Eines der Wunder Allahs?

Die Hadith über Mohammed berichtet von einem großen Wunder. Ich weiß nicht, worin es besteht, aber vielleicht findet ihr es heraus.

Mohammeds Lieblingsfrau Aischa berichtet von einer ehemaligen Sklavin eines arabischen Stammes. Sie war inzwischen Muslima und schlief in einem Zelt in der Moschee von Mohammeds Stamm. Diese Ex-Sklavin erzählte Aischa von einem Wunder:

Ein Mädchen aus dem arabischen Stamm besaß einen „roten, schön verzierten, ledernen Gürtel“. Diesen ließ sie versehentlich irgendwo liegen. Eine Weihe flog vorüber, hielt den Gürtel für ein Stück Fleisch, hob ihn auf und flog mit ihm davon. Die Leute suchten nach dem Gürtel und konnten ihn nicht finden. Sie verdächtigten die junge Sklavin, den Gürtel gestohlen zu haben. „Sie durchsuchten mich, ja, sie betrachteten sogar meine Scham!“ Da ließ der Vogel den Gürtel zwischen den Menschen auf den Boden fallen. Die Frau freute sich und wies die Leute auf ihren falschen Verdacht hin. Sie konvertierte später zum Islam.

Aischa erzählte ferner, dass die ehemalige Sklavin oft zu ihr kam, um mit ihr zu reden. „Und jedesmal, wenn sie sich zu mir setzte, sagte sie: ‚Der Tag des Gürtels war eines der Wunder unseres Herrn! Wirklich, damit errettete er mich aus der Stätte des Unglaubens!'“

Quelle: Al-Buhari: Die Sammlung der Hadithe. Ausgewählt, aus dem Arabischen übersetzt und herausgegeben von Dieter Ferchl. Reclam 2013.

Was ist das Wunder? Ein Vogel hebt einen roten Gürtel auf, weil er ihn für ein Stück Fleisch hält, bemerkt seinen Irrtum und lässt ihn fallen. Vermutlich besteht das Wunder darin, dass er den Gürtel direkt in die Menge fallen ließ, welche die Frau verdächtigte. So hörten die Leute des arabischen Stamm endlich auf, die Scham der Frau zu begutachten, ob sich ein Gürtel darin verbirgt. Auf jeden Fall klingt das nach einem sehr guten Grund, dem Islam beizutreten: Muslime schauen vielleicht nicht an den seltsamsten Orten nach, ob dort ein Gürtel versteckt ist. Wer weiß. Einen Versuch ist es jedenfalls wert.

Im Grunde gibt es keine Verbindung zwischen dem Gott der Muslime und der Geschichte über den Gürtel. Warum sollte Allah irgendetwas damit zu tun haben, dass der Vogel den Gürtel fallen ließ? Es geht im Hadith um eine Sklavin eines arabischen, nicht-muslimischen Stammes. Sie wurde falsch verdächtigt, einen Diebstahl begangen zu haben. Dann stellte sich heraus, dass sie unschuldig war. Ende. Wo kommt nun Allah ins Spiel? Hätte sie noch nie von Allah gehört, hätte sich diese Geschichte ebenso zugetragen.

Aus irgendeinem Grund muss die Ex-Sklavin auf die Idee gekommen sein, Allah – den Gott manch anderer arabischer Stämme – für die Taten des Vogels verantwortlich zu machen. Da die Muslime ebenfalls Sklaven nahmen, trat sie vielleicht dem Islam bei, um nach ihrer Freilassung durch den arabischen Stamm nicht auch noch von den Muslimen versklavt zu werden. Sie konnte dann als Muslima bei Mohammed und seiner Frau leben, ohne an peinlichen Stellen inspiziert zu werden.

Ein „Wunder“ sollte wenigstens übernatürliche Aspekte haben. Etwas, das sich genauso natürlich erklären lässt, ist ein ziemlich billiges Wunder. Zudem gibt es nicht einmal einen Grund, einen bestimmten Gott mit dem Wunder in Verbindung zu bringen.

Ja, die Bekehrungsgeschichte der Ex-Sklavin überzeugt mich nicht. Ich habe bestimmt länger darüber nachgedacht als die meisten islamischen Schriftgelehrten.

