Keine rationale Debatte ohne Definitionen

Die aktuelle Debatte über das Verhältnis von Liberalismus und Konservatismus ist in dieser Form sinnlos. In Abwesenheit klarer Definitionen kann es keine rationale Debatte geben. Darum werde ich mich nicht mehr daran beteiligen.

Konservative Leser sagen mir, dass sie keineswegs politisch ins Privatleben der Menschen oder in die Wirtschaft eingreifen möchten. Sie haben lediglich „konservative Werte“ in ihrem alltäglichen Verhalten. Zum Beispiel finden sie es gut, wenn man pünktlich ist und auf gute Umgangsformen achtet. Offenbar zeichnen sich Linke und Liberale dadurch aus, dass sie stets unpünktlich sind und Menschen ins Gesicht spucken, statt ihnen die Hand zu schütteln.

Liberale Leser behaupten, dass sich der Liberalismus durch die Toleranz anderer Meinungen definiere. Andere moralische Auffassungen seien darum zu tolerieren, weil Moral beliebig ist und der subjektiven Willkür unterworfen. Wäre eine bestimmte moralische Auffassung korrekt, so dürfte man demnach keine anderen Auffassungen mehr tolerieren. Der Liberalismus selbst hat also keinen eigenen Inhalt, von blanker Willkür abgesehen. Er bedeutet lediglich die Toleranz von anderen Positionen.

Bei aller Toleranz würde es immerhin meine Nerven schonen, wenn der Staat jeden Bürger dazu zwingen würde, die Begriffe, die er in öffentlichen Debatten gebraucht, erst einmal zu definieren. 90 Prozent der Teilnehmer würden feststellen, dass sie eigentlich nicht wissen, wovon sie reden, und müssten nunmehr still sein oder es gibt sechs Jahre Zuchthaus. Der Rest könne eine Debatte auf einer rationalen Ebene führen, die vielleicht sogar zu irgendeinem Ergebnis gelangt.

Da allerdings niemand bereit ist, klar zu definieren, was seine politische Weltanschauung eigentlich beinhaltet, springe ich auf den Toleranzzug auf. Diskutiert, was ihr wollt, aber ohne mich. Es ist mir egal, ob sich jemand für einen Liberalen oder für einen Konservativen hält, wenn er sowieso nicht eindeutig sagen kann, was das überhaupt ist und wodurch es sich von anderen Perspektiven unterscheidet.

Ich bin ein Objektivist. Die Begriffe dieser Philosophie haben von A bis Z eine klare Definition, die man im Ayn Rand Lexicon nachlesen kann. Die Elemente des Systems bauen logisch aufeinander auf und beruhen letztlich auf Induktion, sind also aus den eindeutigen Tatsachen der Realität abgeleitet. Beliebiges Assoziieren und der Kampf gegen beliebiges Assoziieren treiben mich zu einem Nervenzusammenbruch. Wer meine Meinung zu einem Konzept wissen möchte, muss es von jetzt an definieren. Ansonsten schweige ich für immer und schaue mir lieber Disneyfilme an, als mich an irgendwelchen Debatten zu beteiligen. Jetzt verstehe ich, warum Ayn Rand im gehobenen Alter lieber Krimiserien und Gameshows konsumiert hat, als weiterhin Philosophie zu betreiben. Wozu auch, wenn die Bedeutung von klarem Denken für das menschliche Leben niemandem mehr einleuchtet?

Wenn ich es mir recht überlege: Ich arbeite lieber an meiner neuen Einführung in den Objektivismus für die GKPN, statt zu diskutieren. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

37 Kommentare zu “Keine rationale Debatte ohne Definitionen

  1. Missing Link sagt:

    Bernd sagt:
    Oha, klein Andreas ist wieder eingeschnappt, geht auf sein Zimmer und guckt Kinderfunk. 🙂
    Ich sag`s ja, die 68er müssen wieder her, die waren in Definitionsfragen Spitze.

