Best of Nietzsche

„Mitleid ist das angenehmste Gefühl bei solchen, welche wenig stolz sind und keine Aussicht auf große Eroberungen haben: für sie ist die leichte Beute – und das ist jeder Leidende – etwas Entzückendes. Man rühmt das Mitleid als die Tugend der Freudenmädchen.“ – Aph. 13

„Der getretene Wurm krümmt sich. So ist es klug. Er verringert damit die Wahrscheinlichkeit, von neuem getreten zu werden. In der Sprache der Moral: Demut.“ – Sprüche und Pfeile, 31.

„Exstirpation des deutschen Geistes zugunsten des »deutschen Reiches«.“ – Erstes Stück, Kapitel 1 (zur deutschen Reichsgründung 1871)

„Der Wahrheit dienen wenige in Wahrheit, weil nur wenige den reinen Willen haben gerecht zu sein und selbst von diesen wieder die wenigsten die Kraft, gerecht sein zu können.“ – Zweites Stück, Kapitel 6

„Fast überall wo es Glück giebt, giebt es Freude am Unsinn.“ – I, Aph. 213

„Alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese.“ – II, Aph. 107

„Das Publikum verwechselt leicht den, welcher im Trüben fischt, mit dem, welcher aus der Tiefe schöpft.“ – II, 1. Aph 262

„Den Stil verbessern – das heißt den Gedanken verbessern, und gar nichts weiter! – Wer dies nicht sofort zugibt, ist auch nie davon zu überzeugen!“ – II, 2. Aph. 131

„Die Forderung, geliebt zu werden, ist die größte der Anmaßungen.“ – I, Aph. 523

„Die Mutter der Ausschweifung ist nicht die Freude, sondern die Freudlosigkeit.“ – II, 1. Aph. 77

„Die Scham existiert überall, wo es ein »Mysterium« gibt.“ – I, Aph. 100

„Neid und Eifersucht sind die Schamteile der menschlichen Seele.“ – I, Aph. 503

„Gegen die Männerkrankheit der Selbstverachtung hilft es am sichersten, von einem klugen Weibe geliebt zu werden.“ – I, Aph. 384

„Im Kampf mit der Dummheit werden die billigsten und sanftesten Menschen zuletzt brutal.“ – I, Aph. 362

„Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ – Aph. 146

„Beiläufig gesagt: das ganze Problem der Juden ist nur innerhalb der nationalen Staaten vorhanden, insofern hier überall ihre Thatkräftigkeit und höhere Intelligenz, ihr in langer Leidensschule von Geschlecht zu Geschlecht angehäuftes Geist- und Willenscapital, in einem neid- und hassenserweckenden Maasse zum Uebergewicht kommen muss, so dass die litterarische Unart fast in allen jetzigen Nationen überhand nimmt – und zwar je mehr diese sich national gebären -, die Juden als Sündenböcke aller möglichen öffentlichen und inneren Uebelstände zur Schlachtbank zu führen.“ – I, Aph. 475

„Die beiden gegnerischen Parteien, die socialistische und die nationale – oder wie die Namen in den verschiedenen Ländern Europa’s lauten mögen – sind einander würdig: Neid und Faulheit sind die bewegenden Mächte in ihnen beiden.“ – I, Aph. 480

„Ein Deutscher ist großer Dinge fähig, aber es ist unwahrscheinlich, dass er sie tut: Denn er gehorcht, wo er kann, wie dies einem an sich trägen Geiste wohl tut.“ – Aph. 207

„Man verdirbt einen Jüngling am sichersten, wenn man ihn anleitet, den Gleichdenkenden höher zu achten, als den Andersdenkenden.“ – Aph. 297

„Die mystischen Erklärungen gelten für tief; die Wahrheit ist, dass sie noch nicht einmal oberflächlich sind.“ – Aph. 126

„Im Grunde haben alle Civilisationen jene tiefe Angst vor dem „großen Menschen“, welche allein die Chinesen sich eingestanden haben, mit dem Sprichwort „der große Mensch ist ein öffentliches Unglück.“ – Paralipomena NF 1881,14[15 nietzschesource.org] = M III 5. Herbst 1881

„Wer sich tief weiß, bemüht sich um Klarheit; wer der Menge tief scheinen möchte, bemüht sich um Dunkelheit.“ – Aph. 173

„Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt Denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden! Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht. Verächter des Lebens sind es, Absterbende und selber Vergiftete, deren die Erde müde ist: so mögen sie dahinfahren!“ – Zarathustras Vorrede (3)

Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: »Ich, der Staat, bin das Volk.«“ – 1. Teil; Vom neuen Götzen

„Wahrlich, der Sonne gleich liebe ich das Leben und alle tiefen Meere. Und dies heißt mir Erkenntnis: alles Tiefe soll hinauf – zu meiner Höhe!“ – 2. Teil; Von der unbefleckten Erkenntnis