13 Kommentare zu “Eines der Wunder Allahs?

  1. Nathan Warszawski sagt:

    Das Wunder besteht darin, dass die Sklavin nach dem „Wunder“ und der Genitalinspizierung zum Islam übertrat statt zu kotzen.

    • Harold Harry Francis Callahan sagt:

      Wenn ‚Kotzen‘ tödlich wäre, würde nicht mehr so viel gekotzt werden.

      Zudem soll es geschlechterspezifisch unterschiedliches Kooperationsverhalten geben, die BRD bspw. scheint Ihrem Kommentatorenkollegen schon recht weit (infantilisiert und) feminisiert.

  2. Martin sagt:

    Hmmm… ich würde es auch eher verstehen, wenn denn die Dame schon Muslima gewesen wäre. Wo Gott alles ist, ist natürlich auch alles ein Wunder.
    Das die Sonne jeden Morgen wieder aufgeht, wenn jemand sich den Fuß an einem Stein stößt, wenn jemand sich den Fuß nicht an einem Stein stößt, wenn der Stein mit den Kleidern eines Propheten wegrennt oder auch nicht usw. usf. .

    Irgendwie scheinen mir die „muslimischen Wunder“ aber auch arg unspektakulär. Da gehört ein bischen mehr Pep rein.

  3. sba sagt:

    Psychologie, schätze ich mal. Wenn man sich philosophisch nicht so auskennt und einmal durch einen komischen Zufall (dass dieser Zufall komisch war, muss man zugeben) aus einer sehr unangenehmen bis gefährlichen Situation heraus gekommen ist und Jahre später erzählt einem jemand von einer alle Aspekte der Wirklichkeit kontrollierenden Macht: Sie wird den Vorfall entsprechend gedeutet haben. Erinnert ein bisschen an die Geschichten, die christliche Konvertiten manchmal erzählen.

    • Martin sagt:

      Das stimmt allerdings. Meine Ex ist noch von der Schule her mit einer evangelikalen Christin befreundet. Um die Weihnachtszeit rum hat die sie mit in ein Klavierkonzert geschleppt, was sich dann aber doch als evangelisierende Veranstaltung entpuppte (mit Klavierbegleitung… ) Im Zuge derer trat wohl auch eine Dame auf, die mittlerweile >30 war und es für ein Wunder hielt, das sie wieder tanzen konnte, obwohl sie mit 15 durch einen Unfall die Zehen an einem Fuß verloren hatte.
      Tjo. Echt ein Wunder, das man so in >10 Jahren lernen kann, auch ohne Zehen zu tanzen. Ich kann irgendwie absolut nicht nachvollziehen, was in dem Gehirn vorgeht.

      • Das sind einfache Leute. Ich denke, man kann sie besser verstehen, wenn man zum Beispiel die Hadithe liest. Die sind für ganz einfache Leute geschrieben, da bekommt man etwas von deren Gedankenwelt mit. Lies sie und denke dir dabei: „Es gibt Menschen, die sich von so etwas angesprochen fühlen und die das überzeugt.“ Oder du kannst mal selbst bei irgendeinem christlichen religiösen Event vorbeischauen. Es gibt wirklich einen unheimlichen Graben zwischen einfachen Leuten und Akademikern, Freidenkern und dergleichen. Ich weiß nicht, wie ich es sonst ausdrücken soll. Wir leben in einer anderen Dimension.

        Ein Religionswissenschaftler, den ich kenne, hat es einmal so ausgedrückt: „Was die sich dabei denken, das ist die ganz falsche Frage! Es geht nicht um Denken, da ist der Forschungsstand eindeutig. Es geht um ein Gemeinschaftsgefühl, überhaupt um Gefühle. Die meisten Menschen sind nicht wie ihr. Das sind keine Philosophen.“

        Damit meine ich jetzt natürlich nicht Sebastian und Nathan, die einen philosophischen Zugang zu ihrem Glauben haben.

