Überlegungen zu Museen

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Museumsinsel in Berlin (Foto: Andreas Müller)

Disclaimer: Sorry für die Qualität der Fotos. Ich hatte nur meine Handykamera zur Verfügung.

Ich habe in Berlin einige Museen besucht. Dabei sind mir ein paar Dinge aufgefallen:

Die offenbar einzigen anderen Leute, die in Museen gehen, sind Schüler, Studenten, Eltern mit ihren Kindern, Touristen und Forscher. Offenbar bin ich der einzige Mensch, der sich für Museen interessiert. Also ohne dazu gezwungen zu werden oder weil er als Tourist naturgemäß Museen besuchen muss oder weil er irgendwas mit den Kindern anfangen muss.

Das ist ganz schön deprimierend – erst recht, wenn man bedenkt, wie unglaublich günstig die Eintrittskarten zu den Berliner Museen sind. Zwölf Euro für freien Eintritt in die meisten Museen für drei Tage für Studenten, das doppelte für Erwachsene. Alles andere, was man in Berlin machen könnte, ist weniger interessant und viel teurer. Wie kann man das nicht nutzen? Jetzt haben wir schon die Steuergelder für das alles ausgegeben. Gut, das Wetter war schön, also gehen die Leute vielleicht an anderen Tagen eher in Museen. Rede ich mir das mal ein. Irgendwie glaube ich das aber nicht.

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Bode-Museum (Bild: Andreas Müller)

Man könnte an der Präsentation der Ausstellungsstücke einiges verbessern. Ich denke, dass Museen zum konzeptuellen Verständnis von dem, was sie ausstellen, beitragen sollten. Es bringt insofern wenig, die Halsketten der alten Ägypter und andere Utensilien in eine Vitrine zu stecken, dann in die nächste Vitrine die Halsketten aus einer anderen Epoche. Gut, man erkennt daran, dass Halsketten kulturell universell sind. Ich fände es sinnvoller, etwa einen Raum einem typischen Tag im Leben eines altägyptischen Beamten zu widmen und dann Ausstellungsstücke so anzuordnen, dass sie den Tag nachvollziehbarer machen. Auch vermisse ich Diskussionen darüber, was Gesellschaften wie die altägyptische essenziell auszeichnet. Was ist der große Unterschied zwischen dieser Zeit und unserer? Halsketten haben wir schließlich noch immer!

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Bode-Museum (Bild: Andreas Müller)

Generell ist der Ansatz, etwa verschiedene Münzen in einem Raum auszustellen und Statuen in einem anderen, nicht so sinnvoll. Wichtig wäre es, dass man nachvollziehen kann, wie die Leute mit diesen Münzen umgegangen sind, wie die Wirtschaft funktioniert hat, wozu und für wen diese Statuen hergestellt wurden. Klar, man kann die Schautafeln lesen. Oder man könnte die Ausstellungsstücke konzeptuell integrieren und Kulturen so auf der Konkreta-Ebene nachvollziehbar machen. Genau das ist schließlich die große Chance von Museen.

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Bode-Museum (Bild: Andreas Müller)

Das Museum für Naturkunde in Berlin ist didaktisch recht gut gelungen. Aber auch hier frage ich mich, warum man die ganzen Mineralien, die man gefunden hat, in einem Raum unterbringen muss. Wer schaut sich denn begeistert die ganzen Steine an, wenn daneben der große Saal mit Dinosauriern ist? Interessanter könnte man mit den Mineralien (im Sinne der aristotelischen Kategorie) umgehen, wenn man aufzeigt, wo sich all diese Steine in der Erde befinden, wie man sie entdeckt hat, wozu man sie verwendet. Man müsste ein großes Bild entwerfen. Steine als solche sind wohl fast jedem so ziemlich egal. Was ist die Verbindung der Steine zu unserem Leben (die es ja durchaus gibt)?

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Museum für Naturkunde (Bild: Andreas Müller)