    • Missing Link sagt:

      Bernd sagt:
      @Andreas Müller
      Und noch etwas zum Thema Definitionen: Ich beuge mich weder den Definitionen der sozialistischen Heilslehrer, noch der 68er Gesellschaftsumkrempler, noch der traumatisierten Ayn Rand. Gerade die „Definitionsakrobaten“ schaffen es immer wieder, aus A=A ein A=B, oder aus Stuhl=Stuhl ein Stuhl=Tisch zu machen und sich damit die Realität zurechtzubiegen.

      • Du klingst mehr und mehr wie ein Troll, mit Verlaub, Bernd. Wenn du zu jedem Beitrag von mir nichts anderes zu sagen hast als irgendeinen persönlichen Angriff in Verbindung mit unsinnigen Ausführungen, warum sollte ich mir das länger antun?

        Es geht hier nicht um Politik, sondern um Philosophie. Dort sind klare Definitionen eine Notwendigkeit. Und eigentlich nicht nur dort. Man sollte wissen, was man mit den Begriffen meint, die man in einer Diskussion gebraucht, wenn man kommunizieren möchte. Wenn man nicht kommunizieren möchte und diese Selbstverständlichkeit ernsthaft bezweifelt, so wie offenbar du, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn man nicht länger in Diskussionen willkommen ist.

        • Missing Link sagt:

          Bernd sagt:

          In dem von dir beantworteten Kommentar steckt kein einziger Angriff.

          „Es geht hier nicht um Politik, sondern um Philosophie.“
          Das stimmt nicht. Ausgangspunkt der Debatte war dein polemischer Beitrag „Der Konservativismus hat nichts mit dem Konservativismus zu tun“. Hier stellst du ab auf den Gesamtbegriff „Konservativismus“ und verweist dabei auf Wikipedia. Ich habe dabei noch kritisiert, daß du dich nicht auf den Teil „Konservativismus in Deutschland heute“ beschränkt hast.

          • Harold Harry Francis Callahan sagt:

            Bernd, sei mal ein wenig netter, es liegt hier eine liberale Inhaltseinheit des Webs vor und dort ist man halt tendenziell anderer Meinung als Du es bist.
            Du kannst hier kein ständiger Gegenredner werden, das wäre gegen die „Etiquette“, Du würdest ansonsten ja so eine Art Blog in Blog betreiben.

            MFG
            Harry (der Dich als verständigen Konservativen schätzt, den hiesigen Inhaltegeber generell auch sehr)

          • Missing Link sagt:

            Bernd sagt:
            Ich werde es mir zu Herzen nehmen und mich bessern. Meine Frau beklagt sich auch immer, daß ich zu wenig nett zu ihr bin, nur asozial hat sie mich noch nie genannt.

          • Harold Harry Francis Callahan sagt:

            Sehr gut, es gäbe sehr Viele, an denen es sich, nicht nur aus Deiner Sicht, günstiger abarbeiten ließe.
            Ist jetzt auch mengenmäßig, was die Gesamtanzahl der Kommentare betrifft, vielleicht ungünstig, ich selbst habe auch überlegt mal wieder die Schnauze zu halten.

          • Missing Link sagt:

            Bernd sagt:
            Ich will mich nicht abarbeiten. Für mich ist das „Gehirnjogging“, genauso, wie ich täglich 10 km jogge. In meinem Alter braucht man das.

    • Ernsthaft, was um alles in der Welt verleiht dich zu der Überzeugung, dass du regelmäßig persönliche Angriffe gegenüber dem Autor in den Kommentaren eines privaten Blogs schreiben kannst und damit dauerhaft durchkommst? Das ist ein asoziales Verhalten und du bist kein Konservativer, wenn du das machst, sondern irgendein Bahnhofspunk. Und du bekommst keinen Euro.