        • Martin sagt:

          Hmmm.Vermutlich ist da schon was dran, aber Bianca, die evangelikale Freundin, kenne ich auch ganz gut. Sie hat Abi, hat studiert und ist seit > 10 Jahren selbstständige Übersetzerin für Fachliteratur und Dokumentationen, vor allem im Bereich Bauwesen und Architektur in spanisch und englisch. Intelligent genug ist sie, allerdings in vielen alltäglichen Sachen etwas, mir fällt kein anderes Wort ein, unbeholfen, unpraktisch und „unlogisch“.
          Aber ein wirklich schlichtes Gemüt ist sie eigentlich nicht.
          Da überschreibt allerdings wohl auch das „wollen, das etwas so sein soll“ sehr oft das „beobachten, wie etwas ist“. Zum Wollen unpassende Details werden einfach komplett ausgefiltert.

          • Ich meine ja nicht, dass alle Evangelikalen schlichte Gemüter sind. Im Gegenteil gibt es evangelikale Philosophen, die sehr gebildet sind und auf sehr hoher Ebene den totalen Unsinn verteidigen.

        • Harold Harry Francis Callahan sagt:

          Es gibt wirklich einen unheimlichen Graben zwischen einfachen Leuten und Akademikern, Freidenkern und dergleichen.

          Elitismus detected.

          Der Unterschied zwischen den einfachen Leutz und denjenigen der Elite besteht, wenn mit Problemlagen wie dem Islam konfrontiert, aus Sicht des Schreibers dieser Zeilen hauptsächlich darin, dass gegenrednerisches Verhalten „einfacher“ Leute nicht (mehr) publikationsfähig ist und unterdrückt wird.

          In politischen Fragen dieser Art muss das „einfache“ Volk nicht anders dastehen als die Elite, auch sogenannte Intellektuelle meinend, womöglich steht es sogar besser da.
          Darf aber die Schnauze wegen bestimmter sozialdynamischer Zensur (die „Politische Richtigkeit“ ist und bleibt gemeint) und wegen der ganz realen Möglichkeit der strafrechtlichen Bearbeitung, zumindest in der BRD, nicht mehr unbesorgt aufmachen.

          • Manches von dem, was das selbsternannte „einfache Volk“ so von sich gibt, ist auch nicht publikationsfähig. Wenn ein „Vertreter des einfachen Volks“ darüber schreibt, dass die Juden noch immer zu viel Macht in Deutschland hätten oder man doch mal die Schwulen aufhängen sollte, dann würde ich das auch nicht publizieren. Man sollte schon abweichende Positionen, für die rational argumentiert wird, publizieren – aber keine stumpfe Hetze.

          • Harold Harry Francis Callahan sagt:

            (…) dass die Juden noch immer zu viel Macht in Deutschland hätten oder man doch mal die Schwulen aufhängen sollte (…)

            Dieser „kleine“ Vergleich spricht leider zuvörderst über Dich.
            Wichtich sind halt die Begrenzungen der Freiheit der Meinungsäußerung.

            Juden und deren Einfluss nicht gut zu finden [1] [2], muss gehen.

            MFG
            Harry

            [1] Geht ja auch im Linken, Jakob und seine Antizionisten oder „Antizionisten“ betreffend.
            [2] ‚Schwule aufhängen‘ wäre ein Gewaltaufruf, der neben anderen Aufrufen in aufklärerischen Systemen zu kriminalisieren ist.

            PS:
            Was ist ‚Hetze‘?

          • Was soll das heißen, „muss gehen“? Wo gehen? Was soll das heißen, „Meinungsfreiheit“? Ist jeder frei, die Kommentarspalten von Zeitungen mit so einem Müll zu füllen? Wohl nicht. Die Eigentümer der Zeitungen bestimmen letztlich darüber. Kann er solchen Müll selbst irgendwo auf seinem eigenen Blog schreiben – schon eher.

          • Warum spricht dieser Vergleich über mich? Und was für ein Vergleich? Vergleich von was mit was?

            Schließlich: Wann immer ich darauf hinweise, dass es ethisch falsch ist, Leute zu beleidigen und zu hetzen, scheinst du zu relativieren, nachzuhaken, zu widersprechen. Was soll das bedeuten? Ist es etwa moralisch in Ordnung, Leute zu beleidigen? Da müsste man eben zwischen Politik und Ethik unterscheiden. Nicht alles, was ethisch falsch ist, sollte illegal sein. Aber es ist ethisch falsch. Was nun anzuerkennen ist oder das Gegenteil wäre zu begründen.

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