Die armen Indianer

Kommentar auf Facebook über die Tafel in der Freiheitsstatue, die Immigranten willkommen heißt („Gebt mir eure Müden, eure Armen, Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren…“):

ich frage mich einfach, ob die geknechteten massen, die da herbeiströmten um frei atmen zu können, dies auch gekonnt hätten, ohne dafür ein anderes volk zu knechten und auszulöschen.

Meine Antwort:

Ich weiß nicht, welches Volk zu meinst – die amerikanischen Ureinwohner bestanden wie die afrikanischen Sklaven aus verschiedenen Stämmen, das ist kein „Volk“ (eine typisch deutsche Idee). Wie bei primitiven Gesellschaften üblich kannten diese Stämme keine individuellen Rechte, die erst die „bösen amerikanischen Imperialisten“ etabliert haben. Rechte, die den individuellen Bürger etwa davor schützen, dem Sonnengott geopfert, als Sklave verkauft (die schwarzen Sklaven wurden größtenteils von den afrikanischen Stammeshäuptlingen an die Engländer verkauft) oder an den Marterpfahl gehängt zu werden oder in einem der unendlichen, unzähligen Stammeskriege zwischen den edlen Wilden umzukommen.

Abgesehen von fortschrittlichen politischen Institutionen, die zu Freiheit und Wohlstand beitrugen, brachten die europäischen Einwanderer moderne Technologie, Medizin und Landwirtschaft, schließlich die Industrialisierung mit. Wo zuvor die Ureinwohner nur im Schnitt um die 30 Jahre alt wurden und eine für uns unbegreiflich hohe Kindersterblichkeit hatten, werden sie nun so alt wie alle anderen und können Unternehmen gründen, wie andere Amerikaner in modernen Unternehmen arbeiten, am Wohlstand teilhaben.

Schließlich waren es die Amerikaner und die Engländer, die die Sklaverei abgeschafft haben, während sie anderswo (etwa in der islamischen Welt und in Stammeskulturen) weiter existierte und teilweise weiter existiert. All diese Dinge müsste man ebenso erwähnen, wenn man von amerikanischen Vergehen gegen Ureinwohner und Sklaven spricht.

Ein Kommentar zu “Die armen Indianer

  1. Harold Harry Francis Callahan sagt:

    Es wäre recht schnell bei einer sinnhaften moralphilosophischen Debatte angekommen, wenn in Betracht gezogen würde, wo bestimmte indigene oder autochthone Gesellschaften heute stünden, wenn sie nie kolonialisiert worden wären oder anderweitig erreicht, von aufklärerischem Gedankengut; Ältere haben insofern in den Bildungssystemen noch Pro- und Contra-Verweise oder -Argumente zK genommen, sofern sie nicht selbst derartig fündig geworden sind, insofern könnte schon ein gewisses Debattenniveau erreicht werden, wenn gewollt.

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