      • Missing Link sagt:

        Bernd sagt:

        Diese von dir angesprochene Überzeugung habe ich nicht.
        Du verwechselst Spott mit persönlichen Angriffen.
        „Ansonsten schweige ich für immer und schaue mir lieber Disneyfilme an,…“
        Solche Sätze fordern Spott geradezu heraus. Verhalte dich seriös, dann wird dir auch seriös geantwortet.

        • Bei Menschen, die in der Lage sind, Humor zu verstehen – und offenkundig war das eine humoristische Anmerkung – fordern humoristische Anmerkungen keinen Spott heraus. Es ist nicht „unseriös“, humoristische Anmerkungen zu machen. Wenn du das nicht verstehst, bist du hier am falschen Ort.

          • Im Übrigen ist es asozial, seine Diskussionspartner zu verspotten, auch wenn sie Spott herausfordern. Das ist so, als würde man mit der Lehrerin seines Sohnes reden, die ein unpassenden Blümchenkleid trägt. Dann zeigt man mit dem Finger auf das Kleid und lacht sie aus. Genau so bist du.

          • Missing Link sagt:

            Bernd sagt:
            Ahaa…,jetzt weiß ich es, es sind also Faschingsumzüge, Mohammed-Karikaturen, Nockerberg und natürlich alle Kabarettisten asozial. Man darf also niemanden „auf den Arm nehmen“, sonst wird man zum „Asi“. Nur Andreas Müller ist nicht asozial (Zitat von vor 6 Tagen: „Andere Menschen sind mir egal…“). Wahrscheinlich wird diese Haltung vom Objektivismus gedeckt.

          • In einer Diskussion mit anderen Menschen beleidigt oder verspottet man diese Menschen nicht. Ich würde mich auch nicht über Allah oder Mohammed lustig machen in einer persönlichen Diskussion mit einem Muslim. Ja, wer das nicht kapiert, ist asozial. Und andere Menschen sind mir nur in der Hinsicht egal, dass ich meine Werte, mein Leben, meine Karriere – und darum ging es – nicht an den Meinungen anderer orientiere. Andere Menschen, einige davon, sind für mich aber sehr wertvoll, weil sie etwas zu meinem Leben beitragen. Du hast eine Aussage von mir aus ihrem Kontext genommen. Ich bin nach wie vor einen kleinen Schritt davor, dich hier rauszuwerfen, also mache das ruhig noch einmal.

          • Missing Link sagt:

            Bernd sagt:

            Na, dann weitere Zitate:

            oben:
            „Bei aller Toleranz würde es immerhin meine Nerven schonen, wenn der Staat jeden Bürger dazu zwingen würde, die Begriffe, die er in öffentlichen Debatten gebraucht, erst einmal zu definieren. 90 Prozent der Teilnehmer würden feststellen, dass sie eigentlich nicht wissen, wovon sie reden, …“
            oder am 12. Januar:
            „Offenbar lassen sich die Leipziger ja gerne freiwillig von Terroristen in den Arsch ficken.“
            oder am 23. Dezember:

            „Mit einem muss ich Michael Schmidt-Salomon nach wie vor zustimmen: Es gibt keine große Verschwörung, auch keine “Systempresse”, sondern es gibt nur eine gigantische, weltumspannende Riesenblödheit.“

          • Harold Harry Francis Callahan sagt:

            Bernd, die (grob umrissene) Menge darf natürlich weitgehend schmerzfrei herabgesetzt werden, sie ist zudem auch nicht prozessfähig.
            >:->

            Bin hier selbst kürzlich editiert worden, was ich nicht so-o gut finde, Zensur wäre mir fast schon lieber, aber den n-lateralen persönlichen Umgang betreffend hat Herr Müller wohl schlicht recht.

          • Missing Link sagt:

            Bernd sagt:
            Harry, es geht hier nicht um eventuelle Straftatbestände, sondern ausschließlich um die Begriffe asozial, unseriös und respektlos. Dies drückt ein Verhalten aus, daß sich sowohl gegen Einzelpersonen, Gruppen oder ganz einfach gegen gesellschaftliche Normen richten kann.

