Sexualethik und Podcasts

Im Teilbereich Sexualethik habe ich ein Update verfasst. Es gibt einige Diskussionen darüber, ob Ayn Rands „Männlichkeitskult“, ihre Verehrung der Männlichkeit durch Frauen überhaupt Philosophie ist oder eher Psychologie. Rands Erbe Leonard Peikoff ist der Auffassung, dass es eher etwas mit Rands Psychologie zu tun hat. Die Sexualethik kann sich nur mit Themen befassen, die beide Geschlechter gleichermaßen betreffen. Ich habe mich dieser Auffassung angeschlossen und entsprechende Infos ergänzt.

In der Tat hat Rands Faible für dominante Männer vermutlich etwas mit ihrem Wunsch zu tun, einen Mann kennenzulernen, der ihr ebenbürtig oder gar überlegen ist – ein Mann, den sie bewundern und vollständig lieben konnte. Dies ist Zeit ihres Lebens nicht geschehen. Ihr Ehemann Frank O’Connor war ein arbeitsloser Schauspieler, der kein sonderliches Verständnis für intellektuelle Themen aufbrachte, und ihr Liebhaber Nathaniel Branden war ein Scharlatan. Vor allem Brandens Befürwortung des albernen und absurden „Panpsychismus“, der objektivistischen Grundprinzipien entgegenläuft, hat mich davon überzeugt, dass Rands Urteil bezüglich Branden wohl doch zutreffend war.

Ergänzung: Die Ethik ist eine Handlungsanleitung für das Leben, die sich auch mit Beziehungen befasst. Sie behandelt nur das Universelle, Über-Individuelle.

Zum Beispiel: Jemand war bei seiner Abiturfahrt in Frankreich und hat dort eine große Liebe, eine Französin kennengelernt. Seitdem kann er nur noch Französinnen lieben. Das ist reine Psychologie, reine individuelle Erfahrung und Prägung. Die Philosophie befasst sich nicht mit dem Lieben von Französinnen, sondern mit der Frage, was Liebe überhaupt ist, welches Verhalten eine funktionierende Beziehung erfordert – also abstrakte Fragen, die über individuelle Erfahrungen hinausgehen, die universelle Gültigkeit beanspruchen können.

Darum war möglicherweise Rands Männlichkeits-Verehrung eher eine psychologische Sache, ein Ergebnis ihrer persönlichen Wünsche und Erfahrungen. Mit anderen Worten mögen andere Frauen aufgrund von persönlichen Erfahrungen eher feminine Männer schätzen. Oder gleich Frauen, was ja auch eine psychologische Sache sein dürfte. Oder es mag Frauen geben, die eher selbst sexuell dominieren wollen. Solche individualpsychologischen Aspekte und konkrete Sexualpraktiken sind kein Bestandteil der philosophischen Betrachtung. Die Psychologie behandelt solche Aspekte (und theoretisch die Sexualwissenschaften, würde ich diese nicht für Pseudowissenschaften halten).

Ferner habe ich die Podcasts aus dem Feuerbringer-Magazin gelöscht. Dafür gibt es keinen inhaltlichen, sondern einen technischen Grund. Ich glaube, dass die Serverüberlastung der letzten Tage durch die Podcasts ausgelöst wurde. Wenn ich wieder welche mache, dann in Form von YouTube-Videos. Das wäre ohnehin sinnvoller.

Schließlich arbeite ich weiterhin an der überarbeiteten Einführung in den Objektivismus, mein nächstes Webinar. Danach folgt dann endlich das dritte Epistemologie-Webinar. Eine Fiebererkrankung hat mich die letzte Zeit etwas gelähmt und ich möchte es vermeiden, im Fieberwahn philosophische Inhalte zu notieren. Andererseits wären die wohl immer noch sinnvoller als das, was man von den Fernsehphilosophen unserer Zeit so zu hören bekommt. Selbst, falls ich mich eines Tages für Napoleon halten sollte, wäre das Ergebnis eine Oase der Vernunft im Vergleich zu dem rasenden Unsinn, den Leute wie Markus Gabriel in den Medien ausbreiten.

