Was ist nun mit dem Islam?

Noch ein paar Worte zur Pegida-Satire. Offensichtlich bin ich selbst kein großer Islam-Fan. Alle Religionen sind irrational – und der Islam übertrifft sie alle in Punkto Unaufgeklärtheit und Kollision mit der freien Gesellschaft, er steht individuellen Rechten in seiner orthodoxen Ausprägung klar entgegen. Repräsentative Umfragen von verschiedenen Instituten zeigen allerdings, dass die Überzeugungen von selbsternannten Muslimen je nach ihrer Heimatnation abweichen. In den USA sind sie vergleichsweise moderat aufgelegt, dann kommt Europa und dann die islamische Welt.

Ergibt das Sinn? Nein. Aber der Islam ergibt so oder so keinen Sinn, ob man ihn als „Muslim“ nun ernst nimmt oder nicht. Trotzdem ist die Verbreitung freiheitsfeindlicher Auffassungen unter Muslimen klar viel höher als unter Christen – auch im Westen. Wenn man den „Islam“ irgendwie analysieren oder gut finden oder schlecht finden will, muss man ihn trotzdem erst einmal definieren. Auf Wikipedia steht folgendes darüber:

Der Islam ist eine monotheistische Religion, die im frühen 7. Jahrhundert in Arabien durch den Propheten Mohammed gestiftet wurde.

Die wichtigste textliche Grundlage des Islams ist der Koran, der als das dem Propheten Mohammed offenbarte Wort Gottes gilt. Die zweite Grundlage bilden die Berichte (Hadithe) über die Verhaltensweise (Sunna) Mohammeds, der als der „Gesandte Gottes“ Vorbildcharakter für alle Muslime hat. Die sich aus diesen Texten ergebenden Normen werden in ihrer Gesamtheit als Scharia bezeichnet.

Nun kann man sich also auf vernünftige und berechtigte Weise dem Islam – dem ganzen Islam, nicht nur dem „Islamismus“ – entgegenstellen. Religionskritiker tun das seit der Aufklärung. „Pegida“ tut das aber nicht auf eine vernünftige Weise, ganz im Gegenteil. Dazu habe ich drei Dinge zu sagen:

1. Demonstrationen sind keine legitime Form der Meinungsäußerung (siehe Ayn Rands Argumentation: Sollte man Demonstrationen verbieten?) in einem freien Land. Demonstranten greifen in die Rechte ihrer Mitmenschen ein, wenn sie öffentliche Wege und Straßen blockieren. Man kann bezweifeln, ob der Staat Demonstrationen überhaupt genehmigen sollte (bzw. die Gemeinden). Wer seine Auffassung nicht klar in einem Medium seiner Wahl äußert, sich stattdessen auf die Straße stellt, Leuten den Weg zur Arbeit blockiert, herumschreit, Schilder mit Parolen vollkritzelt, der spricht in der Regel keine rationalen Menschen an, die nur Argumente interessieren, sondern den Mob. Und er will den Mob erreichen, indem er die moderne Aufmerksamkeitsökonomie auf sich aufmerksam macht. Als Demonstrant braucht man weder eine große Zahl von Unterstützern, noch braucht man Argumente. Man muss lediglich irgendeinen Schauwert erzeugen, um die Kameras auf sich zu lenken. Demonstrationen sind nur legitim, wenn man mit dem System vollkommen brechen möchte – wenn das Volk auf die Straße geht, um die Regierung zu stürzen, wie in der DDR. Für alle anderen Zwecke erscheint es mir ein ungeeignetes Mittel zu sein.

2. „Pegida“ bietet weder klare Analysen, noch bietet diese „Bewegung“ ein klares politisches Programm, noch eine erkennbare Ideologie, noch auch nur lustige Parolen. Ihr Positionspapier ist unglaubwürdig und davon abgesehen stimme ich diesem auch nicht zu. Man sollte mit Flüchtlingen nicht so oder so umgehen, sie in diese oder andere Lager stecken. Flüchtlinge sind Subjekte, keine Objekte der Politik. Wenn man sich dazu entscheidet, sie hereinzulassen, dann sollten sie hier tun dürfen, was jeder andere Bürger des Landes tun darf. Ich sehe es ein, dass man ausdrückliche Feinde der freien Gesellschaft (wie radikale Muslime) oder Kriminelle hier nicht haben will – davon gibt es sowieso schon zu viele im Land. Ich sehe auch ein, dass man nicht auf einen Schlag hunderttausende Immigranten ins Land aufnehmen kann, weil das zu Chaos und Konflikten führen würde. Davon abgesehen sollte man die Grenzen öffnen. Und sämtliche staatliche Hilfen, Zahlungen, Heime, sonstwas für Flüchtlinge einstellen.

3. Wenn Menschen lediglich Gefühle, etwa ein Gefühl der Fremdheit im eigenen Land oder ein Gefühl, vom Patriarchat unterdrückt zu werden, als politisches Druckmittel einsetzen, dann haben sie automatisch Unrecht. Es interessiert mich überhaupt nicht, ob sich hier jemand fremd oder willkommen fühlt, ob er sich wie ein Wackelpudding fühlt oder wie eine Wolke, die über den Dingen schwebt. Ich kann nur klar formulierte Ideen und Positionen bewerten. Gefühle können, müssen aber nicht eine rationale Ursache haben. Die Ursache müsste man gegebenenfalls ausformulieren – nicht einfach nur seine Gefühle offen zur Schau stellen.

