Meine Meinung über Pegida

Nicht nur Kamele sind doof (Bild: vahiju: IMG_7247.JPG. morgufile.com. Lizenz: M)

Nicht nur Kamele sind blöd (Bild: vahiju: IMG_7247.JPG. morgufile.com. Lizenz: M)

Meine Beiträge über Pegida kommen manchen Lesern etwas widersprüchlich vor. Inhaltlich sind sie aber nicht widersprüchlich, sondern behandeln verschiedene Aspekte des Themas. Außerdem ist meine Meinung zu dem Thema recht komplex. Hier kämpfen normalerweise edle Feministen gegen das finstere Patriarchat, es gibt einen Aufstand der Gutmenschen gegen zurückgebliebene Ossi-Rassisten und von auserwählten Abendlandsrettern gegen „Wirtschaftsflüchtlinge“. Von daher ist komplex verwirrend, wenn nicht unangebracht. So ein Pech aber auch.

1. Pegida erweckt auf mich insgesamt einen stumpfen, populistischen Eindruck. Die beliebig zusammengewürfelten Forderungen klingen unehrlich und werden auch von niemandem intellektuell verteidigt. Unter den Demonstranten gibt es ebenso Menschen mit legitimen Sorgen sowie die üblichen empörten Deutschen, die endlich mal sagen wollen, was sich keiner zu sagen traut (dass die ganzen Ausländer und Juden doch irgendwie böse sind).

In der Tat erinnert mich Pegida ein wenig an Michael Gaismairs Tiroler Landesordnung von 1526. Der Bauernführer war für einen brutalen Bauernaufstand verantwortlich. Er stellte willkürlich zusammengeworfene, damals populäre Forderungen auf. Gaismair zufolge sollen die Gottlosen ausgerottet, die Städte zerstört und der Handel beendet werden. Das Eigentum der Händlerfamilien soll vergemeinschaftet werden. „Gute Regulierungen sollen durchgesetzt werden, um Mangelwirtschaft zu vermeiden“ (ins aktuelle Neuhochdeutsche übersetzt). Obwohl er einen sozialistischen, theokratischen Beamtenstaat befürwortete, wollte er es den Regionen überlassen, die Steuern abzuschaffen. Denn Steuern waren schließlich unpopulär. Genau wie diese ganzen Kapitalisten. Das alles passt überhaupt nicht zusammen. Aber populär war es.

2. Zu den legitimen Sorgen zählt jene, dass manche Einwanderer aus Kulturen stammen, die ein gespaltenes Verhältnis zu Menschenrechten und Demokratie haben. Entsprechend haben einige Demonstranten Bedenken, dass Menschen, die Schwule hassen, Andersdenkende verachten und ihre Frauen schlagen, hier in Deutschland leben möchten. Die wollen sie hier nicht. Was man ihnen ja nur schwer verübeln kann.

3. Es gibt keine „Lügenpresse“ und keine Verschwörung von irgendwelchen Medien. Die Presseberichterstattung ist zwar nicht objektiv, aber das ist seit Jahren ein Trend – der Trend zu größerem medialen Subjektivismus. Man kann Journalisten keineswegs dafür schelten, dass sie 1. Pegida nicht zustimmen und 2. für Pegida unbequeme Fakten aufdecken. Man kann ihnen sehr wohl verübeln, dass sie 1. sich selbst in der Nachrichtenberichterstattung wertend über Pegida äußern (Trennung von Bericht und Kommentar!) und 2. dass Kommentare, die Pegida sympathisierend gegenüberstehen, einfach nicht veröffentlicht werden.

Nun muss man auch diesen Kommentaren nicht zustimmen. Aber es ist nicht die Aufgabe von Journalisten, den demokratischen Diskurs zu zensieren, so bescheuert einige Meinungen sein mögen, sondern ihn geordnet zu ermöglichen. Wenn sie das nicht tun, dann reden manche Menschen eben nicht mehr mit der Presse – und nicht mehr miteinander. Sie werden ja sowieso nur als „Nazis“ gebrandmarkt, selbst wenn sie zur Kategorie von Punkt 2 gehören. Die Kommentare, mit denen sich manche Journalisten aus dieser Verantwortung herausreden möchten, sind überaus peinlich.

4. Pegida ist keine islamkritische Bewegung, sondern sie richtet sich vor allem gegen „Ausländer“.

5. Dass sich viele Kommentatoren im öffentlichen Diskurs nun für den Islam und Muslime aussprechen, nur weil die bösen Pegida-Leute dagegen sind, ist nicht gerade rational. Noch immer ist die muslimische Gemeinschaft in Deutschland nicht willens, Selbstkritik zu üben. Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime, der angeblich „perfekte deutsche Muslim“, betont immer nur die Islamophobie der Deutschen, den Rassismus der Deutschen, den Antisemitismus, der irgendwie von außen in die muslimische Community getragen wird und dort ansonsten so gut wie gar nicht vorkommen würde. Jedes Wort aus seinem Mund ist eine Ohrfeige für die Aufklärung, eine Ohrfeige für den ehrlichen Diskurs und das aufrechte Eingeständnis von Problemen, die es nun einmal gibt unter Muslimen – und mit dem Islam. Den Islam biegt er sich auch zurecht, ohne auf die problematischen Stellen im Koran einzugehen, ohne ihre Existenz überhaupt einzugestehen. Darum ist er zur Zeit das bevorzugte Ziel meines Spottes. Und darum, weil er trotz seines unerhörten Verhaltens von Politikern und vielen Medien in den Himmel gelobt wird.