An die Stelle lokaler Denkmoden und -schulen tritt der Anspruch, dass prinzipiell jeder und jedem Zugang zur vernünftigen Argumentation gewährt werden soll.

Dieser Zugang ist sogar Ihnen gewährt, Herr Gabriel. So beanspruchen Sie ihn doch bitte endlich! Die Aussage klingt für den mit egalitärem Gelaber geschwächten Geist der Moderne wie die Weisheit selbst. Tatsächlich gibt es inhaltliche Unterschiede zwischen den Denkschulen (wie Platoniker, Kantianer), die aber ohnehin stets alle eine vernünftige Argumentation für sich beanspruchten. Und die natürlich schon immer miteinander geredet haben. Die Denkschulen zugunsten des Zugangs zu einer vernünftigen Diskussion für alle auflösen zu wollen entspricht einer Auflösung des metaphysischen Identitätsaxioms: Jeder darf „vernünftig“ argumentieren, wie er will, aber er darf keine zusammenhängenden Inhalte (Denkschulen) mehr vertreten, sondern nur noch einzelne, isolierte Argumente äußern. Das entspricht mit Sicherheit der geistig zersplitterten Moderne.

Übrigens sagt er das hier kurz zuvor:

Nicht jede Meinung ist schon dadurch akzeptabel, dass jemand sie äußert.

Zum Beispiel ist meine Meinung ganz schön inakzeptabel, weil ich eine zusammenhängende Philosophie vertrete und nicht nur einzelne Argumente in den Raum werfe.

12 Kommentare zu “Sexualethik und Podcasts

  1. Harold Harry Francis Callahan sagt:

    Vermutung:
    Ich hätte da jederzeit „einen klar machen können“.
    Korrekt bliebe allerdings auch anzunehmen, dass eine dbzgl. Orientiertheit dann nicht vorliegen muss.

    MFG
    Harry

  2. JAdler sagt:

    Zeigt sich an dem Punkt, dass die Psyche eines Philosophen in seiner Kritik mit beachtet werden muss?
    Leitet sich daraus ab, dass zur Einschätzung des Werks eine .. gut recherchierte Biographie vonnöten ist?

    • Nein, gerade das nicht. Man muss inhaltlich trennen, was Philosophie und was persönliche Psychologie ist. Die Philosophie befasst sich nur mit bestimmten Fragen. Die Antworten gelten unabhängig von Biografien. Irgendwer hat mal „2 + 2 = 4“ gesagt. Das gilt, ob er nun ein Handwerker in Asien oder ein Philosoph in Griechenland war.

      • Jana sagt:

        Hm, verstanden. Hab den Text der Ethik noch mal durchgelesen. Der Satz „Die Sexualethik kann sich nur mit Themen befassen, die beide Geschlechter gleichermaßen betreffen.“ ist wichtig.

        Die Frage bleibt, gerade in der Ableitung einer Sexualethik oder einer Ethik der romantischen Liebe. Dies ist ein Grundsatz, aus dem sie die Ethik ableitet: „Romantische Liebe ist im umfassenden Sinne des Begriffes ein Gefühl, das
        nur einem Mann (oder einer Frau) mit ungebrochener Selbstachtung
        möglich ist. (..) Ein solcher Mann (oder eine solche Frau) ist nicht in der Lage, sexuelles Verlangen von spirituellen Werten getrennt zu erleben.“

        Angenommen, ich stimme dem letzten Satz nicht zu.
        Woher wissen wir, dass der letzte Satz nicht aus ihrer Psyche heraus zu erklären ist?

        • Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern als Handelsbeziehung, als Geben und Nehmen, ist durchaus Bestandteil der Ethik. Auch das mit der ungebrochenen Selbstachtung sehe ich so.