          • Harold Harry Francis Callahan sagt:

            Bernd, für mich bist Du weder ‚asozial‘, noch ‚unseriös‘, noch ‚respektlos‘ („Respekt“, meint wörtlich das Zurückblicken, die Antike und das Altlateinische meinend, um sicherzustellen, dass der Ältere oder zumindest höher Gestellte seinen Weg findet – insgesamt liegt hier eine Metaphorik vor, die bewusst anzunehmen ist, „Respekt“ muss sich verdient werden), allerdings scheinst Du mir schon ein wenig rattig (eine Metaphorik liegt wiederum vor) zu sein.

            „Man stecken lassen“, bringt hier nüscht, wäre fehl am Platze,
            MFG
            Dr. W

          • Missing Link sagt:

            Bernd sagt:
            Harry, das ist tröstlich…;-)
            So, und jetzt verabschiede ich mich „sine ira et studio“ und danke allen.

          • Erst noch einmal ein Versuch, die Oberhand zu gewinnen, ethisch als der Überlegene dazustehen ohne jedwede Fehler einzugestehen, dann sich verabschieden. Exakt das, was ich von dir erwartet hatte.

            Bezüglich meiner Zitate:

            1. Ich denke nicht ernsthaft, dass der Staat irgendwen dazu zwingen sollte, Wörter zu definieren. Das war eine sarkastische Anmerkung. Da ich, wie du ja feststellst, häufiger ironische oder sarkastische Anmerkungen mache, wäre es in der Tat praktisch, wenn man sie als Leser auch verstehen könnte. In der Tat treibt es mich in die schiere Verzweiflung, dass du einige meiner offenkundig humoristischen Anmerkungen wörtlich verstanden hast.

            2. Damit wollte ich die Leipziger dazu aufraffen, sich bei der Stadtverwaltung zu beschweren. Das haben sie ja auch getan und jetzt ist die Aussage ungültig. Meine Ausdrucksweise war der Situation angemessen und hat den gewünschten Effekt erzeugt. Wir werden von einer totalitären Ideologie bedroht und da brauchen wir niemanden, der unsere Werte verrät – vor allem nicht in der Politik.

            3. U..a die weltumspannende Riesenblödheit drückt „ein Verhalten aus, dass sich gegen Gruppen / gesellschaftliche Normen richten kann“.

            Jetzt verwendest du als Konservativer die Gutmenschenmethode, also die Methode totalitärer Polizeistaaten, Kritik und Meinungen zu unterbinden, indem du an den Zusammenhalt, Normen, die Gefühle von Gruppen appellierst.

          • Harold Harry Francis Callahan sagt:

            Einfach mal absteifen, Du bist letztlich nur eine Dullität, wie die meisten anderen auch.
            Demut ist der erste und beste Schritt um Größe zu gewinnen.

            MFG
            Harry

          • Ich sehe jetzt nicht die Verbindung zwischen einer angeblichen Notwendigkeit für mich, Demut zu zeigen, und Bernds Verhalten. Ich hätte auch eingelenkt, wenn er einmal eingelenkt hätte. Hat er aber nicht. Und dieser Blog hat sich mehrmals eher als Belastung herausgestellt, denn als Gewinn.

          • Harold Harry Francis Callahan sagt:

            War jetzt eher Nervsprech (das Fachwort), um zurückgenervt zu haben. Ein bisschen Spaß muss sein.
            Du als originärer Denker und als einer der Zwölf, die ich im Web ganz besonders schätze und die für mich gelegentlich erreichbar sind, warst natürlich nicht gemeint.
            War halt schräger Humor,
            Harry (der die Verlautbarung per WebLog schon ganz OK findet und sinnhaft)

  2. Harold Harry Francis Callahan sagt:

    (…) 90 Prozent der Teilnehmer würden feststellen (…)

    „99 Prozent +“ gingen auch?