6. „Islamfeindlich“ wird in vielen Berichten als Schimpfwort gebraucht. Will man uns damit mitteilen, dass der blinde Glaube an Dogmen, die beliebige Akzeptanz eines „heiligen Buches“ voller Verurteilungen, Drohungen und Hetze gegen Andersgläubige und Andersdenkende, mit steinzeitlichen Geboten für die Misshandlung der Frau und die Kriegsführung gegen Ungläubige, dass all dies rational ist, dass wir es gefälligst gutheißen müssen?

Steht ihr auf der Seite von Freiheit, Demokratie und Aufklärung oder auf der Seite von irgendeinem stumpfen, vor-mittelalterlichen Glauben? Klar ist es das persönliche Recht eines jeden Bürgers, auch Unsinn zu glauben, Andersgläubige, Frauen und Schwule zu verachten. Aber es ist nicht gut. Und man sollte die Kritik an solchen Überzeugungen nicht mit Schimpfwörtern belegen – oder Schimpfwörter daraus machen. Damit greift man den reaktionären Imamen und Islamisten unter die Arme und man bekämpft die Reformer und Ex-Muslime.

Schlussfolgerungen

1. Pegida ist insgesamt für Demonstranten mit vernünftig begründeten Sorgen nicht die richtige Bewegung. Die Hooligan-Gruppen natürlich erst recht nicht.

2. Medien sollten objektiv berichten und auch Kommentare veröffentlichen, mit denen sie nicht übereinstimmen. Es ist nicht ihre Aufgabe, den öffentlichen Diskurs zu zensieren oder innerhalb der Nachrichtenberichterstattung zu werten, sondern den Diskurs geordnet zu ermöglichen. Die Bürger können selbst denken und urteilen, auch wenn die auserwählten Journalisten ihnen nicht die korrekte Meinung vorpredigen. Alles andere ist respektlos und schürt die auch durch andere Faktoren begründete Medienkrise noch weiter an.

3. Nur weil auch blöde Leute gegen den Islam sind, ist es nicht falsch, aus guten Gründen dem Islam kritisch gegenüberzustehen.

8 Kommentare zu “Meine Meinung über Pegida

  1. Harold Harry Francis Callahan sagt:

    Es gibt doch dezidierte Stellungname der sog Pegida-Aktivisten, wie kann ein derartiger Text oder Kommentar ohne diese auskommen und stattdessen singulär eine „Tiroler Landesordnung“ zitieren?

    MFG
    Harry (der hofft etwas überlesen zu haben)

  2. Ich bin erstens grundsätzlich gegen Demonstrationen und zweitens lehne ich die Ziele von Pegida ab. Ich könnte auch zu einer Demo gegen Atomkraft gehen und „etwas besseres“ daraus machen wollen, das mehr meinen Ansprüchen genügt – nämlich eine Demo für Atomkraft. Pegida ist nicht einfach nur ein bisschen fragwürdig in den Details, ich bin vollkommen dagegen.

    • Harold Harry Francis Callahan sagt:

      Demonstrationen gelten als die dem Bürger in aufklärerischen Systemen zugestandene Nutzung des öffentlichen Raums für die Zwecke der Meinungsäußerung; gegen Demonstrationen zu sein, auch wenn man nicht selbst „auf der Strasse herumrennen“ möchte, fällt schwer.

  3. Missing Link sagt:

    Bernd sagt: Dir ist vielleicht entgangen, daß wir eine REPPRÄSENTATIVE DEMOKRATIE haben. Politik wird nicht über Demos gemacht.

  4. Harold Harry Francis Callahan sagt:

    The only thing necessary for the triumph of evil is for good men to do nothing.

    …findet sich inhaltlich (!, vs. wörtlich) bei Burke wie auch bei anderen.

    Eine kluge Feststellung, die auch noch ein wenig aufgebohrt werden kann in dem Sinne, dass festgestellt wird, dass das Böse, beispielsweise in Form des Nationalen und strengen Internationalen Sozialismus oder in Form des sogenannten Islamismus, noch übertroffen wird durch die Toleranz des Bösen.
    Denn der genannte Verbrechertypus hat wenigstens noch klare Ziele und setzt um, der andere pflegt den Moralischen Relativismus (das Fachwort) und erwartet vom Mitbürger Leiden und Duldung.

    Dankenswerterweise haben sich zusammen mit der bundesdeutschen Mutti jetzt viele zu erkennen gegeben.

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