Eine Kuh zu sein

Ein Mensch will keiner mehr sein, aber eine Kuh? (Bild: morguefile.com, Lizenz: M)

Ein Mensch will keiner mehr sein, aber eine Kuh? (Bild: morguefile.com, Lizenz: M)

Wussten Sie schon, dass „Kühe über den Verlust ihrer Kälber weinen und in der Stallhaltung regelrechte Depressionen entwickeln?“ Das steht jedenfalls in Keine Macht den Doofen! von Michael Schmidt-Salomon, die Streitschrift des bekannten deutschen Bestseller-Humanisten und Fernseh-Philosophen. Ich kann es leider nicht mehr vergessen, seit ich es gelesen habe. Es ist ja auch zum Heulen. Ich war also so frei, auch mal zu texten und das Lied Ein Mensch zu sein aus Disneys Arielle an unseren Zeitgeist anzupassen. In Arielle, die Meerjungfrau möchte eine junge Meerjungfrau ein Mensch sein und sie beschreibt in ihrem Lied, wie großartig es wäre, ein Mensch zu sein. Um Bücher zu verkaufen, muss man heute eher so etwas schreiben:

Eine Kuh zu sein

Ich möchte fort, bei den Kühen sein
ich möcht sofort dort mit ihnen weiden,
möchte mich drehen und
wie nennen die das?
Ah, gehn!

Dort ist man frei
dort ist man froh
dort scheint das Licht, der Mond
Dort lebt man anders als hier
drum wünsch ich mir
eine Kuh zu sein.

Mit Herz und Sinn
ziehts mich dorthin
ich wills probieren

Ich möchte rauf
endlich hinauf
in das Allgäu

Will ihr Gras
in meinem Maul
was man mir nur genannt
selbst spürn

Ich will nichts wissen
nichts mehr denken.
Ich bin gespannt
wie das ist, nur blöd zu schauen!

Hab keine Fragen,
möcht drauf nichts hören
was ist Feuer ?
und wie ist es?
Mir doch egal!

Was ist der Preis ?
ich zahl ihn gern
Wär ich am Ziel
Am Ziel
dort oben

Heute und Hier
Wünsche ich mir
Eine Kuh zu sein

Und bald kommt mein nächster Hit „Küss sie doch! (…falls du ihre schriftliche Einwilligung hast oder wegen versuchter Vergewaltigung verklagt werden willst)“

6 Kommentare zu “Eine Kuh zu sein

  1. Harold Harry Francis Callahan sagt:

    ‚Keine Macht den Doofen!‘ klingt jedenfalls elitistisch und dumm.

    Wobei ‚doof‘ (etymologisch) die Unfähigkeit Einzelner meint zu hören (vgl. ‚harthörig‘) und ‚dumm‘ (vgl. ‚tumb‘) die Unfähigkeit Einzelner sich sprachlich auszudrücken.

  2. DasZeitgespenst sagt:

    Entschuldige bitte, wenn ich meine Gedanken zu sehr schweifen lasse:
    Ich selbst habe den Film „Arielle, die Meerjungfrau“ nie gesehen, wohl aber die Zeichentrickserie.
    Nun fällt mir plötzlich auf, dass ich vor langer Zeit mal gelesen habe, dass die mythologischen Figuren der Seegeister (zu der wohl auch die Lady aus dem See aus den Geschichten um König Arthus zählt) wohl so beschrieben werden, dass diese keine Seele haben, aber unsterblich sind und nur dann eine Seele erhalten können, wenn sie auf Kosten der Unsterblichkeit einen irdischen Mann (diese Geister werden immer als Frau gedacht) heiraten.
    Ist es in diesem Zusammenhang nicht interesant, dss auch Arielle, soweit ich weiß, letztlich deshalb ein Mensch wird, weil sie sich in einen menschlichen Mann verliebt? Nur, dass sie durch diese Liebe sozusagen beweist, dass sie über ein menschliches Seelenleben verfügt und ihr Vater sie deshalb gehen lässt?
    Diese Geschichte lässt sich sicherlich irgendwie so deuten, dass es um Abschied nehmen von der Tochter, die nun selbst eine Familie gründet, geht…

    Naja, obiger Punkt ist eh nicht so relevant: Stimmt es denn, dass Kühe dieses Verhalten zeigen?

    • Das ist eine Anekdote, die auf Tierrechtsseiten herumgeistert. Also wahrscheinlich nicht, denn ansonsten könnten sie zoologische Fachbücher anführen, in denen dieses Verhalten systematisch untersucht und beschrieben wurde. Sollten Kühe weinen, dann ist es eine instinktive Reaktion auf irgendetwas, das nichts mit einem bewussten Verständnis zu tun hat (das Kühe nicht haben können, weil sie nicht konzeptuell, begrifflich denken).

    • sba sagt:

      „Diese Geschichte lässt sich sicherlich irgendwie so deuten, dass es um Abschied nehmen von der Tochter, die nun selbst eine Familie gründet, geht…“

      Disneys Quellenmaterial lesen, soll helfen. H.C. Andersen: „Die kleine Meerjungfrau.“
      Es geht um was ganz anderes,

      • Worum geht es denn?

        • sba sagt:

          Darum, wie man richtig will.
          Andersens kleine Meerjungfrau trifft ihre Entscheidungen, zahlt den Preis und trägt die Konsequenzen. Und wenn sie dann lieber als Schaum auf den Wellen endet, als ihren Geliebten umzubringen, dann ist sie damit nicht einmal eine tragische Heldin, sondern einfach nur eine Heldin. Ohne irgendwelche Vater-Tochter-Geschichten (obwohl das überbehütende Moment des Triton, das Disney eingebaut hat, eine recht gute Ergänzung darstellt. Ruder ich halt ein paar Meter zurück.)

          Was Disney außerdem bei der Adaption geändert hat, sind der Einbau der Sidekicks (für sie als Producer normal, immerhin sollen das ja keine Thriller und auch keine Horrorstreifen werden) und die Idealisierung des Endes ~ jemandem, der so viel Einsatz bringt, soll doch bitte die Sache auch glücken. Im Wesentlichen eine Akzentverschiebung, durch die die Geschichte an Schärfe verliert, im Kern (den ich just in jenem Lied erblicke, das Du da oben so hübsch parodiert hast (was mich, nebenbei, dazu veranlasst hat, jetzt Counter-Tenor zu üben)) aber unangetastet bleibt – und vermutlich auch einfacher aufzunehmen ist.

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