    Lassen Sie sich bitte nicht stören, einfach nicht reagieren, wenn im Sekundärbereich dieses hervorragenden WebLogs sozusagen niederrangige Nachrichten auftauchen. [1]

    MFG + vielen Dank für Ihre Arbeit,
    Harry

    [1] auf besonderen Wunsch genügt eine E-Mail, um den Schreiber dieser Zeilen abzustellen

  3. tst sagt:

    Ist es denn in den Naturwissenschaften so, dass alle Begriffe akribisch bis aufs Detail definiert werden?
    Wenn nicht, sind diese Wissenschaften dann in ihrer Diskussion irrational oder ist die Aussage, man bracht unbedingt eine Definition vielleicht zu verallgemeinert?

    Wenn alle beteiligten wissen, worum es geht, dann braucht man keien Definition. Leider werden politische Begriffe vom politischen Gegner gern umgedeutet. Zum Beispiel wenn ein Grüner behauptet, die „Bewahrung der Natur“ sei für ihn heute der echte Konservativismus, dann zeigt das an, dass der Begriff bewusst anders benutzt wird.

    Objektiv wäre wahrscheinlich: Man fragt eine Gruppe von Individuen, die sich selbst als „Konservativ“ einschätzen (oder per Test als solche bewiesen werden), wie sie bestimmte Themen beurteilen. Damit hätte man eine brauchbare Definition des heutigen Konservativen Standpunktes.

    • Begriffe sollten klar definiert werden, wenn man klares Wissen erwerben will. Definitionen benennen die essenziellen Merkmale des Bezeichneten. Man erwirbt kein klares Wissen, indem man irgendwelche Leute auf der Straße fragt, was sie unter einem Begriff verstehen.

    • Enrico Huettig sagt:

      Hallo tst,

      „Ist es denn in den Naturwissenschaften so, dass alle Begriffe akribisch bis aufs Detail definiert werden?“

      Ja, es wird alles genau definiert (ich bin Physiker). Andernfalls wäre es nicht möglich, dass sich zwei Wissenschaftler über ein Thema unterhalten könnten. Wenn einer davon ausgeht, dass z.B. die Gravitationskonstante 9,81 m/s*s ist und der andere meint, sie beträgt 4,74 kg*m, dann würden sie bei Berechnungen und Experimenten niemals die gleichen Ergebnisse bekommen und es wäre aufbauend auf dieser Diskrepanz kein weiterer Erkenntnisgewinn möglich.

      „Wenn alle beteiligten wissen, worum es geht, dann braucht man keien Definition.“

      Aber genau dieses „wissen, worum es geht“ benötigt eine möglichst genaue Beschreibung. Wenn z.B. Fr. Wagenknecht von Gerechtigkeit erzählt, dann hat sie garantiert eine andere Vorstellung oder im besten Fall eine andere Definition davon als ich. Sie und ich könnten dann behauten, es geht uns um Gerechtigkeit, aber es ist nur noch ein hohler Begriff, der für jeden eine andere Bedeutung hat.

      „Leider werden politische Begriffe vom politischen Gegner gern umgedeutet.“

      Deswegen sollte man auf Definitionen bestehen und, um bei meinem Beispiel zu bleiben, Fr. Wagenknecht dazu bringen, ihre Definition von Gerechtigkeit darzulegen.

      „Objektiv wäre wahrscheinlich: Man fragt eine Gruppe von Individuen, die sich selbst als „Konservativ“ einschätzen (oder per Test als solche bewiesen werden), wie sie bestimmte Themen beurteilen. Damit hätte man eine brauchbare Definition des heutigen Konservativen Standpunktes.“

      Das ist ein interessanter Versuch, aber er enthält einen Zirkelschluss. Wenn Du Menschen befragst, die per Test als konservativ identifiziert wurden, dann hast Du bereits eine Definition des Begriffes. Den benötigst Du ja für den Test. Du würdest diese Definition also nur bestätigen, weil Du die Personengruppe für die Befragung schon passend ausgewählt hast.

