Atlas Shrugged 3 ist schlecht, die Rezensionen noch schlechter

Wer ist John Galt? Nach diesem Film interessiert es niemanden mehr (Bild:  Atlas Distribution Company)

Wer ist John Galt? Nach diesem Film interessiert es niemanden mehr (Bild: Atlas Distribution Company)

Ja, es stimmt. Der dritte Film der „Atlas Shrugged“-Reihe ist unsäglich furchtbar. Er befindet sich auf dem Niveau einer schlechten TV-Serie mit aufgesetzten philosophischen Sprüchen an den unsinnigsten Orten und Stellen. Die Schauspieler sind so überzeugend wie ein Kamel, das Richard III. spielt. Das Budget war mit 5 Millionen US-Dollar das niedrigste der Reihe, was man ihm jede Sekunde ansieht. Man hätte diesen Film nicht machen dürfen.

Die meisten Rezensenten haben die Gelegenheit genutzt, um einmal mehr gegen Ayn Rand, ihren Roman und ihre Philosophie zu hetzen. Auf dieselbe Art, wie sie das seit Erscheinen des Romans vor etwa 60 Jahren tun.

Eine TV-Serie zu Atlas Shrugged war ironischerweise eines der letzten Projekte von Ayn Rand. Ihr Anhänger Leonard Peikoff philosophierte sich wochenlang durch Fragen, die im Vorfeld der Produktion auftraten. Rand holte sich eine Lungenentzündung, als sie ein Foto von einem Schauspieler kopieren lassen wollte, den sie für John Galt vorgesehen hatte. Sie starb im Krankenhaus. Dieser elende Mist von einem Film, „Atlas Shrugged Part III: Who is John Galt?“, ist der letzte Teil der ersten und vielleicht letzten filmischen Umsetzung ihres genialen Hauptwerks. Die ersten beiden Teile der Reihe gingen noch in Ordnung, auch wenn sie keine große Kunst waren. Der dritte Teil ist eine Zumutung.

Die Rezensenten haben den Film zum Anlass genommen, einmal mehr Ayn Rand und ihrer Philosophie eines auszuwischen. Dennis Harvey schreibt im Magazin Variety stellvertretend:

„Atlas Shrugged“ mag ein schrecklicher Roman sein, aber seine noch immer kontroversen Philosophien werden immer begeisterte Anhänger anziehen.

Das ist der übliche herablassende Ton über Ayn Rand seitens unserer selbsternannten Kultursprecher seit nun ungefähr 60 Jahren. Ein schlechter Roman mit komischen Ideen zieht ahnungslose Jugendliche an. Atlas Shrugged (Der Streik) ist tatsächlich ein genialer, sorgfältig entworfener, höchst philosophischer Roman. Was auch immer man inhaltlich von der Philosophie hält – wer die literarische Qualität des Romans nicht erkennt, der weiß einfach nichts über Kunst und sollte nicht für Variety oder auch nur für das Rotlichtmagazin schreiben dürfen. Vielleicht ist die „kontroverse“ Philosophie (die Philosophie der blanken Dummheit ist in unserer Zeit universell anerkannt) ja wirklich falsch. Vielleicht ist A gar nicht A, es gibt Gott und die Hölle und ich weiß, wer darin landen wird: Unehrliche, unprofessionelle Publizisten wie Dennis Harvey. Also praktisch jeder, der sich in größeren Zeitungen und Magazinen über Rand und den Objektivismus geäußert hat.

Die Rezension von Steve Almond in Salon – die größtenteils keine Rezension ist, sondern eine Sammlung von fiebertraumartigen Ausfällen gegen Rand – grenzt an einer Geisteskrankheit. Almond hetzt, schäumt und wütet und es kümmert ihn nicht, dass er sich dabei alle paar Sätze selbst widerspricht. Zum Beispiel:

Bei all der Verachtung, die Rand (und Galt und Ryan) für die Regierung aufbringen, so drücken sie doch vor allem die Emotion von hemmungsloser Selbstliebe aus.

Nach nur zwei weiteren Sätzen folgt die Stellungnahme:

Was diese Leute und ihre kitschige Propaganda antreibt ist gar nicht die Wut, sondern eine Art selbstzerstörerischer Selbsthass.

Also was nun? Leiden wir unter einem Übermaß an Eigenliebe oder an einem selbstzerstörerischen Selbsthass? Der Widerspruch ergibt zugegeben Sinn für jemanden, der nicht mit Rand darin übereinstimmt, dass es keine Widersprüche in der Wirklichkeit gibt. Die Wahrheit entsteht aus einer Synthese von Widersprüchen, meinte Hegel.

