondern mit seiner Bibelkunde als gebildeter Jude. Dass Shakespeare auch ein Literat war, ändert gar nichts an der viel stärkeren Verbreitung von Literatur im 18. Jahrhundert und die viel höhere Produktivität.

          Wirklich, was du hier verbreitest, ist bloße Propaganda. Ich habe kein Problem damit, mit Christen zu diskutieren, wenn sie die Wahrheit interessiert. Dich interessiert nur eine Verteidigung deines fundamentalistischen Christentums. Auf der Grundlage ergibt das keinen Sinn.

  4. patrick.sele sagt:

    Andreas Müller: „Der totalitäre, Hexen
    verbrennende, Abweichler ausrottende Calvinismus und die Menschen- und
    Bürgerrechte, alles klar!“

    Ob dies eine
    zutreffende Charakterisierung des Calvinismus ist, lasse ich zunächst einmal
    dahingestellt sein. Abgesehen davon gibt es auch so etwas wie eine
    unbeabsichtigte Auswirkung einer bestimmten religiösen oder weltanschaulichen
    Überzeugung. Dies kann man etwa an der vom Soziologen Max Weber (1863-1920)
    entwickelten These eines Zusammenhangs zwischen dem Calvinismus und der
    Entstehung des Kapitalismus sehen. Max Weber betonte, dass Calvin bezüglich
    seiner Ansichten zu Wirtschaftsfragen selbst kein Anhänger einer
    kapitalistischen Wirtschaftsordnung war, dass aber gewisse Elemente der
    calvinistischen Lehre für die Entstehung des Kapitalismus sehr förderlich
    gewesen seien.

    Um auf den
    angeblich oder tatsächlich Hexen verbrennenden Calvinismus zurückzukommen, so
    ist dem folgenden Zitat zu entnehmen, dass eine calvinistische Prägung nicht
    unbedingt zu intensiver Hexenverfolgung führen musste:

    „Entgegen einer
    verbreiteten Annahme gilt es festzustellen, daß die frontale Kritik der
    Hexenverfolgungen am Ende des 16. Jahrhunderts ziemlich erfolgreich war. In
    einigen deutschen Ländern, darunter der calvinistischen Kurpfalz oder den
    erasmianischen Herzogtümern Jülich-Kleve-Berg, lehnten die Regierungen
    Hexenhinrichtungen generell ab. In Frankreich erließ das Parlement de Paris
    nach dem Anstieg des Verfolgungsverlangens im Jahr 1587 ein Edikt, welches
    Hexenhinrichtungen von der Zustimmung des obersten Gerichtes abhängig machte.
    Versuche der Anhänger der katholischen Ligue, den Ausnahmeprozeß einzuführen,
    wurden nach der Inthronisation Heinrich von Navarras als König Henri IV.
    (1553-1610, reg. 1589/1594-1610) abgeblockt. 1601 ließ das Parlement de Paris
    wegen Übergriffen auf französisches Gebiet einen Henker zu lebenslanger
    Galeerenstrafe verurteilen, der sich rühmte, in Brabant 274 Hexen hingerichtet
    zu haben. Es ist bezeichnend, daß der exponierte Bodin in diesem Milieu keine
    Karriere machen konnte und der Dämonologe Boguet sein Machwerk 1611 selbst aus
    dem Verkehr zog, weil es seiner Karriere schadete. Die Kontrolle der
    Todesurteile im Amtsbereich des Parlement de Paris, der ungefähr ein Drittel des
    heutigen Frankreich umfaßte, führte dazu, daß bei insgesamt 1272 Appellationen
    nur 115 Hexenhinrichtungen zugelassen wurden, die letzte im Jahr 1625. Ähnlich
    war die Entwicklung in England, wo die Bereitschaft zur Bestätigung von
    Todesurteilen seit dem Ende der 1580er Jahre zurückging. Obwohl König James I.
    1604 die Hexereigesetzgebung verschärfte, führten die Gerichte kaum mehr
    Verbrennungen durch. Die Hexen in Shakespeares Macbeth wirken bereits wie eine
    Parodie. Wie fragil die Befriedung der Gesellschaft allerdings noch war,
    verdeutlicht die populäre Antihexereibewegung um den Hexenfinder Matthew
    Hopkins in der Anarchie des Bürgerkriegs 1645, die mit ca. 200 Hinrichtungen
    das Ausmaß mitteleuropäischer Verfolgungen erreichte.“

    Wolfgang Behringer,
    Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung, München 1998, S. 78 f.