      Wenn Du andererseits Menschen befragst, die sich selbst als konservativ einschätzen, dann erhält Du den Durchschnitt von mehreren subjektiven Meinungen. Die ist aber dadurch, dass man den Durchschnitt nimmt, nicht automatisch objektiv.

      Viele Grüße,
      Enrico

      • Harold Harry Francis Callahan sagt:

        Man muss vor allem („bestens definierte“) Ideen dem gemeinen Diskurs zuführen, es ist nicht gut Gruppen dahingehend zu bearbeiten, wie sie Begrifflichkeiten meinen, irgendwie und „im Durchschnitt“ meinen.
        Demzufolge sind bspw. auch Aussagen wie ‚Islam ist das, was die Muslime daraus machen.‘ blöde.
        Oder im linguistischen Bereich diejenigen, die meinen die Sprachlichkeit am Verstehen der Menge festmachen zu können.

        Korrekt bleibt natürlich, dass im Geisteswissenschaftlichen und im Politischen Begriffe nur näherungsweise, ausschnittsartig und an die Interessen der Beteiligten gebunden erfasst und definiert werden können.
        Insofern wäre im Geisteswissenschaftlichen von einem nie endenden Gerühre auszugehen.

        MFG
        Harry

      • Missing Link sagt:

        Bernd sagt:
        Kurze Anmerkung

        „Deswegen sollte man auf Definitionen bestehen und, um bei meinem Beispiel zu bleiben, Fr. Wagenknecht dazu bringen, ihre Definition von Gerechtigkeit darzulegen.“
        Das ist realitätsfremd. Fr. Wagenknecht ist von ihrer politischen Herkunft her eine Meisterin im Umdeuten von Begriffen und sie benutzt eine Fülle von Begriffen. Wenn sie die alle definieren würde, wäre die Diskussionszeit abgelaufen. Außerdem könnte sie die Begriffe morgen schon wieder anders definieren. Nein, eine Diskussion unter Menschen, gerade mit unterschiedlichen Bildungsstufen, funktioniert nur, wenn alle unter einem Begriff das Gleiche verstehen, und das ist die Bedeutung „im allgemeinen Sprachgebrauch“. Wer klammheimlich etwas anderes meint, der betrügt.

        • Enrico Huettig sagt:

          Hallo Bernd,

          wenn Du magst würde ich die Theorie aus meinem vorherigen Kommentar gerne in die Praxis umsetzen. Also: könntest Du bitte definieren, was Du unter „im allgemeinen Sprachgebrauch“ verstehst? 🙂

          Viele Grüße,
          Enrico

          • Missing Link sagt:

            Bernd sagt:
            Holla Enrico, 😉
            Es ist nicht meine Aufgabe, diesen Begriff individuell zu definieren, ich bin nicht Pippi Langstrumpf.
            Du kannst die Definition hier nachlesen.

            http://de.wikipedia.org/wiki/Sprachgebrauch

            Viele Grüße zurück,
            Bernd.

          • Enrico Huettig sagt:

            Hallo Bernd,

            jetzt haben wir also Dank Wikipedia eine Definition, auf die wir uns einigen können. Und anhand dieser könnte man herauszufinden, ob Deine Aussage >>eine Diskussion unter Menschen, gerade mit unterschiedlichen Bildungsstufen, funktioniert nur, wenn alle unter einem Begriff das Gleiche verstehen, und das ist die Bedeutung „im allgemeinen Sprachgebrauch“.<< korrekt ist. Wir können Begriffe des allgemeinen Sprachgebrauchs erkennen und z.B. durch Befragung von Menschen unterschiedlicher Bildung feststellen, ob sie für diese auch die gleiche Bedeutung haben. Nun ist Erkenntnisgewinn also wieder möglich.