Seit es diese irrsinnigen Rezensionen gibt, fragen sich Rands Anhänger, was sie motiviert. Sind die Rezensenten einfach zu dumm, den Roman zu verstehen? Ich denke, es ist ziemlich klar: Die Rezensenten können den Aussagen Rands inhaltlich nichts anhaben. Sie können sie aber auch nicht akzeptieren, denn das würde ihr irrationales Weltbild zerstören. Sie könnten sich dann nicht mehr mit den anderen linken Kulturschaffenden Koks reinziehen und minderjährige Groupies schwängern. Man würde sie gnadenlos ausschließen aus der Sippe. Ein Leben für den Klassenkampf, dieser Tage für die Bäume und das Klima, für alles außer für den Menschen – das kann doch nicht sinnlos gewesen sein?

War es aber. Sie schreiben also wütend gegen die Botschafterin an, weil sie den Inhalt der Botschaft nicht ertragen können. Sie verbreiten Lügen über Rand, verzerren ihre Biografie und die Inhalte ihrer Bücher, sie tun alles, um den unbequemen Tatsachen, die Rand aufzeigt, nicht ins Gesicht sehen zu müssen.

Hätten sie inhaltlich etwas beizutragen, würden sie es tun. Diese bizarren Rezensionen von Rands Werken und deren Umsetzungen sind nichts, woran man verzweifeln müsste. Sie sind eine Bankrotterklärung der nihilistischen, anti-humanistischen westlichen Kultur unserer Zeit. Sie sind außerdem eine weiße Flagge, eine Kapitulationserklärung derjenigen, die sie verteidigen, weil sie wissen, dass sie nicht verteidigt werden kann.

Den dritten Film braucht man sich trotzdem nicht anzusehen.

Siehe auch die Rezension von Teil 2: http://www.feuerbringer-magazin.de/2013/03/13/rezension-atlas-shrugged-teil-2-film/

3 Kommentare zu “Atlas Shrugged 3 ist schlecht, die Rezensionen noch schlechter

  1. Harold Harry Francis Callahan sagt:

    Die Finanzdaten sprechen für sich:
    1.) http://en.wikipedia.org/wiki/Atlas_Shrugged:_Part_I (Budget: 20M, „Box Office“: 5M)
    2.) http://en.wikipedia.org/wiki/Atlas_Shrugged:_Part_II (Budget: 10M, „Box Office“: 3M)
    3.) http://en.wikipedia.org/wiki/Atlas_Shrugged:_Part_III (Budget: 5M, „Box Office“: 1M)

    Insofern liegt der oder das ROI im Negativen und Beschreibbaren.

    MFG
    Harry

  2. Nob sagt:

    Nur ungern stoße ich ins selbe Horn, aber: Ja, so ist es zum Teil. Es werden laufend Dinge ver- und beurteilt, die die Urteilenden ganz offensichtlich nicht kennen, nie gelesen oder direkt ignoriert haben.
    – Das fängt schon in der Philosophie an: E. Mach galt bereits in den 50. Jahren als „veraltet“ mit einem – wie man heute sagen würde – „übersimplifizierten Bild von Erkenntnis“. Dabei hatten die wenigsten Leute ihn noch gelesen. Im Gegenteil, versuchte er, Wahrnehmunspsychologie und Evolutionstheorie in seine Überlegungen zu integrieren.
    – In der Psychologie wird der Behaviorismus zum Teil ohne Kenntnisse aktueller Theorien usw. einfach verworfen.
    – Science Fiction gilt nach wie vor vielen Leuten pauschal als „Schundliteratur“, obwohl sie nur wenig von den Genre gelesen haben. In den Buchhandlungen wird Scifi inzwischen zu Fantasy gezählt…

    Die obige Liste ließe sich sicherlich fortsetzen, hinreichende Kenntnisse und Zeit vorausgesetzt.

    Ich könnte sicherlich eine mehr oder weniger fundierte Kritik am Objektivismus abliefern, sofern ich mich in diesen Philosophie gründlich einlesen würde. Dadurch würde aber meine „To-Do-Liste“ sehr viel länger und die Tage nicht.
    Was mich vor allen Dingen ein wenig abgeschreckt ist die Metaphysik von Sein und Bewusstsein, die enge Anbindung an ein Wirtschaftssystem usw.

    • Das Wirtschaftssystem ist Teil der politischen Philosophie. Jedes philosophische System hat auch etwas über Politik zu sagen, was auch für Platon, Aristoteles, Kant, Hegel und andere Denker gilt. Wahrscheinlich stört dich eher, dass das Wirtschaftssystem der Kapitalismus ist.

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