„Wenn es Götter gäbe, wie hielte ich’s aus, kein Gott zu sein! Also gibt es keine Götter.“ – 2. Teil; Auf den glückseligen Inseln

„Trachte ich denn nach Glücke? Ich trachte nach meinem Werke!“ – 4. Teil; Das Zeichen

„Das Christentum gab dem Eros Gift zu trinken – er starb zwar nicht daran, aber entartete, zum Laster.“ – Aph. 168

„Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas seltenes – aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.“ – Aph. 156

„Die Neigung, sich herabzusetzen, sich bestehlen, belügen und ausbeuten zu lassen, könnte die Scham eines Gottes unter Menschen sein.“ – Friedrich Nietzsche: Werke in drei Bänden. München 1954, Band 2, S. 625-626. Viertes Hauptstück, Sprüche und Zwischenspiele, 66,www.zeno.org

„Man soll nicht in Kirchen gehn, wenn man reine Luft atmen will.“ – Aph. 30

„Wer das Hohe eines Menschen nicht sehen will, blickt um so schärfer nach dem, was niedrig und Vordergrund an ihm ist — und verräth sich selbst damit.- Aph. 275

„Dante: oder die Hyäne, die in Gräbern dichtet. “ – Götzen-Dämmerung, Streifzüge eines Unzeitgemässen, 1.

„Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.“ – Sprüche und Pfeile, 8.

„Wie? ist der Mensch nur ein Fehlgriff Gottes? Oder Gott nur ein Fehlgriff des Menschen?“ – Sprüche und Pfeile, 7

„Diese ewige Anklage des Christentums will ich an alle Wände schreiben, wo es nur Wände gibt, – ich habe Buchstaben, um auch Blinde sehend zu machen… Ich heiße das Christentum den einen großen Fluch, die Eine große innerlichste Verdorbenheit, den Einen großen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist, – ich heiße es den Einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit […].“ – Kapitel 62

„Es steht niemandem frei, Christ zu werden: man wird nicht zum Christentum »bekehrt«, – man muss krank genug dazu sein.“ – Kapitel 51

„»Glaube« heißt Nicht-wissen-wollen, was wahr ist.“ – Kapitel 52

„Man nennt das Christenthum die Religion des Mitleidens. – Das Mitleiden steht im Gegensatz zu den tonischen Affekten, welche die Energie des Lebensgefühls erhöhn: es wirkt depressiv. Man verliert Kraft, wenn man mitleidet […]“ – Kapitel 7

„Die gewöhnlichste Lüge ist die, mit der man sich selbst belügt; das Belügen andrer ist relativ der Ausnahmefall.“ – Kapitel 55

„»Emanzipation des Weibes« – das ist der Instinkthaß des mißratenen, das heißt gebäruntüchtigen Weibes gegen das wohlgeratene.“ – Warum ich so gute Bücher schreibe, 5.

„Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit.“ – Warum ich ein Schicksal bin, 1.

„Das Königthum repräsentirt den Glauben an Einen ganz Überlegenen, einen Führer Retter Halbgott. Die Aristokratie repräsentirt den Glauben an eine Elite-Menschheit und höhere Kaste. Die Demokratie repräsentiert den Unglauben an große Menschen und an Elite-Gesellschaft: „Jeder ist jedem gleich.” „Im Grunde sind wir allesamt eigennütziges Vieh und Pöbel.”“ – Nachlass Sommer-Herbst 1884, 26 [282]

„Wir haben also als Missverständnis: […] eine kirchliche Ordnung, mit Priesterschaft, Theologie, Cultus, Sakramenten; kurz, alles das, was Jesus von Nazareth bekämpft hatte.“ – Nachlass, KSA 13: 11[295] (vgl. „Der Antichrist“, Kapitel 39 – 44)

„Jesus ist das Gegenstück eines Genies: Er ist ein Idiot.“ – Nachlass, KSA 13: 14[38] (vgl. „Der Antichrist“, Kapitel 29)

„Ich bringe den Krieg. Nicht zwischen Volk und Volk: ich habe kein Wort, um meine Verachtung für die fluchwürdige Interessen-Politik europäischer Dynastien auszudrücken, welche aus der Aufreizung zur Selbstsucht Selbst[üb]erhebung der Völker gegen einander ein Prinzip und beinahe eine Pflicht macht.“ – Nachlass, KSA 13: 25[1]

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Siehe auch: Nietzsches Philosophie im Vergleich zu Ayn Rands Objektivismus (Englisch; größtenteils ist seine Philosophie eher das Gegenteil, aber Nietzsche hat treffende Aphorismen verfasst)

Stephen Hicks: Egoism in Nietzsche and Rand (Englisch; weitere tolle Nietzsche-Zitate und Kritik an Nietzsche)