Meine früheste Erinnerung

Soweit ich es nachvollziehen kann, ist mir gerade wieder die früheste Erinnerung aus meinem Leben ins Gedächtnis geraten, die ich noch abrufen kann. Ich glaube, ich war drei Jahre alt und habe draußen gespielt. Ein Spaziergänger hat mich gefragt, wie alt ich bin. Ich zeigte ihm drei Finger und sagte „so viel!“. Er sagte, ob ich denn nicht mit Worten sagen könnte, was das für eine Zahl ist. Ich schüttelte den Kopf. „Aber es ist so viel!“ Kann er denn nicht meine Finger zählen? Ich habe ihm doch die gewünschte Information auf verständliche Weise geliefert.

Und er meinte: „Das könntest du aber besser. Ist ganz schön schwach, dass du nicht weißt, wie alt du bist.“ Ich dachte, warum erwartet er von mir in dem Alter, so etwas zu wissen? Ich bin froh, dass ich meine Finger zählen kann. Das ist doch ganz schön… irrational, so etwas von mir zu erwarten. Und warum dieser herablassende Ton gegenüber einem Dreijährigen? Was bringt ihm das eigentlich, oder was bringt es mir? Fühlt er sich jetzt besser, dass er etwas besser kann als ein Dreijähriger?

Und genau das denke ich seitdem immer wieder. Wozu dieses irrationale Verhalten? Ich glaube fast, ich denke viel mehr über die Irrationalität von Irrationalen nach, als sie jemals über irgendetwas nachdenken. Dieses ständige Reflektieren über alles, was ich erlebe, ist sehr anstrengend. Mal sehen, ob die Meditations-Tipps von Sam Harris funktionieren. Angeblich kann man damit sein Bewusstsein abschalten. Ich hätte es mir schon lange verdient.

Wo ich gerade darüber nachdenke: Heutzutage sind viele Leute erfolgreich davon überzeugt worden, dass sie sich nicht relevant von Affen unterscheiden. Die haben schließlich viele Gene gemein mit uns (wie Bananen) und sie haben auch „Kulturen“ (Verhaltensvariationen zwischen Gruppen), haben ein Sozialverhalten (wie alle Tiere) und führen „Krieg“ (schlagen anderen Affengruppen die Köpfe ein). Vielleicht denken die Leute, die sich für Affen halten, so wenig über die Dinge nach, dass ihnen die Existenz ihres eigenen Bewusstseins nicht bewusst ist? Also das, was uns vornehmlich von Affen unterscheidet.

Mir hat jemand ernsthaft erzählt, dass er die meisten Dinge am Tag automatisch tut, ohne nachzudenken, und dass er darum nicht an den freien Willen glaubt. Darunter auch Dinge wie seine Arbeit und das Mittagessen (die Nahrungsaufnahme an sich mag man unbewusst tun, aber man denkt doch darüber nach, was man mag, wie es einem schmeckt, ob man etwas besser daran machen könnte, etc. Wie man unbewusst arbeiten kann, ist mir unklar). Ich frage mich seitdem, ob das stimmt. Denn wenn es stimmt, dann funktioniert mein Geist vollkommen anders als der von solchen Leuten. Vielleicht stimmt mit mir etwas nicht?