          • Die Ethik ist eine Handlungsanleitung für das Leben, die sich auch mit Beziehungen befasst. Sie behandelt nur das Universelle, Über-Individuelle.

            Zum Beispiel: Jemand war bei seiner Abiturfahrt in Frankreich und hat dort eine große Liebe, eine Französin kennengelernt. Seitdem kann er nur noch Französinnen lieben. Das ist reine Psychologie, reine individuelle Erfahrung und Prägung. Die Philosophie befasst sich nicht mit dem Lieben von Französinnen, sondern mit der Frage, was Liebe überhaupt ist, welches Verhalten eine funktionierende Beziehung erfordert – also abstrakte Fragen, die über individuelle Erfahrungen hinausgehen, die universelle Gültigkeit beanspruchen können.

            Darum war möglicherweise Rands Männlichkeits-Verehrung eher eine psychologische Sache, ein Ergebnis ihrer persönlichen Wünsche und Erfahrungen.

      • Jana sagt:

        (Und ich lese aus deinen Beschreibungen, dass Rand selbst nach ihrer
        Definition unmoralische Liebesbeziehungen hatte – macht das aus ihr eine
        Frau mit gebrochener Selbstachtung?)

        • Nun, nach der Affäre mit Branden war sie wütend, dann hatte sie ein paar Jahre eine Depression, dann ist ihr Mann gestorben und sie konnte seinen Tod nicht verkraften und hat fast alle ihre Freunde verloren.

          Das mit der Selbstachtung hast du allerdings falsch verstanden. Ich weiß gar nicht, wo ich überhaupt anfangen soll. Und „unmoralisch“ auch. Wozu dient denn die objektivistische Moral? Wem dient sie und wem nicht? Wen muss die Moral daher interessieren?

  3. Harold Harry Francis Callahan sagt:

    Meinst Du, dass wenn der sogenannte Naturalistische Fehlschluss abgelehnt wird und stattdessen zur Erkenntnis gekommen worden ist, dass das Sein (Was sonst?) das Sollen bestimmt, dies genügt, um sich ernsthaft mit dem sogenannten Objektivismus beschäftigen, äh, zu sollen?

    MFG
    Harry

  4. Einwertloserniemand sagt:

    Ich denke schon, dass man die statistische Tendenz ablesen kann, dass Frauen tendenziell eher dominante Männer bevorzugen. Hier geht es aber wohlgemerkt um eine Tendenzaussage, nicht um eine Norm, der jedes Individuum folgen muss.
    Das lässt sich auch entwicklungsgeschichtlich gut ableiten: Während die Frau mit den idealerweise gemeinsamen Nachwuchs schwanger ist, wünscht sie sich einen „starken“ Partner, der sie und später die gemeinsamen Nachkommen beschützt. Es ist auch wissenschaftlich bewiesen worden, dass die Schwangerschaft, aber auch die Pille, die Präferenzen von Frauen bezüglich Partnern verändert: Man will dann lieber häusliche, fürsorgliche Beschützer statt Abenteurer.
    Man muss jetzt sehr aufpassen, dass solche persönlichen Wünsche und Überlegungen in der Sexualethik nicht überhand nehmen. Wenn man über Sexualethik sprechen oder schreiben will, muss man Sexualität und Beziehungen ja schon irgendwie kennengernt haben. Rands erster Kontakt war – laut Sekundärliteratur – wohl gepräft von eher kitschigen Romanen in der frühen Sowjetunion.

    Ich persönlich finde Rands Ethik über Liebe, Beziehungen aus gegenseitiger Verehrung füreinander usw. übrigens ganz ansprechend – wenn ich auch denke, dass es andere Formen von Liebe und Verliebtheit gibt. Es gibt zweifellos auch Menschen, die sich von anderen Überlegungen angezogen fühlen. So Russells Konzept der

    Polyamory oder die sog. „platonische Liebe“.

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