Das Universum ist bedeutungslos

Prometheus bringt den Menschen das Feuer (Heinrich Fueger 1817)

„Diese Arroganz eines nackten Affen auf einem kleinen Planeten am Rande einer Galaxie in einem riesigen Universum. Zu glauben, das wäre alles für uns geschaffen!“ (Michael Schmidt-Salomon, Sprecher der Giordano Bruno Stiftung).

Tatsächlich sind nur wir Menschen, wir „nackten Affen auf einem kleinen Planeten“, von Bedeutung. Das Universum ist weitgehend bedeutungslos und nur zu dem Grad, wie es uns selbst dient.

Das Zitat von Schmidt-Salomon ist insofern zutreffend, als das Universum nicht für uns geschaffen ist, weil es gar nicht geschaffen ist. Es war schon immer da. Aber es war historisch betrachtet für die Menschen keineswegs arrogant, davon auszugehen, dass das Universum für sie geschaffen wurde (geht man einmal davon aus, dass es überhaupt von einem bewussten Wesen geschaffen wurde). Wir sind die einzige denkende Lebensform, die uns bekannt ist, vielleicht die einzige, die es gibt. Da ist es als Arbeitshypothese naheliegend, davon auszugehen, dass das Universum für uns – diejenigen, die es als einzige bewerten und bewusst etwas damit tun können – da sein mag. In gewisser Hinsicht ist es auch wirklich für uns da, denn niemand sonst kann die Entscheidung treffen, das Universum für seine Zwecke zu nutzen. Kein Stein und kein Tier beansprucht das Universum. Wir wollen es haben und können es nehmen und sollen es nehmen.

Die Formulierung von MSS ist überaus merkwürdig, denn er scheint sich spezifisch über die Idee zu empören, das Universum wäre für uns geschaffen. Für uns – offenbar im Unterschied zu jemand anderem, für den es auch oder schon eher „geschaffen“ wurde (oder dem wir es überlassen sollen). Aber für wen sollte es sonst geschaffen worden sein? Für Tiere oder Steine? Diese Annahme war nie sinnvoll, da Tiere und Steine nur automatisch funktionieren, ihre physischen und biologischen Funktionen erfüllen, während der Mensch frei entscheidet und denkt und handelt. Wir sind das Außergewöhnliche im Universum. Es wäre sinnlos gewesen, die Erschaffung des Universums für etwas anderes anzunehmen als für uns.

Ich denke, das Universum ist tatsächlich unendlich und indifferent und wir sind ein Ergebnis der biologischen Evolution – aber das ändert gar nichts an dem außergewöhnlichen Status, den wir im Universum einnehmen. Zudem sind wir selbst ja nicht indifferent. Überhaupt ist diese Erkenntnis zwar eine faszinierende philosophische und wissenschaftliche Einsicht, aber für unser Leben nicht sonderlich wichtig.

Ebenso wurde die Erkenntnis, dass wir uns nicht geografisch im Mittelpunkt des Universums befinden, bereits zu Galileos Zeiten völlig überbewertet. Gut, dann befinde ich mich nicht geografisch im Mittelpunkt einer Sporthalle, sondern am Rand und spiele dort Basketball. Na und? Warum sollte unsere geografische Verortung irgendetwas über uns und unseren Wert aussagen?

Ebenso wurde die Erkenntnis Darwins, dass wir von einem affenartigen Wesen abstammen, als großer Schock empfunden. Auch das ist beinahe völlig egal für unser realistisches Selbstbild. Wir sind noch immer der Schöpfer und Lenker unserer selbst und wenn wir von einer Schlammpfütze abstammen (was, wenn man in der Erdgeschichte weiter zurückgeht, nicht ganz falsch ist). Wir sind auch die Schöpfer und Lenker von allem anderen auf der Welt. Und wir sind jetzt ohne Gott sogar die einzigen Schöpfer und Lenker. Also können wir umso weniger demütig sein – und nicht mehr.

„Tatsächlich ist das Universum von geringer Bedeutung – und nicht etwa wir.“

Diese ganzen Aussagen darüber, wie bedeutungslos unser Leben wäre angesichts des gewaltigen Universums, sind Unsinn. Unser eigenes Leben sollte für uns von höchster Bedeutung sein, völlig egal, wie groß der Raum ist, in dem wir uns befinden oder wer oder was sich sonst noch darin befindet. Bin ich weniger bedeutend, wenn ich in einer großen Sporthalle herumlaufe im Vergleich zu einem kleinen Fitnessraum? Auf so eine Idee würde niemals jemand kommen, aber beim Universum soll das anders sein. Da ist man auf einmal weniger bedeutend, wenn man sich in einem größeren Raum befindet. Wieso?

Für wen sollten wir eigentlich bedeutungslos sein? Für das Universum? Das Universum wertet nicht. Es denkt nicht, es lebt nicht einmal. Wir sind dem Universum nicht einmal „egal“, denn das wäre bereits eine Wertung. Das Universum ist einfach. Nur wir werten. Und nur wir können uns selbst für wertvoll oder wertlos halten. Ob wir Könige in einer Nussschale sind oder Könige von uns selbst, wir sind noch immer Könige. Wir sind die Einzigen, die irgendetwas erschaffen. Da ist es eher bescheiden zu glauben, jemand anderes habe uns erschaffen. Denn man ging früher davon aus, dass es noch einen weiteren Schöpfer gibt. Wie Nietzsche sagte: „Wenn es Götter gäbe, wie hielte ich’s aus, kein Gott zu sein! Also gibt es keine Götter.“ Und tatsächlich gibt es keine Götter.

Tatsächlich ist das Universum im Sinne des Weltalls von geringer Bedeutung – und nicht etwa wir. Schließlich hat es für uns, die Wertenden – und unseres Wissens nach die einzigen Wertenden im Universum – nur einen geringen Nutzen. Was bringen uns die ganzen Sterne und Planeten und Asteroiden, die Millionen Lichtjahre entfernt sind? Wir können spannende Geschichten darüber schreiben, wir können eines Tages einige Planeten in unserem eigenen Sonnensystem besuchen und vielleicht deren Rohstoffe nutzen – aber das war es auch schon. Der ganze Rest des Weltalls bringt uns fast gar nichts und ist somit relativ unbedeutend. Diese säkularisierte Demut ist ein weiteres Beispiel für das verweltlichte Christentum. Früher forderte man Demut angesichts der Größe Gottes, heute fordert man Demut angesichts der Größe des Universums.

Soweit meine hoffentlich inspirierenden Gedanken zu Weihnachten. Siehe auch meinen Artikel über das säkularisierte Christentum, falls noch nicht gelesen: http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0002645

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