Insgesamt wirkt Pegida auf mich wie Populismus in Reinform. Populismus, beinahe vollkommen entleert von Inhalten. Wenn diese „Bewegung“ irgendetwas tut, dann der Islamkritik zu schaden.

3 Kommentare zu “Was ist nun mit dem Islam?

  1. Alexia sagt:

    „[Umfragen] zeigen allerdings, dass die
    Überzeugungen von selbsternannten Muslimen je nach ihrer Heimatnation
    abweichen. In den USA sind sie vergleichsweise moderat aufgelegt, dann
    kommt Europa und dann die islamische Welt.
    Ergibt das Sinn? Nein.“

    Nichts ergibt Sinn, wenn der Betrachter keinen Sinn sehen will. Ich hatte ja schon einmal aufgeführt, dass Religionen etwas Höchstpersönliches, Individuelles sind. Also so subjektiv wie kaum etwas anderes.

    Wenn du es mit deinem Objektivismus versuchst zu greifen, zu verstehen, zu definieren oder gar zu abstrahieren, wirst du aller Wahrscheinlichkeit nach genauso erfolglos bleiben wie ein Einjähriger, der versucht, einen Klotz mit quadratischem Querschnitt durch das Dreieckloch in eine Kiste zu quetschen.
    DAS ergibt keinen Sinn. Aber versuchen kann man es ja mal.

    „Demonstranten greifen in die Rechte ihrer Mitmenschen ein, wenn sie öffentliche Wege und Straßen blockieren.“

    Genau wie Staatsbesuche „hoher“ Politiker, Straßenfeste und Baustellen. Wollen wir die auch verbieten? So oder so bleibt zu hoffen, dass die nächste stürzenswerte Unrechtsstaatsregierung Demonstrationen bei Bedarf wieder als legitim bezeichnen wird. Stürzenswert währe die unsere auf jeden Fall, sobald Demonstrationen verboten werden.

    Dass die Peggies Idioten sind, ist eigentlich klar. Von Nazis kommt nun einmal nichts Durchdachtes.

    „Davon abgesehen sollte man die Grenzen öffnen. Und sämtliche staatliche
    Hilfen, Zahlungen, Heime, sonstwas für Flüchtlinge einstellen.“
    Öhh … Das erscheint mir nicht unbedingt wie eine gute Idee. Wie sollen so „hundertausende Immigranten auf einen Schlag“ verhindert werden? Und wie sollen die in der Regel fehlinformierten Flüchtlinge überleben, wenn sie hier keine Grundversorgung erhalten, wenn sie erst einmal hier sind? Da beginnt zwangsläufig ein Kampf ums Überleben. Die Folge währe wohl, dass wir dann alle mit fünfzehn Sicherheitsschlössern an den Wohnungstüren und Gittern vor den Fenstern leben.
    Und jeder rennt nur noch mit Schusswaffen herum und es gibt dann jedes Jahr statt 70 erschossener Menschen 8000 (etwa entsprechend dem Verhältnis der Schusswaffentoten in den USA gemessen an der hiesigen Einwohnerzahl). Vermutlich ein kleiner Preis für soviel Freiheit.

    Es gibt Dinge, die sollten einfach gnadenlos durchreguliert bleiben. Sonst kommt nur Murks am Ende raus.

    • Deine Appelle, die Vernunft einzustellen und stattdessen auf subjektive Willkür zu vertrauen, machen einen rationalen Diskurs unmöglich. Ohne objektiven Maßstab, woran man wahr und falsch bemisst, was Wörter überhaupt bedeuten, bricht die Kommunikation zusammen. Man kann mit Menschen nicht reden, die von Anfang an der Meinung sind, dass klares Denken oder Denken überhaupt überflüssig sind und man behaupten kann, was immer man möchte. Das ist nicht der richtige Blog für dein Anliegen. Also tue ich mir deine Kommentare, die ich als nervlich belastend empfinde, in Zukunft nicht mehr an. Tut mir leid.

      • Alexia sagt:

        Schade eigentlich.
        Dieser letzten Aussage („Ohne objektiven Maßstab, woran man wahr und falsch bemisst, was Wörter überhaupt bedeuten, bricht die Kommunikation zusammen“) stimme ich sogar vollkommen zu.

        Das ist auch eines der Dinge, die ich immer wieder beobachte, wenn Menschen aus unterschiedlichen spirituellen Strömungen (oder spirituellen und nicht-spirituellen Bereichen) miteinander reden: Sie reden aneinander vorbei. Das ist die (meinetwegen objektive) Realität der Kommunikation religiöser (also subjektiver) Inhalte, welche sich so beobachten lässt.

        Aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass du an einem Diskurs nicht wirklich interessiert bist und eigentlich nur eine Bestätigung deines Rechthabens suchst.

        Viel Spaß dabei.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.