Was nicht sein darf, …

…das kann nicht sein. Das scheint die Logik vieler Menschen zu sein, wenn es um bestimmte Themen geht. Eines dieser Themen ist das Fahrradfahren. Das finde ich als solches schon höchst erstaunlich, denn – es ist das Fahrradfahren. Nicht etwa die Frage nach dem besten Wirtschaftssystem, nach einem gerechten Rechtsstaat oder so etwas von… Bedeutung. Und dabei trägt Autofahren viel mehr zum Umweltschutz und zur Gesundheit bei.

Die Fahrrad-Interessensgruppen bei Twitter (so etwas gibt es!) meinten, ich wäre „beleidigt“, weil sie der Feststellung von Fred. F. Mueller bei NovoArgumente über die statistischen Gefahren des Fahrradfahrens widersprechen. Ich hatte den Artikel bei Twitter verbreitet. Also kann ich es ja nur als seelisch verletzend und beleidigend empfinden, wenn ihm jemand widerspricht.

Ich finde es vielmehr erstaunlich, geradezu atemberaubend unglaublich, dass jemand er Aussage widerspricht, dass Fahrradfahren ziemlich gefährlich ist. Inzwischen gibt es 41 Kommentare zu dem Artikel bei Novo. Zahlreiche Kommentatoren bezweifeln vehement, dass Fahrradfahren gefährlicher ist als Autofahren. Für mich ist das eine offenkundige Selbstverständlichkeit. Ich brauche mir überhaupt keine Statistiken dafür anzusehen. Ich muss einfach nur einmal Fahrrad gefahren und Auto gefahren sein.

Das hat der Autor Fred. F. Mueller im letzten Kommentar auch bemerkt:

Rechnet man allein innerstädtisch, läge das Risiko für Radfahrer im Verhältnis zu Autofahrern sogar bei mehr als dem 20fachen.

Abgesehen davon: Auf Fernstrassen (einschliesslich Autobahnen!) starben 2013 40 % aller im Verkehr getöteten Radfahrer.

Und nochmal, zum Mitschreiben: Fahrradfahren ist wesentlich riskanter als Autofahren, egal welche Spielchen mit Statistiken Sie treiben. Das zu begreifen genügt schon allein der gesunde Menschenverstand

Wenn das trotzdem jemand bezweifelt hatte, sollten die Daten von ADAC und dem Statistischen Bundesamt aus dem Artikel die Diskussion beendet haben:

Abbildung: Das Unfallrisiko von Radfahrern ist 9,2 Mal so hoch wie das von Autofahrern und übertrifft sogar noch das von Motorradfahrern (Daten: ADAC und Statistisches Bundesamt); Bild: Fred F. Mueller / NovoArgumente

Aber die Daten haben die Diskussion nicht beendet. Sie geht einfach ewig weiter.

Ich selbst fahre im Moment kein Fahrrad, obgleich ich das schon lange genug getan habe, sondern Roller. Der ist etwa so gefährlich wie Mofa / Moped, also das gefährlichste Verkehrsmittel. Das bedeutet, dass man besonders vorsichtig sein muss, wenn man Roller fährt. Warum, ist klar. Ein Roller, wie ein Fahrrad, hat nur zwei Räder und ist aber recht schnell, 45 KM/H (wobei lange nicht so schnell, wenn man versucht, einen Berg hoch zu fahren). Alles, was zwei Räder hat, kann bei leichter Unachtsamkeit umkippen. Je schneller man damit fährt, desto größer das Risiko, beim Umkippen verletzt zu werden. Aus dem Grund lernen Kinder das Radfahren mit Stützrädern.

Und in der Tat sind die Roller mit drei Rädern, die es inzwischen gibt, von der Logik her viel sicherer. Weil sie nicht so leicht umkippen. Sobald sich das Macho-Getue mit „Ich fahre absichtlich unsicher, weil ich ein Mann bin“ beruhigt hat, denke ich, werden sich diese Roller auch mehr durchsetzen.

Ein PKW ist ein großes Stück Metall, das über eine Tonne wiegt. Der Fahrer wird von allen Seiten geschützt. Ein Autobus ist noch größer, schwerer und sicherer. Ein Fußgänger ist zwar ungeschützt, läuft aber in der Regel nicht auf der Straße, sondern auf bestimmten Fußwegen. Ein Motorrad, Fahrrad und Mofa / Moped / Roller hingegen fahren häufig oder immer auf der Straße. Also können sie eher mit Autos kollidieren. So ein Zusammenstoß geht eher zum Leidwesen derer, die weniger geschützt sind und deren Verkehrsmittel leichter umfällt, wie Fahrradfahrer und Rollerfahrer.

Ich weiß nicht, was es dazu überhaupt noch zu sagen gibt oder warum so viele Menschen es nicht wahrhaben wollen. Offenbar gibt es diesen Zeitgeist, laut dem Fahrräder die Umwelt schützen und man damit auch was für seine Gesundheit tut und darum gelten Fahrräder als „moralisch gut“. Man darf das moralisch Gute nicht angreifen, auch nicht mit Fakten. Fahrräder sind so etwas, wie es früher Nonnen waren. Sie sind das auf der Straße herum wandelnde Gute.

Umweltschutz ist de facto nur in einer entwickelten Zivilisation möglich – eine, die wirtschaftlich weit entwickelt ist. In einer Zivilisation kann man Parks und Grünflächen einrichten, Luftfilter und Kläranlagen bauen. Nomaden laufen hingegen von Ort zu Ort und verbrauchen alles, bis sie weiterziehen. Es ist heute bekannt, dass viele Naturvölker zahllose einheimische Spezies, etwa riesige Vögel, ausgerottet haben. Artenschutz interessiert nur entwickelte Zivilisationen. Autos sind notwendig für die wirtschaftliche Entwicklung und tragen somit zum Umweltschutz bei. Aus rein praktischer Sicht sind viele Leute auf ihr Auto angewiesen, da sie nicht in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnen. Es gibt offenbar Fahrradfahrer mit Null Empathie, denen ihre Mitmenschen völlig egal sind und die glauben, jeder hätte denselben Arbeitsweg wie sie selbst und wenn nicht, auch egal.

Was den gesundheitlichen Aspekt angeht, kann man die durch den Autogebrauch eingesparte Zeit nutzen, um Sport zu machen, wie ich es selbst tue. Müsste ich täglich überall mit dem Fahrrad hin fahren, hätte ich keine Zeit mehr für Fitnesstraining und Kraftsport.

Leute: Logik. Ernsthaft.