Ist doch egal, was Merkel sagt

Angela Merkel nannte die radikal-muslimischen Terroristen von Paris „gottlose Terroristen“. Nun, offensichtlich sind sie das nicht. Sie sind sehr gottreiche Terroristen. Ihr Gott ist ein Monster, aber das Wort ihres Gottes befolgen sie buchstabengetreu. Jedenfalls haben sich säkulare Humanisten über Merkels Aussage aufgeregt. Ich nicht.

Es ist mir egal, was Merkel sagt. Ich hoffe inständig, dass es der Frau nur um Macht geht und sie ihre Aussagen an Meinungsumfragen orientiert. Als die Atomkraft noch cool genug war, war sie dafür, dann kam Fukushima und sie war dagegen, obwohl sich nichts an Atomkraftwerken geändert hat. Sie hat viele Positionen der Sozialdemokraten, wie Mietpreisbremse und Mindestlohn, einfach kopiert, obwohl solche Ideen zuvor nicht die CDU beherrscht haben. Ihr scheint es nur um Macht zu gehen. Ich hoffe, dass es ihr nur um Macht geht. Denn wenn nicht, dann ist sie wahnsinnig. Dann folgen ihre Aussagen und Taten überhaupt keiner Richtlinie, sondern einem irrsinnigen Chaos in ihrem Kopf.

Normalerweise hätte ich mich über diese Aussage über die Terroristen aufgeregt, denn sie zeugt von Realitätsverlust. Die Anschläge haben alles mit Gott zu tun, sie haben alles mit Religion, mit blindem Glauben an willkürliche Behauptungen, wie „Allah will, dass du Ungläubige tötest, konvertierst oder unterwirfst“ zu tun. Und mit dem Respekt, der einer solchen religiösen Geisteshaltung entgegengebracht wird. So viel Respekt, dass man die Religion noch immer aus der Verantwortung nimmt, wenn Menschen für sie morden und versuchen, unsere Gesellschaft zu zerstören.

Ja, der Islamismus ist nicht vollkommen identisch mit dem Islam. Der Islamismus betont nämlich den weltlich-utopischen Aspekt des Islams stärker als der orthodoxe Islam selbst, nämlich die Etablierung eines islamischen Weltkalifats. Laut dem orthodoxen Islam sollen Ungläubige konvertiert, unterworfen (als Dhimmis) oder ermordet werden. Am Ende dieses Vorgangs würde im Grunde auch so etwas wie ein Weltkalifat herauskommen. Aber Mohammed hat nicht explizit ein Weltkalifat gefordert, in dem utopische Bedingungen bereits im Diesseits herrschen sollen, sondern seine Religion war stärker auf das Jenseits ausgerichtet. Allerdings: Mit den ganzen Sklaven und der Beute und der Unterwerfung von Andersgläubigen hat der Islam auch so schon weltliche Aspekte und ist weniger weltabgewandt als das Christentum. Zu dem stärkeren weltlichen Aspekt des Islamismus passt die Integration einer Methode linksradikaler Terrorgruppen der 1970er-Jahre bei den Dschihadisten: Die Hinrichtung von Geiseln im Fernsehen.

Ironischerweise ist mein Respekt für viele Politiker verschwunden, nicht, weil sie eine falsche Ideologie haben, sondern weil sie gar keine haben. Sie haben keinerlei logisch zusammenhängende Orientierung im Leben. Sie folgen einfach nur dem Zeitgeist. Der Grund, warum sie sich so sehr an Meinungsumfragen orientieren, ist nicht nur ihr Machtdurst, sondern auch die Tatsache, dass sie selbst keine Prinzipien haben. Das bedeutet, dass wir auch nicht wissen, was sie als nächstes tun oder sagen werden. Sie hängen ihre Fahne nach dem Wind. Und der Wind weht mal von dieser, mal von jener Richtung, bis irgendwann ein Sturm kommt. Wir brauchen wieder Politiker, die sich an Prinzipien orientieren, die wissen, was sie wollen.