    Diesem Zitat kann
    auch entnommen werden, dass es zur Bekämpfung und Beendigung von
    Hexenverfolgungen keiner Aufklärung bedurfte. Es gab auch gute theologische
    Argumente gegen die Hexenverfolgungen. So stand der Hexenglaube in einer
    gewissen Spannung zur Lehre von der Vorsehung Gottes, gemäss welcher Gott
    Krankheiten oder andere Widrigkeiten sendet, um die Sünder zu strafen oder die
    Gerechten zu prüfen. Wenn solche Ereignisse dem Wirken von Hexen zugeschrieben
    werden, wird folglich dadurch der pädagogische Zweck solcher Widrigkeiten
    verhindert.

    Andreas Müller: „Du selektierst
    vorgedeutete Elemente aus der Geschichte aus, die deine Vorurteile zu stützen
    scheinen. Ich habe kein Problem damit, auch Christen zu würdigen, wenn sie
    etwas beigetragen haben. Aber du würdigst ausschließlich Christen, was völlig
    an den Haaren herbeigezogen ist.“

    Zuerst einmal
    betrachteten sich einige Aufklärungsphilosophen wie etwa Descartes, Locke oder
    Leibniz oder auch Pioniere der modernen Naturwissenschaften wie Johannes
    Kepler, Robert Boyle oder Isaac Newton selbst als fromme Christen, weswegen es
    ein wenig problematisch ist, Aufklärer gegen Christen auszuspielen. Abgesehen
    davon bin ich durchaus bereit, auch Errungenschaften von Nichtchristen
    anzuerkennen.

    Andreas Müller: „Die Industrialisierung
    begann nicht im Mittelalter, nur weil sie da schon Windmühlen gebaut haben.“

    Das Argument lautet ja, dass die WURZELN der
    Industrialisierung im Mittelalter liegen. Was die Produktionsmittel betrifft,
    so haben sich, wie dem folgenden Zitat aus dem betreffenden Beitrag entnommen
    werden kann, die frühen Fabriken aus den mittelalterlichen Wassermühlen
    entwickelt:

    „Medieval Europe found its most effective
    instrument in the
    vertical waterwheel, which was the primary energy source prior to the invention of the
    steam engine. “Neither Roma
    nor Chine succeeded in harnessing its power to the extent that medieval Europe did”(Giles and Giles, 1994,
    page 288). The modern factory
    system of the Industrial Revolution in the 18th century has its roots here. “There were
    no sharp breaks between the water-powered fulling and iron mills of the Late Middle
    Ages and the textile mills of Strutt and Arkwright” (Giles and Giles, page
    289).“ (S.
    17)

    Auch die
    Arbeitsteilung, welche als eines der charakteristischen Merkmale industrieller
    Arbeit betrachtet wird, ist spätestens für das 16. Jahrhundert feststellbar. In
    diesem Zusammenhang wird von „Protoindustrialisierung“ gesprochen. Das folgende
    Buch zeichnet dieses Phänomen für den hier bereits einmal erwähnten Kanton
    Zürich in der Schweiz nach:

    Ulrich Pfister, Die
    Zürcher Fabriques: Protoindustrielles Wachstum vom 16. bis 18. Jahrhundert,
    Zürich 1992.

    Andreas Müller: „Dass Shakespeare auch
    ein Literat war, ändert gar nichts an der viel stärkeren Verbreitung von
    Literatur im 18. Jahrhundert und die viel höhere Produktivität.“

    Dass im 18.
    Jahrhundert Literatur stärker verbreitet war als zuvor mag wohl sein. Aber auch
    hier stellt sich wieder die Frage, ob und inwieweit dies in irgendeiner Weise
    mit den philosophischen Systemen eines Descartes, Leibniz und anderer
    Aufklärungsphilosophen zu tun hat. Auch hier gilt wieder, dass Korrelation
    nicht unbedingt Verursachung bedeuten muss.

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