Der Fluch der Ironie

Erfahrungsgemäß gibt es eine ganze Menge Leute, die meinen Humor nicht verstehen. Was ich für offensichtliche Ironie oder eindeutigen Sarkasmus halte, nehmen manche Leser wörtlich. Von daher ein paar Klarstellungen.

1. Gelegentlich schreibe ich, dass der Staat irgendetwas, das mich gerade stört, verbieten sollte und Leute ins Gefängnis oder ins Zuchthaus werfen soll, wenn sie dagegen verstoßen. Das kann eine schlecht schmeckende Sahnetorte sein, auf die eine hohe Geldstrafe wegen Bruchs des Gleichstellungsparagrafen stehen soll (alle Torten haben gleich gut zu schmecken) oder ein unübersichtlicher Bibliothekskatalog, der eine Razzia durch ein Sondereinsatzkommando erfordert, weil gegen höchste Beamtengrundsätze verstoßen wurde. Kürzlich meinte ich, dass auf die Weigerung, seine Begriffe in einer Diskussion zu definieren, sechs Jahre Zuchthaus stehen sollten. Mindestens ein Leser glaubt, ich hätte das ernst gemeint.

Die Tatsache, dass irgendjemand glaubt, ich würde solche absurden Forderungen ernst meinen können, treibt mich in die Verzweiflung. Wenn jemand glauben kann, dass so eine Forderung ernst gemeint ist, dann bedeutet es wohl, dass ähnliche, etwas weniger gravierende Forderungen in unserer Gesellschaft wirklich ernst gemeint sein könnten. Das ist in unserem Verbotsstaat wohl auch so. Und daher meine satirischen Kommentare. Dennoch sollte es möglich sein, vor allem, wenn man meinen weltanschaulichen Hintergrund kennt, der im Philosophiebereich in aller Ausführlichkeit beschrieben wird, wie ich Aussagen jeweils meine. In der Tat ist es unmöglich, die Intention nicht zu verstehen, wenn ein Libertärer willkürliche Verbote und lange Haftstrafen für irgendwelche beliebigen Dinge fordert.

2. Aussagen von mir – oder irgendwem – sind nicht unabhängig von ihrem Kontext zu verstehen. Wenn ich Leipzig eine „Verräterstadt“ nenne und damit das Verbot von Mohammedkarikaturen auf Demonstrationen in der Stadt seitens des Ordnungsamtes meine – und das auch klar schreibe – dann kann man nicht behaupten, ich hätte irgendeine Hetze gegen eine Menschengruppe wie die Leipziger betrieben. Dümmer geht es eigentlich nicht mehr. Natürlich sind „die Leipziger“ keine Verräter – erst recht, wo sie ihr Ordnungsamt unter Druck gesetzt haben, die Karikaturen doch zu erlauben. Ohnehin war nicht gemeint, was man sich ja wohl denken kann, dass alle Leipziger dafür verantwortlich wären, was ihr Ordnungsamt macht. So ein Quatsch. Und so viel Wohlwollen sollte man allerdings aufbringen, mir nichts Derartiges zu unterstellen.

3. Mein Zitat von Michael Schmidt-Salomon, laut der es eine „weltumspannende Riesenblödheit“ gäbe, soll Hass gegen eine Menschengruppe – nämlich die Menschheit – ausdrücken. Ich denke, dass Menschen viel Potenzial haben, dass sie in der Lage sind, ihre Vernunft zu gebrauchen. Wie gerade das Beispiel dieses abgefahrenen, durchgedrehten und doch so zeitgemäßen Vorwurfs zeigt, tun sie es aber darum noch lange nicht.

4. Meine konservativen Kritiker sind noch immer ziemlich angefressen. Ich sehe das eigentlich alles ganz locker. Ich lese seit Jahren auch Bücher von konservativen Autoren wie Theodore Dalrymple und Roger Scruton. Es steckt viel Weisheit darin. Darum muss ich noch lange nicht allem zustimmen, was diese Autoren – und erst recht, was schlechtere Autoren – sagen. Und das ist zu akzeptieren. Man muss ja meinen Einwänden wiederum nicht zustimmen.

5. Manchmal gebrauche ich im Fazit oder an überraschender Stelle eingestreut eine heftige Ausdrucksweise mit humoristischer Intention. Das muss man nicht gut finden, aber für mich ist das ein gezielt eingesetztes Stilmittel und kein Ergebnis von ständigen Tobsuchtsanfällen. Das passt ja auch zu meinem Pseudonym „Feuerbringer“, der Feuer in die Debatten bringen will – mit klaren Positionen und Ansagen.

Grundsätzlich sollte man Artikel, egal von wem, mit Wohlwollen lesen. Wenn zum Beispiel ein Politiker schreibt, dass er „Kinder mag“, dann unterstellt man ihm nicht, dass er Kinder vergewaltigt. Wenn ein Unternehmer schreibt, er habe eine Spende für seine Stiftung erhalten, dann unterstellt man ihm nicht, dass er Steuern hinterzieht. Wenn ein Grundschüler ein Bild von einer Melone malt, die wie eine Bombe aussieht, dann schickt man ihm nicht zum Schulpsychologen, weil man glaubt, er wäre ein potenzieller Terrorist. Eine entsprechende Haltung hat auch gegenüber meinen Artikeln zu gelten. Man unterlasse nunmehr die paranoide Spinnerei. Ein böswilliger Verfolgungswahn ist typisch für Gesellschaften auf dem Weg zum Totalitarismus.

Ein Kommentar zu “Der Fluch der Ironie

  1. Harold Harry Francis Callahan sagt:

    Icke hab’s jedenfalls verstanden, also das, was die Ironie, den Sarkasmus, die Glosse, die Satire, die Polemik, die Übertreibung und welche Stilmittel oder welche Textformen auch immer betrifft.
    MFG + weiterhin viel Erfolg,
    Harry

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