            Grüße,
            Enrico

        • Harold Harry Francis Callahan sagt:

          Nein, eine Diskussion unter Menschen, gerade mit unterschiedlichen Bildungsstufen, funktioniert nur, wenn alle unter einem Begriff das Gleiche verstehen, und das ist die Bedeutung „im allgemeinen Sprachgebrauch“.

          Hmm, glaubst Du dran?

          Begriffe, Griffe, meinen ja grob Referenziertes, im akademischen Bereich ist es nicht unüblich, wenn Debattierende erst einmal Begriffe abklären, was idR nicht durch umfängliche Erklärung geschieht, sondern durch den Verweis.

          So in etwa wie auch der von Dir beigebrachte Verweis weiter unten, verweispflichtig sozusagen bleibt der Debattierende aber.

          Harry

      • So ist es und ich würde noch ergänzen: Die Probleme im ethischen und politischen Bereich haben viel damit zu tun, dass hier oftmals keine klaren Definitionen gebraucht werden wie in den Naturwissenschaften, obwohl ebenso eine faktische, logische Welt beschrieben wird.

  4. Jana sagt:

    Nachdem die Gemüter sich beruhigt haben, werfe ich einen weiteren Handschuh:

    Dass
    Begriffe definiert werden müssen, bevor man über sie diskutiert, ist
    das eine. (Ich hab noch nicht ganz verstanden, was Bernd dazu sagt bzw.
    an welchem Punkt er hier widerspricht. Es bin bei Andreas &
    Disneyfilmen ausgestiegen.)

    Selbst wenn die Begriffe also
    definiert sind: Mir scheint das Problem dann darin zu liegen, wie die
    Gesprächspartner meinen, den Begriff zu operationalisieren, also messbar
    zu machen. Hat man sich einmal auf eine Definition („Gerechtigkeit“,
    „Wohlstand“, „Rechtsstaat“, „Nazi“, „Bio-Gemüse“, „Helikopter-Eltern“,
    ..) geeinigt, passiert es, dass dennoch Gräben entstehen.

    Nicht, weil endlich Argumente getauscht werden. Sondern weil ganz unterschiedliche Operationalisierungen herhalten:
    „Ich bin kein Nazi, aber die Wirtschaftsflüchtlinge müssen raus.“ „Bist also doch Nazi.“ „Nein.“ „Doch.“
    „Gerechtigkeit ja – Leistung für Leistung!“ „Aber das ist nicht gerecht.“ „Nein.“ „Doch.“
    „Echt Bio von freilaufenden Hühnern“ „Ach so? Freilaufend ist also Bio?“ „Ja.“ „Nee.“
    „Das BIP stagniert: Der Wohlstand ist in Gefahr!“ „Seh ich nich so.“ „Doch.“ „Nee.“
    (Sind nur Beispiele zur Veranschaulichung.)

    • Harold Harry Francis Callahan sagt:

      Begriffe meinen letztlich oft Konzepte und diese sind in der Naturwissenschaft oft recht gut zu bemessen, wobei es hoch komplexe Systeme betreffend, die einst als generell unverständlich galten, bspw. das terrestrische Klima meinend, Grenzen gab, die nun überschritten werden konnten, interdisziplinär, wobei dann auch Geisteswissenschaftler halfen oder „halfen“.
      >:->

      Die Geisteswissenschaft dagegen hat ein nie enden währendes Gerühre zu bleiben.
      Es gibt dort Leutz und Ideen(mengen), die regelmäßig mehr Recht bekommen und andere, die weniger Recht bekommen.
      Empirisch betrachtet.
      Geisteswissenschaftlich kann vielleicht, aber nur vielleicht, festgestellt werden, dass es gut ist, wenn das Gesamtvorhaben exoterisch bleibt, wenn alle mitreden können dürfen.
      War dies nicht der Fall, kam es regelmäßig zu Verbrechen.

      HTH
      Harry

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