Die kleinen Leute

Diese kleinen Leute sind mir sympathischer als solche, die sich selbst dafür halten (Bild: morguefile.com, Lizenz: M)

Diese kleinen Leute sind mir sympathischer als solche, die sich selbst dafür halten (Bild: morguefile.com, Lizenz: M)

„Immerhin zeigen sie Gesicht und klopfen denen in Berlin mal auf die Finger, während unsereins nur auf der Couch vor sich hin schimpft.“

So eine Kommentatorin auf Facebook über Pegida. Ähnliche Kommentare füllen die Kommentarspalten der Zeitungen.

Wenn ich eines unerträglich finde auf der Welt, dann die Verwechslung von Stimmungen mit Argumenten, von Gefühlen mit berechtigten Anliegen. Wovon redet ihr eigentlich? Welche Politiker konkret? Was genau machen sie falsch? Wie genau lauten die Verbesserungsvorschläge? Wie werden sie begründet? Warum gibt es gute Politiker nicht? Wenn es sie gibt: Warum wählt ihr sie nicht? Wenn ihr sie wählt: Warum glaubt ihr, dass das Mehrheitswahlrecht nur solange gilt, wie ihr in der Mehrheit seid?

Vor allem frage ich mich, wie irgendwer auf die Idee kommt, sich selbst zu irgendwelchen „kleinen Leuten“ zu zählen. In einer arbeitsteiligen, freien Gesellschaft gibt es keine kleinen Leute, sondern jeder leistet seinen wichtigen Beitrag. Es kann nicht nur Manager geben, es kann nicht nur Bäcker geben. Jeder lebt für sich selbst und nutzt die Fähigkeiten, die er hat. Die Politik dient zum Schutz unserer Rechte und Freiheiten – zur Erhaltung der freien Gesellschaft, in der jeder seinen eigenen Weg gehen kann. Wenn jemand glaubt, er wäre klein, dann macht er sich nur selbst klein. Vielleicht ist das sogar eine Motivation, seine Talente ungenutzt zu lassen. Er ist ja nur ein „kleiner“ Mensch. Was kann er schon ausrichten?

„Die da oben“ habt ihr selbst gewählt. Aber wie schlimm sie auch sein mögen, sie sind immer noch besser als der selbsternannte „kleine Mann“. Die Faschisten und die Kommunisten haben beide erfolgreich den „kleinen Mann“ umworben, ihm immer mehr Geschenke gemacht. Freie Mieten, eine Beteiligung an der Beute von den Feldzügen der Nazis, von der Enteignung der Juden, freie Bildung, am Ende freie Essensrationen und dann gar nichts mehr, weil alles vom kleinen Mann aufgebraucht war und weil sich niemand mehr bestehlen ließ. Noch immer wird die Partei gewählt, die den Leuten „Geschenke“ macht, ob spätere Renten, Mindestlöhne, was auch immer. Wer jemanden wählt, der ihm im Gegenzug Geschenke macht – das Eigentum seiner Mitbürger – , hat nichts verstanden. Wer will, dass Deutschland „wieder deutsch“ ist, erst recht nicht. Wenn man etwas Vernünftiges an der Asylpolitik kritisieren kann, und da habe ich keinen Zweifel, so wird man es nicht von Pegida, von „kleinen Leuten“ und vom „Volk“ erfahren.

Ich habe gelegentlich etwas gegen die „politische Korrektheit“ geschrieben, weil sie als Zensurinstrumentarium missbraucht werden kann. Seitdem habe ich von Leuten gehört, die sie darum ablehnen, weil sie endlich wieder Schwule beleidigen wollen, ohne schief angeschaut zu werden, weil sie endlich wieder ihre Ressentiments gegen Ausländer und Juden ausdrücken möchten. Und die Idee, dass es in Ordnung wäre, Menschen zu beleidigen, was diese unselige „politische Korrektheit“ ja leider ganz unmöglich macht. Leute, die gegen den „Mainstream“ argumentieren und damit irgendeine Verschwörung von anonymen Kräften gegen „das Volk“ meinen.

Die selbsternannten „kleinen Leute“ interessieren mich nicht. Mich interessieren die großen Menschen mit klugen Ideen. „Durchschnittsmenschen“ kümmern mich nicht. Wer von sich selbst behauptet, „Durchschnitt“ zu sein, der verlangt danach, ignoriert zu werden. Gut, dass Pegida nicht mit der Presse redet und somit nicht mit der Öffentlichkeit. Dann bleiben uns die Auslassungen „kleiner Leute“ erspart. Sollen sie spazieren gehen und schweigen. Sie haben sowieso nichts zu sagen. Und hoffentlich weiterhin nichts zu melden, bis sie sich an einer rationalen Debatte auf vernünftige Weise beteiligen. Lügenvolk.

3 Kommentare zu “Die kleinen Leute

  1. Harold Harry Francis Callahan sagt:

    Warum gibt es gute Politiker nicht? Wenn es sie gibt: Warum wählt ihr sie nicht?

    Weil sie medial zerstört werden, sobald sie sich den Standardmedien [1] gegenüber öffnen, Bachmann und Oertl hätten demzufolge keine dbzgl. Interviews geben sollen, wie Kollege Lichtschlag korrekt erkannt hat:

    -> http://ef-magazin.de/2015/01/30/6326-pegida-jeder-einknickser-ist-der-anfang-vom-ende

    Die Aufklärung ist exoterisch, setzt auf die Menge, setzt jedwede Meinung dem Wettbewerb aus, Elitismus und Esoterik sind das Gegenteil davon.

    MFG
    Dr. W

    [1] Es gibt und gab hier seit einigen Jahren einen beträchtlichen Rückgang das Werbegeschäft und den sog. Endkunden betreffend, „Standardmedien“ in der BRD leiden „wie die Hunde“, insofern steigt der Einfluss derjenigen, die sich eingekauft haben.
    Ein Jakob Augstein ist hier ein gutes Beispiel, der gleich einen beträchtlichen Prozentsatz des bundesdeutschen Medienkartells, pardon, die „Standardmedien“ bleiben natürlich nur gemeint, eingekauft hat, ein Medienpool.

    PS:
    Sich informieren Wollende konsumieren im Web demzufolge zuvörderst, wenn möglich: international, aber in jedem Fall selektiv, was zunehmend möglich wird. – Finger weg von den bundesdeutschen Standardmedien! *

    *
    Diese Begriflichkeit kann sich natürlich ändern, also wenn bspw. der Feuerbringer „Standard“ wäre, ohne zuvor zu deformieren, gälte dieser Rat nicht.

    • Das ist doch Quatsch. Broder und Hirsi Ali und auch die genannten Politiker dürfen sich alle in „Standardmedien“ äußern. Diese Art von Medienkritik finde ich viel zu verallgemeinernd.

      • Harold Harry Francis Callahan sagt:

        ‚Diese Art von Medienkritik‘ ist aber begründet worden, das Web ändert, Verlautbarungen in professionellen Medien könnten zunehmend von den Besitzverhältnissen abhängig werden; wenn Unabhängige zunehmend in Konkurrenz treten, könnte es heute allgemein empfohlen werden auch und insbesondere diese zur Kenntnis zu nehmen.

        ‚Quatsch‘ war nicht nett, könnte fast als beleidigend eingeschätzt werden; nein, nur ein Späßchen natürlich.

        Jeder, auch im Web, so gut er kann, jeder nach seiner Fa­çon & und jedem das Seine.

        >:>

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